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Sicherheit

Russischer Ex-Agent spricht über Inside Job bei Metrojet Flug 9268 in Ägypten

Boris Karpichkow, ein ehemaliger Offizier des KGB und des Nachfolgers FSB, behauptet dass russische Geheimdienste den Anschlag auf Metrojet-Flug 9268 in Ägypten durchgeführt hätten, um Präsident Putin politisches Kapital zu verschaffen. Die Details sollen ihm von einem hohen Offizier im Militärgeheimdienst GRU übermittelt worden sein.

Die Aktion wurde nach anfänglichem Zögern in der Öffentlichkeit schließlich ofiziell dem islamischen Staat zugeschrieben und gab Putin die Gelegenheit, massiv in der Region einzugreifen. Die folgenden russischen Luftschläge schwächten weniger den IS, sondern die Gegner von Russlands Verbündeten, dem Assad-Regime.

Ein Spezialist soll nach Sharm el-Sheikh gesandt worden sein, wo jedes Jahr hunderttausende Russen für ihren Urlaub ankommen, und eine Romanze begonnen haben mit einer jungen Russin. Der Agent bat diese Frau nach Darstellung von Karpichkow, ein “Geschenk” mit nach Russland zu seinen Eltern mitzunehmen. Versteckt in dem Geschenk war eine Bombe aus Cyclonite und einem Zünder vom Typ EHV-7.

Ermittler vermuteten, dass unter dem Sitzplatz 30A oder 31A eine Bombe versteckt war. Laut den Unterlagen saß auf Platz 30A Nadezhda Bashakova, 77, aus der Nähe von St. Petersburg und daneben, auf Sitz 30B, ihre Tochter Margarita Simanova, 43 Jahre alt. Auf 31A saß Maria Ivleva, 15, und auf 31B ihre Mutter Marina Ivleva, 44.

Der britische Russland-Experte Edward Lucas, der u.a. Chef des Moskauer Büros der Zeitung The Economist gewesen war, spekulierte ebnfalls über einen möglichen Inside Job der russischen Geheimdienste bei dem Absturz einer Passagiermaschine über Sinai:

[Manche] könnten sich fragen, ob diese Tragödie in Ägypten nicht auf eine perverse Weise ein Stunt war, um Russlands militärische Ambitionen in Syrien zu rechtfertigen.

Putin habe versucht, den Anführer im Krieg gegen den islamischen Terror zu spielen und gleichzeitig höchst fragwürdige Partnerschaften unterhalten.

Einige betonen, dass tschetschenische Kämpfer nun zu den gefürchtetsten Unterstützern des Kremls gehören. Anstatt die abtrünnige Republik zu zerschlagen, hat er sie mit Geld und Gefallen für sich begeistert.

Putin war zunächst eine wackelige Figur, die von Boris Jelzin als Nachfolger auserkoren wurde und dessen Rivalen ihn schnellstmöglich wieder loswerden wollten. Niemand erwartete, dass der in der Bevölkerung unbekannte Putin sich lange halten würde. George W. Bush in den USA war nach Amtsantritt im Januar 2001 schnell als “lahme Ente” verschrien.

Bush bekam mit 9/11 den drigend benötigten Katalysator, um die neokonservative Geopolitik zu beschleunigen und auch innenpolitisch mit dem Patriot Act die Handschuhe auszuziehen. Putin bekam mit den Anschlägen auf Wohnhäuser in Russland 1999 gewaltigen Auftrieb, um seine Konkurrenten loswzuwerden, mit einem Krieg gegen Tschetschenien die Ex-Sowjet-Region wieder einzufangen, eine hohe Beliebtheit zu erlangen und im Inland einen diktatorischen Kurs zu fahren.

In beiden Fällen handelte es sich nach offiziellen Regierungsangaben um islamischen Terrorismus: Bei den Amerikanern die al-Kaida mit Osama Bin Laden an der Spitze, auf der anderen Seite tschetschenische Separatisten die ihren Scharia-Staat behalten wollten und Schamil Bassajew folgten.

Am Abend des 22. Septembers 1999 bemerkte ein aufmerksamer Bewohner eines Wohnhauses in Rjasan zwei Männer, die schwere Säcke aus ihrem Auto in den Keller schleppten. Die lokale Polizei wurde gerufen und die gesamten umliegenden Wohnungen wurden evakuiert. Der Inhalt der Säcke stellte sich beim ersten Test als Sprengstoff (Hexogen) heraus. Alle Straßen, die aus der Stadt führten, wurden stark überwacht, aber es gab keine weiteren Spuren.

Der russische Geheimdienst (FSB) erklärte 48 Stunden später mit äußerster Dreistigkeit, dass dieser Vorfall ein Training gewesen sei und die Säcke Zucker enthalten hätten. Das Ergebnis der ersten Sprengstoffanalyse wurde widerrufen, da es wegen einer Verschmutzung des Analyseapparates durch vorangegangene Tests ungenau gewesen sei. Der öffentliche Untersuchungsausschuss konnte kein endgültiges Ergebnis zu diesem Ereignis vorlegen, da von verschiedenen Behörden der Russischen Föderation widersprüchliche Auskünfte erteilt wurden. Der Generalstaatsanwalt schloss die Untersuchung des Vorfalls in Rjasan im April 2000 ab. Die Beweise vom Vorfall in Rjasan wurden für 75 Jahre versiegelt.

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