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Sicherheit

“Nitro Zeus” – Stuxnet war nur ein Fragment einer größeren Attacke

Stuxnet war aktuellen Berichten zufolge nur der Bruchteil eines viel größeren Cyber-Angriffsplans gegen den Iran und wurde nur deshalb bekannt, weil die Israelis ohne Absprache mit den Amerikanern eine verschärfte Version verbreiteten.

Für den Fall des Zusammenbruchs der Verhandlungen über Irans Atomprogramm stand die Operation “Nitro Zeus” bereit, die in der Lage gewesen sein soll, fast das ganze Land lahmzulegen. Nicht nur Luftverteidigungssysteme und Kommunikation, sondern auch das Stromnetz wären betroffen gewesen. Die Infrastruktur des Bushehr-Atomkraftwerks und des nationalen Stromnetzes im Iran stammt teilweise vom deutschen Traditionskonzern Siemens. Das Schadprogramm Stuxnet wurde speziell zum Angriff auf ein System zur Überwachung und Steuerung (SCADA-System) der Firma Siemens – die Simatic S7 – entwickelt. Solche Steuerungen werden aber auch vielfach in Industrieanlagen wie Wasserwerken, Klimatechnik, Pipelines usw. eingesetzt.

Siemens soll laut ehemaligen hochrangigen Managern lange Zeit eng mit dem deutschen Bundesnachrichtendienst verflochten gewesen sein; man bezeichnete den Konzern und insbesondere die “ICM Voice & Data Recording” als Hauslieferanten des BND für Spionagetechnik und einen technischen Hilfsdienst für die Spione. Der SPIEGEL berichtete:

“Der langjährige Betreuer der Sparte im Zentralvorstand, Volker Jung, war nach SPIEGEL-Informationen bis zu seiner Pensionierung Ende 2003 Verbindungsmann des BND bei Siemens.
Siemens lieferte Abhörtechnik für Geheimdienste in aller Welt, nach Russland, Ägypten, oder Oman. Der Konzern kann sich zur Fehleranalyse in jede große Vermittlungsanlage einwählen, die das Unternehmen geliefert hat.
Das legt den Verdacht nahe, der BND habe sich Zugang zu diesen Einwahlschlüsseln verschaffen wollen. Für den Nachrichtendienst war Siemens auch deshalb interessant, weil Ingenieure des Konzerns beim Bau von Telefonanlagen Räume zu sehen bekommen, die auch einem US-Spionagesatellit verschlossen sind, zum Beispiel in Iran.”

Das United States Cyber Command (USCYBERCOM) ist eine US-amerikanische, militärische Behörde die sich mit den Möglichkeiten der elektronischen Kriegsführung, des Cyberwars und der Internet-Sicherheit auseinandersetzt. Die Behörde nahm im Oktober 2010 ihren Dienst vollständig auf.

Bis in das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts hinein nahm die Kriegsführung im Internet sowohl hinsichtlich des doktrinalen Stellenwertes als auch hinsichtlich der Laufbahnorientierung eine Nischenrolle innerhalb der US-Streitkräfte ein. Offiziell liest sich der Auftrag des CYBERCOM recht banal; Art und Umfang der Aufgaben des USCYBERCOM, die sich aus dem Auftrag ableiten, unterliegen aber der Geheimhaltung. Geht man davon aus, dass der Stuxnet-Virus gezielt gegen das iranische Atomwaffenprogramm eingesetzt wurde, würde dies bedeuten, dass die Behörde praktisch direkt politische Entscheidungen im Ausland nach dem Willen der US-Regierung beeinflusst.

Mit der Möglichkeit, Infrastruktur zu sabotieren oder gar einen Angriff von ausländischen Mächten vorzutäuschen, kann man auch die Innenpolitik der USA nach Belieben umgestalten. Der wahre Grund hinter der Verknüpfung von 9/11 mit “Cyberterrorismus” wurde 2008 vom Harvard-Professor Lawrence Lessig enthüllt. Er sagte bei einer Technologiekonferenz, dass der ehemalige Terrorfahndungschef Richard Clarke zugibt, dass ein Cyber-Gegenpart zu dem verfassungsfeindlichen Patriot Acts bereits ausgearbeitet sei. Alles was benötigt wird ist ein “Cyber-9/11” um ein solches Gesetzesvorhaben politisch lebensfähig zu machen.

Westliche Regierungen würden bereits seit geraumer Zeit fleißig Hacker bei deren Konferenzen wie Black Hat oder Def Con rekrutieren. Beispielsweise die Technologieabteilung DARPA des Pentagons oder die National Security Agency sind darin dermaßen erfolgreich, dass sogar ein eigenes neues Programm namens Cyber Fast Track dafür geschaffen wurde.

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