Liefert Nordkorea eine neue Art Kuba-Raketenkrise für die USA?

Von Kurt Nimmo In einem Kommentar des nordkoreanischen Regierungsblattes Tongil Sinbo wurde behauptet, dass die USA eine große Anzahl von Atomwaffen in Südkorea und Japan stationiert hätten. Kim Yong-Kyu,...

Von Kurt Nimmo

In einem Kommentar des nordkoreanischen Regierungsblattes Tongil Sinbo wurde behauptet, dass die USA eine große Anzahl von Atomwaffen in Südkorea und Japan stationiert hätten. Kim Yong-Kyu, ein Sprecher des US-Militärkommandos in Seoul, wies diese Behauptung zurück und erklärte, die USA hätten keine Atomwaffen mehr in Südkorea.

„[Nordkorea] ist vollständig in Reichweite eines US-amerikanischen nuklearen Angriffes und die koreanische Halbinsel wird zu einem Raum, in dem das Risiko eines nuklearen Krieg das größte weltweit ist“,

behauptete die Zeitung. Im April 2009 forderte Bruce Klinger von der Heritage Foundation Sanktionen gegen Nordkorea durch Obama, sonst würde der Präsident Gefahr laufen, dass sich „Kennedy’s katastrophal schwache Leistung bei einem Treffen 1961 mit Nikita Chruschtschow, die die sowjetischen Führer ermutigte sich in die Berlin-Krise und die Kuba-Krise einzuschalten,“ wiederholen könnte.

Russland nimmt derweil die Gefahr eines Atomkriegs ernst. Laut offiziellen Nachrichtenagenturen hat die Russische Föderation bereits Vorbereitungen getroffen um die Schäden zu begrenzen, die nach einem atomaren Krieg entstehen könnten. Besonders der Osten Russlands wäre betroffen, entweder durch direkte Schäden oder durch radioaktiven Fallout. Mehrere staatliche Behörden wären alarmiert worden um die potenziellen Auswirkungen von atomaren Explosionen zu begrenzen.

Obwohl es auf der koreanischen Halbinsel kein geeignetes Testgelände für eine thermonukleare Bombe gibt, sind Nordkoreas Wissenschaftler und Ingenieure zuversichtlich, da eine Reihe von Computer-Simulationen gezeigt hätten, dass ihre Wasserstoffbomben tauglich seien. Die nordkoreanische Botschaft lautet, dass alle wunden Punkte der USA, von Japan und Südkorea als Testgelände für ihre thermonuklearen Waffen dienen werden. Die koreanische Hauptnachrichtenagentur meldete am 25. Mai, dass der unterirdische Atomtest auf Antrag von Forschern und Ingenieuren durchgeführt worden war und berichtete:

„Der aktuelle Atomtest wurde sicher auf einem neuen, höheren Niveau in Bezug auf seine Sprengkraft und auf die Steuerungstechnologie durchgeführt und die Ergebnisse halfen die wissenschaftlichen und technologischen Probleme zu lösen, die sich bei der weiteren Steigerung der Leistung von Kernwaffen und der ständigen Weiterentwicklung dieser Technologie ergeben.“

John Pike, der Gründer und Direktor von globalsecurity.org, sagte zu der Publikation Weekly Standard am 19. Oktober 2006, dass der nordkoreanische Atomtest in jenem Jahr möglicherweise der Test eines Zünders für eine viel größere Wasserstoffbombe war. In seinem Artikel in der New York Times am 7. April 2009 enthüllte er, dass „Nordkoreas schwacher Atomtest im Oktober 2006 in Einklang steht mit Unter-Kilotonnen-Tests der Zünder für eine Wasserstoff-Bombe“. Er fügte hinzu:

„Möglicherweise können Nordkoreas Wasserstoffbomben leicht auf Raketen montiert werden.“

