Britische Leaks von 2013 über Inszenierung von Giftgas in Syrien waren gefälscht

2013 machte ein Bericht der britischen Zeitung Daily Mail die Runde über eine angebliche Inszenierung von Giftgasangriffen in Syrien durch eine britische Sicherheitsfirma, für die dann das syrische Regime...
Hunkering down: a poster of Syria's president at a checkpoint on the outskirts of Damascus, Jan. 14 2012. (E. Arrott/VOA)

2013 machte ein Bericht der britischen Zeitung Daily Mail die Runde über eine angebliche Inszenierung von Giftgasangriffen in Syrien durch eine britische Sicherheitsfirma, für die dann das syrische Regime von Baschar al Assad verantwortlich gemacht werden sollte. Vor Gericht wurde jedoch bald darauf von der Daily Mail eingestanden, dass man sich auf gefälschte E-Mails verlassen hatte.

Genau dieser widerlegte alte Bericht wird aber nun, nach US-Präsident Trumps Luftschlägen gegen Assads Militärflugfeld, wieder ausgegraben von pro-russischen Internetmedien.

Auf GlobalResearch und vielen anderen Seiten werden nun Kopien des inzwischen gelöschten Artikels der Daily Mail von 2013 über die Angelegenheit gepostet, um den Eindruck zu erwecken, als könnte man pauschal jeden Giftgaseinsatz in Syrien als Inszenierung der Amerikaner betrachten. Was die Russland-Freunde dabei unterschlagen, ist dass die Daily Mail vor Gericht eingestehen musste, dass der Bericht keine Substanz hatte. Eine Geldstrafe wurde gezahlt und man hielt fest, dass das Quellmaterial gefälscht war. Wer hinter dieser Desinformation steckt, ist unklar, aber den propagandistischen Nutzen davon im Jahr 2013 hatte Russland.

In dem Bericht war die Rede gewesen von Emails, die angeblich von dem Rüstungskonzern Britam gestohlen wurden. In den Mails ging es um einem Plot, der von Washington grünes Licht und von Katar das nötigen Finanzmittel erhalten haben soll. Ein Einsatz chemischer Waffen sollte durchgeführt und dem Assad-Regime angelastet werden. Dadurch wäre die sogenannte „rote Linie“ der Obama-Administration überschritten worden.

Ein Hacker aus Malaysia veröffentlichte 2013 den Fake-Emailverkehr zwischen dem Britam Business Development Director David Goulding und dem Firmengründer Philip Doughty.

Wir haben ein neues Angebot. Es dreht sich wieder um Syrien. Die Kataris schlagen ein attraktives Geschäft vor und schwören, dass die Idee das Einverständnis von Washington hat.

Wir müssten eine CW [chemische Waffe] nach Homs bringen, eine g-shell sowjetischen Ursprungs aus Libyen, ähnlich wie die die Assad haben muss. Sie wollen dass wir unser ukrainisches Personal rausschicken das russisch sprechen muss und Videoaufzeichnungen anfertigen soll.

Offen gesagt halte ich das nicht für eine gute Idee aber die vorgeschlagenen Summen sind gigantisch. Deine Meinung?

Viele Grüße

David

Cyber War News erläuterte im Detail, wie die Emails gehackt wurden und liefert Screenshots der Dokumente. Außerdem sollen „extrem persönliche Informationen“ abgegriffen worden sein, wie etwa Scans von Ausweisen Britam-Angestellter, manche davon augenscheinlich Söldner. Eine vollständige Liste der Dokumente war hier zu finden.

Einerseits ist Washington durchaus zu schmutzigen Tricks bereit, allerdings nur wenn das Ziel ein schwaches Land ohne große Verbündete ist wie etwa Afghanistan oder der Irak. Bei Syrien hätte der angebliche Plot mit dem Giftgas dazu geführt, dass Obama entweder Truppen hätte entsenden müssen oder ausgesehen hätte wie ein Mann leerer Drohungen. Der Irakkrieg war extrem unpopulär und führte zu mehr Instabilität, also erschließt sich kaum der Sinn hinter der Vorstellung, dass das Weiße Haus mit Obama unbedingt einen Vorwand inszenieren wollte, um Truppen nach Syrien zu schicken und eine sinnlose Konfrontation mit Russland zu riskieren. Viel einfach ist es, mit verdeckten Hilfen an die Rebellen den Krieg weiter zu befeuern und dabei zuzusehen, wie Russland das Geld und die Geduld ausgeht.

Die Britam-Leak-Story von 2013 erscheint also eher wie russische Desinformation. Wenig überraschend, dass genau dieser Nonsens heute wieder ausgegraben wird von kremlfreundlichen Medien, um den kürzlichen mysteriösen Giftgaseinsatz auch wieder pauschal als False Flag der Amerikaner zu bezeichnen.

Im August 2012 warnte Präsident Obama Syrien vor dem Einsatz chemischer Waffen gegen die CIA- und Saudi-gestützten Rebellen:

„Wir können keine Situation tolerieren, bei der chemische oder biologische Waffen in die Hände der falschen Leute fallen,“

meinte Obama während einer Pressekonferenz im Weißen Haus.

„Wir waren gegenüber dem Assad-Regime sehr deutlich – aber auch gegenüber anderen Gruppen dort. Die Linie die für uns nicht überschritten werden darf, ist wenn ein Haufen chemischer Waffen hin und herbewegt oder eingesetzt wird.“

Im Dezember wiederholte Außenministerin Hillary Clinton diese Warnung. Auf die Frage, ob die USA militärisch eingreifen würden um Syriens chemische Waffen sicherzustellen, erklärte der damalige Verteidigungsminister Panetta, dass der Aufmarsch von Truppen eine „Möglichkeit“ sei.

Syrien erklärte gegenüber den Vereinten Nationen, dass al-Kaida oder andere extremistische Gruppen mit Unterstützung der USA an chemische Waffen gelangen könnten. Außerdem warf Syrien den CIA-gestützten Rebellen vor, solche Waffen bei einem Raketenangriff auf das Dorf Khan al-Assal nahe Aleppo benutzt zu haben. 16 Leute seien getötet und 86 weitere verletzt worden.

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