Russischer Radikaler Dugin zu Gast bei Infowars, der sogar Breitbart zu schräg ist

Kommentar Sogar Breitbart nannte den russischen Radikalen Alexander Dugin eine irre Rasputin-Figur und zitierte seine Absicht, Amerika zu zerstören und weite Teile Europas unter Moskaus Herrschaft zu bringen. Breitbarts...

Kommentar

Sogar Breitbart nannte den russischen Radikalen Alexander Dugin eine irre Rasputin-Figur und zitierte seine Absicht, Amerika zu zerstören und weite Teile Europas unter Moskaus Herrschaft zu bringen. Breitbarts Analyse über Putin und Russlands Agenda ist genauso harsch und angemessen.

Breitbart spielte bekanntermaßen eine signifikante Rolle im Wahlkampf von Donald Trump, genauso wie Infowars. Während Personal von Breitbart im Weißen Haus landete, begnügt sich Infowars mit einem neuen Büro in Washington D.C., aus dem man einen Reporter wohl sogar in den Press Room des Weißen Hauses bringen wird.

Eigentlich sollte man von Infowars, die mit einem Millionenpublikum eine hohe Verantwortung tragen, erwarten, dass sie eine ähnliche kritisch-distanzierte Haltung zu Dugin und Putin einnehmen wie Breitbart. Aber dem ist leider nicht so: Nachdem Alex Jones von Infowars kürzlich im russischen TV als Dugins Gast aufgetreten war, revanchierte sich Jones nun gestern mit einer Einladung von Dugin in die Alex Jones Show.

Dugin wird gepriesen als „ranghoher Putin-Berater“, einer der „führenden Leute wenn es darum geht, die Großartigkeit von Russland und der Menschlichkeit wiederzuentdecken.“ Von vorneherein also gibt es keine journalistische Distanz zu dem Gast, keinen Raum für Kritik und kritisches Nachhaken.

Dugins totalitäre Ideologie

Foto: Dugin, der Nationalbolschewist

Das folgende Video sollte niemals an die Öffentlichkeit gelangen: Hier erklärt Dugin den Mitgliedern der Eurasien-Bewegung, dass Putins Partei eine totalitäre Neo-Eurasien-Ideologie übernehmen soll und dass die Eurasien-Jugend Jagd machen soll auf Regimegegner.

Akademiker haben in mehreren Studien den faschistischen Charakter von Dugins Konzepten erforscht:

  • Stephen Shenfield, Russian Fascism: Traditions, Tendencies, Movements (Armonk: M.E. Sharpe, 2001).
  • Markus Mathyl, “The National-Bolshevik Party and Arctogaia: Two Neo-Fascist Groupuscules in the Post-Soviet Political Space,” Patterns of Prejudice, Vol. 36, No. 3 (2002), pp. 62-76.
  • Andreas Umland, “Aleksandr Dugin’s Transformation from a Lunatic Fringe Figure into a Mainstream Political Publicist, 1980-1998: A Case Study in the Rise of Late and Post-Soviet Russian Fascism”, Journal of Eurasian Studies, Vol. 1 (2010) 144-152.
  • Alan Ingram, “Alexander Dugin: Geopolitics and Neo-Fascism in Post-Soviet Russia”, Political Geography, Vol. 20, No. 8 (2001), pp. 1029-1051.
  • Anton Shekhovtsov, “The Palingenetic Thrust of Russian Neo-Eurasianism: Ideas of Rebirth in Aleksandr Dugin’s Worldview”, Totalitarian Movements and Political Religions, Vol. 9, No. 4 (2008), pp. 491-506.

Das Infowars-Publikum wird immer stärker an der Nase auf die Russland-Schiene geführt, damit sich eine Allianz formt aus rebellischen amerikanischen Konservativen und russischen staatlichen Kreisen bzw. russischen Frontorganisationen. Dabei bemerken die rebellischen amerikanischen Konservativen nicht, dass sie völlig auf dem Glatteis landen, ihre Glaubwürdigkeit verlieren und sich zu fremdgesteuerten Landesverrätern machen lassen. Für Washington und die politische Klasse ist dies eine Steilvorlage. Das Jones-Publikum wird genauso irregeführt und benutzt werden wie früher die moskautreuen Linken im Westen.

Vor Jahren nannte Jones noch Putin einen Dämon, der persönlich Terroranschläge unter falscher Flagge 1999 benutzt hatte, um seine Popularität zu steigern, einen Krieg zu beginnen und Macht zu zentralisieren. Inzwischen preist Infowars aber das russische Regime als Vorbild und Putin als politischen Messias.

