Sie lesen richtig, eine religiöse Literaturempfehlung von Recentr zu den Feiertagen: “Was Jesus wirklich gesagt hat: Eine Auferweckung.” Ich wünsche den Menschen frohe Weihnachten ohne Hintergedanken; ohne neurechte Schauspielerei, ohne militante Tempelritter-Agenda, ohne narzisstischen Kulturkampf, Clickbait und Crowdpleasing.

Das akkuratest-mögliche Quellmaterial über Jesus zeigt uns nicht den mythischen und widersprüchlichen Zauberer aus den gewöhnlichen, überall verbreiteten Texten, sondern eine wirklich revolutionäre Person, die eine Methodik aufzeigte, keine feste Lehre und schon gar keine Dogmen.

Das was Theologen und Sprachwissenschaftler mühevoll rekonstruiert haben, ist die verlässliche Basis des Christentums. Was wir daraus machen, ist unsere Verantwortung.

Konnten wir Jesus bisher überhaupt nicht verstehen, weil er Aramäisch sprach, eine Sprache, die aber bis heute kaum ein Theologe kennt? Die meisten der in diesem Buch zitierten Jesus-Worte sind von dem Theologen Günther Schwarz (1929 bis 2009) in 50-jähriger Übersetzerarbeit aus den ältesten altsyrischen Grundtexten in die aramäische Muttersprache Jesu rückübersetzt und anschließend ins Deutsche übertragen worden. Damit stellt Schwarz im Gegensatz zu allen anderen Übersetzungen die Sinntreue der Lehre Jesu und sein geistiges Eigentum wieder her. Er hat wie kein anderer Theologe gravierende Übersetzungsfehler erkannt und benannt. Dabei wird zweierlei klar: Alle überlieferten Jesus-Worte waren ursprünglich poetisch geformt, und der herkömmlich aus dem Griechischen übersetzte Wortlaut Jesu wurde an vielen Stellen nicht annähernd richtig übersetzt. 

Ich bin über Günther Schwarz nicht auf einen ganz anderen, aber doch auf einen wesentlich anderen Jesus gestoßen. Dieser Jesus-Autor ist unter weltweit etwa 20 000 Jesus-Autoren der einzige, der die Lehren des Mannes aus Nazareth in dessen aramäischem Originalton aufspürt. Nach meiner Überzeugung wäre es sehr hilfreich, würden jedem Menschen heute einige dieser Jesus-Urworte jeden Morgen neben den Frühstücksteller gelegt. Das wäre konkrete und praktische Lebenshilfe. Das Aramäische ist eine alte semitische Sprache, die im östlichen Mittelmeerraum viele Jahrhunderte lang weit verbreitet war. Eine klare Antwort auf die wunderliche jungfräuliche Geburt Jesu gibt eines der altsyrischen Evangelien. Das Altsyrische ist dem Aramäischen verwandt. Dort ist der Stammbaum Jesu nach Matthäus 1,16 beschrieben. Am Ende des Stammbaums heißt es: »Jakob zeugte Josef, Josef, dem die Jungfrau Marjam (Maria) verlobt war, zeugte Jeschua, der Messias genannt wird.« Im Aramäischen ist Jungfrau identisch mit junger Frau. Diese Erklärung mag manchen Lesern ungewohnt sein. Aber sie steht nun einmal so da. Dieser altsyrische Evangelien-Text liegt seit 1897 auch in Deutsch vor, dank Adalbert Merx’ »Die vier kanonischen Evangelien nach ihrem ältesten bekannten Texte«. Es handelt sich dabei um den ältesten Evangelien-Text, den die Christenheit bisher kennt. Jesus, der Sohn Josefs, so lautete nach altem jüdischen Brauch und ohne jede dogmatische Verkrampfung der volle Name Jesu, eine Verbindung des Eigennamens mit dem des Vaters wie im Orient üblich. Nach Markus 6,3 hatte Jesus vier Brüder: Jakobus, Josef, Judas und Simon sowie mehrere namentlich nicht genannte Schwestern. Bei seiner Kreuzigung war Jesus wohl 38 Jahre alt, damals das Durchschnittsalter. Ob er am Kreuz tatsächlich gestorben ist, das wissen wir nicht. Alle vier Evangelien lassen das offen. Dort heißt es lediglich »Er hauchte aus.« Jedenfalls traf sich Jesus nach seiner Kreuzigung mit seinen Jüngern und aß mit ihnen.

Jesus musste angesichts der römischen Übermacht gewusst haben, wie bedrohlich ein Imperium ist. Jahrhunderte später machte Rom eine speziell konstruierte Version des Christentums nach harten Verfolgungen zur Staatsangelegenheit. Heute bedienen sich Supermächte wie die USA und Russland bei dem Vermächtnis von Jesus, um ihre jeweilige imperialistische Agenda zu fördern. Nie bestand das Interesse bei den Eliten, die Originaltexte zu rekonstruieren. Stattdessen bekamen wir eine narzisstische, widersprüchliche Lehre vorgesetzt, die uns abwechselnd passiv halten und auf Krieg einpeitschen soll.

Lassen Sie uns selber denken. Selber fühlen. Und selber handeln.

Viele Grüße,

Ihre

Familie Benesch