Deutschland war anscheinend Verschiebebahnhof für US-Waffen an Syrien

Kommentar War die Militärbasis in Ramstein ein Verschiebebahnhof für amerikanische Waffen an Syrien? Es geht um Sturmgewehre und Maschinengewehre, für die keine offizielle Genehmigung der Bundesregierung vorlag. Nachdem der NATO-Block 25...

Kommentar

War die Militärbasis in Ramstein ein Verschiebebahnhof für amerikanische Waffen an Syrien? Es geht um Sturmgewehre und Maschinengewehre, für die keine offizielle Genehmigung der Bundesregierung vorlag.

Nachdem der NATO-Block 25 Jahre lang das postsowjetische Russland über den künstlich hohen Ölpreis, Technologieverkäufe und Zugang zu Krediten hochgepäppelt hatte, wollte man plötzlich mit Gewehren und Granaten an fragwürdige Rebellen die Kontrolle über das traditionell mit Russland verbündete Syrien erlangen.

Letztendlich hat man damit einen Haufen Menschen umgebracht und traumatisiert, um Russland höhere Kosten zu verursachen und einen Mittelmeerzugang für die russischen Streitkräfte zu verhindern.

Nachdem es Moskau misslungen war, auch nur eine einzige Revolution des arabischen Frühlings aufzuhalten, wird nun schweres Geschütz aufgefahren, um nicht auch noch das Assad-Regime in Syrien als Partner zu verlieren. Der Bürgerkrieg ist längst zu einem Stellvertreterkrieg der Supermächte geworden, denn die „Freie Syrische Armee“ und andere syrische Oppositionsgruppen erhalten wiederum Unterstützung aus den USA und diversen arabischen Nationen.

Das russische Imperium hatte in den vergangenen hundert Jahren meistens nur dann Erfolg bei der Ausweitung des eigenen Machtbereichs, wenn massenhaft Bodentruppen zum Einsatz kamen. Manchmal schlug aber diese Strategie fehl wie im Winterkrieg gegen Finnland oder in Afghanistan. Nun will Moskau in Syrien beweisen, dass die Großmachtsambitionen nicht nur auf das Nuklearwaffenarsenal beschränkt sind, sondern dass der russische Bär tatsächlich auch in der Lage ist, schlappe 1500 Kilometer von zuhause entfernt seinen Willen durchzusetzen.

Moskau hat bereits mehrfach durchscheinen lassen, dass man zunächst das Assad-Regime retten, dann aber eine neue Regierung installieren will. So oder so, die Tage der Assads sind gezählt. Es geht nur noch darum, welche Gruppierungen die Nachfolge antreten und welcher Großmacht gegenüber sie loyaler sein werden.

Die Rebellen in Syrien wissen, dass die russische Hilfe für Assad den Bürgerkrieg noch viele Jahre hinauszögern könnte. Eventuell lassen sich Rebellengruppen deshalb von Moskau überzeugen, in das prorussische Lager überzuwechseln, im Gegenzug für eine Beteiligung an der neuen syrischen Regierung.

Der Wust aus Kampfgruppen und die letztendlichen Loyalitäten sind schwer überschaubar. Während die USA versuchen, die Destabilisierung in die Kaukasus-Region zu verlagern um Russland dort ein Problem einzuschenken, versucht Moskau wiederum, möglichst viele islamistische Gruppen zu kontrollieren um diese dann gegen die US-freundliche Regierung im Irak zu benutzen. Der Putin-treue tschetschenische Diktator Ramsan Kadyrow forderte unlängst, islamische Kämpfer aus Tschetschenien „gegen ISIS“ kämpfen zu lassen. Während dem kalten Krieg kontrollierte Moskau diverse radikalmuslimische Organisationen und bildete diese in Lagern aus.

Putin hatte unterdessen russische Bodentruppen in Syrien zunächst ausgeschlossen und begnügte sich mit Luftschlägen. Der US-Senator John McCain forderte jüngst, moderne Luftabwehrsysteme an syrische Rebellen zu liefern, um die russischen Flugzeuge abzuschießen, die derzeit Luftschläge durchführen.

Die Parallelen zu dem Afghanistan-Fiasko im kalten Krieg werden deshalb immer deutlicher: Ziel der Invasion Afghanistans sollte im jahr 1979 sein, ein sowjetfreundliches, moskauhöriges Regime in Kabul einzusetzen und das Land gewaltsam zu befrieden, um so zugleich die Südflanke der Sowjetunion zu sichern. Am 25. Dezember 1979 überschritten die ersten Einheiten der für den Afghanistan-Einsatz neu gebildeten sowjetischen 40. Armee die Grenze nach Afghanistan. Den sowjetischen und afghanischen Regierungstruppen gelang es trotz ihrer militärischen Überlegenheit und Lufthoheit nicht, den Widerstand der Mudschahedin zu brechen. Zwar konnten sie schnell wichtige Städte und Straßen besetzen, über weite Gebiete außerhalb der großen Städte hatten sie jedoch keine Kontrolle.