Szenario eines Atomkriegs

Nach der Verlagerung auf den sogenannten Plan B hatte der inzwischen verstorbene Oberste Führer Kim Jong-il eine nukleare Strategie in die Militärpolitik aufgenommen die sich mit dem nuklearen Schurkenstaat Amerika und seinen Verbündeten Südkorea und Japan beschäftigte. (Siehe Kim Jong-il shifts to Plan B, Asia Times Online, 21. Mai) Die Strategie ist in erster Linie, militärisch zu verhindern dass die USA die Pläne der Regierung Nordkoreas für wirtschaftlichen Wohlstand bis zum Jahr 2012 sabotieren – dem Jahrestag der Geburt von Gründervater Kim Il-sung – Pläne mit dem Ziel, Nordkoreas Mitgliedschaft in den drei Elite-Klubs der Kernenergie, der Raumfahrt und der wirtschaftlichen Macht zu vervollständigen. Das zweite Ziel ist, die Herzen und Köpfe der 70 Millionen Koreaner  im Norden, im Süden und im Ausland zu gewinnen und sie davon zu überzeugen dass Kim Jong-il hat, was man braucht um die amerikanische Präsenz in Korea zurückzudrängen und zu neutralisieren. Dadurch können die Teile des alten koreanischen Landes – wie überliefert von DANKUN vor 5000 Jahren und JUMON vor 2000 Jahren – schneller  unter einem konföderalen Dach als wiedervereinigter Staat zusammenwachsen. Der koreanischen Bevölkerung soll vermittelt werden, dass Kim Jong-il eine Art heldenhafter koreanischer David ist, der gegen den amerikanischen Goliath antritt, und dass er es ist, der die lang schwelenden moralischen Konflikte mit den USA über einen mehr als 100-jährigen Zwist beendet, der zurückreicht bis zum Taft-Katsura-Abkommen 1905 und der Invasion Koreas durch die USS General Sherman 1866.

Vier Arten von Angriffen mit Wasserstoffbomben

Das Strategie eines Atomkriegs sieht vier Arten von thermonuklearen Angriffen vor: (1) die Bombardierung von Kernkraftwerken, (2) Detonationen von Bomben über dem Ozean vor den USA, Japan und Südkorea, (3) Detonationen der H – Bomben im All über den Ländern, und (4) thermonukleare Angriffe auf ihre städtischen Zentren. Der erste Angriff verwandelt die Kernkraftwerke an der Küste der drei Länder in Multi-Megatonnen H-Bomben. Die New York Times vom 24. Januar 1994 zitierte die Warnung von Paul Leventhal, Präsident des Nuclear Control Instituts, dass Nordkorea ohne weiteres Wasserstoffbombenangriffe auf Südkorea starten könnte.

„Nordkoreas Vergeltung für Bombardierungen könnte zu weit mehr Niederschlag im Süden als im Norden führen … Nordkoreas Vergeltungsmaßnahmen könnten ein Tschernobyl bei weitem übertreffen.“

Wenn ein durchschnittlich operierendes Kernkraftwerk getroffen wird, bläst es soviel tödlichen Fallout wie 150-180 H-Bomben in die Luft. Die Bombardierung eines Kernkraftwerks würde das japanische Archipel und Südkorea unbewohnbar machen. Um das gleiche mit den USA zu tun, könnte man eine Anlage an der Westküste und eine andere an der Ostküste bombardieren. Nichts ist einfacher als die Bombardierung eines Kraftwerks an einer Küste. Es besteht keine Notwendigkeit für eine ballistische Rakete. Primitive Mittel würden den Job erledigen. Die USA betreiben über 103 Kernkraftwerke mit Vor-Ort-Lagerung einer riesigen Menge abgebrannter Brennstäbe und Japan betreibt über 53 Atomkraftwerke. Japan hat einen Vorrat von waffenfähigem Plutonium – genug, um mehr als 1.000 Atombomben in einem kurzen Zeitraum zu bauen. Südkorea betreibt über 20 Kernkraftwerke, ebenfalls mit Vor-Ort-Lagerung einer riesigen Menge verbrauchter Brennstäbe. Die Detonation der See-oder Unterwasser-H-Bomben über den Festlandssockeln der drei Länder wird nukleare Tsunamis mit verheerenden Folgen auslösen. Eine RAND-Studie von 2006, die von dem Szenario einer auf einem Schiff im Hafen von Long Beach explodierenden 10-Kilotonnen Bombe ausgeht, beinhaltete einige erschütternde Schlussfolgerungen:

Innerhalb der ersten 72 Stunden würde ein großer Teil des Großraums Los Angeles vernichtet werden. Weil Bodenexplosionen besonders große Mengen von hoch radioaktiven Abfällen erzeugen, würden Niederschläge aus der Explosion viel von der Zerstörung verursachen. In einigen der dramatischsten möglichen Ergebnisse:

  • könnten sechzigtausend Menschen sofort sterben, durch die Explosion selbst oder bald danach durch die Strahlung.
  • werden 150.000 weitere Menschen gefährlichen Mengen von radioaktivem Wasser und Sedimenten aus dem Hafen ausgesetzt sein und medizinische Behandlung benötigen.
  • könnten die Explosion und die nachfolgenden Brände die gesamte Infrastruktur und alle Schiffe im Hafen von Long Beach und dem angrenzenden Hafen von Los Angeles zerstören.
  • könnten sechs Millionen Menschen versuchen, aus der Region Los Angeles zu fliehen.
  • müssten Zwei bis drei Millionen Menschen umgesiedelt werden, da durch den radioaktiven Fallout 500 Quadratkilometer verseucht sein könnten.
  • könnte die Benzin-Versorgung  in der gesamten Region durch den Verlust der Long-Beach-Raffinerien zusammenbrechen. Diese Raffinerien decken ein Drittel des Bedarfs westlich der Rocky Mountains.

