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Sicherheit Terror

Die höchst suspekten Vorgänge in den Monaten vor den Brüsseler Anschlägen

Gleich mehrere bizarre Erkenntnisse über die Netzwerke hinter den Brüsseler Anschlägen wurden nun bekannt:

  • Nicht nur Terroristen, sondern richtiggehende Schlüsselfiguren des Islamischen Staats würden von Brüssel aus operieren
  • Einer der Terroristen war laut dem türkischen Präsidenten Erdogan im vergangenen Sommer in der Nähe der türkischen Grenze verhaftet und nach Belgien ausgeliefert worden
  • Die Gebrüder El Bakraoui erfüllten alle Warnzeichen für Terroristen, blieben aber lange unbehelligt und konnten sogar bei einer Razzia fliehen
  • Die Problembezirke von Brüssel waren von den offiziell sehr kleinen belgischen Antiterror-Kräften überwacht. Welche Amtshilfe aus dem Ausland gab es? Treten sich ausländische Dienste in Problembezirken gegenseitig auf die Füße, um Terrornetzwerke zu infiltrieren?
  • Wichtige Warnungen wurden von belgischen Behörden nicht mit den Franzosen geteilt

In Großbritannien und anderswo wird nicht lange gefackelt; Sicherheitsdienste rekrutieren oft die radikalen Imame in den Moscheen als Informanten oder schleusen professionelle Agenten in heimische islamische Netzwerke und ins Ausland. Der legendäre Hassprediger Abu Hamza in Großbritannien konnte lange Zeit seine Finsbury-Park-Moschee, die auch „Londonistan“ genannt wurde, als Dreh- und Angelpunkt für Islamisten und Dschihadisten betreiben. Vor Gericht argumentierte sein Anwalt, Hamza hätte mit den britischen Behörden wie Scotland Yard und dem MI5 kooperiert, um Spannungen zu vermindern. Sein jahrelanges Getöse sei also quasi nur ein Druckablassventil gewesen für die jungen Muslime.

Aimen Dean war Gründungsmitglied von al-Kaida und spionierte später für die britischen Dienste MI5 und MI6. Er erklärte bereits frühzeitig, dass das Problem radikaler Muslime in Europa gewaltig und kompliziert sei. Wieso wirken die europäischen Sicherheitsdienste aber heute so hilflos? Berichten zufolge waren manche der Brüsseler Terroristen typische Kriminelle, die einen Ausweg suchten. Dean erklärt:

„Neue Rekruten für ISIS gingen zuvor in Nachtclubs, nahmen Drogen, waren Mitglieder von Gangs und hatten unehelichen Sex. Sie wollen Erlösung und Vergebung. Der Hunger nach Erlösung ist stark. Und Isis bedient diese Sehnsucht.“
„Die Motivation ist religiös, auch wenn die Rekruten ungebildet sind. Sie denken dass sie im Himmel landen wenn sie sich für ISIS in die Luft sprengen. Isis bietet einfache Antworten auf alle Fragen.“

Für Dean ist es sinnlos, solche Leute zu überreden, wieder anständige Bürger zu werden. Stattdessen sollte man sie verwirren durch die Komplexität von Glaubensfragen und durch Zweifel.

Bei den Gebrüdern El Bakraoui, die nach Angaben der Behörden an den Brüsseler Anschlägen beteiligt waren, handelte es sich um verurteilte Straftäter. Ibrahim soll eine Audiodatei für seine Mutter auf seinem Laptop aufgenommen und diesen dann seltsamerweise in eine Mülltonne auf der Straße geworfen haben. Wenn ihn jemand entsprechend bearbeitet hatte, schien für ihn die Tat wie ein geeigneter Ausweg. Sofort ins Paradies, statt für den Rest seines Lebens hinter Gittern. Dies macht prinzipiell alle muslimischen Karriere-Verbrecher suspekt, weil sie immer den Dschihad als Alternative haben.

