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Kommentar

Wenn man sich die Bücher über den NSU-Fall durchliest, die Zeitschriften und Blogs, findet man alle möglichen Sichtweisen. Meistens vertreten Leute gerade diejenige Sichtweise, die ihre Ideologie zu bestätigen scheint bzw. die ihnen politisch-propagandistisch nützt:

Laut dem Mainstream begehen die Neonazis weitestgehend alleine solche bösen Taten und wurden im Falle des NSU letztendlich nach Problemen bei den Ermittlungen doch noch alle aufgespürt.

Der Staat vertuscht die Peinlichkeiten und präsentiert sich als Problemlöser. Politisch wird darauf herumgeritten, dass mordende Neonazis zumindest geistig nahe stünden an all jenen, die die Zuwanderung stark kritisieren. So lobt sich die Regierung selbst und verpasst den Kritikern eine Breitseite. Außerdem kommt so dem geplanten Schengen-Beitritt der Türkei, einem EU-Beitritt, bzw. der kommenen Mittelmeer-Union nichts in die Quere. Die Massenmedien haben wenig Interesse an den ganzen Toten innerhalb türkischer Parallelgesellschaften in der BRD oder an türkischer/türkischstämmiger Gewalt gegen Deutsche. Der Fokus liegt deutlich auf rechter Gewalt. Während die dem NSU zugeschriebene Mordserie an vornehmlich türkischstämmigen Kleinunternehmern ein Fall von größter Aufmerksamkeit wurde, blieben im gleichen Zeitraum die sogenannten “Ehrenmorde” mehr oder minder ignoriert. Eine Studie von 2011 erklärt das Phänomen:

„Wir schätzen die mögliche Gesamtzahl der Ehrenmorde auf etwa zwölf pro Jahr, davon drei Ehrenmorde im engeren Sinne. Diese Hochrechnung umfasst auch Partnertötungen in der Grauzone zwischen kollektiver Familienehre und individueller männlicher Ehre, deren Einordnung als Ehrenmord zweifelhaft ist“, so die Forscher.

In sechs bis sieben Jahren soll der NSU neun Opfer produziert haben. Im selben Zeitraum gab es 78 Ehrenmorde im Millieu derjenigen mit Migrationshintergrund. Grob gesagt ist es für jemanden mit Migrationshintergrund wesentlich warscheinlicher, an einem Ehrenmord zu sterben, als an einem Neonazi-Mord. Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe waren nicht verwandt, sondern nur ideologische Partner. Bei den Ehrenmorden gibt es auch ideologische bzw. religiöse Überschneidungen und hin und wieder werden die Taten auch gemeinschaftlich begangen. Mord ist Mord.

Deutsche sehen sich regelmäßig “Terror” durch Migranten ausgesetzt, erhalten Morddrohungen von Gruppen wegen Nichtigkeiten.

Die Linken dreschen natürlich auf den Staat ein, die Ermittler, Neonazis, und jeden der die Migrationspolitik nicht mag und nicht explizit links ist. Für einen gläubigen Sozialisten sind alle Polizisten Bastarde, es sei denn natürlich es handelt sich um die Polizisten eines sozialistischen Staates. Dann sind die Beamten alle heilig.

Die DDR setzte eine Migrationspolitik durch, die man heute von den ultrarechten Gruppen erwarten würde: In der DDR gab es praktisch keine Türken, fast gar keine Muslime, der Staat kontrollierte notfalls mit Gewalt alles. Beten beim Arbeiten gen Mekka galt als Bummelei, Abschiebungen gab es schnell bei Aufmüpfigkeit. Nix mit Multikulti, sondern marxistisch-leninistische Monokultur. Linke sehen nur rechte Gewalt, ihre eigene Gewalt gilt immer als heldenhafter Antifaschismus. Wegen den neun Toten die dem NSU zugeschrieben werden, blasen sich die Linken mächtig auf und sehen sich in ihrer ideologischen Existenz bestätigt und fordern als “Lösung” ein kommunistisches Regime.

Die extrem Rechten beklatschen oft heimlich die vermeintlichen Taten des NSU oder schieben die Sache wegen den V-Leuten der Geheimdienste auf die Regierung. Die Motivationen der Rechten ist ziemlich deutlich und dementsprechend fällt auch die mediale Sicht über den NSU aus.

Die alternative Szene betont, dass der Staat mit seinen V-Männern (Informanten) seine Finger drin hatte beim NSU-Fall. Der berüchtigste war Brandt. Am 12. Mai 2001 berichtete die Thüringer Allgemeine (TA), die Landesverfassungsschutzbehörde Thüringen führe den Neonazi Tino Brandt seit mehreren Jahren als Spitzel. Er wurde also nicht von irgendwelchen Spionage-Profis enttarnt, sondern von einer gewöhnlichen Zeitung. In der gesamten Zeit kassierte Brandt für seine Mitarbeit über 200.000 DM, das heißt wöchentlich etwa 800 DM Honorar. Wie üblich bei solchen Enthüllungen, hieß es hinterher, dass Brandt mit dem Geld seine rechten Aktivitäten finanziert hätte.

Nehmen wir für einen Moment an, die Behörden haben tatsächlich sehr stark und bewusst mitgespielt beim NSU und eigene Spuren verwischt. Weshalb eigentlich?

1. Hypothese: Um mehr Beweismaterial zu sammeln für spätere Verhaftungen und Anklagen. Warum hat man aber nicht mehr Daten gesammelt und mehr Verhaftungen gemacht und die NSU-Mordserie verhindert? Wäre man früh und deutlich vorgegangen gegen die Nachwuchsterroristen, dann hätten die schnell keine Lust mehr gehabt.

2. Hypothese: Weil die Dienste von Rechten durchzogen sind und man den Neonazis helfen wollte aus ideologischen Gründen. Dies passt aber nicht zu der Gesamtsituation. Der staat will multikulti. Wenn die Regierenden eine Gesellschaft wollten wie in Japan mit nur 2% Migranten, dann hätte der Staat ein entsprechendes Asylrecht geschaffen. Ausgebildete Spione wissen, dass es kontraproduktiv ist, Trottel und unzuverlässige Kriminelle anzuwerben und zu unterstützen.

3. Hypothese: Kontrolle des rechten Spektrums als Sammelbecken. In diesem Szenario leiten die Geheimdienste die rechten Gruppen und müssen gewisse Dinge zulassen, um Anziehungskraft zu besitzen. Neue Nachwuchs-Rechte gehen zu den existierenden Gruppen, den existierenden Führern, nutzen existierende Kanäle und Infrastruktur und laufen so in die Falle.

4. Hypothese: Um Neonazis in der Hinterhand zu behalten als Fall Guys und Für politisches Kapital. War der NSU nur einer Coverstory für Taten der Türkenmafia? Will man die Rechten aus politischen Gründen stützen, damit das Establishment eine linke politische Agenda durchsetzen kann?

5. Hypothese: Das Ziel war, über den NSU an größere Fische rankzukommen. Es könnte sich um eine lang angelegte Operation gehandelt haben. Um die großen Player der neuen Rechten zu infiltrieren, die großen Fische mit russischer Unterstützung und Posten im Militär und Sicherheitsdiensten, müsste die deutsche Spionage theoretisch Neonazi-Netzwerke aufbauen und dann Kontakte suchen.

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