Teil 2: Atheismus, Glaube, Anarchismus und Moral

Eine interessante Diskussion aus dem Recentr-Forum über Anarchismus und Atheismus zeigt, wie wichtig Diskussionsforen immer noch sind im Vergleich zu den primitiven sozialen Netzwerken, wo kurze Botschaften dominieren und...

Eine interessante Diskussion aus dem Recentr-Forum über Anarchismus und Atheismus zeigt, wie wichtig Diskussionsforen immer noch sind im Vergleich zu den primitiven sozialen Netzwerken, wo kurze Botschaften dominieren und Beiträge schnell wieder nach unten in der Timeline rutschen.

Ein Foren-Benutzer schreibt über den populären Anarchisten Stefan Molyneux:

„Aber das heißt ja nicht, dass man ihn komplett ignorieren muss. Er hat hin und wieder interessante Inhalte, und die kann man sich doch trotzdem – natürlich mit einem kritischen Geist, wie bei allem – ansehen und unter Umständen zunutze machen, ohne ihn als Person gut finden zu müssen. Wenn jemand eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat, bedeutet das schließlich nicht, dass er nur Unsinn von sich gibt. Natürlich sollte eine solche Person keine Macht über andere haben, aber auch aus den Mündern schlechter Menschen kommen hin und wieder wahre Dinge.“

Bei jemandem wie Sam Vaknin, der 100% garantiert eine narzisstische Störung hat und dies auch selbst zugibt, lohnt es sich, sein Buch zu lesen, wobei man in Interviews merkt, wie verschlagen er ist und dass er in seinem Leben einigen anderen Menschen geschadet hat. Bei Dr. James Fallon lohnt es sich enorm, seine Arbeit zu studieren, auch wenn er eine 20 auf der Psychopathen-Skala ist, die bis 40 reicht, seine Genetik eindeutig auf Psychopathie hinweist und Scans seines Gehirns sehr ähnlich aussehen wie die von Schwerverbrechern.

Bei Stefan Molyneux hingegen habe ich noch keinen irgendwie originellen Gedanken gefunden oder neue interessante Verbindungen aufgezeigt bekommen. Es ist aufgewärmtes Rothbard mit einem Schuss Ayn Rand und viel Polemik.

dann halte ich es nicht für zielführend, die ideologische Basis diverser Gruppen wie Christen, aber z.B. auch Anarchisten und aller anderen, derart scharf anzugreifen. Damit werden nämlich viele dieser Menschen verprellt, weil sie sich beleidigt fühlen. „

Die Anarchisten zeigen von vorneherein eine hohes Maß an Aggression und Ausgrenzung gegenüber Andersdenkenden. Insbesondere sieht man das bei Molyneux und seiner FDR-Brigade. Andersdenkende seien schuld an allem Bösen, müssten verstoßen werden, auch innerhalb der Familie. Das berühmte „die lassen zu dass du erschossen wirst“-Video von Stefan sei hier zu nennen. Andersdenkende gelten auch bei anderen Aanrchisten als „Staazis“ oder „statists“.

Wenn dann noch linke Revolutionstechniken und der Klassenkampf abgekupfert und zurechtgebogen werden (wie bei Hoppe), in der Hoffnung, wie in Ayn Rands Roman die Gesellschaft zu sabotieren, wenn Säulenheilige wie der Stalin-Fan Rothbard verehrt werden und wenn Anarchisten in Diskussionen polemisch agitieren wie ihre Vorbild Molyneux, dann hagelt es von mir sachliche Kritik.

Nicht ich bin der Spalter, sondern diejenigen, die künstliche ideologische Mauern hochgezogen haben und eine Sektenmentalität auf ihre Mitglieder anwenden. Indem ich vielleicht den ein oder anderen aus seiner engen Sichtweise heraushole, überwinde ich die künstlichen Mauern.

