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Der Staat weiß exakt, wie schlecht die Bürger vorbereitet sind

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat 2011 ein dickes, wissenschaftliches Buch veröffentlicht mit dem umständlichen Titel „Empirische Untersuchung der Realisierbarkeit von Maßnahmen zur Erhöhung der Selbstschutzfähigkeit der Bevölkerung“. Es geht schlicht darum, wie man die Bevölkerung endlich dazu animieren kann, die eigene krasse Verwundbarkeit zu verringern. In verblüffendem Detail hat man genauestens analysiert, wie schlecht die Bürger vorbereitet sind und wie man diesen Zustand beheben kann. In dem Unterkapitel „Kapazitätsgrenzen professioneller Hilfe“ heißt es:

Dies gilt umso mehr, als dass bei großen und ungewöhnlichen Schadenslagen die Ressourcen der Rettungskräfte schnell an ihre Grenzen stoßen und den Katastrophenschutz überfordern können. Eine Überforderung war laut Grothmann (2005: 12) bei der Elbe-Flut des Jahres 2002 klar erkennbar, und zwar „sowohl in finanzieller als auch in organisatorischer Hinsicht.“ Die Bevölkerung hat es in solchen Situationen unter Umständen nicht nur mit einer vergleichsweise kurzen Isolationsphase vor dem Anlaufen direkter staatlicher Hilfe zu tun.

Es werden alle möglichen Gefahrenquellen aufgezählt, von Beinahe-Katastrophen in schwedischen Atomkraftwerken über Vulkanausbrüche in der Eifel bis hin zu Epidemien. Wegen „Zeiten relativer Ruhe“ wurden jahrelang die Mittel für den Zivilschutz zusammengestrichen und man verhinderte eine Behandlung des Themas im Schulunterricht.

„Das Phänomen, dass Menschen allgemein dazu neigen, wenig Vorsorge für Ereignisse geringer Wahrscheinlichkeit, aber möglicherweise fatalem Schadensausmaß zu treffen, ist durch die (vor allem US-amerikanische) Katastrophenforschung hinreichend dokumentiert.“

Die Menschen unterschätzen Gefahren, nicht zuletzt wegen des jahrelangen Ignorierens des Themas durch staatliche und private Medien, und daher ist „die Persönliche Notfallvorsorge für die meisten Menschen nicht relevant.“

„Das gilt auch für Bewohner von stark gefährdeten Gebieten, die – wie Kunreuther zeigte – erschreckend wenig Vorkehrungen gegen die Bedrohungen vor der eigenen Tür getroffen hatten und deren Wissen in Bezug auf die Gefahr erstaunlich begrenzt war.“

Katastrophen müssen sich wegen der Vollkasko- und Blaulichtmentalität in der Bevölkerung immer erst ereignen, bevor sie zum öffentlichen Thema werden. Falls in den nächsten paar Jahren die Russen das Baltikum oder die gesamte Ukraine überfallen, sind wohl auch die letzten Zweifel am Selbstschutz beseitigt. Die staatliche Forschung hält fest, dass es vieler verschiedener Vorbereitungsmaßnahmen bedarf, während die meisten Menschen sich gerade einmal um Versicherungen, Brandmelder und Feuerlöscher kümmern. Rund ein Drittel der Befragten hat nur eine einzige Vorsorgemaßnahme getroffen, knapp 20% können zwei Maßnahmen verbuchen, 6% der Menschen haben in drei Bereichen vorgesorgt. Weniger als ein Prozent kommt auf vier Vorsorgemaßnahmen. Sieben bzw. acht Maßnahmen haben nur 0,07% der Menschen ergriffen. Eine Studie aus dem Münsterland kam zu dem Ergebnis, dass Haushalte in Deutschland nur drei bis fünf Tage selbstständig überbrücken können. Prinzipiell bereiten sich die Menschen vor auf wahrscheinlichere Probleme, die aber weniger gefährlich sind. Je gefährlicher und seltener die Krise, umso weniger Vorbereitungen gibt es.

Das Buch „Schutz Kritischer Infrastrukturen – Studie zur Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln“ des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe erklärt:

„Zwischen dem Ernährungssektor und den meisten anderen Sektoren bestehen gegenseitige Abhängigkeiten: Eine unzureichende Nahrungsversorgung beeinträchtigt die Funktionsfähigkeit aller Sektoren. Umgekehrt ist aber auch die Lebensmittelversorgung von der Funktionsfähigkeit anderer kritischer Sektoren abhängig. Dies gilt insbesondere für technische Infrastrukturen oder das Geld- und Finanzwesen, ohne die weder automatisierte Herstellungsverfahren noch reibungslose logistische Abläufe denkbar sind.“

Ein Großteil der Deutschen bezieht Lebensmittel ausschließlich oder fast ausschließlich über Supermärkte, die sogenannten „Discounter“. Dadurch liegt die deutsche Lebensmittelversorgung in den Händen weniger verschlossener Milliardärs-Familien und Stiftungen. Die Katastrophenforschung bezweifelt stark, dass die Discounter und deren Zentrallager bei etwas größeren Krisen in der Lage sind, eine Notversorgung aufrechtzuerhalten. Im Ernstfall entscheiden diese Multimilliarden-Konzerne über Leben und Tod der Bevölkerung. In der Zivilschutz-Forschung, bezahlt von dem zuständigen Ministerium für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, wird eindringlich geschildert, wie das Netz aus Zentrallagern und Filialen der Discount-Supermärkte in der Lage sei, in kleineren, lokal begrenzten Krisen die Versorgung mit Lebensmittel aufrechtzuerhalten, bei größeren Krisen allerdings schnell in ernste Nöte geraten würde. Gibt es zudem Probleme mit der Stromversorgung und der Datenverarbeitung, käme die Versorgung u.U. zum Erliegen.

„Um die Größe des Sicherheitspuffers zu erfassen, wurde der durchschnittliche Lagerbestand in Tagen voller Lieferfähigkeit unter der Annahme eines normalen Warenabflusses erfragt. Bei Lebensmitteln ohne besondere Klimatisierungsansprüche wie z.B. Süßwaren, Konserven, Nährmittel und Babynahrung reichten die Angaben von gut 7 Tagen bis zu 30 Tagen (Durchschnitt 18 Tage).“

Wenn die Datenverarbeitung und der Strom funktionieren, wenn also günstige Umstände vorherrschen, reichen die Bestände in den Zentrallagern rund zwei bis drei Wochen. Ohne Strom und EDV reden wir von nur wenigen Stunden bis zu einer Woche. Die Lager und die zu beliefernden Discounter-Märkte sind mit Stift und Papier kaum einsatzfähig. Wenn die ausländischen Lieferungen für Düngemittel und Tierfuttermittel ausfallen oder stark reduziert werden, wenn sich neue Resistenzen bilden in den Pflanzen gegen Schutzmittel, wenn Seuchen über Lebensmittel oder Futtermittel aus dem Ausland eingeschleppt werden, dann kann es gehörige Engpässe geben.

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