Kultur

Eine weitere (libertäre) Auswanderer-Kommune ist gescheitert

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Seventide/CC BY-SA 3.0

Kommentar

Liberty Gardens ist eines dieser vielen Auswandererprojekte, das mit einer wunderhübschen Webseite beworben wird: Leben im Paradies, Strand, Sonne, Harmonie, Yoga, Bioresonanz, niedrige Steuern und Schirmchendrinks, während die deutschen Daheimbleiber in Steuern und Regen ersaufen.

Inzwischen scheint aber der offene Krieg im phillipinischen Paradies ausgebrochen zu sein und alles erinnert an den Verfall von ähnlichen Projekten wie “Galt’s Gulch Chile“. Gegenseitige Anschuldigungen, Klagen und Gefechte, die sich noch eine ganze Weile lang hinziehen könnten. Liberty Gardens hat einen esoterischen Hauch und wirbt mit Yoga und nebulösen Heilmethoden, wenngleich auch gehofft wurde, eine libertäre Community dort zu bilden. Natürlich scheitern libertäre Kommunen nicht öfter als ideologisch anders gelagerte, allerdings sind bei Libertären die Erwartungen einfach größer. Keine schönen Schwingungen sollen für den Erfolg sorgen, sondern hemdsärmelige Geschäftsmäßigkeit. Libertäre Communities bergen ein Extra-Risiko, nämlich die minimale Dokumentation und minimale staatlich-bürokratische Absicherung. Der Staat gilt immer als Satan, wobei der Teufel auch ganz woanders lauern kann. Bei “Galt’s Gulch Chile” sollte die gesamte Buchhaltung und Bürokratie in eine Schuhschachtel passen; und genau das wurde den Kunden später zum Verhängnis. Geld verschwand in undurchsichtigen Bitcoin-Kanälen, Verträge hingen in der Luft und “Handschlagsgeschäfte” erwiesen sich als Desaster.

Sind Libertäre zu vertrauensselig, wenn die Werbung auf sie zugeschnitten ist? Haben sich Libertäre zu sehr beeinflussen lassen von schwurbeligen Utopien wie aus Ayn Rands Roman “Atlas Shrugged”, wo libertäre Übermenschen in einem Zaubertal die perfekte Gemeinschaft bilden, während der Pöbel draußen vor die Hunde geht?

Der Pseudo-Staat “Liberland” des osteuropäischen Politikers Vit Jedlicka ist eine Lachnummer für alle außer die Libertären. Die Libertären glauben wirklich, dass aus ein paar Quadratmetern Sumpfland zwischen den zerstrittenen Nationen Kroatien und Serbien ein florierender Staat wird. Jedlicka wirbt mit Luftschlössern und Milliarden an angeblichen Investorengeldern um Libertäre zum Spenden und Investieren zu überreden. Der Endsieg sei quasi schon greifbar. In Wirklichkeit gurken dann ein paar Kult-Mitglieder auf einer Nussschale in Richtung Sumpfland, wo sie dann verhaftet werden. Es gibt sogar Konkurrenten von Jedlicka, die ihm den Pseudostaat streitig machen wollen. In Kürze möchte er ein großes Fest veranstalten und mit 5000 Gästen einfach die Grenze überschreiten, weil ihn dann angeblich niemand mehr aufhalten könne.

In Galt’s Gulch Chile folgen nun große Gerichtsprozesse, die sich über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinziehen können. Ist das das Schicksal von Liberty Gardens?

In Deutschland gibt es natürlich auch jede Menge Opfer beim Hausbau bzw. Hauskauf. Selbst mit Rechtsschutzversicherung und anderen Werkzeugen kann es Jahre dauern, bis man zumindest bei einem halbwegs akzeptablem Ergebnis herauskommt. Aber in einem völlig fremden Rechtssystem in einem fremden Land mit fremder Sprache und minimaler Dokumentation?

Auswandern und irgendwo am Ende der Welt Geld reinzustecken, ist ein Hochrisikogeschäft, besonders in korrupten Regionen mit absurdem Rechtssystem. Eventuell werden die immens frustrierten Kunden von Liberty Gardens eines Tages froh sein, dass es nicht geklappt hat, denn die Phillipinen bekommen bald einen komplett irren Präsidenten und die Chinesen wollen die ganze Region erobern.

Ich selbst bin einmal ohne es zu ahnen, in einer Auswanderer-Community gelandet: Die Stiftung “Natural Solutions Foundation” hatte mich und meine Frau nach Panama eingeladen, um an einem Filmprojekt über die absurde globale Lebensmittellegislatur zu arbeiten. Sobald wir dort waren, merkten wir dass die Stiftung möglichst viele Auswanderer anwerben wollte, vorzugsweise aus den USA. Die Werbung für das “Tal des Mondes” klang genauso wie die Werbung für Liberty Gardens oder Galts Gulch Chile: Sonne, Esoterik, Wirtschaftlichkeit, Harmonie. In Wirklichkeit regnete es dort 8 Monate im Jahr und es gab keine verlässliche Struktur, sondern es sollten immer neue Paradies-Sucher dort hin gelockt werden. Die einzigen, die wirklich profitierten, waren die Leiter des Projektes, die zuvor bereits in die Phillipinen ausgewandert waren und von dort frustriert nach Panama weiterzogen. Von den Phillipinen hatten sie genug und ein ganzer Frachtcontainer mit ihrem Besitz wurde von einem korrupten phillipinischen Unternehmen zurückgehalten. Zahlen Sie, oder Sie sehen Ihren Container nie wieder!

Meine Frau hatte früher weltweit mehrere Kommunen landwirtschaftliche Öko-Auswanderer/Aussteiger-Kommunen kennengelernt und die Masche war die Gleiche: Tolle Werbung, um seine Zet und sein Geld dort rein zu investieren. Ernüchterung hinterher garantiert.

Deshalb schrieb ich in meinen Büchern warnende Worte übers Auswandern und Ideologien. Prinzipiell sollte man Auswandererziele so harsch wie möglich bewerten, am besten fast schon unfair trashen, um ein besseres Gefühl für die Nachteile und Gefahren zu bekommen.

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1 comment

Auswanderer Oliver Janich missbraucht und abgezockt | Bücherleser-Blog zu Terror in der BRD 19. Mai 2016 at 4:11

[…] Zuerst fand sich das hier beim Benesch: […]

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