„Anstatt also auf den Glaubensgrundsätzen diverser Gruppen rumzureiten, wäre es doch eher sinnvoll, sie mit den Grundprinzipien der Ponerologie bekannt zu machen (und das ausführlichste und wissenschaftlichste Buch dazu ist doch bis heute das von Lobaczewski, oder?), damit sie ihre eigenen Reihen von toxischen Individuen an Schaltpositionen der Macht säubern können.“

Ich kritisiere sowohl Personen (wie z.B. Molyneux) als auch deren Heilslehren. Ich ermuntere dazu, sowohl von Molyneux Abstand zu nehmen als auch von seiner Sekte und deren Inhalten. Sektenexperten sagen, es ist gefährlich und kontraproduktiv, auf den härter indoktrinierten Sektierer einzugehen und ihm entgegenzukommen und teilweise oder zum Schein dessen Ideologie anzunehmen. Außerdem: Es ist noch mehr Wissen notwendig, als das moderne Wissen über das Böse. Wenn jemand wirklich gar keine Ahnung hat von Diplomatie, Militär und Geheimdiensten, wird derjenige munter glauben, dass die anarchistische Privatrechtsgesellschaft gebaut werden und bestehen kann. Gerade Anarchisten meinen gerne, sie könnten mit ihrer Ideologie alles Mögliche verstehen und alles andere ließe sich in die Ideologie quetschen. Es wird sogar blauäugig argumentiert, die staatenlose Privatrechtsgesellschaft (die nicht existiert) würde automatisch das Problem der Psychopathen und anderen gefährlichen Individuen in der Gesellschaft in den Griff kriegen, weil bösartige Menschen in der Privatrechtsgesellschaft keine staatliche Macht hätten und irgendwelche privaten Sicherheitskonzerne und Versicherungen immer zur stelle wären, um Verbrechen auszuräuchern. Genauso würde ein fundamentalistischer Moslem argumentieren, dass bei der vollständigen Anwendung der Scharia und den Handlungsvorgaben des Propheten bzw. Allahs alles friedlich und wundervoll sei. Eine Behauptung wird von einer leeren Behauptung gestützt.

Zu Lobaczewski: Er hatte unter widrigen Umständen und mit sehr begrenzten Mitteln einen Versuch unternommen, eine einheitliche wissenschaftliche Theorie über das Böse zu entwickeln. Er leistete Grundlagenarbeit, war aber nicht der erste und nicht der letzte, der sich da heranwagte. Außerdem finde ich keine gesicherten Informationen über seine Person. Inzwischen sind wir wesentlich weiter, haben die Genetik und die fortgeschrittene Neurologie dazubekommen und vieles mehr.

„Dass sich hingegen die Religionen und Ideologien als solche auflösen werden, ist deutlich unrealistischer und auch nicht unbedingt wünschenswert. Denn wie du selbst oft sagst, kommt es letztlich darauf an, WELCHE Menschen (geistig gesunde oder persönlichkeitsgestörte) jeweils Macht und Einfluss ausüben.“

Das Problem der Irrationalität und irrationalen Maßstäbe gibt es sowohl beim Glauben als auch bei den Ideologien, aber beim Glauben wird diese Irrationalität offen zugegeben und sogar als Tugend gefeiert. Glaube gilt als moralisch, Unglaube und Zweifel als verwerfliche Sünde, die hart bestraft werden wird. Ideologien wie der Anarchismus arbeiten viel mit zirkulärer Pseudologik und ähnlichen Tricks. Beispielsweise wird rückwärts argumentiert, ausgehen von dem Luftschloss der „Privatrechtsgesellschaft“. Das heißt, wenn der Anarchist argumentativ mal wieder in der Sackgasse steckt, wird die Privatrechtsgesellschaft aus dem Hut gezogen und mit ihr soll alles bewiesen sein, was der Anarchist glaubt.

In der Religion gelten persönliche Gefühle und persönliche Deutungen von Erlebnissen als unschlagbarer Beweis. Natürlich fühlt der gläubige Christ das was er fühlt, aber genauso fühlt das auch der Moslem oder der radikale Moslem. Wenn der Esoteriker die übliche Literatur gelesen hat und dann Rauschdrogen nimmt, fühlt er sich meist zutiefst beeindruckt und bestätigt und bleibt womöglich für den Rest seines Lebens Esoteriker. Wobei die Esoteriker natürlich gerne Logik und atheistische Argumente gegen das Christentum verwenden, nicht aber gegen die eigenen Überzeugungen.

