Ist der Atom-Abrüstungsvertrag NEW START ein “bad deal” oder nicht?

Kommentar Und schon wieder wird ein komplexes Thema auf Donald Trump und dessen Launen reduziert: Medienberichten zufolge wusste der neue US-Präsident bei einem wichtigen Telefongespräch nicht, was der NEW...

Kommentar

Und schon wieder wird ein komplexes Thema auf Donald Trump und dessen Launen reduziert: Medienberichten zufolge wusste der neue US-Präsident bei einem wichtigen Telefongespräch nicht, was der NEW START-Vertrag ist bzw. was die groben Eckdaten davon sind. Das einzige, was ihm dazu einfiel, war dass es sich um einen “bad deal” handle, den seine Vorgänger im Amt verbrochen hätten. Wie üblich gießen die Massenmedien Häme auf Trump und loben die Vorzüge des Vertrags zur Reduktion der Nuklearwaffenarsenale. Was ist von START zu halten?

Abgekartetes Spiel

ÊLGM -118A Peacekeeper ICBM
The Peacekeeper missile is America’s newest intercontinental ballistic missile. Its deployment fulfilled a key goal of the strategic modernization program and increased strength and credibility to the ground-based leg of the U.S. strategic triad. With the end of the Cold War, the U.S. has begun to revise its strategic policy and has agreed to eliminate the multiple re-entry vehicle Peacekeeper ICBMs by the year 2003 as part of the Strategic Arms Reduction Treaty II. (U.S. Air Force photo)

Das erste START-Abkommen wurde ausgerechnet von Trumps Vorbild Ronald Reagan bereits im Jahr 1982 auf den Weg gebracht. Reagan erfüllte damit lediglich die Wünsche von einflussreichen US-Organisationen wie dem Council on Foreign Relations, die den Ostblock überhaupt erst aufgebaut hatten.

Unterzeichnet wurde das Ganze später von Präsident George Bush Sr. und dem sowjetischen Staatsoberhaupt Gortbatschow; interessanterweise fünf Monate vor dem “plötzlichen Zusammenbruch” der Sowjetunion. In Wirklichkeit liefen bereits seit Mitte der 80er Jahre Geheimverhandlungen auf höchster Ebene zwischen Ost und West für den Umbau der sowjetischen Diktatur und für eine Pause des Kalten Krieges. Diese Pause scheint nun abgelaufen zu sein.

Die Verringerung der Atomwaffenarsenale, für die die hohe Politik sich hat feiern lassen, war eine fragwürdige Angelegenheit. Nicht nur war es gestattet, tausende Atomsprengköpfe an Lagerorten in Reserve zu halten, sondern die geringere Anzahl an sofort einsatzbereiten Sprengköpfen machte es wahrscheinlicher, dass diese Waffen zum Einsatz kommen würden. Ohne die Gefahr eines Overkills und nuklearen Winters ist die Verlockung weit größer, einen Überraschungsangriff zu starten.

Die amerikanische Einrichtung RAND hat in einigen Analysen das Konzept eines “begrenzten Atomkriegs” erläutert.

Schummeln

Pentagon-Funktionäre beklagten gegenüber der Zeitung Washington Free Beacon, dass die Russen quasi ihr Arsenal verdoppeln würden. Dazu kommen noch undefinierbare Mengen an atomaren Panzergeschossen, Munition mit Geschosskernen aus abgereichertem Uran, koffergroße Atombomben usw.

Russland fährt auch die Propaganda hoch und erklärte, dass „Schizophrene“ in Amerika einen Atomkrieg anfangen möchten. 40 Millionen Russen müssten jetzt deshalb an Evakuierungsdrills teilnehmen. Zahlreiche neue Bunker wurden in den letzten Jahren für den Zivilschutz gebaut. Russische Funktionäre erklären inzwischen, sie könnten einen konventionellen Krieg gegen Europa gewinnen. US-Generäle antworten, sie würden trotz allem gegen die Russen siegen.

Es wird unterschieden zwischen Atomsprengköpfen, die „im Einsatz sind“, also sofort feuerbereit, sogenannten „lagernden“ Sprengköpfen und „ausgemusterten“ die auf die Entsorgung warten. Genau genommen verfügen die USA zusammengenommen über mindestens 7100 Sprengköpfe und Russland über 7700.

Die Sowjetunion verpulverte einst zuviel Geld bei dem atomaren Wettrüsten und Putins Russland heute steht vor der Pleite. Die USA haben weite Teile ihres Arsenals vergammeln lassen:

  • Uralte Floppy-Disketten werden verwendet, um Dateien zu transferieren
  • Die Infrastruktur der Silos und der Zustand der Raketen sind schlecht
  • Ein Posten im US Missile Command gilt als äußerst unattraktiv im Militär
  • Die verantwortlichen Soldaten sind einem hohen Stresslevel ausgesetzt, weil trotz der Sparmaßnahmen alles jederzeit einsatzbereit sein muss
  • In den harten, regelmäßigen Tests via Fragebögen, wird traditionell geschummelt.
  • Es gab Ermittlungen gegen einen Drogenring im Personal

Laut Recherchen von Eric Schlosser verzeichnete die US-Regierung zwischen 1950 und 1968 mindestens 700 „bedeutende“ Unfälle und Zwischenfälle, in die rund 1250 Atomwaffen verwickelt waren. Vor allem in den 1950er und 1960er Jahren mussten viele Waffen bei Notlandungen von Bombern abgeworfen werden. Manche der Waffen wurden nie wieder gefunden, weil sie in den Ozeanen abgeworfen (aber nicht gezündet) wurden. Nach Schätzungen von Greenpeace gingen etwa 50 Atombomben verloren. Elf Bomben vermissen die USA offiziell. Radioaktive Verseuchung wurde in mehreren Fällen festgestellt.

START II und SORT

START II wurde am 3. Januar 1993 von George Bush für die USA und Boris Jelzin für die Russische Föderation unterzeichnet, aber die Umsetzung fand nie wie geplant statt. Der Nachfolger von START I verlangte die Deaktivierung aller landgestützten Interkontinentalraketen mit Mehrfachsprengköpfen MIRV. Damit mussten alle russischen SS-18 Satan und amerikanischen Peacekeeper-Raketen vernichtet werden. Im Endeffekt gab START II den Russen die dringend benötigte Verschnaufpause, um den ruinösen Kostendruck des atomaren Wettrüstens zu verringern.

Es wurde der Abbau der strategischen Atomsprengköpfe bis zum Jahr 2003 auf maximal 3.000 bis 3.500 pro Seite vereinbart. START II sah aber keine tatsächliche Vernichtung der von den Trägersystemen entfernten Sprengköpfe vor und begrenzte auch nicht die Lagerhaltung der Sprengköpfe. (wikipedia)

Putin und Bush Jr. einigten sich stattdessen später auf den begrenzten Plan namens SORT.

New START

Dieser von Trump geschmähte Vertrag wurde von den Marionetten Obama und Medwedew unterzeichnet und reduzierte die einsatzbereiten Arsenale weiter. Allerdings läuft New Start bereits 2020 aus, also genau dann wenn Russland und viele weitere Länder wie u.a. China ihre ehrgeizigen Rüstungsprogramme abgeschlossen haben.

Nicht einmal Obama und seine Strippenzieher hielten New START offenbar für einen “good deal”, denn bereits zwei Jahre nach Ratifizierung kündigte Obama an, die Sache neu verhandeln zu wollen.

wikipedia-Zitat unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“

Categories
Sicherheit
No Comment

Leave a Reply

*

*

RELATED BY

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen