Französischer Identitärer und V-Mann verkaufte Waffen an Paris-Terroristen

Ein Mitglied der französischen “Identitären Bewegung” wurde nun zu sieben Jahren Haft und 30.000 Euro Bußgeld verurteilt, weil er über 500 Waffen verkauft hatte, u.a. an die muslimischen Terroristen...

Ein Mitglied der französischen “Identitären Bewegung” wurde nun zu sieben Jahren Haft und 30.000 Euro Bußgeld verurteilt, weil er über 500 Waffen verkauft hatte, u.a. an die muslimischen Terroristen des Anschlags in Paris auf die Redaktion von Charlie Hebdo. Der 54 Jahr alte Rechtskonservative Claude Hermant argumentierte vor Gericht, dass der Waffenhandel Teil seiner Tätigkeit als V-Mann für die französischen Behörden gewesen sei, während die Behörden nur die Informantentätigkeit bestätigten, nicht aber die Aufforderung zum Waffenhandel.

Wer spielt hier also ein doppeltes Spiel?

Es ergeben sich mehrere Möglichkeiten:

  • Hermant kassierte für gewöhnliche Spitzeleien in der rechten Szene Geld und handelte nebenher mit Schusswaffen, um noch mehr Geld zu verdienen. Ihm war es egal, dass er seine rechten Kameraden verriet und dass Islamisten von ihm Waffen bezogen. Die sogenannte Identitären sind eigentlich islamkritisch und möchten das Abendland retten.
  • Hermant lieferte nur belanglose Informationen an den Geheimdienst über seine rechten Kameraden und nutzte die Zahlungen von den Behörden, um sein rechtes Netzwerk aufzubauen.
  • Hermant verkaufte bewusst Schusswaffen an Islamisten, weil islamistische Anschläge Entsetzen in der Bevölkerung auslösen und den Rechten mehr Zulauf und Aufmerksamkeit verschaffen.
  • Der Geheimdienst gab Hermant direkt den Auftrag, Waffen an Rechte und Islamisten zu verkaufen, um gegen diese Leute dann zu ermitteln. Besonders heikle Aufträge werden von Agentenführern nur mündlich übermittelt und es existieren offiziell keine Aufzeichnungen darüber.
  • Der Geheimdienst wollte, dass Waffen in den Händen von Extremisten landen. Der Geheimdienst steuert aus dem Schatten heraus sowohl die Islamisten als auch die Rechtsextremen.

Fairerweise muss man festhalten, dass kaum irgendeine Gruppe sich komplett schützen kann vor der Infiltration durch Geheimdienste und dass die Geheimdienste gerne mit solchen Methoden legitime Organisationen zerstören. Allerdings ist fraglich, wie legitim die Identitären insgesamt überhaupt sind. Die Wurzeln der Identitären und anderer rechter Gruppen und Parteien wie der Front National sind ein Netzwerk aus suspekten Rechtsextremen. Inwiefern die Identitären in Europa überhaupt irgendeine wirksame Form der Spionageabwehr beherrschen, ist ebenso fraglich.

Der islamisch motivierte Terrorist Amedy Coulibaly benutzte bei dem Anschlag und der Geiselnahme in einem Supermarkt Waffen, die der Identitäre Hermant beschafft hatte; ein kurzes Sturmgewehr (Berichten zufolge eine AKS-74U), eine tschechische Skorpion vz. 61-Maschinenpistole sowie russische Tokarev-Pistolen.

Die europäischen Geheimdienste haben Interesse daran, ihre Agenten in der rechten Szene aufzubauen und mit diesen dann auch die Kreise russischer Spionage zu infiltrieren. Die Identitären und zahlreiche andere Neurechte beschreiben Russland als Retter des Abendlandes und verbreiten Propaganda über “Eurasien”.

