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Mit den Tricks der Profis schützen vor Gewaltverbrechern

Je mehr Sie Ihre Bildung über gefährliche Persönlichkeiten vergrößern und zu konkreten Fällen lesen, umso leichter wird es Ihnen fallen, entsprechende Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und generell ein hartes, unattraktives Ziel abzugeben. Selbst Kinder können zumindest die grundlegenden Aspekte und vorsichtiges Verhalten lernen, also sollte es für uns Erwachsene machbar sein. In der Disney-Verfilmung des Märchens „Die Eiskönigin“ verliebt sich Prinzessin Anna auf den ersten Blick in den charmanten Prinzen Hans von den südlichen Inseln, sie singen das Lied „Liebe öffnet Türen“ und wollen möglichst bald heiraten:

„Ich traf noch nie jemand’, der auch so denkt wie ich. Verhext! Nochmal Verhext! Sind geistig synchronisiert.“

Indem Hans seine Charme-Routine benutzt, erweckt er bei Anna den Eindruck, dass die beiden auf einer Wellenlänge liegen. In Wirklichkeit ist er ein eiskalter Psychopath, der es nur auf den Thron abgesehen hat. Mitten in dem Abenteuer wird Anna von dem Eislieferanten Kristoff darauf konkret angesprochen, dass sie jemanden heiraten will, den sie gar nicht kennt. Kristoff ist weder ein Prinz, noch erzählt er Anna das, was sie hören will, aber letztendlich beweist er seine Qualitäten und erobert Annas Herz. In den allerwenigsten Fällen ist ein Narzisst oder ein Psychopath bereit, freiwillig seine Tarnung aufzugeben oder sich einem Persönlichkeitstest und einem strukturierten Interview zu unterziehen. Trotzdem sollen wir als Laien ständig irgendwelche anderen Leute einschätzen, z.B. Babysitter, Kollegen, Nachbarn, Kindergärtner, Politiker, mögliche Geschäftspartner, Prediger, einen Aktivisten der für irgendeine Sache kämpft, einen möglichen Freund oder Partner, ein Gesicht in den Medien, einen Kontakt in sozialen Netzwerken, einen Verkäufer oder einen Broker.

Profis der der amerikanischen Bundespolizei FBI und andere Experten haben Bücher herausgegeben, in denen man wertvolle Tipps und Strategien lernen kann, um sicheres Verhalten zu üben und um Warnzeichen sowie die Persönlichkeitsstruktur eines anderen Menschen einzuschätzen. Selbst die besten „Profiler“ des FBI können meist einen Psychopathen oder eine andere gefährliche Person nicht einfach so durch eine oberflächliche Betrachtung erkennen, sondern versuchen methodisch, zu ergründen welche Art von Persönlichkeit vorliegt. Empfehlenswert sind u.a.

  • Dangerous Instincts von Mary Ellen O’Toole
  • Die Psychopathen unter uns von Joe Navarro
  • 202 Ways To Spot A Psychopath In Personal Relationships von Adelyn Birch

Es geht nicht darum, dass Sie sich eine Fachausbildung aneignen müssen, mit der Sie wie ein klinischer Psychologe genaue Diagnosen über andere Menschen anstellen. Weder haben Sie die Gelegenheit, mal eben ein Studium der Psychopathologie nebenher abzuschließen, noch wird jemand anderes sich ohne weiteres im Alltag wie in einer Klinik von Ihnen untersuchen lassen. Jemand kann Ihnen gefährlich werden, der einen Wert von 30 bis 40 auf der Psychopathie-Skala von Hare erreicht, genauso wie Ihnen jemand gefährlich werden kann, der Werte zwischen 20 und 30 hat, oder zwischen 10 und 20. Auch jemand mit einem Wert von unter 10 kann auf dumme Gedanken kommen, schlechte Entscheidungen treffen oder unter dem Einfluss gefährlicherer Leute handeln. Sie werden auch wahrscheinlich nie ganz genau wissen, ob jemand eine voll ausgeprägte narzisstische Persönlichkeitsstörung hat, oder nur starke narzisstische Züge, oder eine Mischung aus diversen Störungen, denn es ist äußerst selten, dass so jemand irgendwann einmal von einem ausgebildeten Psychologen bzw. Psychiater untersucht wird. Zudem ist Narzissmus in den diagnostischen Handbüchern deutscher Psychiater unterrepräsentiert und kann durchaus auch von einem Profi übersehen werden.

