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Die Spionage ist längst wieder im Kalten Krieg angekommen

Mit einem einzigen gutplazierten Spion spart man sich das mühselige Brechen von Verschlüsselungssystemen oder das Abhören und Analysieren von Unmengen an Datenverkehr.

Anfang bis Mitte der 1930er Jahre galt als die Zeit der “großen Illegalen” in den Vereinigten Staaten; einige der fähigsten Agenten waren nicht einmal gebürtige Russen, sondern kosmopolitische, mehrsprachige Mitteleuropäer die für die Komintern im Untergrund gearbeitet hatten bevor sie sich der Tscheka anschlossen und den visionären Glauben an ein kommunistisches Utopia teilten. Arnold Deutsch, der Hauptanwerber von Studenten und Jungakademikern an der Eliteuniversität Cambridge, war ein österreichischer Jude. Nach einer Reihe eher kleinerer Aufträge brillierte er bei seiner Mission in Großbritannien, seine Rekruten landeten alle später im britischen Außenministerium oder im britischen Geheimdienst. Seine Rolle wurde erst 1990 offiziell vom KGB eingestanden; viele Details sind noch geheim. Der erfolgreichste Illegale des russichen militärischen Nachrichtendienstes war lange Zeit der Deutsche Richard Sorge. Erfolgreich beschaffte man diplomatische Chiffrierschlüssel und Dokumente von korrumpierbaren Leuten, die nicht von einer Ideologie, sondern von Geld und Sex angetrieben wurden. Der Verführer Dmitri Bystroletow (Codename HANS und ANDREJ) umgarnte weibliche Angestellte in den Büros wichtiger Einrichtungen; 1927 gelangte er über eine 29-jährige Angehörige der französischen Botschaft an diplomatische Chiffrierschlüssel und geheime Mitteilungen.

Zu den sogenannten “Selbstanbietern” während dem kalten Krieg gehörte Corporal James Morrison von der kanadischen RCMP; er bot dem KGB seine Dienste für zunächst 5000 Dollar an und verriet mit seinen Informationen u.a. den russischen Agenten Jewgeni Brik, der nach langer Zeit zu den Kanadiern übergelaufen war und dafür schließlich von den Russen nach Moskau gelockt und verhaftet wurde. Der Überläufer Robert Lee Johnson war ein unzufriedener und verschuldeter Sargeant der US Army. Als Bewacher der Kurierzentrale der US Army auf dem Pariser Flughafen Orly, eine der Hauptschnittstellen des geheimen militärischen Kommunikationssystems, übergab er 1600 Seiten an Material an die Russen: Chiffren und Tagestabellen für die Codemaschinen Adonis, KW-9 und HW-18, die Operationspläne des Oberkommandos der US-Streitkräfte in Europa, Dokumente über die Produktion von Atomwaffen und weiteres sensibles Material. Zum Verhängnis wurde Johnson, dass es auch auf der anderen Seite Unzufriedene gab; er wurde 1964 aufgrund eines Hinweises des russischen Überläufers Nosenko festgenommen. Zwei NSA-Bedienstete namens Mitchell und Martin waren dermaßen überzeugt davon, dass die Sowjetunion der bessere Ort zum Leben sei, dass sie nicht nur zu den Sowjets überliefen, sondern gleich auch übersiedelten. Schnell machte sich eine tiefe Ernüchterung breit, da war es allerdings bereits zu spät. Zu den aktuelleren Fällen zählt Herman Simm, er arbeitete von 1995 bis zu seiner Festnahme am 19. September 2008 als Agent des russischen Geheimdienstes SWR. Der SPIEGEL berichtet:

“Während dieser Zeit stieg er im estnischen Verteidigungsministerium auf zum Chef der nationalen Sicherheitsbehörde und organisierte den Nato-Beitritt Estlands. Simm hatte Zugang zu geheimsten Dokumenten. Im Ministerium war er unter anderem zuständig für die Sicherheitsüberprüfung von Mitarbeitern, Geheimhaltung und Verschlüsselungstechnik.

Bis 2002 arbeitete Simm zeitweise auch für den deutschen Bundesnachrichtendienst. Am 25. Februar 2009 wurde er zu zwölfeinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt.”

Sein größter Scoop wären die Informationen über alle enttarnten russischen Spione innerhalb der Nato gewesen, quasi das gesamte Wissen der Spionageabwehr. Er startete seine Karriere im sowjetischen Innenministerium 1970 und arbeitete im estnischen SSR bis 1991.

