Als das Deutsche Reich noch mit den Türken die Bagdad-Bahn baute

Ein neues Sultanat Erdogans gilt derzeit als absolute Horrorvorstellung. Als die Türkei allerdings noch ein richtiges Großreich war, werkelte man gemeinsam mit dem Deutschen Reich an der Bagdad-Bahn und...

Ein neues Sultanat Erdogans gilt derzeit als absolute Horrorvorstellung. Als die Türkei allerdings noch ein richtiges Großreich war, werkelte man gemeinsam mit dem Deutschen Reich an der Bagdad-Bahn und brachte damit Frankreich, England, Russland und die USA ins Schwitzen.

Die Bagdadbahn ist eine 1.600 Kilometer lange, in den Jahren 1903 bis 1940 im Osmanischen Reich und dessen Nachfolgestaaten errichtete Eisenbahnstrecke von Konya (heute in der Türkei) nach Bagdad (heute im Irak). Die Bahn ist eine ingenieurtechnische Meisterleistung und eines der aufwändigsten Infrastrukturprojekte jener Zeit.

Im 19. Jahrhundert war das Osmanische Reich gegenüber den europäischen Großmächten endgültig ins Hintertreffen geraten und hatte den größten Teil seines auf dem Balkan gelegenen Territoriums verloren; seine Hauptstadt Konstantinopel rückte dadurch an den Rand des Staatsgebietes. Wie die Entwicklung in Europa und Amerika zeigte, bildeten Eisenbahnen die Grundlage für wirtschaftlichen Fortschritt und Expansion in die Fläche. Nach diesen Vorbildern hoffte Sultan Abdülhamid II., mittels der Eisenbahn als eines leistungsfähigen, effizienten und schnellen Transportsystems sein Reich bis zum Persischen Golf ökonomisch zu erschließen und politisch zu stabilisieren, denn größere Truppenverschiebungen im Osmanischen Reich benötigten Monate.

Das Osmanische Reich war über französische Großbanken, die die Banque Impériale Ottomane kontrollierten, und die Administration de la Dette Publique Ottomane, die Staatsschuldenverwaltung, finanziell stark von Frankreich abhängig. Durch den Auftrag an britische oder deutsche Banken zur Finanzierung der Bagdadbahn wollte der Sultan sein Reich aus dieser Abhängigkeit befreien. Die britische Regierung begrüßte diese Aussicht, da sie an einer Stabilisierung des „Kranken Mannes am Bosporus“ interessiert war. Ein Zerfall des Osmanischen Reiches wäre nämlich Österreich-Ungarn und dem Russischen Reich zugutegekommen.

Mit Preußen und dem Deutschen Reich hatten die Osmanen unter anderem durch die deutschen Militärmissionen positive Erfahrungen gemacht. Da sich der deutsche Imperialismus im Osmanischen Reich auf die Wirtschaft beschränkte und im Gegensatz zur britischen und französischen Kolonialpolitik nicht auf Gebietsgewinne zielte, erschien er auch weniger gefährlich. Daher sollte der Eisenbahnbau nach Wunsch der Hohen Pforte unter deutscher Federführung stattfinden.

Kaiser Wilhelm II. setzte sich persönlich nachdrücklich für den Bahnbau ein und schickte bei jedem vollendeten Bahnabschnitt ein zweisprachiges Glückwunschtelegramm an die Bauarbeiter. Zugleich sollten neue Absatzmärkte für deutsche Produkte erschlossen werden. Am Persischen Golf wurde zudem ein militärstrategisch wichtiger Stützpunkt für die deutsche Handels- und Kriegsflotte angestrebt. Die deutsche Politik trat hier in direkten Gegensatz zu französischen und vor allem britischen Interessen.

Schließlich wurde das Projekt zum großen Teil durch die Ausgabe türkischer Staatsanleihen finanziert, die die Deutsche Bank vertrieb.

Die Bahn entstand unter maßgeblicher Beteiligung deutscher Firmen – vor allem des Baukonzerns Philipp Holzmann AG, deren Bauleitung Dr.-Ing. E. h. Otto Riese (Vorsitzender im geschäftsführenden Direktorium) innehatte. Die Philipp Holzmann AG übernahm neben den Streckenarbeiten auch den Bau vieler Bahnstationen und vor allem großer Bahnhöfe. Die Schienen lieferte die Friedrich Krupp AG, und die Lokomotiven stammten von Borsig, Cail, Hanomag, Henschel und Maffei.