Es ist schwierig, aber nicht unmöglich, beispielsweise Christen dazu zu ermuntern, sich über die Wissenschaft des Bösen zu informieren und dieses Wissen konsequent anzuwenden. Manche Christen meinen (und das wird von kirchlichen Autoritäten heiß diskutiert) dass es für die Erlösung reicht, zu glauben. Andere sind eher überzeugt, dass man gute Werke tun muss. Hier kann man ansetzen und das Werkzeug liefern, um an den Kern des Bösen ranzugehen. Viel zu oft begnügen sich Christen damit, lediglich die Scherben aufzuheben und zu kitten, welche irgendwelche Bösewichter hinterlassen haben. Gerade bei modernen Christen, wo die Moral einen hohen Stellenwert hat, gibt es wundervolle Überschneidungen zwischen Glauben und Wissenschaft, die sich gegenseitig verstärken können.

Beim Islam ist das meiner Ansicht nach schwieriger, weil dort die Ausgrenzung, Eroberung usw. einen viel zu hohen Stellenwert haben. Gewalt und Strafe gelten als gottgewollt und es gibt kein „Neues Islamisches Testament“ welches die Exzesse des Korans aufweicht.

„…wird dem christlichen Menschenbild nicht gerecht. In diesem spielt ja gerade der freie Wille jedes Individuums eine entscheidende Rolle. Und der freie Wille ist aus meiner Sicht ein entscheidender Bestandteil der Weltsicht jedes freiheitlich denkenden Menschen. Auch eine Persönlichkeitsstörung spricht nicht von Verantwortung in Bezug auf die eigenen Taten los.“

Rechtlich betrachtet sind schwere Narzissten bzw. Psychopathen voll schuldfähig und das ist auch wichtig. Es gibt für diese Leute keinen inneren moralischen Antrieb, sich an grundsätzliche moralische Maßstäbe zu halten, sondern da funktionieren nur äußere Antriebe wie etwa die drohende Bestrafung.

Der „freie Wille“ wird im Glauben immer gerne betont, um erklären zu wollen, warum Gott so viel Leid auf der Welt zulässt und nicht helfend eingreift. Man darf nicht vergessen, wie tief im Christentum Überzeugungen von der Ursächlichkeit des Bösen und diverse Lösungsansätze verankert sind. Von der Ursünde bis hin zur Frage Glaube vs. Zweifel oder die Frage „Reicht der Glaube oder müssen genügend gute Taten vollbracht werden?“ wird alles Mögliche als Grundlage hergenommen, aber auch hitzig diskutiert.

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2 Comments on this post.
  • Soma
    26 September 2016 at 17:42
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  • DrSchnackels
    26 September 2016 at 9:52
    Leave a Reply

    Was Stefan Molyneux von sich gibt hat häufig Hand und Fuss. Jedoch die Art wie er es vorträgt ist teilweise echt abstoßend. Und die agressive Haltung seiner Fans ist mir bekannt (Freiwillig Frei z.B.). Denoch geht es um die Botschaft und nicht den Botschaft“er“. Auch klingt dieser Psycho so als ob die Familie etwas schlechtes ist. Sein Ansichten hinsichtlich Herrschaft, Marktwirtschaft und Waffenbesitz sind jedoch völlig ohne Tadel. Aber im Grunde wiederholt er nur bereits bekanntes. Jeder Anarcho weis daß es nicht seine Aufgabe ist anderen zu erzählen wie sie zu leben haben.
    Staatists haben leider keine Argumente, sondern auch nur Emotionen und Wunschdenken. Niemand hat bisher, ohne sich in verklausolierungen zu verlieren, stichhaltig nachgewiesen wie man, in einer hierarchische Gesellschaft, verhindern soll daß Psychos wieder an deren Spitze gelangen.
    Immer wenn die Frage ist: wer wählt den „Rat der Weisen“, den „guten Monarch“ oder die „bessere Regierung“, dann kommt als Antwort: die souveränen Bürger (=Massendemokratie aka Ochlokratie). EPIC FAIL!!!
    Viele beschreiben richtig die Probleme unserer „Demokratie“ heute, aber bei der Lösung rennen sie wieder in den selben Abgrund.

    Nein Danke. Da ist eine PRG wesentlich logischer und effizienter. Der Nachweis wird heute schon durch die Marktwirtschaft und die zentralstaatliche Misswirtschaft mehr als ausreichend belegt.
    Was man nicht vergessen sollte: Anarchisten kennen auch die Notwendigkeiten von Verwaltung und Organisation, lehnen aber Herrschaft strickt ab.

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