Die wichtigste Lektion: Verlassen Sie sich niemals darauf, was für Gefühle und Instinktreaktionen jemand anderes bei Ihnen weckt oder nicht weckt. Viele gefährliche Menschen können ganz normal und höflich wirken, weder einschüchternd, noch seltsam oder mit Schlangenbeschwörer-Charme. Opfer haben immer wieder berichtet, dass sie sich absolut keiner Gefahr bewusst waren, bevor die Falle zuschnappte. Achten Sie genau darauf, was jemand sagt, verschweigt, wie die Person es sagt, wie derjenige sich präsentiert und welche nonverbalen Signale die Person aussendet. Mit offen formulierten Fragen und Höflichkeit können Sie viel mehr Informationen heraus-kitzeln, also mit Fragen á la „Warum haben Sie….“, „Wie würden Sie…“, „Was denken Sie über….“ und dann müssen Sie darauf achten, ob die Antworten Auffälligkeiten enthalten. Auf diese Weise muss sich die fremde Person, wenn sie etwas Heikles zu verbergen hat, viel mehr anstrengen und läuft schnell Gefahr, sich hier und da über kleine Details zu verraten. Seien Sie ein gewitzter Zuhörer und denken Sie auch darüber nach, was die andere Person NICHT sagt. Achten Sie auf Widersprüche, Ausweichmanöver, Nebelkerzen und achtlose Kommentare:

  • Weicht die andere Person einer bestimmten Frage aus durch Ablenkungen, Themawechsel, Humor, oder wird diese bestimmte Frage komplett ignoriert?
  • Gibt die Person indirekt/versteckt besorgniserregende Sachen zu? Gibt es Anzeichen für Unehrlichkeit und Fahrlässigkeit? Achten Sie auf Aussagen, die Phrasen enthalten wie „nicht wirklich“, „nicht so ganz“, „früher, aber heute nicht mehr“ etc. und haken Sie dort nach.
  • Redet die andere Person auffällig viel und zu angeberisch über sich selbst? Verwendet die Person zu oft Wörter wie „Ich“ und „mein“?
  • Macht die andere Person fast nur oder ausschließlich andere Leute für Fehlschläge verantwortlich? Bezeichnet er seine Kritiker und sein früheres Umfeld durchgehend als schlecht und irre?
  • Wirkt die andere Person unvorsichtig, leichtsinnig, waghalsig, fahrlässig?
  • Wirken Aussagen, die sich um Gefühle oder generell um die Innenwelt drehen, überbetont, übertrieben, zu dick aufgetragen, oder einstudiert?
  • Wie spricht die Person über (angebliche) Ungerechtigkeiten die ihr wiederfahren sind? „Sammelt“ derjenige Ungerechtigkeiten? Entschuldigt derjenige seine Unzulänglichkeiten ständig mit Verschwörungstheorien? Passt das zu den Fakten?
  • Gibt es Anzeichen für Alkoholismus, Medikamentenmissbrauch und Drogenkonsum? Ist derjenige wenigstens halbwegs ehrlich zu dem Thema? Hat er ein Umfeld, das Alkohol und Drogen konsumiert? Handelt er gar mit Drogen?
  • Existieren Anzeichen oder Belege für Ärger mit Strafverfolgungsbehörden? Ist er vor solchen Problemen getürmt? Bezeichnet er diese Vorfälle als „Missverständnisse“ oder Ungerechtigkeiten?
  • Existieren Anzeichen für Probleme mit Aggressionen? Sind das nur verständliche Stressreaktionen oder scheint es ein tieferes Problem zu geben?
  • Versucht die Person zu stark, Gemeinsamkeiten zu behaupten und Sympathie zu wecken?
  • Ist die Person dreist, bevormundend oder anmaßend? Ist ihre Kritik unfair? Benutzt die Person versteckte Beleidigungen oder wechselt sie auf eine berechnende Weise zwischen Lob und harscher Kritik hin und her?
  • Haben Sie das Gefühl, die Person ist anstrengend, kraftraubend? Fühlen Sie sich, als müssten Sie ständig auf der Hut sein?
  • Bekommen Sie dick aufgetragenes Lob von der Person, aber die Person hat sofort 50 konkrete Vorschläge, was Sie „besser“ machen könnten?
  • Ist die Person zu spontan und impulsiv und beeinflussbar? Gilt sie als „schwierig“ oder als „Drama Queen“? Bringt sie sich mit ihrem Temperament regelmäßig in Schwierigkeiten?

Wenn Sie Verständnis zeigen, unaufgeregt sind und so tun, als ob Sie der anderen Person in bestimmten Dingen glauben und als ob Sie ähnlich denken würden, entlocken Sie Ihrem Gegenüber vielleicht noch mehr wichtige Informationen.

