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Sicherheit Terror

Spuren der Istanbuler Anschläge führen nach Europa und Russland

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Kommentar

Der türkische Präsident Erdogan ist in Ungnade gefallen und prompt sucht eine Terrorkampagne sein Land heim, zerstört die Tourismusindustrie und zwingt ihn, wieder brav der Linie zu folgen und sich mit den Wünschen der EU und Russland abzufinden. Die deutsche Presse bemerkt, wie sehr Erdogan nun wieder auf der Suche nach Freunden sei und sich sogar bei Russland entschuldigt hat für den Abschuss eines Kampfflugzeuges. Eigentlich hatte man in der Türkei auf die Spätbucher unter den Urlaubern gehofft, allerdings zerschlugen sich die Hoffnungen mit dem Anschlag auf den Istanbuler Flughafen.

Die Spuren führen nach Europa, nach Tschetschenien, Dagestan und Russland. Ahmed Chataev (“der Einarmige”) soll hinter der Sache stecken; er leitet laut Radio Free Europe eine russisch-sprechende IS-Brigade. Er ist auf einer russischen Terrorliste seit 2003 und erhielt Asyl in Österreich. Später fiel er auf mit illegalem Waffenbesitz und vorbereitender Aktionen in Schweden und der Ukraine. Die Russen forderten seine Auslieferung, bekamen ihn aber nicht und später ging er zum IS nach Syrien und Irak. Der Europäische Menschengerichtshof verhinderte die Auslieferung, da ihm in Russland oder Tschetschenien Folter drohte.

Da Russland extremen Einfluss in Tschetschenien hat, ist dennoch unklar, für wen er letztendlich arbeitete. Russland profitierte von den Anschlägen, während Erdogans Tourismusindustrie zusammenbrach. Zwei der Terroristen seien Rakim Bulgarov und Vadim Osmanov, die laut Angaben von Kirgisistan russische Pässe hatten. Man spricht auch über die Herkunftsregionen Dagestan, Kirgisistan und Usbekistan. Alles ehemalige sowjetische Staaten.

USA und ihre Partner haben türkische Währung und Wirtschaft abstürzen lassen

Der Nimbus des türkischen Präsidenten Erdogan als Mr. Wirtschaftswunder ist praktisch verschwunden. Die USA nehmen Erdogan unter anderem krumm, dass jener sich für das russische Pipeline-Projekt entschieden hatte, um billigere Rohstoffe zu bekommen. Die Russen schäumen, weil Erdogan ernsthaft erwägt, Katar eine Pipeline bis in die Türkei bauen zu lassen. Die türkische Presse spricht davon, wie eventuell Katar-Gas über die Nabucco-Pipeline weiter nach Europa transportiert werden könnte, sehr zum Nachteil Russlands.

Russland und den USA ist eine säkulare Türkei ohne Erdogan immer noch lieber als eine eigensinnige homogene Türkei, die eine große Militärmacht mit einem dominanten Islam und Großreichsansprüchen eng verknüpft. Die USA und ihre Partner drehen weiter an der Stellschraube, um das Wachstum in der Türkei abzuwürgen: Der Chef der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve hatte erklärt, man wolle wohl den Stimulus der monatlichen Anleihekäufe zurückzufahren, mit dem auch das rapide Wachstum in den Schwellenländern finanziert worden war. Abu Dhabi ließ ein 12-Milliarden-Dollar-Projekt zum Ausbau eines Steinkohlekraftwerkes platzen. Das Chaos in Syrien schreckt ebenfalls Investoren ab. Der US-dominierte Internationale Währungsfonds spekuliert öffentlich über eine Vollbremsung der türkischen Wirtschaft, die Bank Morgan Stanley nannte das Land enorm verwundbar bei einem Abfluss ausländischer Finanzmittel.

Bestrafungsaktionen der USA machen nur dann Sinn, solange Russland ebenfalls an einem Absägen Erdogans interessiert sind, ansonsten würde eine zu starke Annäherung der Türken an den Osten das ganze Gefüge im Mittleren Osten durcheinanderbringen.

Der Leitindex der Börse in Istanbul hat viel an Wert eingebüßt, die türkische Lira hat massiv abgewertet, die Anleiherenditen haben sich bis auf 10 Prozent verdoppelt. Die türkische Zentralbank ist machtlos gegen diesen Ansturm und verfügt nicht über genügend Devisenreserven um den Schaden auszugleichen. Rund 100 Milliarden Dollar ausländisches Kapital flossen in die Türkei in den letzten 10 Jahren und Erdogan konnte so für sich und seine “Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung” mit 5% Wachstumsraten pro Jahr und einer Verdreifachung des Pro-Kopf-Einkommens der Bevölkerung prahlen.

Der Pump kommt jetzt teuer zu stehen, die Auslandsschulden der Türkei haben sich auf 350 Milliarden Dollar verdreifacht und mehr als die Hälfte davon muss nun in einem Jahr refinanziert werden.

 

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