Glorifizierung

Nicht nur in Russland sehen wir eine Glorifizierung der Spionage und Nachrichtendienstveteranen in politischen Schlüsselpositionen. Die Schauspielerlegende Robert DeNiro wagte sich 2006 für “Der gute Hirte” an die elitäre Geheimgesellschaft “Skull and Bones” und deren Einfluss auf den Geheimdienst OSS sowie den Nachfolger CIA. Während dem US-Präsidentschaftswahlkampf 2004, bei dem je ein “Bonesman” von der demokratischen und der republikanischen Partei gegeneinander angetreten waren, erregte die ungewöhnliche “Studentenverbindung” Aufmerksamkeit in den Massenmedien. George Walker Bush und Senator John Kerry wechselten bei einer Nachfrage schleunigst das Thema:

Der Zuschauer verfolgt in “Der gute Hirte” das Leben des Yale-Studenten Edward Wilson (Matt Damon) von seiner bizarren, rituellen Aufnahme in die Verbindung Skull and Bones und somit das angloamerikanische Establishment bis hin zum Bau des CIA-Hauptquartiers in Langley/Virginia. Seine Ehe und die Beziehung zu seinem Sohn sind eine Katastrophe, das Agentendasein ist geprägt von Paranoia und Verrat, aber dennoch kann er nicht ablassen von seinem Kampf gegen das Nazi-Regime und später die Sowjetunion. Obwohl der zweite Weltkrieg eine bedeutende Stellung im Film einnimmt, sieht man praktisch keine regulären Kampfhandlungen. Wie in Soldatenuniform auf dem Schlachtfeld gekämpft wird, sieht man in zahllosen Kriegsfilmen, während sich “Der gute Hirte” konzentriert auf die Spione; diejenigen deren Handlungen nicht nur vor dem Feind verborgen bleiben sollen, sondern wegen der oft illegalen Geheimoperationen auch vor der eigenen Bevölkerung zu Hause.

Der Zuschauer erhält den Eindruck, als betrachte er die Elitekrieger und Wächter der freien Welt. Menschen die alles aufopfern aber beharrlich weiter ihre Pflicht tun, damit die gewöhnlichen Bürger ruhig schlafen und ein Familienleben genießen können. Man wird ermuntert, im Hinblick auf die Bonesmen und die CIA über Folter, Mord, illegale Staatstreiche im Ausland und Korruption hinwegzusehen, denn immerhin bekämpften die Bonesmen doch Nazis und Sowjets. Man verbindet Bones-Familien wie Bush, Aldrich, Harriman, Kellog, Rockefeller und Vanderbilt eigentlich mit Begriffen wie Raubbarone und Geldadel, praktisch das Gegenteil eines freien Marktes und einer rechtsstaatlichen Gesellschaft mit fairem Wettbewerb, bei dem Tugenden zählen an Stelle von Herkunft und Familienvermögen.

Wieviele Bürger in den USA und dem Rest der sogenannten freien Welt halten insbesondere nach 9/11 letztendlich das Argument für ausschlaggebend, dass man Freiheit und Recht nun einmal opfern müsse zugunsten der Sicherheit? Verdienen Leute wie die Bonesmen nicht für ihren Kampf gegen Nazis und Sowjets die Positionen der Macht die sie innehalten und den traumhaften Reichtum? Man sollte für die Beantwortung dieser Frage wohl kaum einen Hollywood-Film als Grundlage hernehmen. Die überaus akribischen Recherchen des Historikers Antony Sutton stellen die Darstellungen in “Der gute Hirte” völlig auf den Kopf: Skull and Bones ist eben nicht eine uramerikanische Einrichtung, auf die die freie Welt angewiesen war bzw. ist. Es handelt sich stattdessen um die einflussreiche Abteilung einer internationalen Geheimgesellschaft, die ihre Herrschaft durch gezielt geschürte Krisen ausweitet. Es waren ausgerechnet Bonesmen gewesen, die die sozialistischen Revolutionen in Deutschland und Russland finanziert hatten.

Über Banken wie Guaranty Trust Company, Union Banking Corporation und Brown Brothers Harriman floss dringend benötigtes Geld an die Führungsriege der NSDAP und die Revoluzzer unter Lenin. Mit Geld aus dem Ausland, Know How und industriellen Gütern konnten das geschlagene Deutschland und das technisch weit hinterher hinkende Russland eine Kriegsmaschinerie aufbauen die die Welt noch nicht gesehen hatte. Zwei Drittel von allen großen sowjetischen Industrieprojekten wurden durch amerikanische Hilfe ermöglicht, der Rest kam zustande durch Briten, Deutsche, Franzosen, Italiener und andere.

Neue Weltordnung

Die Beziehungen heute zwischen den zentralen Kräften in Russland, Europa und den USA sind wesentlich komplexer als es auf den ersten oder zweiten Blick den Anschein hat. Alle Blöcke sprechen auf ähnliche Weise davon, dass sie die Führungsrolle in einer “Neuen Weltordnung” einnehmen wollen.

