Müssen die Identitären am Ende Migranten nach Europa bringen?

Kommentar Ein Interviewer der Berliner Morgenpost hat der “Identitären Bewegung” aufgezeigt, dass deren Bootsmission im Mittelmeer in einem PR-Desaster enden könnte. Die Identitären hatten über Crowdfunding weit über 100.000$...

Kommentar

Ein Interviewer der Berliner Morgenpost hat der “Identitären Bewegung” aufgezeigt, dass deren Bootsmission im Mittelmeer in einem PR-Desaster enden könnte. Die Identitären hatten über Crowdfunding weit über 100.000$ gesammelt, um mit einem eigenen Schiff vor Libyen die NGOs zu beobachten und um schiffbrüchige Migranten nach Afrika zurückzubringen. Anscheinend haben die Identitären ihre Mission aber nicht sonderlich weit durchdacht. Denn der Rechtslage zufolge dürfen Rom und die NGOs die Identitären herumkommandieren und aufgenommene Schiffbrüchige müssten von den Identitären ausgerechnet nach Italien gebracht werden:

 „Da müssen Sie vielleicht das machen, was Ihnen eine NGO sagt. Gesteuert werden Rettungseinsätze ja von dem zuständigen Maritime Rescue Coordination Centre (MRCC) in Rom. Das bestimmt aber auch, welches Schiff als On-Scene-Coordinator die Einsatzleitung vor Ort innehat. Dann legt vielleicht eine Ihnen verhasste NGO fest und protokolliert, in welchem Bereich Sie Menschen retten sollen.“

Das wäre eine gigantische Peinlichkeit. Vor allem, weil die Identitären die Geretteten dann nicht nach Libyen zurückbringen dürfen. Es wurde schon gemurmelt, dass man die Geretteten halt irgendwo anders nach Nordafrika bringen werde anstatt nach Europa, aber das ist weder erlaubt, noch würden andere nordafrikanische Länder diese Leute entgegennehmen. Der Interviewer wird noch konkreter:

„Aber wohin Menschen gebracht werden, legt auch das MRCC in Rom fest. Die entscheiden, was der „safe place“ ist, nicht die beteiligten Schiffe. Wenn die Ihnen sagen, dass das Catania ist, und Sie bringen die Menschen dorthin, machen Sie ja nichts anderes als die NGOs.“

Die interviewte Person von den Identitären nuschelt daraufhin etwas von unterschiedlichen Rechtsansichten und das Gespräch bricht ab. Hatten die Identitären diese Regulierungen gar nicht so richtig auf dem Schirm? Oder will man diese ignorieren? Mit welchen Konsequenzen? Ruinösen Gerichtsprozessen? Wenn die Identitären krampfhaft versuchen, Gerettete irgendwo nach Nordafrika zu bringen, werden sie nicht von den jeweiligen Küstenwachen durchgelassen. Dann geht den Identitären irgendwann der Treibstoff aus und sie müssen selber gerettet werden. Und was passiert, wenn man 20 oder 30 Flüchtlinge auf dem Schiff nicht medizinisch und anderweitig versorgen kann? Wenn jemand stirbt? Den Identitären bliebe fast nur übrig, außerhalb der Rettungszonen zu tuckern, Banner aufzuhängen und Selfies zu machen. Ich hoffe inständig, dass die Identitären nicht am Ende 30 Afrikaner nach Catania in Sizilien schippern. Sicherlich würden dann die Linken Siziliens aufmarschieren und ein Willkommens-Ständchen singen.

Die ganze Aktion wirkt überhaupt nicht durchdacht.

Das viel zu teure, viel zu große und viel zu langsame Schiff „C-Star“ der Identitären ist nun auf Schleichfahrt Richtung Libyen unterwegs und verbrennt jeden Tag geschätzte 9000$ Miete plus Treibstoff. Bei dem geringen Tempo wird es noch ein Vermögen kosten, überhaupt erst in die Nähe der Schlepperboote und NGO-Boote zu kommen, die allesamt viel schneller unterwegs sind.

Wäre es nicht möglich gewesen, irgendwohin nach Nordafrika zu fliegen, dort ein kleineres, schnelles Boot anzumieten und dann die NGO-Boote vor Libyen zu beobachten? Einen fetten Yamaha hintendran für ordentlich Dampf? Die Identitären mieteten stattdessen ein viel zu großes, extrem langsames Boot mit streckenweise 20 Azubis an Bord für geschätzte 9000$ am Tag, das durch den Suez-Kanal musste, dann nach Zypern und dann nach Italien und dann nach Libyen fahren sollte. Gab es keine simplere und billigere Alternative?

Die Identitären beschreiben nun auch, wie leicht sie hätten ausgeschaltet werden können: Sellner meinte, die Beschlagnahmung ihrer Kameras/Laptops hätte alles zunichte gemacht. Die Bloggerin Lauren Southern hat gelernt, dass Boote im Mittelmeer für Wochen festgehalten werden können, wenn Kontrolleure irgendeine Kleinigkeit beanstanden.

Die Aktion benötigt nun weiteres Geld. Am Ende werden es vielleicht 250.000$ sein für ein paar wackelige Videoaufnahmen und Sellners Eigen-PR, die seine Vergangenheit und seine Russenkontakte nicht überdecken können. Ganz schön teuer.

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