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Gruppennarzissmus: Die größte Triebkraft ist die Lüge

Ob Massenpartei, Antifa, White Power, Muslimbruderschaft, Chabad, Freimaurer, eine Kirche oder ein Militär: Unzählige Gruppen werben aggressiv um neue Mitglieder und wollen Ihre Zeit, Ihr Geld und Ihren Verstand. Was passiert, wenn eine ganze Gruppe narzisstische Eigenschaften aufweist? Das zerstörerische Potenzial und die Anziehungskraft vervielfachen sich. Wie bereits Gustave LeBon vor vielen Jahren treffend beschrieben hatte, verhalten sich Menschen in Gruppen anders, lassen sich von Stimmungen anstecken und betrachten sich als Teil eines größeren Organismus, der Berge versetzen kann. Um Gruppen zu erschaffen und erfolgreich zu machen, werden kollektive Identitäten geschaffen durch Namen, Symbole, Denkweisen, Traditionen, Zukunftspläne, Gründermythen, rassische Merkmale und natürlich durch Aus- und Abgrenzung. Manches davon ist legitim; vieles dagegen nicht. Genau wie bei der individuellen narzisstischen Persönlichkeitsstörung gibt es allerhand Warnzeichen, die man entsprechend deuten muss, um rechtzeitig das Weite zu suchen. Lassen Sie sich unter gar keinen Umständen von narzisstischen Gruppen einlullen und vor irgendeinen Karren spannen. Sie werden dabei nur Ihr Geld, Ihre Zeit, Ihre Nerven und Ihren Verstand los. Untersuchen Sie zunächst die Grundeigenschaften der Gruppe:

  • Wirbt die Gruppe mit unrealistischen Versprechungen? Werden einem in der Gruppe schrittweise unrealistische Versprechungen aufgetischt?
  • Ist sie wählerisch, was neue Mitglieder betrifft? Nach welchen Kriterien? Welche Kosten und welche anderen Forderungen sind realistisch auf Dauer zu erwarten?
  • Wie würde ein Ausstieg konkret verlaufen und welche Konsequenzen und Risiken wären dabei vorhanden?
  • Wie betrachtet die Gruppe Außenstehende und Andersdenkende? Will die Gruppe, dass ich den Kontakt zu Außenstehenden verringere oder gar ganz abbreche? Gelten Außenstehende gar als Feinde? Wer wird generell als Feind betrachtet und warum?
  • Welche Regen stellt die Gruppe auf? Wodurch steigt man in der Gruppe auf? Welche Sanktionsmechanismen gibt es, um die Einhaltung von Regeln durchzusetzen? Inwiefern gelten die Gesetze des Rechtsstaats auch in der Gruppe?
  • Inwiefern unterscheiden sich die höheren bzw. inneren Ebenen der Gruppe von den gewöhnlichen Ebenen?
  • Hat die Gruppe einen Gründungsmythos und falls ja, ist dieser glaubhaft und wissenschaftlich überprüfbar?
  • Was sind die Gedanken und Überzeugungen der Gruppe und sind diese wissenschaftlich haltbar?
  • Gibt es einen Guru-ähnlichen Anführer, der angeblich alles weiß und grandiose Eigenschaften und Fähigkeiten hat? Ist dieser transparent? Reich? Wenn ja, wodurch? Praktiziert die Führung das, was sie predigt?
  • Welche Pläne hat die Gruppe? Mit welchem Mitteln will sie diese Pläne in die Tat umsetzen?
  • Hat sie überzogene Macht- und Rachefantasien?
  • Übertreibt die Gruppe maßlos ihre bisherigen Leistungen und ihre Rolle in der Welt? Behauptet sie, in Kontakt mit deutlich größeren Kräften zu stehen? Stimmt das überhaupt? Wenn ja, wie sieht diese größere Gruppe aus?
  • Wie steht es mit kritischem Denken in der Gruppe? Wie geht sie mit Kritikern um? Das Verhältnis zur Gewalt? Versucht die Gruppe, mir zu erzählen was ich hören will? Arbeitet sie mit idealisierten, unrealistischen Darstellungen?

