Politik

Akute Gefahr eines Anschlags unter falscher Flagge vor der Frankreich-Wahl

Der Kreml-Kenner Edward Lucas vermutet offen, dass die Russen für einen Anschlag in Frankreich sorgen könnten, um LePen damit zum Sieg zu verhelfen.

„Nur Leute wie ich haben ein Eingreifen Russlands in die US-Wahlen erwartet.“

Der berühmte russische Moderator Wladimir Solowjow meinte im Staatskanal „Russland 1“ nach der ersten Wahlrunde in Frankreich, dass noch zwei Wochen Zeit seien für Anschläge, die LePen helfen würden. Edward Lucas, der u.a. Chef des Moskauer Büros der Zeitung The Economist gewesen war, spekulierte auch über einen möglichen Inside Job der russischen Geheimdienste bei dem Absturz einer Passagiermaschine über Sinai mit vielen russischen Touristen an Bord:

[Manche] könnten sich fragen, ob diese Tragödie in Ägypten nicht auf eine perverse Weise ein Stunt war, um Russlands militärische Ambitionen in Syrien zu rechtfertigen.

Putin habe versucht, den Anführer im Krieg gegen den islamischen Terror zu spielen und gleichzeitig höchst fragwürdige Partnerschaften unterhalten.

Einige betonen, dass tschetschenische Kämpfer nun zu den gefürchtetsten Unterstützern des Kremls gehören. Anstatt die abtrünnige Republik zu zerschlagen, hat er sie mit Geld und Gefallen für sich begeistert.

Putin kopierte zwar die neokonservative Masche und den Krieg gegen den Terror von George W. Bush, behielt allerdings eine relativ neutrale Position im mittleren Osten. Das Eingreifen in Syrien jedoch ändert diese Situation.

Putin war zunächst eine wackelige Figur, die von Boris Jelzin als Nachfolger auserkoren wurde und dessen Rivalen ihn schnellstmöglich wieder loswerden wollten. Niemand erwartete, dass der in der Bevölkerung unbekannte Putin sich lange halten würde. George W. Bush in den USA war nach Amtsantritt im Januar 2001 schnell als “lahme Ente” verschrien.

Bush bekam mit 9/11 den dringend benötigten Katalysator, um die neokonservative Geopolitik zu beschleunigen und auch innenpolitisch mit dem Patriot Act die Handschuhe auszuziehen. Putin bekam mit den Anschlägen auf Wohnhäuser in Russland 1999 gewaltigen Auftrieb, um seine Konkurrenten loszuwerden, mit einem Krieg gegen Tschetschenien die Ex-Sowjet-Region wieder einzufangen, eine hohe Beliebtheit zu erlangen und im Inland einen diktatorischen Kurs zu fahren.

In beiden Fällen handelte es sich nach offiziellen Regierungsangaben um islamischen Terrorismus: Bei den Amerikanern die al-Kaida mit Osama Bin Laden an der Spitze, auf der anderen Seite tschetschenische Separatisten die ihren Scharia-Staat behalten wollten und Schamil Bassajew folgten. Von beiden Terrorfürsten wurden fast identische Proapagandavideos im TV gezeigt:

Erwischt

Am Abend des 22. Septembers 1999 bemerkte ein aufmerksamer Bewohner eines Wohnhauses in Rjasan zwei Männer, die schwere Säcke aus ihrem Auto in den Keller schleppten. Die lokale Polizei wurde gerufen und die gesamten umliegenden Wohnungen wurden evakuiert. Der Inhalt der Säcke stellte sich beim ersten Test als Sprengstoff (Hexogen) heraus. Alle Straßen, die aus der Stadt führten, wurden stark überwacht, aber es gab keine weiteren Spuren.

