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Deutschland ist gespalten weil es ahnungslos ist

Kommentar

Die CDU und SPD jammern erneut, dass die AfD vom Verfassungsschutz beobachtet gehört. Die AfD stänkert zurück, dass die Systemparteien allesamt sozialistisch sind und gegen das Volk arbeiten. Rund drei Viertel der Bundesbürger halten die AfD für eine Gefahr und die Hälfte würde es begrüßen, wenn der Verfassungsschutz die Partei beobachtet. AfD-ler wiederum haben ganz andere Vorstellungen davon, wem sie als Regierungspartei wie geheimdienstlich wie auf die Pelle rücken würde.

Deutschland ist gespalten und einer der Hauptgründe dafür ist (verordnete) Ahnungslosigkeit. Im Schulsystem erhält man eine veheerend dünne Bildung zu den Staaten, Supermächten, Geheimdiensten und Ideologien.

Würde man bei Umfragen abklappern, was der Befragte denn überhaupt weiß, wäre das Ergebnis wohl zum Schieflachen.

Die „freiehitliche“ Demokratie in ihrer herkömmlichen Form hat einen gravierenden Konstruktionsfehler: Es übersteigt die zeitlichen Kapazitäten und den Bildungshorizont des einzelnen Bürgers, hunderte und tausende von Politikern regelmäßig gründlich zu untersuchen, die konfusen Ideologien zu verstehen und die Konsequenzen politischer Programme abzuschätzen. Auch heute wissen Politikwissenschaftler, dass Wähler keine Wahlprogramme lesen, sondern grob nach Gefühl, nach ideologischer Präferenz und nach oberflächlichen Sympathien für politische Kandidaten ihr Kreuz machen. Gäbe es ein kurzes Quiz, das auf dem Wahlzettel einigermaßen korrekt beantwortet werden muss, um die Stimme gültig zu machen, wären wohl dauerhaft mehr als drei Viertel der Wahlzettel ungültig.

Schuld sind für Linken prinzipiell das Bürgertum, die Konservativen, Liberale, Konzerne sowie die individuellen Rechte auf Unternehmertum, Privatbesitz und Handel. Nur die Sozialdemokratie oder der Sozialismus könnte die Probleme beenden, heißt es, obwohl die Linken sich 100 Jahre lang gegenseitig massakriert haben wegen der Frage, welche Art von Sozialismus nun die richtige sei. Meinungsforscher fanden heraus, dass junge Amerikaner in erschreckendem Maße den Sozialismus als System bevorzugen, weil sie glauben, dass Sozialismus einfach bedeutet, „anderen Menschen zu helfen“. Viele kennen also nicht einmal eine grundsätzliche Definition des Sozialismus und können keine fünf Grundrechte aufzählen, dürfen aber wählen gehen. Eine Diskussion zwischen zwei belesenen Vertretern unterschiedlicher sozialistischer Strömungen ist hingegen ein verbissener Kampf um verquaste und realitätsfremde Theorien von Marx (Hochstapler), Lenin (revolutionärer Terrorist) und Mao (kompletter Psychopath).

Die politische Mitte hält Abweichungen von der Mitte für die Ursache der miesen Zustände, merkt aber nicht, in welchem Umfang die Industriekartelle und der Staat immer mehr zusammenwachsen (Wesensmerkmal des Faschismus) und wie der Staat zunehmend jeden Aspekt unseres Lebens reguliert und besteuert (Wesensmerkmal des Sozialismus).

Die Konservativen machen die Mitte und die Linken verantwortlich für die Misere und predigen Lösungsansätze, die von sinnvoll über altbacken bis hin zu nationalsozialistisch reichen. Je größer die konservative Provokation, umso eher verbünden die Mitte und die Linke sich gegen rechts. Sobald Konservative über klassische Familienwerte und Kultur hinaus ihre Ideen ausformulieren, merkt man leider zu häufig gravierende Bildungslücken und Falschüberzeugungen. So werden in der Partei „Alternative für Deutschland“ beispielsweise die gefährlichen Irrtümer geglaubt, Bismarck sei ein dicker Freund des russischen Zarenreichs gewesen, Putins heutiges Regime sei akzeptabel und vertrauenswürdig und wir bräuchten eine wirtschaftliche und politische Integration „Eurasiens“ von Lissabon bis Wladiwostok. Dann hatte ein AfD-Landtagsabgeordneter in einem Buch geschrieben, die Protokolle von Zion seien „mutmaßlich echt“ und der Amerikanismus sei der „alte jüdische Glaube vom neuen irdischen Jerusalem.“ Weitere Skandale entstanden um Äußerungen von AfD-Funktionären, die Anspielungen auf das Dritte Reich enthielten. Der Verdacht liegt nahe, dass diese Politiker einfach das glauben, was sie in stereotypen Verschwörungsbüchern und rechtsrevisionistischen Werken gelesen haben und Patriotismus daran messen, wie sehr jemand diese Ansichten teilt. Die Linken nehmen dies zum Anlass, gemäß ihrer „antifaschistischen“ Tradition den Kampf aufzunehmen und sich stärker mit der politischen Mitte zu verbrüdern, wobei sie aber von linksrevisionistischer, linksradikaler Literatur getrieben sind.