Ganz wichtig: Nehmen Sie sich Zeit. Viel Zeit, wenn es sein muss und finden Sie notfalls Ausreden, um sich mehr Zeit zu verschaffen für Ihre Analyse. Rufen Sie lieber ein Taxi, anstatt mit Fremden zu fahren, vermeiden Sie betrunkene Partynächte und One Night Stands. Stürzen Sie sich nicht überhastet auf einen attraktiv wirken-den Deal, der „nur für kurze Zeit“ verfügbar ist. Die meisten Täter suchen nach schnellen Gelegenheiten und Opfern, die sich schnell herumkriegen lassen.

Machen Sie sich zuhause Notizen und suchen Sie nach weiteren Informationen über die Person, beispielsweise online in einer Suchmaschine oder in Sozialen Medien oder in öffentlich einsehbaren Datenbanken. Was für eine Person ist das? Welche Art von Persönlichkeit hat sie?

Im Internet ist es ein Leichtes für gefährliche Personen, unechte Profile von sich zu erstellen und mit kreativen Lügen mehrere falsche Identitäten zu benutzen. Schauen Sie sich ein paar Tricks ab bei Privatdetektiven oder heuern Sie einen an in wichtigen Fällen. Graben Sie nach in der familiären, sozialen und beruflichen Sphäre der Person. Es hat schon Hochstapler gegeben, die als Ärzte arbeiteten oder Frauen vortäuschen konnten, sie seien finanziell sehr erfolgreich oder Geheimagenten.

Stellen Sie auf eine unauffällige Weise im persönlichen Umfeld der Person weitere Fragen und nutzen Sie Gelegenheiten, die Person im Umgang mit anderen Leuten zu beobachten. Viele schöne Fassaden halten dieser strengeren Beobachtung und diesem Nachhaken nicht stand. Selbst wenn die Person ihr persönliches Umfeld darauf gedrillt hat, einen positiven Eindruck vorzugaukeln, so kann es sein, dass das Umfeld unbeabsichtigt oder beabsichtigt mehr preisgibt, als es darf. Möglicherweise entscheiden Sie sich bereits an diesem Punkt, den Kontakt mit der Person abzubrechen, vielleicht lassen Sie sich teilweise auf die Person ein oder vielleicht können Sie diese Person gar nicht komplett vermeiden. Um für dem Fall, dass die Person sich als problematisch herausstellt, gewappnet zu sein, pflegen Sie Notizen darüber, wann Sie wo mit der Person welche Art von Kontakt hatten, wer sonst noch dabei war und was Ihnen besonders aufgefallen ist. Speichern Sie Belege, Dokumente und Kopien von digitalen Konversationen, aber achten Sie darauf, nicht den Datenschutz zu verletzen und sich angreifbar zu machen. Leisten Sie sich eine gute Rechts-schutzversicherung und seien Sie sich im Klaren über nützliche Gesetze gegen Stalking oder Ähnliches. Wenn sich jemand als problematisch erweist, minimieren Sie den Kontakt auf null oder auf ein absolutes Minimum und geben Sie der Person keine weitere Aufmerksamkeit. Geben Sie nicht dem Drang nach, die andere Person belehren zu wollen, ihr „Manieren beizubringen“, Gerechtigkeit und Einsicht hinterherzujagen oder Ihre Positionen wieder und wieder verbal zu rechtfertigen.

Solche Analysen der Persönlichkeitsstrukturen anderer Menschen und die Analysen von Risikofaktoren erfordern ein wenig Übung und natürlich hilft Sach- und Fachliteratur dabei, immer mehr dazuzulernen, bis man irgendwann ganz automatisch so vorgeht. Je mehr Sie wissen, umso besser geschützt sind Sie. Überprüfen Sie auch immer wieder die Leute, die Sie bereits zu kennen glauben und mit denen Sie Kontakt haben. Statistisch ist die Gefahr deutlich größer, die von Leuten aus unserem scheinbar vertrauten Umfeld ausgeht.

Nicht empfehlenswert sind Klischees aus fiktionalen TV-Sendungen, Krimis oder Romanen über Mörder und Serienkiller, weil hier viel zu viel verzerrt wird. Prüfen Sie Ihre eigenen Schwachpunkte, die bisher zu schlechten Entscheidungen geführt haben: Sind Sie einsam, traurig, unsicher? Haben Sie in der Vergangenheit dazu tendiert, sich auf die „falschen“ Leute einzulassen?

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1 comment

ein mensch 31. Dezember 2017 at 17:40

das sind echt gute stichpunkte, daumen hoch….viele der leute die ich in meinem leben kennen gelernt habe, konnten mindestens einen der punkte erfüllen…vielleicht lebe ich deshalb auch schon lange alleine *kopfkratz*

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