Luftschlösser gegen Geld: Motivations- und Finanzgurus

Im Internet hat sich das Millieu der Motivations- und Finanzgurus ausgebreitet wie Schimmel in einem feuchten Altbau. Überall gibt es Bücher, Kurse, Seminare, Online-„Schulen“ und Direkt-Coachings, mit denen man...

Im Internet hat sich das Millieu der Motivations- und Finanzgurus ausgebreitet wie Schimmel in einem feuchten Altbau. Überall gibt es Bücher, Kurse, Seminare, Online-„Schulen“ und Direkt-Coachings, mit denen man angeblich in relativ kurzen Zeiträumen glücklich und (finanziell) frei werden kann:

  • „In 10 Jahren in den Ruhestand gehen!“
  • „In 5 Jahren zum Millionär ohne Risiko!!!“
  • „Mit diesem Trick hat es dieser Mann geschafft, Ferrari zu fahren und zu machen was er will!!!!!!!“
  • „Die Geheimnisse des Daytradings – so werde Sie zum Aktien-Helden!!!!!!!!“
  • „Diese Hausfrau macht ohne Erfahrung 5000$ pro Woche mit einem Internetbusiness!!!!!!!“

Die allermeisten in der Szene sind nichts weiter als sogenannte „Dream Merchants“. Sie verkaufen für teuer Geld Illusionen und Lügen vom einfachen, schnellen Erfolg. Meistens prahlen die großen Coaches und Gurus mit Fotos, auf denen Sportwagen zu sehen sind, Cash, eine Yacht, Helikopter. Solche Fotos sind oft nur gestellt, die Sportwagen nur gemietet. Sie werben damit, für eine der größten Banken gearbeitet zu haben, halten aber ihre vergangenen Trades geheim, weil sie oft erfolglos waren. Ihre Bücher sind manchmal Millionen-Bestseller und sie haben oft eine rührselige persönliche Geschichte anzubieten, die erklärt, warum sie nun ihr „Geheimwissen“ bzw. ihr magisches Rezept an andere weitergeben möchten. Diese Geschichten sind meistens nur pure Erfindung. Man soll ihr Buch kaufen, dann weitere Bücher, und schließlich für mehrere Tausend Euros ein Seminar oder eine Sammlung an Videovorträgen und immer so weiter und so fort. Bei den Seminaren handelt es sich um eine Mischung aus Verkaufsveranstaltung/Kaffeefahrt, QVC-Teleshopping-Drückermethoden und Sektenguru-Bühnenshow. Die ganze Vorstellung verspricht, den zahlenden Kunden die nötige Motivation und die Methoden zu verschaffen, um großen Erfolg zu haben im Immobilienmarkt, mit Aktien oder mit der Gründung von Unternehmen.

Wenn man die Szene der Motivations-/Finanzgurus näher untersucht, stellt man ein paar interessante Dinge fest. Erstens, die großen Gurus vermitteln im Grunde meistens nur sehr dünnes, allgemeines Wissen, das man in ein paar kurzen Sätzen zusammenfassen kann. Der Klassiker: Versuchen Sie erst gar nicht, zu erraten welche Aktien kurzfristig steigen werden, sondern investieren Sie einfach in einen sicheren, langfristigen S&P500 Index Fund mit geringen Gebühren und bleiben Sie dabei, auch wenn es mal einen Crash und ein paar Jahre Flaute gibt. Sparen Sie, wo es geht, um mehr zum investieren zu haben und machen Sie nicht den Fehler, sich wie Otto-Normalbürger möglichst früh möglichst hoch zu verschulden mit Haus und Autos. Assets statt Liabilities. Solche Tipps sind wertvoll, aber diese bekommt man auch wesentlich billiger. Keine teuren Seminare und Bühnenshows mit tausenden Leuten notwendig.

Dann: Die Gurus der Szene waren früher oft selbst hundsmiserable Geschäftsleute und Investoren. Nur als Motivations-Coaches konnten sie wirklich Geld machen. Sie täuschen also vor, Experten auf einem Gebiet zu sein in dem sie heftig versagt haben. Nur als Verkäufer von Illusionen konnten sie punkten. Zumindest zeitweilig. Einige längst vergessene Stars, die auch Millionen Bücher verkauft hatten, gingen pleite und/oder landeten im Gefängnis. Gegenwärtige Stars sind oft in Schwierigkeiten, die sie hinter einer glänzenden Fassade verbergen.