Ein bisschen Recht haben natürlich alle von den verschiedenen politischen Gruppen, aber eben nur ein bisschen. Und unser Nachwuchs wird immer dümmer: Eine Umfrage mit 7500 Schülern aus Deutschland ergab, dass viele den wesentlichen Unterschied nicht nennen können zwischen der Bundesrepublik, der DDR und Nazideutschland. Nur die Hälfte wusste überhaupt, dass der NS-Staat zweifellos eine Diktatur war. Nur ein Drittel der Kinder bewertete die DDR als diktatorisch. Es war dabei unerheblich, ob die Schüler irgendwelche Pflichtbesuche in Gedenkstätten absolviert hatten, oder Wanderausflüge ins Grüne. Im Prinzip ist dieser gravierende Bildungsmangel vergleichbar mit Analphabetismus oder der Unfähigkeit zu grundlegenden Rechenarten. Wie zu erwarten, spulte die Politik nach dieser vernichtenden Studie das übliche Programm ab und erklärte, Schuld an den Zuständen seien die Bundesländer und deren Schulen, sowie mangelnde Steuergelder. Nur mehr Steuergelder für mehr Gedenkstätten und mehr Schulunterricht könnten diese Zustände beenden. Während wir immer dümmer werden, wird die Welt immer gefährlicher durch ABC-Waffen, Schuldenberge, den Verlust von Grundrechten und die Zentralisierung von Macht.

Die Geschichtsforschung und die Politikwissenschaft haben es nie gewagt, zu untersuchen, ob die hochkomplizierten, sichtbaren westlichen Machtstrukturen nur eine Ablenkungsmaschinerie sein könnten, hinter der sich ein höchst altmodisches Herrschaftssystem verbirgt. Die einzigen, die die Verhältnisse zumindest stärker hinterfragt haben, waren die Autoren der herkömmlichen Verschwörungsliteratur, aber diese verhedderten sich in Mythen und Desinformation und vermochten es nie, eine Art wissenschaftliche Verschwörungsforschung hervorzubringen.

Es wäre naheliegend, an einer ernstzunehmenden Universität eine gemischte Fakultät zu etablieren und unter einem Dach ideologiefreie Experten zusammenzubringen für u.a. Kriminologie, Geheimdienste, Geschichte, Politikwissenschaft, Psychopathologie, Sozialwissenschaften und Jura.

Bisher gibt es so etwas nicht und deshalb werkeln einzelne Akademiker und Studenten in ihrem begrenzten Bereich vor sich hin. Der Journalismus-Student lernt in seinen Vorlesungen nichts über Geheimdienste, Kriminologie, Militärgeschichte oder Psychopathologie, soll aber später in einer Redaktion über bewegende Weltereignisse schreiben. Der angehende Jurist erstickt in Paragraphen und hat keine Zeit, über seinen Tellerrand zu gucken. Der Psychiater diagnostiziert depressive und emotional instabile Patienten, versteht aber das Ausmaß der Psychopathie und des Narzissmus in der Gesellschaft nicht. Der Historiker weiß zu wenig über die Psyche der von ihm betrachteten zeitgeschichtlichen Personen oder über die Rolle von Geheimdiensten und er muss um irgendwelche Forschungsgelder buhlen und gefällige Arbeiten abliefern.

Niemand in diesen akademischen Fächern ist scheinbar zuständig für das Thema Verschwörungen. Weil es unnötig ist? Weil überhaupt nur amateurhafte Verschwörungstheoretiker systematische und bewusste Bösartigkeit als Ursache betrachten für bedeutende Ereignisse weltweit?

