Recht

Irre: G36-Gewehr war gar nicht für den Kampfeinsatz vorgesehen

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Kommentar

Die Waffenschmiede Heckler & Koch wird wohl einen Sieg im Gerichtsprozess gegen die Regierung erringen – aber dennoch sehen beide Parteien dabei überhaupt nicht gut aus. H&K besteht darauf, genau das geliefert zu haben was bestellt wurde, nämlich ein Gewehr mit Polymer-Gehäuse und leichten Läufen. Das Verteidigungsministerium beharrt darauf, dass bei Auslandseinsätzen in der Hitze und beim Kampf mit Dauerfeuer die Treffgenauigkeit extrem stark sinkt. H&K wiederum erklärt, das kein Gewehr bestellt wurde, dass unter solchen Bedingungen im Kampfeinsatz genau trifft. Es waren sogar Nachbesserungen für 600€ pro Gewehr angeboten worden, wofür das Verteidigungsministerium kein Geld locker machen wollte oder was einfach politisch zu peinlich war.

Die Regierung muss sich fragen lassen, warum sie kein Gewehr bestellt hat, dass ähnlich wie eine billige Kalaschnikow oder ein Colt M4 auch unter Hitze einigermaßen trifft. H&K wiederum muss sich fragen lassen, wie sie für ca. 1300€ ein Gewehr verkaufen können, das laut Studien nicht wie gleich teure oder günstigere Konkurrenzmodelle auch in der Wüste oder heißgeschossen noch trifft.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), von der bezweifelt werden darf, dass sie jemals eine Waffe in ihrem Leben abgefeuert hat, meint das G36 sei nicht treffsicher, wenn es heißgeschossen oder durch Sonneneinstrahlung angewärmt ist. Neue Tests hätten dieses Problem gezeigt, während Vergleichswaffen wesentlich besser abgeschnitten hätten. Kann man wirklich glauben, dass das Verteidigungsministerium das Gewehr vor über 18 Jahren nicht einfachen Prüfungen unterzogen hatte? Kann man wirklich glauben, dass H&K trotz ihres Rufs als Qualitätshersteller nicht selbst einfache Tests vorgenommen hat?

H&K ist den Vorwürfen entgegengetreten und verlautbarte, das G36 habe bei „sachgerechtem Gebrauch keine maßgeblichen Einschränkungen der Einsatztauglichkeit“. Eigene Tests widersprächen diametral den Ergebnissen der Bundeswehr. Die Schwaben haben nicht nur die modernsten Entwicklungs- und Produktionsanlagen, sondern auch jede vorstellbare Testumgebung:

Einer der beliebtesten Youtube-Channels zum Thema Waffen, Iraqveteran8888, testete das G36 gründlich, auch „heißgeschossen“. Der Waffenhändler und Veteran war auch nach längeren Tests begeistert.

In der Pressemitteilung von HK heißt es:

Im Gegenteil kommuniziert die Bundeswehr zum Thema G 36 seit rund einem halben Jahr nicht mit Heckler & Koch über die konkret untersuchten Vorwürfe zum G 36 als weltweit anerkanntes, technologisch führendes Sturmgewehr. Die jetzt verbreiteten Ergebnisse widersprechen diametral den umfangreichen und aufwendigen Prüfungen, die Heckler & Koch angesichts aufkommender Gerüchte über eine angeblich gravierende Zielabweichung der heißgeschossenen oder durch Witterungseinflüsse erhitzten Waffe selbst durchgeführt hat. Heckler & Koch liegen keinerlei Unterlagen zu den aktuellen Vorwürfen vor. Eine dringend gebotene sachliche Prüfung und Stellungnahme zu den angeblichen Ergebnissen der Untersuchungen ist hier insofern nicht möglich.

Das G36 besteht zum Großteil aus Polymer. Feuert man aber 90 Schuss durch ein G36 (das sind drei 30er-Magazine die in wenigen Sekunden durch sind) soll die Waffe laut den kritischen Stimmen einen Streukreis von 50 bis 60 Zentimetern aufweisen. Das heißt, wenn der Schütze völlig akkurat zielt, könne der Schuss einen halben Meter abweichen.