Das ganze Repertoire an narzisstischen Tricksereien und Täuschungsmanövern kann hier zum Einsatz kommen, um Sie hinters Licht zu führen, plus die Palette an gruppendynamischen Effekten, denen sich der ungeübte Mensch kaum entziehen kann. Der Franzose Gustave Le Bon äußerte 1895 in seinem Werk „Psychologie der Massen“ seine Frustration über narzisstische Gruppendynamiken, bevor überhaupt der Narzissmus entdeckt und komplett verstanden worden war:

Wenn auch die Massen die Dinge leidenschaftlich begehren, so wollen sie sie doch nicht für lange Zeit. Sie sind ebenso unfähig zu ausdauerndem Wollen wie zum Denken. Gleich dem Wilden läßt sie nicht zu, daß sich zwischen ihre Begierde und die Verwirklichung dieser Begierde ein Hindernis erhebt, umso weniger, als ihre Überzahl ihr das Gefühl unwiderstehlicher Macht gewährt. Für den einzelnen in der Masse schwindet der Begriff des Unmöglichen. Nichts erscheint der Masse unwahrscheinlich, und das darf man nicht vergessen, wenn man begreifen will, wie leicht die unwahrscheinlichen Legenden und Berichte zustande kommen und sich verbreiten.

Dazu muss man erklären, dass „die Massen“ immer narzisstischem Missbrauch ausgesetzt waren und die narzisstisch agierenden Eliten sich nicht gerade bemühten, logisches Denken und Bildung unter den einfachen Menschen zu fördern. Der Narzisst braucht immer andere Menschen und die Menschen glauben irgendwann, dass sie den Narzissten brauchen. Wer eine primitive Masse, die über Generationen indoktriniert wurde, mit schierer Logik konfrontiert, wird damit natürlich keinerlei Erfolg haben. Narzisstische Herrschaft wird so zu einer kranken, sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Die Bürger verlangen nach einem arroganten, mächtigen Schaumschläger und nach Gruppennarzissmus. Je abstruser die Behauptungen, umso erfolgreicher können sie sein, weil das Versprechen mitschwingt, die Gesetze der Natur brechen zu können.

Bevor der heilige Georg allen Kreuzfahrern auf den Mauern von Jerusalem erschien, war er sicher nur zuerst von einem von ihnen wahrgenommen worden. Durch Beeinflussung und Übertragung wurde das gemeldete Wunder sofort von allen angenommen. So vollzieht sich der Vorgang von Kollektivhalluzinationen, die in der Geschichte so häufig sind.

Man kann weit zurückliegende Gründermythen und Geschichten meist getrost vergessen.

Die Ereignisse, die von der größten Anzahl an Personen beobachtet wurden, sind sicher am zweifelhaftesten. Aus dem vorherstehenden folgt klar, daß die Geschichtswerke als reine Phantasiegebilde zu betrachten sind. Es sind Phantasieberichte schlecht beobachteter Ereignisse nebst nachträglich ersonnenen Erklärungen. Hätte uns die Vergangenheit nicht ihre Literaturdenkmäler, ihre Kunst- und Bauwerke hinterlassen, so wüßten wir nicht die geringste Tatsache von ihr. Kennen wir ein einziges wahres Wort über das Leben der großen Männer, die in der Menschheit eine hervorragende Rolle spielten? Höchstwahrscheinlich nicht.

Je mehr eine Gruppe Kontinuität und eine lange Geschichte behaupten kann, umso mehr steigt ihre Anziehungskraft. Dabei ist es mit der Kontinuität oftmals gar nicht so weit her:

Leider sind die Legenden selbst nicht von Dauer. Die Phantasie der Massen formt sie je nach den Zeiten und den Rassen um.

Le Bon verstand gruppennarzisstische Wut, ohne überhaupt eine genaue, moderne wissenschaftliche Definition von Narzissmus zur Verfügung gehabt zu haben:

In den Massen verlieren die Dummen, Ungebildeten und Neidischen das Gefühl ihrer Nichtigkeit und Ohnmacht; an seine Stelle tritt das Bewußtsein einer rohen, zwar vergänglichen, aber ungeheuren Kraft.

Kann ein Herrscher nicht mehr genügend narzisstische Strahlkraft bieten, Furcht und Begeisterung auslösen, wird er verachtet, also selbst zum Opfer narzisstischer Wut:

Die Massen erkennen die Macht an und werden durch Güte, die sie leicht für eine Art Schwäche halten, nur mäßig beeinflusst. Niemals galten ihre Sympathien den gütigen Herren, sondern den Tyrannen, von denen sie kraftvoll beherrscht wurden. Ihnen haben sie stets die größten Denkmäler errichtet. Wenn sie den gestürzten Despoten gerne mit Füßen treten, so geschieht das, weil er seine Macht eingebüßt hat und in die Reihe der Schwachen eingereiht wird, die man verachtet und nicht fürchtet.