Der türkische Präsident Erdogan erklärte, dass Ibrahim vergangenen Sommer an der syrischen Grenze geschnappt und zunächst nach Holland, dann nach Belgien ausgeliefert worden war. Die belgischen Behörden hätten nicht bestätigen können, dass er Verbindungen zum Terrorismus hatte. Dies mutet seltsam an, da ein vorbestrafter muslimischer Belgier in der Nähe des syrischen Konfliktes so ziemlich die maximalen Bedingungen erfüllt, um von den Behörden unter die Lupe genommen oder gar rekrutiert zu werden. Gab es hier Sabotage aus den belgischen Diensten? Beamte, die ihre eigene Agenda haben?

Die beiden Brüder sollen zudem vor über einer Woche bei einer Antiterror-Razzia der Polizei inmitten einer Schießerei entkommen sein. Zunächst ist die erfolgreiche Flucht an sich bereits seltsam. Wollte man die beiden lieber gehen lassen um sie verfolgen zu können, möglicherweise zu ihren Kontaktleuten?

Laut dem belgischen Terrorismus-Forscher kamen rund 75 Belgier nach der Teilnahme am Krieg in Syrien und Irak nach Hause zurück, was die belgischen Sicherheitsdienste angeblich personell überforderte. Es braucht bis zu 25 Beamte, um einen einzigen Verdächtigen rund um die Uhr zu beschatten und den Verwaltungsaufwand zu bewältigen. Zusätzlich zu diesen heimkehrenden Kämpfern wachsen Einheimische zu Terorristen heran, die nicht unbedingt einen Fuß auf ausländischen Boden gesetzt haben. Der Problembezirk Molenbeek hat fast 50 Moscheen. Wie soll da irgendjemand den Überblick behalten? Gab es Amtshilfe von befreundeten ausländischen Geheimdiensten? Griff man auf Methoden im legalen Graubereich zurück oder sogar auf Illegales? In den 90er Jahren wurde enthüllt, dass eine geheime Einheit des belgischen Militärgeheimdienstes mit der amerikanischen DIA kooperierte, die Migranten-Hochburgen als Gefahr erkannte und mit massenhaften Abhörmaßnahmen und aggressiven Anwerben von Informanten reagierte.

Das Pentagon gab 500 Millionen Dollar aus, um syrische Rebellen auszubilden. Ist es so schwierig, angeworbene Agenten nach Europa zu schleusen um dort die muslimischen Hochburgen zu infiltrieren?

Bruce Hoffman, der Direktor des Center for Security Studies an der Georgetown University erklärte, dass „essentielle Figuren und ranghohe Kommandeure [des Islamischen Staats] von Brüssel aus agieren“ von wo aus sie auf ein Netzwerk an Personen und Sympathisanten zurückgreifen können. Wird also der IS in einem bestimmten Maß von Brüssel aus gesteuert?

Im Februar wurden Pläne der belgischen Regierung bekannt, eine halbe Milliarde Euros auszugeben für zusätzliche Kapazitäten der Polizei und der Geheimdienste. Nach den Pariser Anschlägen bekam die Polizei von Molenbeek magere 50 neue Beamte. Eine Anti-Radikalisierungs-Einheit bestand aus gerade einmal acht Leuten, wobei die Imame und andere wichtige muslimische Figuren unterschiedlichste Sprachen sprechen.

Philippe Hayez, ein ehemaliger Funktionär des französischen Geheimdienstes DGSE, nannte die belgischen Sicherheitsdienste eine kleine, aber professionelle Community von weniger als 1500 Leuten. Ist es wirklich glaubhaft, dass Belgien nicht auf ein internationales Netzwerk an Sicherheitsdiensten zurückgegriffen hat?

Der ehemalige Chef des britischen Geheimdienstes MI6 Sir Richard Dearlove erklärte, dass ein Austritt Großbritanniens aus der EU sein Land sicherer machen würde. Die allermeisten staatlichen Funktionäre äußern sich völlig anders und befürworten eine Zentralisierung der europäischen Behörden.

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