Heckler & Koch veröffentlichte bereits in der jüngeren Vergangenheit Stellungnahmen, in denen man die Berichterstattung „als Teil einer mittlerweile über zwei Jahre andauernden und äußerst vielschichtigen Kampagne gegen das Unternehmen“ bezeichnete. Die Waffen seien vom Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung abgenommen worden, von einem Mangel könne keine Rede sein. In über 10 Jahren Kampfeinsatz der Bundeswehr in Afghanistan sei Heckler & Koch keine einzige Beschwerde der kämpfenden Truppe in Bezug auf die Treffleistung des Gewehres G36 im heißgeschossenen Zustand bekannt geworden.

Ist „made in Germany“ einfach politisch nicht mehr gefragt? Dagegen spricht, dass von 2001 bis 2011 über 900 Direktaufträge und elf Forschungsaufträge der Bundeswehr an H&K gingen. Die Höhe der dazu bereitgestellten Finanzmittel wird nicht bekannt gegeben. Insgesamt soll das G36 in 35 Staaten geliefert worden sein. Man beliefert mindestens 88 Staaten direkt mit Waffen. Nichtsdestotrotz wurde H&K gerade bei den lukrativen Großaufträgen für Sturmgewehre übergangen. Den Amerikanern bot man den G36-Nachfolger XM8 an. Obwohl die XM8 in Rekordzeit fertiggestellt wurde und sie die Anforderungen der US Army vollumfänglich erfüllte, wurde sie von dem Verantwortlichen James R. Moran mit der Begründung abgelehnt, dass sie zu sehr nach dem deutschen G36 aussähe.

Eine leichtere und nochmals 300$ günstigere Version wurde ebenfalls abgelehnt, obwohl ein Vergleichstest zwischen dem XM8, dem HK416, dem FN SCAR und dem Colt M4 Ende 2007 von der US Army unter schweren Wüstenbedingungen zu deutlichen Ergebnissen führte: Während das M4 882-mal versagte, schnitten HK416 und FN SCAR mit 233 und 226 Ladehemmungen wesentlich besser ab. Das HK XM8 erzielte mit nur 127 Ladehemmungen das beste Ergebnis. Trotzdem blieb das Pentagon bei der M4 des amerikanischen Herstellers Colt, ein Design aus dem Vietnamkrieg.

2001 bemängelte das Oberkommando der US-Spezialeinheiten offiziell die geringe Zuverlässigkeit des M4. Die Spezialeinheit Delta Force stieg 2004 vom M4 auf das Heckler & Koch 416 um.

Am 30. Oktober 2009 legte die Army dem Kongress eine Reihe von Änderungswünschen für das M4 vor. So sollen ein elektronischer Schusszähler, ein schwererer Lauf und ein indirektes Gassystem eingebaut sowie eine beidseitige Bedienbarkeit ermöglicht werden.

Der Lauf eines M4 ist nach nur 7000 bis 8000 verschlissen. Der Lauf eines G36 macht 30.000 mit.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die Bundeswehr rund 176.000 Sturmgewehre vom Typ G36 eingekauft. Aufgrund der jüngsten Tests will von der Leyen die Gewehre nun in den Einsätzen nur noch eingeschränkt benutzen und langfristig vielleicht sogar ganz aus dem Verkehr ziehen. Was wird die Bundeswehr stattdessen anschaffen? Das traditionelle G3 das man vorher hatte? Amerikanische M4s? Kalaschnikows aus Russland? Megafone zur Kommunikation mit dem Feind?

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2 comments

DrSchnackels 6. Juni 2016 at 12:44

Schwarz lackierte Besenstiele natürlich. Für 5.000 EUR das Stück. Schadstoff- und Geräuscharm. Und nicht Letal! Passt perfekt in den linken Zeitgeist.
By the way, haben wir überhaupt noch eine Armee? Vor der freiwilligen Feuerwehr hätte ich mehr Angst, die haben immerhin scharfe Äxte.

Reply
kill1 4. Juni 2016 at 19:07

ist schon krass wie man das eigene land verrät.

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