Kommentar

Der koreanische Friedensgipfel beschwört ein wahres Wunschkonzert: Ende des Kriegszustandes, Öffnung der Grenze, Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms, Wiedervereinigung. Wind of change oder ein Haufen heiße Luft?

Gerade eben soll noch Nordkoreas unterirdisches Testgelände für Atomwaffen kollabiert sein und so lässt sich spekulieren, dass die großen Worte nur Zeit erkaufen sollen, bis das Atomprogramm wieder auf Vordermann gebracht wurde. Das Gerede von Frieden soll wohl eher verhindern, dass Südkorea von den USA stärker gerüstet wird und das Japan womöglich noch Atomwaffen von der NATO zugestanden werden. Nordkoreas Staatsfernsehen übertrug Kim Jong Uns Rede übrigens nicht.

Schon 2007 gab es einen Gipfel, auf dem ganz ähnliche Reden geschwungen wurden, wie man sie jetzt wieder gehört hat:

“Süd- und Nordkorea werden aktiv kooperieren, um einen dauerhaften, soliden Friedenszustand auf der Koreanischen Halbinsel zu schaffen. Den derzeitigen unnatürlichen Zustand eines Waffenstillstands zu beenden und ein robustes Friedensregime auf der Koreanischen Halbinsel zu etablieren, ist ein historischer Auftrag, der nicht weiter hinausgezögert werden darf“.

Die beiden Koreas haben sich seit dem Kriegsbeginn von 1953 extrem stark auseinander bewegt und sich in völlig verschiedene Richtungen entwickelt. Eine Widervereinigung erscheint dahingehend fast unmöglich und selbst der Vergleich mit Deutschland zieht nicht wirklich.

US-Präsident Trump verkauft derweil den Gipfel als Erfolg und schreibt sich selbst einen gehörigen Anteil daran zu. Letztendlich verschafft der Gipfel den USA die nötige Propaganda, um im Falle eines Krieges behaupten zu können, es auf die nette Tour versucht zu haben.

Westliche Bauteile in Nordkoreas Raketen

Als Nordkorea vergangenes Jahr erfolgreich einen Satelliten ins All geschossen hatte, fielen Bruchstücke der Trägerrakete ins südchinesische Meer. Die Südkoreaner schnappten sich den Müll, analysierten ihn und stellten fest, dass die Bauteile aus China stammten, bzw. dass es westliche High-End-Bauteile und europäische Softwareprodukte waren, die von chinesischen Distributionsfirmen nach Nordkorea gebracht wurden. Europäische Technologie landete auch in chinesischen High-End-Fräsmaschinen und schließlich in Nordkorea. Damit kann man auch Zentrifugen herstellen für die Anreicherung von Uran.

Ein Atomwaffenprogramm inklusive Mittel- und Langstreckenraketen ist enorm teuer und erfordert eine lebendige Industrie, die es in Nordkorea nicht gibt. Das einzige, was Kim Jong Un nicht aus dem Ausland beschaffen muss, ist das Roh-Uran; ansonsten holt man sich anscheinend westliche Bauteile und Software. Kommt es tatsächlich zu einem begrenzten nuklearen Konflikt, hätte der Westen überhaupt erst Nordkoreas Schlagkraft möglich gemacht.

Nordkorea benutzt allerhand Tarnfirmen in China um Sanktionen zu umgehen und China benutzt höchstwahrscheinlich die gleiche Methode, um Nordkorea heimlich zu helfen bzw. um bewusst wegzuschauen. China stellt sich dumm und verhaftet hier und da ein paar Schmuggler, um den Eindruck zu wahren, etwas zu tun. Was kauft China nochmal so alles in Europa? Ganze Technologiefirmen, welche Dinge produzieren, die sich auch militärisch nutzen lassen und die man theoretisch alle nach Nordkorea schaffen könnte.

Der US-Vizepräsident Mike Pence meinte, dass nun die „Ära der strategischen Geduld“ mit Nordkorea zu Ende sei. Kommt jetzt die Ära der strategischen Ungeduld? Nordkorea machte zum 105-jährigen Staatsjubiläum keinen neuen Atomwaffentest, verhunzte einen Raketentest und zeigte bei der großen Militärparade leere Fake-Interkontinentalraketen.

Bereits im letzten Koreakrieg wurde westliches Kriegsgerät auf allen Seiten verwendet.