Kultur

Stern/Neon-Journalist infiltriert RT Deutsch, wird selbst fast zum Doppelagenten

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Kommentar

Ein Journalist des Stern-Ablegers Neon, der bei der Henri-Nannen-Kaderschmiede seinen Abschluss gemacht hat, infiltrierte für drei Wochen als Praktikant getarnt die Redaktion des russischen Propagandasenders RT deutsch, um einen Enthüllungsbericht zu machen. Nach nur wenigen Tagen war er aber so verunsichert, dass er nicht mehr wusste, wo oben und unten war. Man möchte spotten, dass nicht mehr viel gefehlt hat, um Mr. Neon umzudrehen und zum Doppelagenten zu machen. Anscheinend wurden genügend Zweifel in seinem Kopf gesät, dass es vielleicht Konsequenzen für seine künftige Arbeit bei Neon und anderen Vertretern der Massenmedien haben wird. Zugegeben, das Neon-Magazin und sein Maulwurf wollten wohl den Enthüllungsbericht bewusst nicht zu schwarz-weiß halten, um mehr Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Diese Taktik sahen wir kürzlich bei dem TV-Beitrag „Vertrauen verspielt„.

RZ-Vorabend.cdrRT Deutsch kontert mit dem üblichen Verfahren, nämlich alles in Zweifel zu ziehen, was Kritik ist. Was steht Interessantes in dem Enthüllungsreport? Zunächst: Der Chef Ivan Rodionow fliegt mal eben für Tage nach Moskau, hat einen bedeutenden Abschluss, ist drahtig und hat einen militärisch kurzen Haarschnitt. Er selbst tritt immer wieder auf in den deutschen Massenmedien und verbreitet Russenpropaganda, neben anderen älteren Herren und Damen. Aber auf RT Deutsch schickt man relativ junge Gestalten vor die Kamera und die Tastaturen, die dringend Jobs brauchen und nicht viel Auswahl haben in diesem schwierigen Geschäft. Die Kollegen des Neon-Maulwurfs bei RT Deutsch sind auffallend häufig aus der Kommunisten-Ecke: Peter (ehemals taz), Dominik (Ex-Bundestagsmitarbeiter DIE LINKE, sowie Sebastian (Soziologe aus der „Friedensbewegung“). Zuvor war noch die linke Lea Frings rasende Reporterin bei RT Deutsch, die mit ihren Dreadlocks und Piercings auf den Straßen Stories hinterherjagte, bis ihr der Sender zu rechtslastig wurde. Umgekehrt maulen viele neurechte Putin-Fans in Deutschland, dass zuviele Kommunisten bei RT Deutsch sind. Wäre die Sowjetunion nie untergegangen, dann würde RT Deutsch heute kaum anders aussehen. Auch die PEGIDA- und AfD-Werbng ändert nichts daran.
Auch der Ex-Kommunist Jürgen Elsässer, der inzwischen die Neurechten abfischen will für die Eurasien-Agenda, mault über „antideutsche Hetze“ auf RT, gemeint sind PEGIDA-kritische Berichte, die das linke Publikum bei Laune halten sollen. Die angestrebte Querfront funktioniert halt leider nicht in der Praxis.

Der Neon-Maulwurf bemerkt nach ein paar Tagen, dass RT Deutsch keine Lügen-Fabrik ist, sondern sich eher auf die Taktik verlagert hat, ständig alles in Zweifel zu ziehen, was Russland kritisiert und die NATO-Sphäre gut aussehen lässt. Überall Misstrauen gegen westliche Berichterstattung, aber kein Misstrauen erkennbar gegenüber Russlands Verlautbarungen und Handlungen.Egal um welches kontroverse Thema es geht, immer sind die siamesischen Zwillinge USA und Russland an vorderster Front.

Der Neon-Maulwurf glaubt nach nur ein paar Tagen seinen RT-Kollegen mehr, als allen großen Nachrichtenredaktionen in Deutschland. Er gibt außerdem zu, sich nicht die Mühe gemacht zu Russlands-Dauerkrieg-Cover-test-300haben, über Russland gründlich zu recherchieren. Was bedeuten diese Sätze? Ist er wirklich so ungefestigt und unsicher, trotz seines Abschlusses an einer führenden Journalistenschule? Oder will er hier einfach nur dem unsicheren Neon-Publikum, das zuwenig Kritisches über Russland liest, auf entwaffnende Weise eintrichtern, wie schnell man der Gehirnwäsche der Russenpropaganda erliegen kann? Hätte er oberlehrerhaft und schwarz-weiß argumentiert, würde das Leser eher abstoßen. Indem er möglicherweise übertreibt, welche Wirkung die RT-Propaganda auf ihn selbst hatte, kann er womöglich effektiver eine Identifikationsfigur für seine Leser spielen.

So oder so, es stimmt tatsächlich dass zuviele Deutsche kaum etwas Solides wissen über Russland. Alle unter 40 Jahren hatten damals den Kalten Krieg nicht mitbekommen und diejenigen über 40 haben das postsowjetische Russland 25 Jahre lang nach der Wende ignoriert. George W. Bush zog die ganze Aufmerksamkeit und Abneigung auf Amerika und sobald man das Vertrauen verliert in die westlichen Eliten und Medien, sucht man sich Alternativen und landet dann meistens in den Fängen der Russenpropaganda. Konsumiert man dann nur noch das gleiche Material, endet man in einem geschlossenen System, wo alle das gleiche Sagen, und sich die eigene Wahrnehmung verzerrt.

