Umvolkung brachial: Die Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa

Bild: Mehlauge/CC BY-SA 3.0 Die Flucht und Vertreibung Deutscher aus den deutschen Ostgebieten und aus Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa während und nach Ende des Zweiten Weltkrieges von 1945 bis...

Bild: Mehlauge/CC BY-SA 3.0

Die Flucht und Vertreibung Deutscher aus den deutschen Ostgebieten und aus Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa während und nach Ende des Zweiten Weltkrieges von 1945 bis 1950 betraf 12 bis 14 Millionen Deutsche. Sie war eine Folge der Gebietsverluste des Deutschen Reiches, die die Siegermächte (USA, Sowjetunion, Großbritannien) auf der Potsdamer Konferenz 1945 festlegten.

Tatsächlich erhoben seit 1939 polnische Kommunisten Anspruch auf deutsche Gebiete ohne einen nennenswerten Anteil ethnischer Polen und forderten die Entfernung der Deutschen aus diesen Gebieten. Stalin rechnete damit, dass die Sowjetunion mit der Vertreibung und Enteignung von Millionen Deutschen gegenüber Polen und der Tschechoslowakei dauerhaft als Garantiemacht eines neuen Status quo auftreten zu können. Mit diesem Kalkül hatten das zaristische Russland und später die Sowjetunion bereits im Nordkaukasus Vertreibungen als Mittel der Politik angewandt. 1944 ließ Stalin einige Bergvölker (Balkaren, Tschetschenen, Inguschen und andere) nach Mittelasien deportieren.

In einem Rechtsgutachten, das hinsichtlich der Sudetendeutschen im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung 1991 erstellt wurde, kam der UN-Völkerrechtsberater Felix Ermacora zu folgendem Ergebnis: „Die Vertreibung der Sudetendeutschen aus der angestammten Heimat von 1945 bis 1947 und die fremdbestimmte Aussiedlung nach dem Zweiten Weltkrieg widersprach nicht nur der in der Atlantik-Charta und dann in der Charta der UN verheißenen Selbstbestimmung, sondern die Vertreibung der Sudetendeutschen ist Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die nicht verjährbar sind.“

Etwa 12 bis 14 Millionen Deutsche und deutschstämmige Angehörige verschiedener Staaten zwischen 1944/45 und 1950 waren von Flucht und Vertreibung betroffen. Mehrere hunderttausend Menschen wurden in Lagern inhaftiert oder mussten – teilweise jahrelang – Zwangsarbeit leisten. Eine große Zahl von Frauen aller Altersgruppen wurde durch Angehörige der Roten Armee vergewaltigt (Schätzungen beziffern die Zahl auf ca. zwei Millionen). Ein großer Teil des privaten Eigentums der Ost- und Sudetendeutschen wurde entschädigungslos konfisziert, auch das öffentliche und kirchliche deutsche Eigentum in diesen Gebieten wurde enteignet.

In der an die Russische Sowjetrepublik gefallenen Oblast Kaliningrad (bis 1945 das nördliche Ostpreußen mit Königsberg) wurden vorwiegend Russen, aber auch Weißrussen und Ukrainer angesiedelt. Hinzu kamen ehemalige Soldaten sowie Strafgefangene und Zwangsarbeiter. Das Gebiet wurde zu einem Militärsperrbezirk, in den selbst Sowjetbürger nur mit Sondergenehmigung einreisen konnten. Rund 50 Prozent der Orte wurden nicht wieder besiedelt. Der südliche Teil von Ostpreußen wurde unter polnische Verwaltung gestellt.

Auf der Potsdamer Konferenz 1945 wurden die neuen Staatsgrenzen in Ostmitteleuropa von den Alliierten der Form nach erst vorläufig festgeschrieben, als die deutschen Gebiete jenseits von Oder und Neiße polnischer und sowjetischer Verwaltung unterstellt wurden. Von einer „endgültigen Übergabe“ – an die Sowjetunion – „vorbehaltlich der endgültigen Bestimmung der territorialen Fragen bei der Friedensregelung“ ist explizit nur für die „(Abschnitt VI.) Stadt Königsberg und das anliegende Gebiet“ die Rede. Laut Protokoll erklärten die Regierungen der USA und Großbritanniens, bei einer kommenden Friedenskonferenz den sowjetischen Anspruch auf das Gebiet um Königsberg (nördliches Ostpreußen) unterstützen zu wollen, während eine derartige Erklärung zugunsten Polens nicht dokumentiert ist.