Dugin tritt überall in Erscheinung, wo wir die sogenannte „Neue Rechte“ sehen, ob bei der Identitären Bewegung und dem Compact-Magazin in Deutschland, Geheimtreffen der neurechten europäischen Politik in Wien, oder nun auch bei Infowars. Es gibt keinen vernünftigen Grund, sich mit dem okkulten Freiheitsfeind Dugin abzugeben.

In der Alex Jones Show salbadert Dugin ohne jeglichen Charme und rednerische Fähigkeiten via Skype, dass er den Kommunismus und die Nazis früher schon in der UdSSR als Dissident und Christ abgelent hätte. In Wirklichkeit war er aber ein extremer Okkultist gewesen, was selbst dem Regime zu weit ging. An dieser Stelle hätte jeder Journalist, der diese Bezeichnung auch nur annähernd verdient hat, auf Dugins ausladenden okkultistischen Lebenswandel und seine okkultistische Geisteshaltung hinweisen müssen. Außerdem war Dugin bekanntermaßen begeistert von radikalen und brutalen Führern, die seiner Meinung nach okkultes Geheimwissen besaßen.

Im Infowars-Interview lässt sich Dugin dann auf das Niveau plattester Propaganda auf Sowjet-Niveau herunter und behauptet, dass Putin kein Imperialist sei und keine Eroberungen machen wolle. Alex Jones meint später noch, dass Russland „noch nie expansionistisch“ gewesen sei. Um Gottes willen, wie peinlich. Ist das einfach nur Versagen auf ganzer Linie oder lügt Jones sein Publikum direkt ins Gesicht?

Das Imperium Russland ist kein Imperium? Wer ist dumm genug, das zu glauben? Russland war über 1300 Jahre lang ein expansives Imperium und verkleinerte sich nur äußerst widerwillig. Die Ausweitung der Macht ist und bleibt Russlands definierendes Merkmal. Infowars verbreitet geistig behinderte Propaganda die genauso von den Linken im Kalten Krieg verbreitet wurden. Dugin selbst hat erklärt, Europa anschließen und zu Moskaus Protektorat machen zu wollen. Dugins Eurasier-Gruppen trainieren und rüsten für Eroberungen.

Seine Bücher sind Pflichtlektüre an allen Militärakademien Russlands und er ist die Spinne im Netz unzähliger eurasischer und neurechter Gruppen. Die Absolventen seiner „Sommerlager“ haben die Angewohnheit, wenige Jahre später als Kommandanten in bewaffneten Konflikten wie in der Ostukraine aufzutauchen.

In einem Interview in Moskau von 1998 äußerte er, dass die europäische neue Rechte sich entweder für die USA oder für Russland entscheiden müsse. Wählen sie Russland, hieße das dass gleichzeitig auch das barbarische Element und brutale Handlungsweisen mitgewählt werden.

„Die Neue Weltordnung wird nicht kommen durch alternde Herren die sich zu Seminaren treffen. […] Man muss ein Messer nehmen, eine Maske anziehen, Abends aus dem haus gehen und mindestens einen Amerikaner töten.“

„Ich weiß nicht ob irgendwer von den Aktivisten der neuen Rechten jemals Artilleriefeuer erlebt hat, aber unsere Leute gehen nicht nur zu Meetings oder kämpfen an den Barrikaden, sondern sie gehen auch in echte Kriege. […] Die neue Rechte ist nur ein Projekt, und wir sind die Architekten. Die Zukunft gehört wahrlich uns.“

Alex Jones ist nichts anderes mehr als ein Multiplikator russischer Propaganda und unfähig oder unwillig, Dugins Agitprop zu kontern.

Dugin sagt, Russland sei nicht mehr kommunistisch. Hört sich gut an für das ungebildete Infowars-Publikum, das wohl nie Bücher liest. Alle Schlüsselindustrien Russlands sind in der Hand ekelhafter Oligarchen, die die Bevölkerung ausbeuten und jedwede Freiheit zerstört haben. Diese Oligarchen bilden ein modernes, national-sozialistisches Politbüro und planen die Wirtschaft in jeder nur denkbaren Weise. Der Putin-Kult und Imperium-Kult hat natürlich den Kult der sozialistischen Lehre abgelöst, aber das macht das Regime nicht besser.

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Globalismus
3 Comments on this post.
  • abgelehnt83
    8 Februar 2017 at 23:36
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    Aber bitte Jones dann nur in Kosakentracht und Zobelfellmütze, während Dugin dann mit Sonnebrille und Cowboyhut dasitzt, Kaugummi kaut und die texanische Flagge schwenkt… Scheiße, nein! die drehen das am Ende wirklich so xD

  • Cyberpunk
    8 Februar 2017 at 22:21
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    Dugin… herrje.
    Echt ziemlich übel was Jones da treibt.

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