Hyperion

Geheimdienste, die verschiedene Terroristen ausrüsten, haben in Frankreich Tradition: In der Pariser Straße Quai de la Tournelle, ganz in der Nähe von Notre Dame, war die “Sprachenschule” Hyperion beheimatet. Dahinter verbargen sich undurchsichtige Finanzierungsgesellschaften und Unternehmen aus Italien, Frankreich und der Schweiz. Gegründet wurde Hyperion von Pater Morlion, Leiter des Pro Deo, des eng mit der CIA zusammenarbeitenden Geheimdienstes des Vatikans. Man etablierte weitere Stützpunkte u.a. im französischen Rouen und im belgischen Brüssel. Der ermittelnde italienische Staatsanwalt Pietro Calogero meinte:

“Es war klar, dass Hyperion eine derart geschützte Einrichtung war, dass dahinter eine Geheimdienststruktur mit internationalem Charakter stehen musste. Mit Aufgaben von Subversion und Kontrolle über Gruppen, die im bewaffneten Kampf aktiv waren.”

Man schlussfolgerte, dass Hyperion Waffen und Anweisungen verteilte an italienische Linksterroristen. Alles gedeckt vom französischen Geheimdienst SDECE. Auch muslimische Terroristen wie von der PLO kamen zum Zuge. Der Staatsanwalt Calogero wurde letztendlich ausgebremst von französischen und britischen Behörden. Hyperion als Pariser Zentrum der Roten Brigaden blieb unbehelligt. Deshalb schrieb Calogero noch 2010 ein Buch darüber. Einer der Gründer von Hyperion war Corrado Simioni, der 1976 nach Paris gezogen war. Er soll auch die radikale linke Organisation Superclan geleitet haben. Man vermutet sowohl Kontakte zur CIA als auch zum KGB. Nach seinem Tod wurde ihm der Ritter-Titel in Frankreich verliehen.

Die Terrorismus-Expertin Regine Igel schrieb in ihrem Buch “Terrorismus-Lügen”:

Der venezianische Untersuchungsrichter Carlo Mastelloni stieß auf einen von der CIA und dem italienischen militärischen Geheimdienst SISMI gedeckten, regen Waffenhandel zwischen der palästinensischen Befreiungsorganisation PLO und der Hyperion-Schule. Bestimmt waren diese Waffen für die Roten Brigaden, die baskische ETA, die irische IRA und die deutsche RAF – nach den Worten Markus Wolfs alle Partner der MfS-Abteilung XXII/8. Unter der Bedingung, dass Maschinenpistolen, Granaten, Munition und Sprengstoff gegen Einrichtungen der NATO und Israels eingesetzt würden, lieferte man kostenlos.

Mitten in Paris trafen sich Ost und West und versorgten Terroristen mit allem was nötig war, um eine Strategie der Spannung zu etablieren. Polizeiliche Ermittler kann zu dem Schluss, dass die Hyperion-Schule ‘das wichtigste Büro der CIA-Vertretung in Europa war”. Die italienischen Ermittler fanden jedoch einen erheblichen Einfluss des KGB. Ein totaler Widerspruch? Nicht für Giovanni Pellegrino, der sieben Jahre lang als Vorsitzender des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Untersuchung der Hintergründe der Terroranschläge tiefe Einblicke hatte über das internationale Terrorgeschehen der 70er und 80er Jahre:

Diese Schule ist ein Kreuzpunkt für westliche und östliche Geheimdienste, die gegen Feinde des in Jalta beschlossenen Gleichgewichts der Kräfte zusammenarbeiteten.

Gilt dieses Prinzip noch heute in Europa? Arbeiten Ost und West mit Terroristen zusammen, um das Aufkeimen unabhängiger Kräfte zu verhindern? In Frankreich existieren immer noch einflussreiche rechtsradikale Netzwerke, die auf die alten Zeiten des GLADIO-Netzwerks zurückgehen und derzeit erheblich politisch profitieren von islamischem Terrorismus. Diese Figuren waren einst enge Kollaborateure der amerikanischen CIA, haben sich allerdings in den letzten Jahren immer stärker den Russen angenähert.

Eine der wichtigsten Figuren des sogenannten GLADIO-Systems war Francois de Groussouvre, der ehemalige Oberjägermeister und Verantwortlicher für nationale Sicherheit unter dem französischen Präsidenten Mitterand. Der Präsident hatte einst unter dem faschistischen Vichy-Regime gedient, wechselte dann ins Lager der Résistance. Heute ist einer der bedeutendsten Vordenker der Partnerschaft zwischen europäischen Rechten und den Russen, die sogenannte“Achse Paris-Berlin-Moskau”, ausgerechnet Henri De Groussouvre, Sohn des ehemaligen GLADIO-Chefs Francois de Grossouvre.