Im Jahr 1982 wurde schließlich eine militärische Pattsituation erreicht, während der Kampf auf beiden Seiten immer brutaler geführt wurde. Auf die Guerillataktik der Mudschahedin, die in der Regel keine Gefangenen machten, reagierte die Rote Armee unter anderem mit Terror gegen die Zivilbevölkerung. Außerdem verloren die sowjetischen Truppen infolge der Lieferung von hochmodernen Stinger-Raketen an die Mudschaheddin durch die CIA die Luftüberlegenheit im Land.

Die sowjetische Führung gelangte zu der Einsicht, dass der Krieg nicht zu gewinnen war, und suchte fortan nach einem Weg, ihre Truppen aus dem Land abzuziehen, ohne das Gesicht zu verlieren.

 

Wenn man die Berichterstattung aus Ost und West für bare Münze nimmt, dann dreht sich im Syrienkonflikt alles nur um die Menschen. Russland und die USA behaupten, mit ihren Einmischungen die Menschen und das Recht zu verteidigen, allerdings scheint es sich eher um einen gewaltigen Energiekrieg zu handeln.

Warum hat das kleine Königreich Katar drei Milliarden Dollar ausgegeben, um die Rebellen in Syrien zu unterstützen? Katar ist der größte Exporteur von Flüssig-Ergdas weltweit und Assad wollte die Katarer keine Pipeline durch Syrien bauen lassen, mit der Gas nach Europa transportiert werden kann. Russland favorisiert das Assad-Regime aus dem gewichtigen Grund, weil jenes das Erdgas aus dem persischen Golf nicht durchlassen will und somit dem russischen Konzern Gazprom höhere Profite ermöglicht. Katar hatte geplant, seine Gasförderung zu verdoppeln. Russlands Wirtschaft ist seit Langem in Schieflage, weil die einzigen Exportschlager Gas und Öl sind. Mit allen Mitteln drängt der Gazprom-Moloch weiter und weiter auf den europäischen Markt vor.

Katar durfte kürzlich Anteile an der russischen Öl- und Gasindustrie kaufen, was der Kreml nur aus Geldnot zuließ.

Der türkische Präsident Erdogan hat sich sowohl die Amerikaner als auch die Russen zum Feind gemacht. Die USA nehmen Erdogan unter anderem krumm, dass jener sich für das russische Pipeline-Projekt entschieden hat, um billigere Rohstoffe zu bekommen. Die Russen schäumen, weil Erdogan ernsthaft erwägt, Katar eine Pipeline bis in die Türkei bauen zu lassen. Die türkische Presse spricht davon, wie eventuell Katar-Gas über die Nabucco-Pipeline weiter nach Europa transportiert werden könnte, sehr zum Nachteil Russlands.

Die Zeitung London Guardian berichtete, dass 2009 Assad sich geweigert hatte, ein Abkommen mit Katar zu unterzeichnen für eine Pipeline durch unter anderem Syrien bis in die Türkei. Im selben Jahr begannen die Briten mit ihren Destabilisierungsoperationen in Syrien. Der saudische Prinz Bandar bin Sultan versuchte vergeblich, die Russen zu bestechen um die Seiten zu wechseln.

Exxon Mobil und Katar Petroleum International haben einen Deal über 10 Milliarden Dollar abgeschlossen für Erdgas, das von einem Hafen in Texas nach Großbritannien und den Mittelmeerraum gehen soll. Die USA verfügen über die größten Erdgasvorkommen auf der Welt.

Die chaotischsten Städte in Syrien sind im Moment Damaskus, Homs und Aleppo, genau die Städte durch die die vorgeschlagene Pipeline verlaufen soll. Die Saudis konkurrieren mit Katar um die Kontrolle einer Post-Assad-Regierung, wieder aus der Überlegung heraus, wer mehr Kontrolle über den Energiefluss ausüben kann.

Ohne die Gazprom-Erlöse hätten Russlands Oligarchen keine Milliarden. Gazprom liefert das Gas billig an private Handelsfirmen, die es dann wiederum mit hohen Profiten auf den Weltmarkt bringen. Die Erlöse landen auf ausländischen Konten, insbesondere in Zypern, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz. In Deutschland tanzt die High Society seit Jahren mit der reichen russischen Gas-Elite. Im Berliner Adlon findet regelmäßig ein Ball statt wo sich BASF, Wintershall und Gazprom miteinander betrinken. Der Exkanzler Gerhard Schröder und der ehemalige Verteidigungsminister Volker Rühe setzen sich leidenschaftlich ein für die Partner aus dem Osten. Der ehemalige Kanzleramtschef Horst Teltschik sei der Ghostwriter einer viel beachteten Rede, die Putin 2001 vor den Mitgliedern des Bundestages und des Bundesrates hielt.