Der russische Geheimdienst (FSB) erklärte 48 Stunden später mit äußerster Dreistigkeit, dass dieser Vorfall ein Training gewesen sei und die Säcke Zucker enthalten hätten. Das Ergebnis der ersten Sprengstoffanalyse wurde widerrufen, da es wegen einer Verschmutzung des Analyseapparates durch vorangegangene Tests ungenau gewesen sei. Der öffentliche Untersuchungsausschuss konnte kein endgültiges Ergebnis zu diesem Ereignis vorlegen, da von verschiedenen Behörden der Russischen Föderation widersprüchliche Auskünfte erteilt wurden. Der Generalstaatsanwalt schloss die Untersuchung des Vorfalls in Rjasan im April 2000 ab. Die Beweise vom Vorfall in Rjasan wurden für 75 Jahre versiegelt.


Bassajew und der jordanische Wahabit Ibn Kattab, der mit Osama Bin Laden verkehrt haben soll, stritten beide die Taten ab. Das russische Militär marschierte im Herbst 1999, nur wenige Tage nach den Anschlägen, in Tschetschenien ein unter dem Banner einer “Antiterrormaßnahme”. Ohne vorher zweifelsfrei die Taten aufgeklärt zu haben.

Nach seinem Schulabschluss 1982 leistete Bassajew seinen Grundwehrdienst in der sowjetischen Luftwaffe. Vergeblich bemühte er sich um ein Jurastudium an der Moskauer Lomonossow-Universität. Torsten Mann schreibt in seinem Buch Weltoktober:

“Sowohl über Schamil Bassajew als auch über seinen Bruder Schirwani ist bekannt daß diese in der Vergangenheit bereits für die sowjetische [Geheimdienstgruppe] GRU gearbeitet haben. Auch der erste ‘unabhängige’ Präsident Tschetscheniens, Dschochar Dudajew, hat eine bermerkenswerte Vergangenheit als General der sowjetischen Luftwaffe und Kommandeur einer Division nuklear bewaffneter Langstreckenbomber hinter sich.

Auch soll vor dem Beginn des zweiten Tschetschenienkrieges im Sommer 1999 in Frankreich ein Treffen zwischen Schamil Bassajew einerseits und Boris Beresowski sowie Jelzins Stabschef Alexander Woloschin andererseits stattgefunden haben, bei dem Absprachen für einen neuen Krieg in Tschetschenien getroffen worden sein sollen, für den Bassajew mit russischen Waffen und Finanzmitteln ausgerüstet wurde. Das bedeutet dass der neue Krieg vom Kreml bereits lange Zeit vor den Anschlägen geplant worden war, was Sergei Stepaschin, der damalige Chef des FSB, im Frühjahr 2000 auch tatsächlich zugab.”

Der bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommene russische Genral Alexander Lebed sagte gegenüber der französischen Zeitung Le Figaro, er sei beinahe davon überzeugt, dass die russische Regierung den Terror gegen ihre eigenen Bürger organisiert habe. Ein russischer, in Tschetschenien eingesetzter Offizier der Luftlandetruppen, erklärte, dass die Tschetschenen im Vorfeld über russische Operationen Bescheid wussten.

Der tschetschenische Präsident Aslan Maschadow ging davon aus, dass die Rebellen rund um Bassajew von Moskau aus gesteuert und finanziert wurden. Der tschetschnenische Mufti Kadyrow meinte, dass eingeschleuste russische Provokateure den Krieg begonnen hatten und der russische Genralstab den Konflikt auf beiden Seiten kontrolliere. Der Militärexperte Alexander Golz erklärte, der Konflikt habe den Zweck erfülllt, alte Waffen und Munition zu verbrauchen und den russischen Soldaten eine bessere Militärausbildung angedeihen zu lassen.

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4 comments

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KIDWITDEGUN 4. Mai 2017 at 23:58

Nein. Alex wendet Jahrzehnte von Recherche auf und schreibt täglich Blogs, obwohl ihn eigentlich exotische Schmetterlinge interessieren.

