Kommentar

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Anton Friesen, der im Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten sitzt, ist gebürtiger Kasache der in den 1990er Jahren als Kind mit seiner Familie als Migrant nach Deutschland kam. Vor dem Fall der Sowjetunion war es der Familie nicht möglich, nach Deutschland zu flüchten bzw. zu migrieren, weil “Republikflucht” im Ostblock streng verboten war.

Friesens Großeltern waren, wie auch andere Kasachstandeutsche, zu Stalins Zeiten in das tote Gebiet südlich von Westsibirien deportiert worden, weil man den Deutschstämmigen überhaupt nicht traute. Glück hatten sie, dass sie nicht gleich im Gulag landeten.

Trotz dieser Vergangenheit wirbt Friesen heute bei der AfD darum, dass wir Deutschen uns stärker auf das heutige russische Regime einlassen sollen. Die Sanktionen sollen weg.

„Es müssen dringend Spannungen abgebaut und die Beziehungen mit Russland wieder normalisiert werden.”

Die Bundesregierung soll gleich noch eins draufsetzen:

„Sie könnte beispielsweise auf EU-Ebene darauf hinwirken, eine Freihandelszone mit der Eurasischen Wirtschaftsunion zu schaffen. Freihandel wirkt friedensstiftend, und wo der Rubel rollt, rollen keine Panzer!“

Die Geschichte hat gezeigt, dass nur dann Panzer rollen können, wenn vorher genügend Rubel gerollt waren. Auch die Ukraine ist ein Beispiel dafür, denn letztendlich kosten solche russischen Unternehmungen viel Geld und benötigen viel Technologie. Wenn Europa überteuertes Gas und Öl aus Russland kauft und Russland dafür Technologie aus Europa kauft, haben wir die Vorraussetzungen für Krieg. Außerdem würde eine Freihandelszone zwischen Russland und EU auch freie Bahn bedeuten für russische Spionage.

Die von Friesen so verhasste NATO-Sphäre hatte den ganzen Kalten Krieg über zugelassen, dass elitäre Konzerne jede nur erdenkbare Technologie an den Ostblock verkauften. In den 1990er Jahren verkaufte eine europäische IBM-Tochter auch noch Supercomputer an die Russen, mit denen Atomtests simuliert werden können.

Nur wenn der Rubel rollt, können Panzer rollen.

Die Menschen haben vergessen, wie versessen bis zur Ukrainekrise 2014 europäische Machtkreise waren, den Nachfolger von Sowjetrussland zu fördern und einzubinden.

Der erste Präsident des Europäischen Rates, Hermann van Rompuy, forderte im Dezember 2012 eine Anbindung von EU an Russland für “Global Governance”:

“Russland und die EU haben viel zu gewinnen durch eine Kooperation. Beider Wirtschaft sind eng miteinander verbunden. Wir müssen weitere Fortschritte machen für ein neues Abkommen, um unsere zukünftige Zusammenarbeit auf eine solide rechtliche Basis zu stellen. Die EU und Russland können gemeinsam einen entschiedenen Beitrag leisten für Global Governance.”

Der deutsche Top-Manager und ehemalige Rothschild-Vertreter Dr. Klaus Mangold forderte beim St. Petersburg International Economic Forum exakt solche Schritte hin zu einer europäisch-russischen Wirtschaftsregierung von Lissabon bis Wladiwostok. Mangold lamentierte, dass Europa sich noch nicht genügend in Richtung Russland orientiert und möchte u.a. ein stark vereinfachtes Visumverfahren, weitaus offenere Grenzen für russische Produkte, ein “Kooperations- und Partnerschaftsabkommen” sowie eine Konzentration von Industrie.

U.a. die Süddeutsche Zeitung druckte Wladimir Putins “Plädoyer für eine Wirtschaftsgemeinschaft von Lissabon bis Wladiwostok” ab und gab dem russischen Präsidenten die Gelegenheit, ein von seinen KGB-Vorläufern langwierig vorbereitetes Drehbuch abzuspulen. Der Text im Gastbeitrag ist exakt das, was der sowjetische Überläufer Anatoliy Golitsyn bereits Mitte der achtziger Jahre als Teil der Langzeitpläne der Roten Aristokratie bezeichnete:

“Die Erschaffung eines einzigen Europa vom Atlantik bis zum Ural, einschließlich eines wiedervereinigten, neutralen Deutschlands.”

Der sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse verkündete im November 1991, nur zwei Jahre nach dem offiziellen Ende des kalten Krieges:

“Ich denke dass die Idee des Gemeinsamen Europäischen Hauses, die Errichtung eines vereinten Europas, und ich möchte heute unterstreichen, eines Großeuropas, ein großes, vereintes Europa vom Atlantik bis zum Ural, vom Atlantik bis Wladiwostok, das unser gesamtes Hoheitsgebiet miteinschließ, dass dieses Projekt unvermeidbar ist. Ich bin sicher dass wir es schaffen werden, auch einen vereinten militärischen Raum zuschaffen. Um es präziser auszudrücken: Wir werden ein vereintes Europa schaffen, dessen Sicherheit auf den Prinzipien einer kollektiven Sicherheitsstruktur aufbauen wird.”