Im Endeffekt waren die Gurus der Szene früher selbst einmal suchende, verzweifelte Seelen und landeten in den Fängen von Motivations-/Finanzgurus. Nur hatten sie sich dann gedacht, dass sie einfach auch in das Guru-Geschäft einsteigen. Sich das Handwerk abzuschauen ist nicht schwer, denn man muss bloß die altbekannte Masche der anderen kopieren, ein paar NLP-Tricks lernen und Handbücher wie „48 Laws of Power“ lesen.

In bester Sektenmanier werden neue Opfer geködert mit teils wertvollen (aber woanders fast kostenlos erhältlichen) Informationen und die Gehirnwäsche beginnt. Das Kultmitglied soll immer mehr und immer teurere Kurse buchen, um „die höheren Levels zu erreichen“ und die eigenen Träume irgendwann wahr zu machen. Von „negativen“ Menschen, gemeint sind Nicht-Kultmitglieder die nicht ständig ein Fake-Lächeln auf den Lippen haben und sich nicht ständig selbst mit Mantras bearbeiten, soll man sich fernhalten. Am besten nur noch unter Gleichgesinnten wandeln.

Werte Leser, Erfolg braucht keine schmierigen Fake-Gurus, keine Denk-Tricks. Erfolg ist nicht leicht, nicht schnell und nicht risikolos und nicht jeder wird an den gewünschten Zielen ankommen. Wer investieren oder ein Unternehmen starten will, kann scheitern und braucht echte Qualitäten, die man nicht nur durch das Konsumieren von Büchern und Kursen erlangt, sondern durch das Produzieren von Dingen in der realen Welt. Man kann sehr viel lernen von gestressten Menschen, die nicht dauernd grinsen.

Interessanterweise lehren die Gurus in aller Regel nichts über Persönlichkeitsstörungen. Denn dann würden bei den Schäfchen sofort alle Alarmglocken schrillen, angesichts der Drückermethoden, des Rockstar-Gehabes und all der Lügen und Versprechungen.

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PsycheWirtschaft
6 Comments on this post.
  • 1234bbg
    27 Juni 2017 at 16:00
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    Auch bei finanziellen Dingen geht es um psychische Stabilität.
    z.B. Kann man es aushalten den Kreditwahn der Nachbarn, Freunde und Bekannten nicht mitzumachen?
    Kann ich es psychisch aushalten ein Auto zu fahren welches mehr als 10 oder 15 Jahre alt ist(Prestige im Umfeld)?

    Die Banken und Verkäufer rechnen einem dann vor was man verdient und an Ausgaben hat und „ob man es sich leisten kann“ dies und das zu kaufen. Meine Meinung dazu: Wenn man einen Kredit aufnehmen muss, kann man es sich definitiv nicht leisen.

    Im Verkauf wird auch mit allen Tricks gearbeitet. Mal wird etwas klein gerechnet („nur 49,99€ im Monat“ -> in Wirklichkeit 599,88 € im Jahr) oder groß gerechnet ( „50 mbit/sek (maximal)“ -> diese werden wir nie erreichen und eine mindestrate werden wir auch nicht einführen).

    Dazu werden auch immer Ängste bedient um dann das Gefühl der Sicherheit zu verkaufen, diese kommen dann in Form von Versicherungen oder Immobilien.

    Dann kommen noch die Finanzgurus dazu, die sich virusartig über Youtube und Co. übers Internet verteilen.

    Wenn man hier keine Abwehrmechanismen aufbaut, wird man von der Macht der Werbung und dem persönlichen Mangel an Wissen über Finanzprodukte überrollt.