„Ich habe mir nicht die Mühe gegeben, selbst zu recherchieren,“

gesteht der Neon-Maulwurf ein und falls er damit ehrlich ist, zeigt es, wo der Hund begraben liegt. Es ist typisch für die ganzen Putin-Unterstützer, Glorifizierer und Versteher. Die allermeisten haben schlichtweg keine Ahnung von Russland, weil sie keine anständige Literatur darüber gelesen haben. Sie haben weder Ahnung vom zaristischen Russland, noch von Sowjetrussland und der postsowjetischen Russischen Föderation.

Der Neon-Maulwurf ist nach wenigen Tagen angeblich unsicher und fragt den Chefredakteur Ivan, warum so viele (neu-)rechte Gäste eingeladen werden. Hätte Mr. Neon recherchiert über die „neue Rechte“ und die eurasische Agenda, brauchte er nicht zu fragen. Russland will Europa anschließen, erobern und zu einem Protektorat machen. Dafür brauchen die Russen kooperierende Kommunisten, Rechte, Moslems und Russlanddeutsche, die sich benutzen lassen.

Ivan redet auf Mr. NEON ein, es sei ja so schrecklich, dass alle anderen Sender in Deutschland so Putin-feindlich seien und so weiter. Man würde außerdem ja alle möglichen Politiker einladen, aber es kämen nur bestimmte Leute, wie etwa von der AfD. Als nächstes schlägt der Maulwurf in der Redaktions-Konferenz vor, einen Bericht zu machen über russische Söldner, die von Moskau in den Krieg nach Syrien geschickt werden. Söldner (bzw. „Contractors“) sind in Russland eigentlich verboten, denn schließlich trauen die Oligarchen sich nicht untereinander mit der Aufstellung von Privatarmeen, aber dennoch sind Contractors anscheinend ein Werkzeug, das mit cleveren bürokratischen Tricks benutzt wird, um zu verhindern, dass tote russische Soldaten offiziell in den Statistiken auftauchen. Die New York Times zitierte erst vor einer Woche wieder in einen Bericht Informationen darüber.

RT-Chefredakteur Ivan lacht nur, das alles sei eine Ente. Der Maulwurf hakt nach und Ivan erklärt, er werde sich das genauer anschauen. Das war es dann. Funkstille zu dem Thema. Es scheint, dass es bei RT genau wie bei den westlichen Massenmedien kein offensichtliches, geschriebenes Regelwerk gibt, das man den Redakteuren in die Hand drückt. Man tönt, „wir dürfen alles berichten“, nirgendwo ist die diktatorische Linie schwarz auf weiß festgehalten. Die Kontrolle ist implizit. Ivan ist der Boss und Ivan entscheidet und was er bei seinen Moskauer besuchen so treibt, hat die Redakteure nicht zu interessieren. Westliche Journalisten haben immer wieder Ähnliches geschildert, es sei immerzu klar gewesen, was die Linie sei, was man darf und nicht darf, aber die Führung hat immerzu aufgepasst, dass der schöne Schein gewahrt bleibt.

Der Maulwurf qualmt mit Sebastian, dem sogenannten „Friedensaktivisten“ der sagt, Russland habe sich mit der Krim einfach das genommen, was Russland zusteht.

Eine Facebook-Statistik zeigt: 42 Prozent des RT-Publikums sind links, deshalb gibt es dort auch die vielen linken Journalisten und Positionen. 17% fühlen sich der AfD nahe, der Rest verteilt sich. Die verschiedenen Gruppen im Zielpublikum werden einfach entsprechend bearbeitet.

In der Praxis klappt das mit der Querfront nicht: Der Ex-Kommunist Elsässer, der bei Russlands Gewalt-Einmarsch in Tschetschenien demonstrativ „keine Tränen“ weinte, maulte auf seinem Blog über die Linkslastigkeit von RT Deutsch. Persönlich hatte er sich beschwert bei Ivan, wegen einem Interview mit dem Chef des Lesben- und Schwulenverbandes, „der ungeniert gegen die „Homophobie“ in Russland agitieren durfte.“

Dann gab es auch noch einen weiteren Crowdpleaser für die linken Leser/Zuschauer von RT Deutsch: „Von Breivik zu Pegida – Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch.“ Über den Tschetschenienkrieg weinte er noch keine einzelne Träne, aber wehe wenn seine Interessen gefährdet sind und er auf RT Deutsch kritisiert wird. Elsässers Lösung? Alle feuern außer Ivan und die ganze Redaktion mit Russen besetzen. Die Deutschen sind ihm anscheinend nicht vertrauenswürdig genug. Die RT-Redaktion „besteht nämlich, vom Chef Rodionov abgesehen, vollständig oder in erdrückender Mehrheit aus Deutschen, wobei sich einige mit ihrem Migrationshintergrund brüsten. Am besten, Sie schicken russisch-patriotische Journalisten, die der deutschen Sprache mächtig sind, zum Neuaufbau von RTdeutsch nach Berlin. Wie ich gehört habe, gibt es da so einige.“

Russland infiltriert mit hohem Aufwand seit mindestens 100 Jahren deutsche Medien, sowohl im Mainstream als auch abseits des Mainstreams. Agenten, Zuträger und Vertrauenspersonen stehlen Interviewfragen und Vorab-Rohschnitte von Sendungen, leiten diese an die Russen weiter, damit diese beim Interview auf alles die passende Antwort haben. Sie lancieren Desinformation und sie sabotieren (Sachen verschwinden, stiften Chaos, lähmen alles mit Debatten und ideologischen Grabenkämpfen.)  In Russland ist es für ausländische und unabhängige inländische Medien unmöglich geworden, nach bestem Wissen und Gewissen zu berichten.

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