Babis, der „tschechische Trump“: Stasi-Vorwürfe und sowjetische Briefkastenfirmen

Kommentar Man nennt den Milliardär und Politiker Andrej Babis auch den „tschechischen Trump“. Mit einem Haufen Versprechen, die vor allem die konservativen Wähler gerne hören wollen, gewann seine Partei...
Bild: David Sedlecký, Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international“

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Man nennt den Milliardär und Politiker Andrej Babis auch den „tschechischen Trump“. Mit einem Haufen Versprechen, die vor allem die konservativen Wähler gerne hören wollen, gewann seine Partei der Unzufriedenen nun die Wahlen und muss nun eine Koalition bilden. Sein Reichtum stammt nicht wie bei dem amtierenden US-Präsidenten vom Erbe des Vaters, sondern von einem undurchsichtigen Geflecht aus Briefkastenfirmen und Strippenziehern.

Sein Vater war Diplomat und im Außenhandel während der Sowjetzeit tätig, was eine extrem hohe Treue zu der kommunistischen Partei voraussetzte. Andrej selbst wurde 1980 Mitglied der KSČ, wobei er in typischer „Ich wusste von nix“-Manier behauptet, ungefragt gelistet worden zu sein.

Reporter, sowie die tschechische Behörde für Aufarbeitung sowjetischer Inlandsgeheimdienst-Aktivitäten beschuldigte Babiš der damaligen Kollaboration mit der tschechoslowakischen Staatssicherheit unter dem Decknamen „Bureš“. Babiš weist die Vorwürfe hingegen zurück und kann sich darüber freuen, dass so manche Akte verschwunden ist. Da er einen ähnlichen Job hatte wie sein Vater, reiste er viel in die Schweiz und knüpfte dort Kontakte, die wiederum später angeblich über eine Briefkastenfirma namens Ostfinanz Geld geliefert haben sollen für das Firmenprojekt Agrofert.

Verschiedenen Journalisten versuchen seit geraumer Zeit handfeste Belege dafür zu finden, dass hier eine Bande von alten Geheimdienstkollegen sich einen Haufen Industrie unter den Nagel gerissen hat und dass in Tschechien in Wirklichkeit russische Tarn-Konzerne regieren.

Die Holding „Agrofert“ bekam auch Kredite von der amerikanischen Citibank zu einer Zeit, als noch viel westliches Geld in den Ostblock floss. Inzwischen ist Babis auch ein Medienmogul, weshalb man ihn auch den tschechischen Berlusconi nennt.

Es ist also zur höchsten Vorsicht geraten bei ihm, aber das trifft genauso auf die gesamte restliche politische Landschaft Tschechiens zu. Die Geheimdienste der NATO-Sphäre beschweren sich hauptsächlich dann, wenn osteuropäische Politiker wie in Polen auf echte Eigenständigkeit pochen. Selbst der Tod der polnischen Elite in Smolensk führte zu keinerlei diplomatischem Aufschrei. Dass Osteuropa wieder unter Moskaus Einflussbereich fallen wird, scheint in Kauf genommen zu werden. Nur echte Eigenständigkeit und ein Bruch mit dem Gleichgewicht der Supermächte wird absolut nicht geduldet.

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