Man nimmt reale Verschwörungen äußerst ernst bei den Landeskriminalämtern, beim Bundeskriminalamt, beim Verfassungsschutz, beim Bundesnachrichtendienst, beim Militärischen Abschirmdienst, bei den Sicherheitsabteilungen von Großkonzernen, bei privaten Sicherheitsfirmen und erst recht im Kanzleramt. Einige Beamte verbringen ihren gesamten Tag damit, Verschwörungen aufzuspüren, die von anderen Ländern, Geheimdiensten, Terrorgruppen oder dem organisierten Verbrechen unternommen werden. Diese Beamten stammen aus dem gehobenen Polizeidienst oder hatten ursprünglich Jura studiert oder wurden direkt an den Universitäten angeworben, weil sie bestimmte Kriterien erfüllten. Man testet solche Kandidaten gründlichst auf ihre Eignung und steckt die besten davon in besondere Ausbildungseinrichtungen, zu denen der Rest der Bevölkerung keinen Zutritt hat. Gerade bei den höheren Ebenen der Geheimdienste laufen die Fäden diverser Wissenschaften zusammen und man bedient sich munter bei einer Bandbreite verschiedenster Forschungsergebnisse. Weiter unten sind die einzelnen Bereiche getrennt, sodass Sprachexperten Textfragmente übersetzen, deren inhaltliche Bedeutung sie nicht verstehen, Analysten Berichte schreiben und nie erfahren, ob diese einen Einfluss auf höhere Stellen haben, oder Agenten irgendwelche Missionen erfüllen, deren letztendlichen Sinn sie gar nicht erfahren dürfen. Kriminalbeamte praktizieren natürlich auch eine Aufgabenteilung und spezialisieren sich beispielsweise auf die Drogenfahndung oder auf die Jagd nach Terroristen.

So werden allerhand Verschwörungen aufgedeckt und bekämpft. Aber was wäre mit Verschwörungen, die die höchsten Ebenen der deutschen Regierung und der deutschen Geheimdienste selbst betreffen? Dafür ist der gewöhnliche Geheimdienstler oder BKA-Fahnder nicht zuständig, dafür werden keine Dienstanweisungen erteilt und keine Mittel bereitgestellt, dafür gibt es keine Mechanismen und keine Ausbildung. Als einmal talentierte Steuerfahnder in den Geldströmen der hohen hessischen Politik fachmännisch herumstocherten, wurden sie kurzerhand versetzt, als paranoid und dienstunfähig eingestuft.

Wer ist also in Deutschland zuständig dafür, nach Verschwörungen in den höchsten Ebenen der Regierung zu fahnden und diese konsequent zu bekämpfen? Genau genommen die Regierung selbst. Und das ist das genaue Gegenteil von Gewaltenteilung. Die Presse kann diese Aufgabe nicht übernehmen, weil sie dafür weder die Ausbildung besitzt, noch die notwendigen Strukturen.

Als herauskam, dass die amerikanische Spionagebehörde NSA das Handy der Kanzlerin und einige weitere wichtige Ziele in Deutschland abhörte, wurde praktisch klar, dass die US-Regierung aktiv nach Verschwörungen in den höchsten Ebenen des deutschen Staates Ausschau hält. Wer aber ist nun dafür zuständig, in den höchsten Ebenen der USA nach Verschwörungen zu forschen? Die US-Regierung selbst und die amerikanischen Massenmedien. Dies scheint oberflächlich zu funktionieren, angesichts solcher Skandale wie Richard Nixons Watergate oder Donald Trumps Russland-Verwicklungen. Aber trotz Nixons Rücktritt wegen einer kleinen illegalen Abhöraktion schnüffelten die NSA, die CIA und das FBI weiter, was das Zeug hielt. Trotz der theatralischen Ermittlungen wegen den Russland-Kontakten von Trump und dessen Team wagt niemand die These, dass Trump wahrscheinlich eher im Sinne westlicher Geheimdienste agierte als im Auftrag östlicher. Auch beleuchtet praktisch niemand, wie die mächtigsten US-Konzerne und politischen Elite-Clubs die letzten 100 Jahre lang verheerende Russlandgeschäfte tätigten.

Man darf nicht pauschal den Fehler machen, die mangelnde Qualität der Verschwörungsliteratur und der Verschwörungs-Medien des Internetzeitalters als Grund dafür herzunehmen, keine besseren Forschungen zu betreiben und sich mit der Widerlegung gängiger Mythen zu begnügen.

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