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KIDWITDEGUN 4. Mai 2017 at 1:27

Die AfD ist laut Frauke Petry noch nicht gut organisiert und hat noch nicht eimal genügend Personal in alle Bundesländern. Ihr wirtschaftliches Programm unterscheidet sich kaum von anderen Parteien und ihre Haltung gegenüber Russland ist naiv und gefährlich. Mit immer schrillerem Populismus anstatt gelassenem Konservatismus ist sie noch keine Alternative, sondern höchstens ein die CDU treibendes Medienphäomen. Du kannst ja AfD wählen. Aber ich bin zunehmend weniger begeistert.

Warum man LePens Partei rechtsextrem nennt? Vielleicht weil sie Franzosen bevorzugen und somit eine zweiklassige Arbeitsgesellschaft auf rassistischer Basis schaffen will? Und vielleicht weil dort einige rechte Geister im Schatten lauern, die wir lieber rufen sollten?

Es tut ja ganz ehrlich gut, diese rechten Alternativen zu haben. Aber irgendwie fühlt es sich derzeit nicht richtig an, unter diese Umständen den armen Griechen und Spaniern den Rücken zu kehren.

Und wenn Alex Recht behält, dann sind unsere Worte sowieso bedeutungslos. Dann hat unser Deepstaate die nächsten 30 Jahre bereits fertig geplant. Und die sehen wie folgt aus: Weitere Einwanderug, weitere Islamisierung, dadurch Schaffung eines rechtsextremen religiösen Untergrundes, anschließend dritter Weltkrieg gegen alle und Weltregierung.

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KIDWITDEGUN 4. Mai 2017 at 1:05

Wenn man ehrlich ist, dann ergibt sich in der Mitte Europas gerade ein ziemliches Machtvakuum.
Und zwar genau jetzt.

AMERIKANISCHE Präsidenten scheinen sich von Putin den Schneid abkaufen zu lassen und, wie Prof. Herfried Münkler sagt, “Prestige ist die Währung von Großreichen”. Außerdem sind sie mit ihrem Militär im Nahen Osten und mit ihrer Aufmerksamkeit im südchinesischen Meer gebunden. (Zumindest würde ihm ein imagemäßig unterwürfiges aber ihm zu Seite stehendes, geeintes Europa nützen.) ENGLAND bekennt derzeit, dass es Europa zu führen nicht bereit ist. FRANKREICH blamiert sich mit 25% Begeisterung für eine Nazi-Schlampe oder 25% Begeisterung für eine Rothschild-Schaufensterpuppe. ALLE ANDEREN europäischen Länder sind entweder unwichtig oder pleite.

Mit der in Europa rekordverdächtigen Aufnahme von Flüchtlingen hat Deutschland endgültig den Joker gegen künftiges Ausspielen der Nazi-Karte durch andere Länder gespielt. Und noch ist Deutschland am wenigsten rechtspopulistisch, was eher zunehmen wird.

Also wenn ich Angela Merkel wäre, dann würde ich mich einigermaßen gegen weitere Einwanderung positionieren, um Europa aufatmen zu lassen. Ich würde verkünden, das deutsche Volk endlich über eine Verfassung abstimmen zulassen. Und zwar, um die Republik gegenüber irgendwelchen Reichsbürgern abzusichern, um die AfD Wähler abzuwerben, und Russlands Spiel mit dem Feuer um die Ostgebiete auszutreten. Gleichzeitig würde ich Europa weitere Hilfsgelder zusichern, um das europäische Projekt zu retten und Griechenland und den osteuropäischen Staaten gegenüber Russland Mut zu machen. Dann würde ich nur Macron irgendeinen Deal anbieten, um LePen als Spalterin hinzustellen, und somit als Deusche die französische Wahl entscheiden und mich als alleinige europäische Führungsfigur darzustellen.

Anschließend würde ich darauf warten, dass die USA mich um Hilfe bittet und mir im Gegenzug Aufrüstung der Bundeswehr erlaubt.

>>> Unter diesen Umständen wäre ich bereit, weiter für Europa zu zahlen.

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SchwUlejungs 3. Mai 2017 at 21:38

Die Grünen ficken seine Afd ?

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