Das South Stream Pipeline-Projekt sollte das Schwarze Meer durchlaufen und durch Italien Gas nach Europa bringen, während gleichzeitig die Abhängigkeit von Transitländern wie Ukraine oder Weißrussland vermindert wird. Laut Berechnungen würde die Abhängigkeit Europas von russischem Gas bis 2030 auf 60% ansteigen. Manche Länder in Östeuropa sind bereits zu 100% abhängig. Es laufen unzählige Geheimoperationen, um zu verhindern, dass Staaten ausscheren und sich umorientieren. Es wurde z.B. bekannt dass ein von Wien aus agierender KGB-Agent versucht hätte, ein litauisches Kernkraftwerk für die Vereinte Russische Energiesysteme (RAO JES) zu übernehmen.

Am 30. September 2011 gab das türkische Staatsunternehmen Botas bekannt, den alten Gasvertrag mit Gazprom nicht zu verlängern wegen überhöhter Preise. Die Türkei genehmigte zwar den Bau der South Stream Pipeline durch türkische Hoheitsgewässer im schwarzen Meer, bandelte aber gleichzeitig an mit der Katarer-Pipeline die in der Türkei enden und von dort aus zum Missfallen der Russen via der Nabucco-Pipeline nach Europa Gas liefern soll.

Russlands Absichten

Bashar Al Assad ist längst nicht mehr Herr in seinem eigenen Haus, denn sein Militär ist völlig abhängig geworden von iranischen Generälen und russischen Rüstungslieferungen. Die Iraner sollen auch bereits eine Menge verschiedener Söldner herangeschafft haben, ähnlich wie Moskau offenbar längst begonnen hat, begrenzt eigenes Militärpersonal nach Syrien zu verlegen. Die Nachrichtenagentur Ria Nowosti zitierte den Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, der größere Truppenkontingente in Aussicht gestellt hat:

„Wenn es eine Anfrage gäbe, würde diese natürlich diskutiert und geprüft im Rahmen unserer bilateralen Kontakte.“

Das Putin-Regime verfolgt mit dem Engagement eine Reihe an Zielen:

Eine Marionettenregierung in Syrien etablieren

Selbst wenn die Assads mit russischer Hilfe den Bürgerkrieg gewinnen können, so hat jedoch längst ein Machtwechsel stattgefunden zugunsten der iranischen Generäle und russischen Militärberater im Land. Es wurde bereits im Volfeld klargestellt, dass Putin kein Problem damit hätte, Assad zu ersetzen. Eine neue Marionettenregierung würde bald weitreichende Handels- und Sicherheitsabkommen unterzeichnen. Die bereits existierende russische Militärbasis in Tartus würde um einige weitere Stützpunkte ergänzt werden, sowohl am Mittelmeer als auch in anderen Landesteilen.

Als Belohnung für den Kampf gegen den IS eine Lockerung der Sanktionen erreichen

Russland lockt die USA und Europa mit einer neuen Anti-Terror-Koalition. Dies soll den Druck wegen der Ukraine-Krise verringern und zu einer Lockerung der Sanktionen führen, was die kollabierende russische Wirtschaft dringend nötig hätte. Gäbe es wieder mehr Handel mit dem Westen, stünden dem wiederum die hohen Kosten einer Militärkampagne gegenüber. Je mehr tote Soldaten nach Russland in Särgen zurückgeschickt werden, umso dringender müsste sich Putin Methoden einfallen lassen, um das Volk bei der Stange zu halten.

Eine Landbrücke zum Mittelmeer vorbereiten

Hätte man die Kontrolle in Syrien, fehlte nicht mehr viel für eine Landbrücke direkt zum Mittelmeer, ein Sprungbrett für größere Weltmachtsambitionen.

Kontrolle im mittleren Osten ausüben

Syrien war früher bereits der Partner von Sowjetrussland gewesen. Während dem kalten Krieg migrierten zehntausende Russen nach Syrien, während die syrische Elite die besten Schulen Russlands besuchte. Syrien grenzt an Israel, Libanon, Türkei, Jordanien und Irak.

Die eigenen Investitionen schützen

Russische Firmen haben Berichten zufolge 20 Milliarden $ in Syrien investiert. Verliert man die Kontrolle dort, wären diese Investitionen in Gefahr.

Einen Sieg gegen die USA behaupten

Das Leben in Putins Russland ist erbärmlich, dennoch genießt der Führer eine hohe Beliebtheit im Volk, solange er außenpolitische Siege vermelden kann. Vor dem Krieg in der Ukraine wirkte Russland schwach im Hinblick auf die Regimewechsel im Zuge des arabischen Frühlings. Nach der Eroberung der Krim und Teilen der Ukraine ist zwar die Stimmung aufgeheizt, so richtig leisten kann sich der Kreml aber einen weiteren Krieg nicht.

wikipedia-Zitate unter der  „Creative Commons Attribution/Share Alike“

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Sicherheit
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  • Cyberpunk
    14 September 2017 at 23:42
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