Die allgegenwärtige Spionage führt auf jeden Fall zu einer Auflösung von nationaler Souveränität und ermöglicht die Absorption sämtlicher Länder in eine neue Weltordnung, unabhängig davon wie die Namen derer lauten, die in dieser Weltregierung führende Posten einnehmen.

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7 comments

Harald Schmitz 17. Mai 2014 at 15:32

Man will ja keine Arbeitslosen Geheimdienste!

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Tony Ledo 4. Juli 2010 at 18:06

Ein sehr großes Problem für die großen Industriestaaten ist die Industriespionage. Einiges der im Namen der Terror-Bekämpfung auf den Weg gebrachten Sicherheits-Infrastruktur an Flughäfen wie aber auch in Bezug der Durchleuchtung von Geld-Transfers dient viel mehr dem Kampf gegen Spionage als dem öffentlich ausgewiesenen. Das vorgebliche Ziel – Auschaltung von Terror-Aktivitäten – erschien zur Mittelbeschaffung, neben der ermöglichten Bürgerdurchleuchtung- und Kontrolle, für den eben besagten Fall als bestens geeignet.

Sicherlich, sollte sich jemals der Erkenntnisstand in den Wissenschaften und damit die technischen Standards international immer mehr gegenseitig annähern bis hin zu einer Fast-Deckung, wären dann theoretisch nationale Grenzen überschritten und eine Quasi-Kapitulation in Form eines Eingeständnisses der Unabweisbarkeit einer NWO nur logisch. Insofern könnte eine gewisse Absicht in einem solchen Vorgang vorläufig noch vorsichtig unterstellt werden – – Interessanter Aspekt – guter Artikel!!!

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Luke 4. Juli 2010 at 17:05

http://www.uni-due.de/de/presse/meldung.php?id=2219

Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

Internationale Fachtagung
Eine neue Weltordnung in Sicht?

[01.07.2010] Finanzkrise, Umweltbelastungen, Handelsfragen; die Welt hat viele Baustellen. Auf der internationalen Konferenz „Beyond Crisis – The Future of Global Order(s)” diskutieren Experten aus aller Welt wie eine neue politische Ordnung aussehen könnte, die diese Probleme bewältigt. Die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (DGVN) lädt, zusammen mit dem Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Stiftung Entwicklung und Frieden (SEF), am 1. und 2. Juli nach Bonn ein.

Wenige Tage nach den Treffen der acht größten Industrienationen (G-8) und der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) in Kanada werden auf der englischsprachigen Fachtagung aktuelle Entwicklungen in der Weltpolitik systematisch aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Unter den Teilnehmern sind hochkarätige Redner aus acht verschiedenen Ländern. Dr. Cornelia Ulbert von der UDE, die die Konferenz organisiert hat, freut sich: „Wir konnten wirklich tolle Referenten für die Tagung gewinnen.”

Weitere Informationen: http://www.dgvn.de/veranstaltung.html
Dr. rer. pol. Cornelia Ulbert , Tel. 0203/379-4422 begin_of_the_skype_highlighting 0203/379-4422 end_of_the_skype_highlighting

Redaktion: Robin Writsch, Tel. 0203/379-2429 begin_of_the_skype_highlighting 0203/379-2429 end_of_the_skype_highlighting

Alle Pressemitteilungen der UDE finden Sie unter:
http://www.uni-duisburg-essen.de/de/presse/pm.php

Die Homepage der Pressestelle:
http://www.uni-duisburg-essen.de/de/presse/

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vollbremsung 2. April 2014 at 17:18

Wäre interessant, wenn du da mal mit paar kritischen Fragen die Teilnehmer grillst – und das gleich mit dem Handy für YouTube mitschneidest…

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Dirk Mahlke 3. Juli 2010 at 19:04

Wir können doch in Berlin unsere Besatzungsmächte um Hilfe bitten. Wir haben ja noch unseren Sonderstatus und gehören ja nicht zur BRD.

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Hermann 3. Juli 2010 at 18:42

“Allgegenwärtige Spionage” gab es immer schon in der Geschichte, in der einen oder anderen Form.

Der Unterschied zwischen dem Westen und dem Osten im Kalten Krieg war, dass der Westen hauptsächlich den Osten bespitzelte, während der Ostblock grundsätzlich auch seine Untertanten überwachte (Stasi). Wenn bei uns also immer mehr am Bürger gehorcht wird, nähern wir uns de facto dem Ostblock an, egal, welche Ausreden die Politiker und Beamten brabbeln.

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