Über Bagdad hinaus geführt, wäre diese Verbindung der schnellste und wirtschaftlichste Verkehrsweg zwischen Europa und Indien geworden. Gerade damit aber geriet die Bahn in den Brennpunkt der Orientpolitik der europäischen Großmächte, was durch die deutsche Propaganda, die von einer Eisenbahn Berlin–Bagdad sprach, noch verstärkt wurde.

Durch das Projekt sahen Großbritannien, Frankreich und Russland Konkurrenz im Nahen Osten erwachsen. Großbritannien beargwöhnte die Bagdadbahn als Instrument des Deutschen Reichs, erleichterte diese doch den schnellen Zugang einer fremden Großmacht in die Nähe seiner indischen Besitzungen und ermöglichte einen deutschen Militärstützpunkt am Persischen Golf. Die fertiggestellte Bahnlinie hätte zudem deutsche Zugriffsmöglichkeiten in die arabische Region erhöht. Die Bagdadbahn war zugleich eine Konkurrenz zu britischen und russischen Infrastrukturprojekten: dem von Briten beherrschten Suezkanal und russischen Eisenbahnprojekten im Iran. So trug die Bagdadbahn einerseits zur Annäherung von Großbritannien, Frankreich und Russland bei und war andererseits ein weiterer Grund für Spannungen zwischen Deutschland und den umliegenden Weltmächten.

Auszüge aus wikipedia unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“

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Globalismus
2 Comments on this post.
  • pooler1970
    20 März 2017 at 3:33
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    Hier sieht man wieder exemplarisch, was es bedeutet, wenn Länder, die darauf angewiesen sind zu expandieren, (wirtschaftlich und militärisch) mehr Unheil verursachen als Gutes zu bewirken. Man erkennt, dass jedes im Text angesprochene Land Vor und Nachteile mit der Bagdad Bahn verbindet. Immer spielt die Angst davor, abgehängt oder erobert zu werden eine große Rolle. Und immer werden die Menschen und Bevölkerungsgruppen mißbraucht, die sich nicht wehren können, um solche unhehren Ziele zu erreichen. Welcher Mechanismus erlaubt es, auch heute noch im übrigen, solche Entscheidungen über die Köpfe der Menschen hinweg treffen zu können ? Es ist immer wieder derselbe Mechanismus der Machtausübung über das Bedürfnis des Überlebens. Wenn wir nicht das und jenes machen, dann wird der oder die Macht über uns bekommen. Es wird immer mit irgendwelchen Ängsten gespielt und gedroht, die nicht existieren würden, wenn es diejenigen nicht geben würden, denen wir die Macht in die Hände legen. Seien es die Kapitalisten, die Kommunisten oder Anhängern von irgendwelchen Glaubensanhängern. Und nicht nur, dass die Machtinhaber dafür auch noch belohnt werden mit einem besseren Leben, weil sie die Verantwortung für Entscheidungen, die über uns alle bestimmen, übernommen haben, sie verlieren mit der Macht vollständig das Gefühl für Gerechtigkeit und verursachen mit der Zeit sogar noch mehr Leid, weil die Macht weitervererbt wird an unfähige Menschen, die total den Bezug zur Realität verloren haben. Das Ergebnis kann nur der Untergang sein. Ergibt dieses Spiel irgendeinen Sinn? Ich denke, es ergibt für die Mächtigen nur so lange einen Sinn, bis der Rest der Unmächtigen dahinterkommt, um dem ganzen Spiel ein Ende zu setzen. Und diese Zeit wird kommen, wenn jeder Unmächtige endlich merkt, dass er mit Vollgas gegen eine Wand fährt und keine Hoffnung mehr am Horizont zu sehen ist. Dies wird von den Mächtigen nur versucht, solange hinauszuzögern, wie es ihnen möglich ist. Ob es nun die Bagdad Bahn oder Seidenstrasse war oder die Gaspiplines der heutigen Zeit, es wird immer irgendetwas geben, woran sich die Mächtigen aufhängen werden, Menschen gegenseitig auszuspielen. Und dieses Spiel wird noch eine ganze Weile weitergehen. Aber es wird irgendwann mächtig crashen. Schade !!!

  • ein mensch
    19 März 2017 at 18:11
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    aahhh ja, die holzmann ag die ja vor 15 jahren den bach hinunter ging und uns gerhard versuchte noch ein rettungspaket zu schnüren…übrigens lieh sich die ag für den bau der bahn bei den türken tausende von armenischen zwangsarbeitern aus, welche dann auch mit der selben bahn deportiert wurden…ironie der geschichte 🙁 kennt man ja alles von anderswo auch her

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