In Abschnitt IX.b (Polen) wird bestimmt, dass „die früher deutschen Gebiete […] einschließlich des Teiles Ostpreußens, der nicht unter die Verwaltung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken […] gestellt wird, und einschließlich des Gebietes der früheren Freien Stadt Danzig unter die Verwaltung des polnischen Staates kommen und in dieser Hinsicht nicht als Teil der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland betrachtet werden sollen“, wobei „die endgültige Festlegung der Westgrenze Polens bis zu der Friedenskonferenz zurückgestellt werden soll“.

Bereits einige Wochen zuvor hatte die Sowjetunion die Verwaltungshoheit dieser Gebiete an Polen übertragen.

wikipedia-Zitate unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“

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Globalismus
7 Comments on this post.
  • nefastus
    11 Januar 2017 at 14:27
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    Hätte der ewige Hauptfeind-Deutschlands die Bolschewiken nicht aufgebaut und während des Krieges nicht mit allem unterstützt, dann wäre das Ganze anders ausgegangen. Schuld ist der Schütze und nicht die Waffe.

  • Makrele
    11 Januar 2017 at 5:16
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    Was soll das Gejammer.
    Die wollten doch so unbedingt „Heim ins Reich“. xD

    • abgelehnt83
      11 Januar 2017 at 13:33
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      Da muss ich dieser Makrele teilweise rechtgeben; das ganze hatte eine Vorgeschichte!
      Allerdings widersprechen sich Linke gerne; sie lehnen z.B. „Generalverdacht“ + „racial profiling“ ab, aber wenn irgendwelche böhmischen Bauern, die nie die NSDAP gewählt haben, aus ihrem Haus geschmissen werden, weil die „hohe Politik“ mal wieder Krieg spielen wollte, ist das ungerecht.
      Natürlich muss man da aber auch nach vorne schauen und Länder wie Polen und Tschechien, gerade, weil sie was den Kulturmarxismus einerseits und die drohende sowjetische2.0 Gefahr angeht, durchaus Partner auf Augenhöhe wären. Pfui wie „russenfeindlich“ (meinen die Kreml-Medien) und was für ein „Rückfall in Nationalismus“ (meint die EUdSSR)… hm, seltsam, dass sich Brüssel, „Germania“ und Moskau in der Frage so einig sind)))

  • Martin Trafford
    10 Januar 2017 at 21:20
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    Zwei meiner Großeltern stammen aus Ostpreußen und ich habe erst kurz nach meinem Abi Mitte der 2000erJahre festgestellt, dass mir im Schulunterricht an einer (logischerweise deutschen) Schule so gut wie gar nichts über den verlorengegangen deutschen Osten erzählt wurde. Das ist schon sehr merkwürdig. Die vergangen Jahre habe ich ab und an gebrauchte Bücher zum Thema gelesen und konnte mir so ein Bild machen. In meiner Stadt gibt es sogar ein kleines Ostpreußenmuseum, das aber von der Schule nicht thematisiert wurde.

  • Wegsehen
    10 Januar 2017 at 17:37
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    Hallo Alex, anlässlich des heute,10.01.17, ausgewählten Unworts des Jahres, Volksvertreibung, muss man ja sehr vorsichtig sein, welche Worte man benutzt. Du schreibst ja von der „Umvolkung“, was auch in der näheren Auswahl als Unwort,war. Von allen Seiten war,als Kommentar zur Wahldes Unwortes, wieder zu hören dass Worte wie eben „Umvolkung“,“Volksvertreibung und natürlich „die Lügenpresse“, e i n d e u t i g ,rechts, demokratiefeindlich, kurz: nationalsozialistisch !! sind.
    Ist das nicht unglaublich? Dem Zuschauer,-Hörer, wird mal wieder auf propaganda,- bzw. ideologievorschreibende Weise eingeredet, dass alle Nutzer dieser Worte verkommene,sogar gefährlich rechts orientierter Gesinnung wären.
    Propaganda 2.0

    • Kliluminati
      10 Januar 2017 at 17:56
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      Und was willst du mit deinem Kommentar jetzt sagen?

    • abgelehnt83
      11 Januar 2017 at 13:28
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      Alle sind gleich – manche sind gleicher

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