WER IST DIESER GROSSOUVRE? ZUNÄCHST EIN FRANZÖSISCHER UNTERNEHMENSBERATER IN WIEN. PARVULESCO TEILT ÜBER DIESEN HERRN MIT, DASS ER “OHNE ZWEIFEL ZU VERANTWORTLICHEN AUFGABEN IN EUROPÄISCHEM MASSSTAB BERUFEN WIRD, IM KADER EINER GEOPOLITISCHEN GEMEINSCHAFT FRANKREICH-DEUTSCHLAND-RUSSLAND, DIE GEGENWÄRTIG IM ENTSTEHEN IST.” – ALEXANDER DUGIN UND DIE RECHTSEXTREMEN NETZWERKE, SEITE 69

Die Identitären in Deutschland

Die IB hat zwar noch sehr wenige Mitglieder in Deutschland, macht aber Publicity Stunts im Stile von Greenpeace mit Bannern und Booten im Mittelmeer. Der Identitären-Chef Martin Sellner selbst tummelte sich vor Jahren im Umfeld des mehrfach verurteilten Neonazis und Polit-Clowns Gottfried Küssel, der Nazi-Kultdenken mit Patriotismus verwechselte und sich Zeit seines Lebens als berufsmäßiger Provokateur betätigte. Sein Verhalten war ein gefundenes Fressen für die Behörden. Sellner redete sich später damit heraus, dass seine Beziehung zu Küssel nur eine pubertäre Jugendsünde gewesen sei.

Küssel allerdings wurde für seine Organisation „Volkstreue außerparlamentarische Opposition (VAPO)“ wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verurteilt. Ein bekannter Forscher vermutet, dass Sellner zu dem Umfeld von alpen-donau.info gehörte, einer rechtsradikalen Webseite, hinter der auch Küssel vermutet wurde. Bewiesen ist das nicht, aber wir erkennen zumindest Sellners höchst unvorsichtiges Verhalten. Hätte er rein theoretisch eine signifikante Rolle gespielt bei der Seite, wäre es hypothetisch ein Leichtes gewesen, ihn zur Zusammenarbeit mit den Behörden zu motivieren. Es war übrigens ein Spitzel gewesen, der die Seite hat hochgehen lassen:

In mehreren Bundesländern wurden insgesamt 18 Wohnungen durchsucht und Computer, Laptops, Speicherkarten, Mobiltelefone, Gewehre, Munition, Messer und Schlagringe, sowie NS-Devotionalien sichergestellt. Eine der Hausdurchsuchungen fand bei Gottfried Küssel statt. Ein Informant des Abwehramtes hatte im Zusammenhang mit der Website bereits im April 2009 den Verfassungsschutz auf Küssel und den „Bund Freier Jugend“ (BFJ) aufmerksam gemacht. – wikipedia

Es sieht auch so aus, als gäbe es bei den österreichischen Behörden Doppelagenten, die gegenüber den Rechten so tun, als seien sie auf deren Seite. Ist Sellner nach diesem Fiasko vorsichtiger und professioneller geworden? Nein. Im Gegenteil. Jetzt meint der Student Sellner, eine Führungsposition in der rechten Szene verdient zu haben und seine Gruppe pflegt Kontakte zu ein paar fragwürdigen Russen und setzt sich ein für „Eurasien“:

Da netzwerkt man mit Igor Belov, einem russischen „Journalisten“ der für die Kreml-Papptrompete Sputnik in Wien arbeitet, und beim Suworow-Institut war. Alexander Markovic von den deutschen Identitären wurde vom Kreml-Sender RT Deutsch beworben und hielt einen Vortrag vor Mitgliedern des „Zentrums für Kontinentale Zusammenarbeit“, das den Thinktank RIAC als Partner listet, der wiederum vom russischen Außen- und dem russischen Bildungsministerium betrieben wird. Man interviewte den einflussreichen radikalen Spinner und Eurasier Alexander Dugin. Jurij Kofner, Absolvent der staatlichen „Universität für internationale Beziehungen in Moskau“ veröffentlicht regelmäßig im „Compact“-Magazin und ist im Umfeld der Identitären. Fotos zeigen Kofner mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow.

