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Die Neuauflage von “Das Böse entschlüsselt” ist ist ein fundamentales Update und beinahe ein komplett neues Buch. Es hätte wenig Sinn gemacht, einen abgetrennten “Teil 2” zu veröffentlichen und dabei grundlegende Inhalte der ersten Version wegzulassen, denn das Buch entfaltet nur dann seine komplette Wirkung, wenn die vollständigen Erkenntnisse aus vielen verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten zu einem Ganzen werden.

Mann kann leicht den irreführenden Eindruck gewinnen, dass sich Wissen über Psychopathie mittlerweile stark in der Bevölkerung verbreitet hat, angesichts von Unmengen an Filmen, Romanen, TV-Krimis und Dokus über Serienkiller und andere Gewaltverbrecher. Sieht man genauer hin, verbreiten die Massenmedien aber nur einen sehr eingeschränkten Blickwinkel und ein Bündel an Klischees mit minimalem Informationsgehalt und Nutzen für den einzelnen Bürger. Es ist immer der Staat in Form von Ermittlungsbeamten in schnittigen Anzügen, Forensikern und Profilern, der die Killer und die Verbrecher schnappt, damit der Steuerzahler nachts ruhiger schlafen kann. Der Durchschnittsbürger bleibt auch nach 100 Krimi-Geschichten über Serienkiller unfähig, die potenzielle Gefährlichkeit von Partnern, Nachbarn, Babysittern, Kollegen, Finanzberatern oder Politikern einzuschätzen.

Man muss den opferbereiten Ermittlern vom Staat Respekt zollen, aber bizarrerweise erhalten Serienkiller und andere Gewaltverbrecher passive Hilfe vom Staat durch lasche Urteile, Waffenverbote für rechtschaffene Bürger, schlecht kontrollierte Zuwanderung, Personalabbau bei der Polizei und durch den Rückzug des Rechtsstaats aus Problemvierteln.

Die populärwissenschaftlichen Bücher und TV-Programme zur Psychopathie vermitteln deutlich mehr Tiefgang, beschränken sich aber meist nur auf die übliche Kategorie von Serienkillern und anderen Gewaltverbrechern, während ein paar wenige Autoren sich trauen, die Psychopathen in der Wirtschaft und in der Politik anzusprechen, ohne aber Lösungsansätze zu bieten und die Systematik psychopathischer Eliten zu enthüllen. Der Forscher Adrian Raine, der selbst das Gehirn eines Psychopathen hat, befürwortet ein Screening der gesamten Bevölkerung, welches sich schrittweise einführen ließe. Je mehr Serienkiller, Vergewaltiger, Schläger und Terroristen die Bevölkerung plagen, umso eher werden die Mnschen bereit sein, solchen breit angelegten Screenings zuzustimmen. Raines windelweiche Kritik an manchen Auswüchsen staatlicher Kontrolle ändert nichts daran, das er diese Zukunft will. Zu keinem Zeitpunkt demonstriert er in seiner Wunschvorstellung, wie das Volk zuerst die Obrigkeit auf Psychopathie testen könnte, um zu verhindern, dass eine finstere Elite das ultimative Werkzeug zur Bevölkerungskontrolle in Hand bekäme.

Einzelne Elemente von Raine’s Konzept werden längst von unseren westlichen Staaten ausgetestet und vorbereitet. Wahrscheinlich wird es nicht einmal notwendig sein, dass jeder Erwachsene irgendwann eine DNA-Probe abgeben und sich einem Scan seines Gehirns unterziehen muss. Denn die Massen füttern bereits jetzt völlig freiwillig über das Internet und die Sozialen Medien genügend Informationen an einen lernenden Algorithmus, der die Persönlichkeitsstruktur des Einzelnen vermessen kann. Diese sogenannte “Psychometrie” analysiert die Menschen mit erstaunlicher Genauigkeit, ohne dass diese sich darüber bewusst sind.

Eine vollständige Wissenschaft über das Böse gibt es offiziell nicht; stattdessen wird streng abgeschottet an den Einzelteilen herumgeforscht, ohne dass die Bürger bisher davon nennenswert profitieren. Erst wenn man diese Einzelteile zusammensetzt, kann man den Grad der Verseuchung in jeder bedeutenden Gruppierung und Gesellschaftsklasse verstehen und wirkungsvolle Gegenstrategien entwickeln.

Der “aufgeklärte” Bürger von heute glaubt zwar nicht mehr an den Teufel und Dämonen, aber die modernen ideologischen Denkmuster über das Böse sind nicht minder primitiv. Oberflächlich werden die politischen und ideologischen Gegner als psychopathisch verschrien, ohne die Psychopathie in der eigenen verherrlichten Gruppe zu bemerken oder zuzugeben. Inzwischen versuchen Ideologen häufiger, stark vereinfachte Ideen über Psychopathie ihrer fehlerhaften Ideologie unterzuordnen und sie in ihre Ideologie einzubauen.

Manche hatten sich 2014 von meinem ersten Buch ein traditionelles Verschwörungswerk erwartet, von denen es schon viele auf dem Markt gibt; quasi eine aneinandergereihte Sammlung an Einzelfällen von bestätigten und vermuteten Verschwörungen. Mit ein paar von solchen übermäßig politisierten und heftig umstrittenen Einzelfällen ist es unmöglich, das Kernproblem zu verstehen und zu lösen. Die allermeisten Verschwörungsbücher bieten eine solche mehr oder minder solide aufbereitete Sammlung und empfehlen im Schlusskapitel dann irgendeine Ideologie oder ein anderes, längst vom Bösen infiltriertes und verseuchtes System als Rettung. Die Verschwörungsszene selbst ist durchsetzt mit höchst problematischen Individuen und Denkrichtungen und verweigerte sich in den letzten Jahrzehnten einem nennenswerten inhaltlichen Fortschritt.

Bringt man einem Menschen bei, wie das Böse funktioniert und wie er sich schützen kann, wird derjenige die Welt für immer mit anderen Augen betrachten.