RAND schätzt die wirtschaftlichen Kosten auf mehr als 1 Billion Dollar. Die dritte Möglichkeit eines Angriffs, eine Detonation von Wasserstoff-Bomben in grosser  Höhe, die einen starken  elektromagnetischen Puls (EMP) auslöst, würde die Kommunikation und die gesamte elektrische Infrastruktur der USA, ganz Japans und Südkoreas zum Erliegen bringen.

Viele der essentiellen Systeme die notwendig sind um einen Krieg zu überleben wären unbrauchbar, wie z.B. Computer, die sofort Störungen haben oder gar nicht mehr funktionieren werden. Militär-und Kommunikationssysteme wie Radar, Antennen und Raketen wären nicht mehr zu gebrauchen, ebenso Energiequellen wie Kernkraft oder Verkehr- und Kommunikationseinrichtungen, einschließlich Flughäfen, Flugzeuge, Eisenbahnen, Autos und Handys. Ironischerweise ist die Allgegenwart der High-Tech- Computer-Gadgets in den USA, Japan und Südkorea der Grund, warum sie besonders anfällig für EMP Angriffe sind. Beim letzten und vierten Angriff würden dutzende Interkontinenatraketen abgefeuert – jeweils mit einem thermonuklearen Sprengkopf und einem bestimmten Ziel. Die Yongbyon-Nuklearfabrik ist seit jeher dazu da, die Aufmerksamkeit der Amerikaner zu erregen und um sie in Verhandlungen über einen Friedensvertrag zu bringen um das formelle  Ende des Korea-Krieges zu besiegeln. Seit Mitte der 80er Jahre baute Nordkorea 100-300 Atomsprengköpfe in einem ultra-geheimen Atomwaffen-Programm. Die Sprengköpfe  können auf Mittelstreckenraketen montiert werden. Der Prototyp einer Interkontinentalrakete wurde Ende der 80er Jahre fertiggestellt. Mit zwei Prototypen wurden am 29. Mai 1993 Tests durchgeführt, eine Rakete wasserte im Meer bei Honolulu und die andere bei Guam. Die Kim Jong-il-Regierung kündigte den weiträumigen Raketentest für die US-Regierung an. Aber die amerikanische Reaktion war skeptisch. Im April 2001 zitierte die Associated Press Navy-Vertreter Mark Kirk’s „erschreckende Erfahrung im Jahr 1993 mit einem, wie es schien,  möglichen nuklearen Angriff“ aus Nordkorea. Er erinnert sich:

„Es war ein Raketenstart aus Nordkorea ohne Vorwarnung, ohne Hinweis, und das erste und einzige Mal in meiner Karriere im NMJIC [National Military Joint Intelligence Center], konnte ich sehen, wie das ganze Spektrum des US-Militärs innerhalb weniger Sekunden aufwachte.

Wir wussten nicht, welche Art von Rakete es war, also war das mögliche Zielgebiet am Anfang die gesamten Vereinigten Staaten und man dachte, was werden wir in 12 Minuten tun: Würden wir dem Präsident mitteilen müssen, dass wir eine amerikanische Stadt verloren haben? Wir würden die Antwort in 12 Minuten kennen. Zunächst wäre noch die Pazifikküste möglich gewesen, dann nur noch Hawaii.“

AP fügte hinzu:

„Die Tests von 1993 erregten zunächst nicht viel Aufsehen, da erst zu einem späteren Zeitpunkt klar wurde, dass die Rakete wahrscheinlich über Japan flog und im Pazifischen Ozean landete, sagte Kirk.“

Erst 1998 informierten die USA die japanische Regierung von dem Überflug einer nordkoreanischen Langstreckenrakete bevor sie bei Hawaii niederging. Die NASA erkannte den koreanischen Satellitenstart 1998 stillschweigend als einen Erfolg an. Nach einem AP-Bericht vom 12.2.2003 hatten US-Geheimdienste bereits schon ein paar Jahre zuvor Kenntnis davon, dass Nordkorea im Besitz von ballistischen Flugkörpern ist, die die westlichen Vereinigten Staaten und möglicherweise auch Ziele weiter im Landesinneren erreichen können.

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