Das Wunderbare und das Legendäre sind tatsächlich die wahren Stützen einer Kultur. Der Schein hat in der Geschichte stets eine größere Rolle gespielt als das Sein.

An dieser Situation hat sich bis heute nichts geändert, wenngleich auch in den Industrieländern praktisch jeder lesen kann und zumindest in seinem Beruf und bei manchen anderen Dingen ein begrenztes Maß an Logik verwendet.

Für die Massen muss man entweder ein Gott sein oder man ist nichts.

Der Narzissmus setzte sich ununterbrochen fort, egal wie sehr sich die äußerlichen Umstände und Überzeugungen der Menschen veränderten.

Die Philosophen des vergangenen Jahrhunderts widmeten sich mit Eifer der Zerstörung der religiösen, politischen und sozialen Täuschungen, von denen unsere Väter viele Jahrhunderte gelebt hatten. Diese Zerstörung ließ die Quellen der Hoffnung und Ergebung versiegen. Trotz all ihrer Fortschritte hat die Philosophie nicht vermocht, den Massen ein Ideal zu bieten, das sie bezaubern könnte. Da ihnen aber Täuschungen unentbehrlich sind, so wenden sie sich unwillkürlich, wie die Motte dem Licht, den Rednern zu, die sie ihnen bieten. Die große Triebkraft der Völkerentwicklung war niemals die Wahrheit, sondern der Irrtum.

Bevor der Sozialismus zu der offiziellen Staats-Ideologie Russlands und Chinas wurde und selbst im Westen Fuß fasste, erkannte Le Bon, dass es sich um einen primitiven Schwindel handelte:

Und wenn heute der Sozialismus seine Macht wachsen sieht, so erklärt es sich daraus, daß er die einzige Täuschung darstellt, die noch lebendig ist. Wissenschaftliche Beweisführungen können seine Entwicklung nicht aufhalten. Seine Hauptstärke liegt darin, daß er von Köpfen verteidigt wird, die die Tatsachen der Wirklichkeit genügend verkennen, um es zu wagen, den Menschen kühn das Glück zu versprechen. Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen mißfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.

In seinen Ausführungen verbergen sich sogar erste Ansätze für Lösungen des Dilemmas. Wer konkurrieren will mit Narzissmus, muss ihn verstehen, erkennen, eindämmen und sabotieren wo immer es geht und schließlich Wege finden, um attraktiv genug zu wirken, ohne selbst eindeutig narzisstische Techniken zu verwenden. Auch die Narzissten haben erhebliche Schwachpunkte, die sich ausnutzen lassen.

Le Bon beschrieb den typischen narzisstischen Anführer, bevor es überhaupt eine moderne Psychologie gab:

Die Masse ist eine Herde, die sich ohne Hirten nicht zu helfen weiß. Meistens sind die Führer keine Denker sondern Männer der Tat. Sie haben wenig Scharfblick und könnten auch nicht anders sein, da der Scharfblick im Allgemeinen zu Zweifel und Untätigkeit führt. Man findet sie namentlich unter den Nervösen, Reizbaren, Halbverrückten, die sich an der Grenze des Irrsinns befinden. So abgeschmackt auch die verfochtene Idee oder das verfolgte Ziel sein mag, gegen ihre Überzeugung wird alle Logik zunichte. Verachtung und Verfolgung stört sie nicht oder erregt sie nur noch mehr. Persönliches Interesse, Familie, alles wird geopfert. Sogar der Selbsterhaltungstrieb ist bei ihnen ausgeschaltet, und zwar in solchem Maße, daß die einzige Belohnung, die sie oft anstreben, das Martyrium ist.

Nicht die Gelehrten und Philosophen, vor allem nicht die Skeptiker, haben die großen Religionen geschaffen, die die Welt und die riesigen Reiche, die sich von der einen Erdhälfte bis zur anderen erstreckten, beherrscht haben. Die meisten Menschen, besonders in den Massen des Volkes, haben von nichts außerhalb ihres Berufsfaches eine klare und richtige Vorstellung. Sie sind nicht imstande, sich selbst zu leiten; so dient ihnen der Führer als Wegweiser. Er kann zur Not, aber nur sehr unzureichend, durch Zeitungen ersetzt werden, die ihren Lesern Meinungen anfertigen und Redensarten bieten, welche alles Denken ersparen.

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