Martin Lichtmesz schreibt in Sezession über den Faschisten, Nationalbolschewisten, Wirrkopf, Eurasier und Okkultisten Alexander Dugin:

„Dagegen wird Dugin vor allem in der identitären Szene besonders geschätzt, die sein Buch „Die vierte politische Theorie“ zur Pflichtlektüre erhoben hat.“

Dugin erkklärte, dass die sogenannte „neue Rechte“ in Europa das Werk der russischen Geheimdienste sei.

Der Facebook-Auftritt der Identitären empfahl den Essay „Goldgrund Eurasien. Der neue Kalte Krieg und das Dritte Rom“ von Dimitrios Kisoudis. Eine Rezession ist erschienen bei dem neurechten Magazin Sezession:

„Putin begann als Europäer, suchte Nähe und wandte sich – verärgert über EU-Arroganz und die Osterweiterung der NATO – vom Westen ab; er wurde zum Eurasier. Der russische Präsident förderte die Verquickung mit der traditionell staatstragenden orthodoxen Kirche (Moskau: das »Dritte Rom«). Während der Westen seine Traditionen auslösche, gestalte Rußland die seinigen neu.“

Der Deutschenhasser Putin, dessen Familie beinahe von der Wehrmacht in Leningrad ausgelöscht worden war, ging extra deshalb zum KGB, um wie in den Heldengeschichten der Sowjetpropaganda die Deutschen auszuspionieren und sich als Deutschenfreund zu tarnen. Putin war zu schlecht, um vom KGB in Westdeutschland eingesetzt zu werden, aber heute spielt er mit hohlem Gelaber den Deutschenfreund und die russischen Geheimdienste erzählen den europäischen Rechten das, was jene hören wollen und die europäischen Rechten glauben wie naive Kinder einfach alles. Eurasien heißt nach Dugin nichts anderes als die Eroberung Europas.

Die Massenmedien und die Behörden müssen nur gegen dieses Netzwerk stänkern, damit die Rechten sich in einer geistigen Reflexreaktion noch stärker an ihre Vorbeter klammern. Und schon verlassen die Rechten völlig den Boden der Realität.

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4 Comments on this post.
  • death rides a horse
    11 Oktober 2017 at 19:16
    Leave a Reply

    “Der Geheimdienst steuert aus dem Schatten heraus sowohl die Islamisten als auch die Rechtsextremen.”

    ja gut, wer das immer noch nicht checkt dem ist auch nicht mehr zu helfen. ist auch lustig wenn sowas rauskommt, immer und immer wieder, mehr in your face wie diese kuriose geschichte geht ja wohl nicht mehr, aber die leute raffen es immer noch nicht. mit ein bisschen erfahrung sollte einem auch der instinkt sagen was von diesen ganzen gruppen zu halten ist und aus welchen arsch die gekrochen sind aber die meisten sind wohl wirklich zu dämlich um das zu erkennen.

    • Mr Smith
      11 Oktober 2017 at 22:17
      Leave a Reply

      Du denkst, weil du denkst, dass es so sein muss, ist das so.

      Als vernünftiger Mensch, geht man aber nach Fakten, und Alexander Benesch hat bereits alle Optionen dargestellt, die aus den tatsächlich vorhandenen Fakten abzuleiten sind.

  • abgelehnt83
    11 Oktober 2017 at 13:14
    Leave a Reply

    Wer allen ernstes Dugin empfiehlt der ist schon lange game over!

  • KIDWITDEGUN
    11 Oktober 2017 at 10:36
    Leave a Reply

    LAS VEGAS:

    Forensic Acoustic Analysis Points to Existence of a Second Shooter:
    https://www.youtube.com/watch?v=JxmEFeKy8aI

    Here is a video of a young woman allegedly shot in the hip at the Las Vegas concert all rosy cheeked and chatting away a mere 3 days after being “nearly paralyzed” by her gunshot injury.
    https://www.youtube.com/watch?v=LtKJuJMQa94

    Also: People with extensive firearms experience call attention to the photo of the dead Stephen Paddock in the hotel room. Where they ask are the thousands of shell casings and empty ammunition clips from the extensive automatic fire? Others point out that the few casings insight are mysteriously on top of Paddock’s blood, not covered by it.

    Source:
    https://www.lewrockwell.com/2017/10/paul-craig-roberts/the-mystery-deepens/

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