  • miekug
    19 Mai 2017 at 14:49
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    Sorry aber wer so blöde ist solchen Angeboten zu glauben der hat es wirklich verdient sein Geld los zu werden weil er damit sicher nur Blödsinn gemacht hätte weil er eben so blöde ist xD

  • ein mensch
    18 Mai 2017 at 17:19
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    nicht zu vergessen was es auch vor dem internet an schmarrn alles gab…fällt mir grad spontan dieses tschakka-tschakka gedöns ein, glaub jürgen höller hieß der…der war mal ende ’90er „mentaltrainer“ bei bayer 04 leverkusen..das ging dann soweit dass die ganze truppe beim training mit nackten füßen über glasscherben laufen mußte :-)) …oder in den ’80ern dieser baghwan sermon, unter deren jüngern sich auch eine grüne tummelte, ebenso ein bekannter tv-philosoph…bizarrer höhepunkt solchen sektengedöns war ein massensuizid ende ’70er unter anleitung von jim jones (knapp 1000 tote)…gab’s mal ’nen netten film dazu..

    https://www.youtube.com/watch?v=XUt2qRdPO3Q

  • Micha
    18 Mai 2017 at 13:56
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    Die Finanzelite möchte genau das hier vorgeschlagene Verhalten a la Index ETF kaufen warten und beten. Für die Elite bedeutet dies noch mehr assets mit denen gespielt werden kann und noch mehr Geld im Markt bei weiter sinkender Liquidität. Über verschiedene Mechanismen im Finanzsystem werden diese sogenannten Ivestoren dazu benutzt um bei großen Marktbewegungen die Gegenseite einfacher spielen zu können. Strategien wie buy and hold, buy the dip, technische oder fundamentale Analyse oder averaging wurden dazu erfunden um dumme Investmentfirmen und Kleinsparer dazu zu brigen Geld in das System brigen zu lassen. Was für den Kleinsparer bleibt sind höchstens kleine dividenden für hochpreisige Assets. Auf der anderen Seite werden Spieler wie größenwahnsinnige CEOs und Marktkonsolidierer kräftig Entlohnt und erhalten mit dem Aktiwnmarkt ein geniales Spielfeld um ihren Interessen einhalt zu bieten. Der durchschnittliche Deutsche sollte eher über Alternativen zu 9-5 nachdenken als über ETF Sparpläne. Wie hier häufig erzählt wird werden bald 50% der Arbeitsplätze wegfallen.

  • HeadShot
    18 Mai 2017 at 13:45
    Leave a Reply

    Also auf eine Note zusammengefasst: Mehr Schein als Sein

    Aber man bedient sich natürlich den klassischen psychologischen Tricks und Illusionstechniken, das stimmt schon. Das ist aber auch bei Politikern nicht anders, so gesehen sind sie auch Motivations- und Finanzgurus. Aber die Masse an Leuten scheint wohl drauf zu stehen, verarscht zu werden.

    Politiker wollen einem damit deutlich machen, dass ihre Worte die unseren seien.

    Fazit:

    Jeder Illusionist muss sein Publikum täuschen können, will er ein Illusionist sein.

    PS: Alex, das Buch „Smile or Die“ reiht sich inhaltlich doch auch in dieses Schema ein!

  • anda
    18 Mai 2017 at 12:33
    Leave a Reply

    Sehr gutes Video! Gibt es ein vergleichbares Video im deutschen Recentr? Die Recentr-Sendungen über Lifestyle, usw. sind genauso einzigartig und sehenswert wie die über Politik, Gesellschaft. Von mir aus könnten mehr in diese Richtung gehen 😀

    Am schlimmsten sind die Gurus, die einem einreden, dass man etwas falsch gemacht hat, weil man zu viele negative Gedanken hatte. „Oh, du hattest mit meiner Methode keinen Erfolg? – Du hattest zu viele Zweifel! Du hast nicht fest genug daran geglaubt! Du hast dich nicht richtig bemüht!“ Die haben immer eine Ausrede, sich aus ihrem Lügengebäude zu winden. Wie in der Esoterik-Szene.

    „Dann: Die Gurus der Szene waren früher oft selbst hundsmiserable Geschäftsleute und Investoren. Nur als Motivations-Coaches konnten sie wirklich Geld machen.“ Wer nichts Eigenes kann, muss halt Ideen von anderen verwursten und halbherzig verkaufen.

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