Elite-Kommunist Macron braucht als Kontrast den Front National

Kommentar Emmanuel Macron ist der Bilderbuch-Elite-Kommunist: Die exklusivsten Unis durchlaufen, Ausbildung bei einer Top-Bank des Großkapitals und auf die Politik vorbereitet durch den französischen Arm des mächtigen Council on...
Gouvernement français/CC BY-SA 3.0 fr

Kommentar

Emmanuel Macron ist der Bilderbuch-Elite-Kommunist: Die exklusivsten Unis durchlaufen, Ausbildung bei einer Top-Bank des Großkapitals und auf die Politik vorbereitet durch den französischen Arm des mächtigen Council on Foreign Relations, welcher natürlich auch die Industrie-Giganten weltweit repräsentiert. Anstatt offen als Kühlerfigur und Frontmann der Raubbarone und des Geldadels aufzutreten, spielt er den Sozialdemokraten vom Typus Fabian Society. Die Fabians wurden von den Reichen aufgebaut als Konkurrenz zu den Moskauer Kommunisten und für den Zweck, den Massen das kommunistische Gefängnis anzudrehen, während die großen Wirtschaftsbosse und Oligarchen natürlich weiterhin von oben alles regieren und ihre Milliarden selbstverständlich behalten.

Nichts an Macron ist überraschend; selbstverständlich will der Geldadel die linke politische Strömung kontrollieren. Aber was ist mit den Rechten? Frankreichs Scheindemokratie hat das gleiche Glaubwürdigkeitsproblem wie die deutsche, weil im Kern fast alle Parteien einen sozialistischen Kurs fahren. Da kommt der Front National gerade recht als dringend benötigtes Schreckgespenst, welches wegen des Kontrast-Effekts die klassischen Parteien weniger kommunistisch aussehen lässt. Genauso wenn man ein verschimmeltes Wrack neben einen schlechten Gebrauchtwagen stellt, wirkt der Gebrauchtwagen weniger schlecht, als er tatsächlich ist.

Durch den Front National sieht Macrons sozialistische Partei weniger kommunistisch und seriöser aus, als sie ist. In Deutschland war es lange Zeit die NPD und nun ist es zunehmend die AfD, welche den sozialistischen Einheitsbrei aus SPD/CDU/GRÜNE/FDP weniger links aussehen lässt.

Dass Macron 2012 ein sogenannter “Young Leader” war bei der “French-American Foundation”, also dem französischen Arm des amerikanischen CFR, sollte ihn eigentlich völlig unwählbar machen bei den linken Wählern. Aber diese Wähler sehen im Moment nur noch die Bedrohung durch den Front National und rennen deshalb zur Wahlurne.

Sozialismus bedeutet in der Praxis, dass es fast allen Menschen gleich schlecht gehen muss und aus diesem Grund will Macron, dass der Deutsche Handelsbilanzüberschuss “rebalanciert” werden müsse. Wenn die linken Idiotenwähler irgendwann einmal merken, dass es von der europäischen Mittelschicht nichts mehr zu stehlen gibt, dann ist das dumme Geglotze groß.

Die rechten Wähler wiederum sind dermaßen geschockt von Macrons Agenda, dass sie ohne jede größere kritische Betrachtung den Front National wählen gehen. Im Ausland weiß fast keiner der Fans von LePen irgendetwas Tiefgründigeres über den Fron National. Blogger, Youtuber etc. wissen vielleicht gerade einmal den Namen der Parteivorsitzenden, dass die Partei irgendwie konservativ ist und soft gegenüber Russland. Mehr nicht. Dann gibt es noch die ganz verschlagenen Schreiber, die nur deshalb den FN bewerben, weil dies im Interesse der Russen zu sein scheint.

Russland hilft bei der Frankreich-Wahl anscheinend dem Front National mit einer typischen Propaganda-Kampagne: Leaks über den LePen-Gegner Macron plus eine Nachrichtenoffensive über die Leaks durch die üblichen Verdächtigen der sogenannten „alternativen“ Medienszene wie Wikileaks, The Rebel Media oder Infowars.

Moskau hilft LePen nicht deshalb, weil man den Front National wirklich traut oder wegen einer echten christlich-konservativen Agenda, sondern einfach deshalb, weil die Führung des FN sich positiv gegenüber Russland geäußert hat. Warme Worte und Gesten also, ähnlich wie bei Trump zuvor. Die Erfolgsaussichten für Moskau sind also selbst bei einem Wahlsieg LePens äußerst fraglich.

Die Macron-Leaks sind zu schwach und die Leute sind abgestumpft, was Leaks anbetrifft. Wahrscheinlich haben europäische Parteien längst ihre Datenarchive bereinigt oder mit ein paar Fakes garniert, damit die russischen Hacker nichts von Wert erbeuten. Auch ein kleiner „nachgeholfener“ Anschlag konnte in der Schlussphase der Wahlen nicht mehr viel bewegen. Größere Anschläge wären für Russland wohl zu riskant gewesen, weil ansonsten die EU weitere, vor allem wirtschaftliche Bestrafungsmaßnahmen gegen Russland umsetzen würde. Das wäre Russland zu teuer. Der ganze Sinn und Zweck der Beeinflussungskampagnen ist, dass russlandfreundliche Parteien in Europa an die Macht kommen und nicht länger Sanktionen verfolgen. Wozu also aus Sicht der russischen Regierung zuviel riskieren zugunsten einer Partei Front National, der man gar nicht so richtig trauen kann?

Donald Trump erzählte den Menschen im Wahlkampf einfach genau das, was sie hören wollten. Beispielsweise, dass er den Russen freie Hand geben und sich hauptsächlich auf Amerikas Jobs konzentrieren werde. Russland half nach mit einer Propagandakampagne zugunsten von Trump und zulasten von Hillary. Als Präsident agierte Trump dann aber ganz anders als versprochen, denn hinter Trumps Administration stecken die altbekannten rechten Establishment-Netzwerke.

Falls Marine LePen heute in Frankreich die Wahlen gewinnt, wird sie dann genauso reagieren wie Trump und ihre Wahlversprechen brechen? Wird sie vor allem die Russen enttäuschen? Und diejenigen Wähler, die sich einen grundsätzlichen Wandel erwarten? Sie spielt die Rebellen-Rolle und ist nicht direkt eine Kühlerfigur von rechten Establishment-Kreisen. Aber ihre Partei verstand sich bis zur Wende als „atlantische“ Partei (Westbindung) und speiste sich aus ultra-rechten OAS-Geheimsoldaten, kompromittierten Offizieren des grausamen Algerienkriegs, sowie französischen SS-Leuten die gegen Ende des Krieges leicht hätten von dem amerikanischen Geheimdienst OSS rekrutiert werden können.

Als Faustregel gilt, dass als Staatsoberhäupter am liebsten Geheimdienst-Assets der zweiten oder besser noch dritten Generation verwendet werden. Marine LePens Vater Jean-Marie folterte anscheinend wie so viele französische Offiziere im Algerienkrieg und war somit theoretisch erpressbar. Von den Methoden, die im Algerienkrieg zur Aufstandsbekämpfung entwickelt und verbessert wurden, profitieren heute die ganze EU und die NATO.

Die Amerikaner unternahmen nach 1945 große Anstrengungen, um die rechten Szenen in Europa zu kontrollieren. Das bekannte GLADIO-Programm war dabei nur eines von vielen.

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