Globalismus

Die absurde, neokonservative “Freiheitskonferenz” des COMPACT-Magazins

kojoku / Shutterstock.com

Kommentar

Die pro-russischen Neokonservativen des COMPACT-Magazins veranstalteten am 24. Oktober in Berlin die vierte sogenannte “Konferenz für Souveränität” unter dem Motto “Freiheit für Deutschland”. Natürlich ging es wie immer um eine Anbiederung an die neokonservative Diktatur in Russland, angeführt durch den Bush-Verschnitt Wladimir Putin. Die Russen werden seit über tausend Jahren von Despoten unterdrückt und haben von Freiheit nicht die blasseste Ahnung, aber trotzdem soll eine enge Kooperation Deutschlands mit den Russen irgendwie “Freiheit” bringen.

Mitveranstalter war wie üblich die russische Diplomatin Natalija Narotschnizkaja, die im kalten Krieg an den wichtigen Sowjet-Kaderschmieden ausgebildet worden war wie dem Moscow State Institute of International Relations, wo der KGB neue Leute rekrutierte. Im Jahr 2008 übernahm sie die Leitung der Pariser Filiale des neu gegründeten neokonservativen Think Tanks “Instituts für Demokratie und Zusammenarbeit”, der nach eigenen Angaben überwiegend durch Spenden aus Russland finanziert wird und nach Darstellung der staatlich-russischen Russia Beyond the Headlines als regierungsnah gilt. Natürlich unterstützte sie den brutalen Krieg Russlands gegen die Republik Tschetschenien, die nach langem Leid unter dem sowjetischen Joch ihre Freiheit haben wollte. Da sieht man, was Russland von der “Freiheit” und der “Souveränität” anderer Nationen hält, aber wir Deutschen sollen dumm genug sein, um Narotschnizkaja und COMPACT-Guru Elsässer und den Rednern ihrer Konferenz zu glauben. In der Zeitung junge Welt wetterte Elsässer 1995 noch “Keine Tränen für Tschetschenien” als die russischen Truppen einmarschierten und die Panzer rollten. In den Wochen davor und danach hatte Elsässer zwar noch die Iren, Basken, Korsen und Kurden wegen ihres auf nationale Unabhängigkeit zielenden Kampfes scharf kritisiert, aber bei Tschetschenien hieß es:

“Tschetschenien ist Teil des russischen Staates, so wie Kreuzberg Teil des deutschen ist.”

Eigentlich eroberten die Russen die islamisch gepräte Gegend rücksichtslos im Jahr 1864, schlugen einen Aufstand 1877/1878 nieder, erklärten sie 1921 zur “sowjetischen Gebirgsrepublik”, deportierten 1944 zwangsweise insgesamt 400.000 Tschetschenen  in Viehwaggons nach Kasachstan und Mittelasien, und lehnten auch nach 1990 die Soveränität Tschetscheniens ab und schickten Panzer und Truppen dorthin.

Was für ein bizarres Gerechtigkeitsempfinden von Elsässer. Er war vor Jahren noch ein führender ultra-linker Antideutscher, dem sogar die DDR nicht antideutsch genug war, während er heute den völkischen Patrioten mimt und seinen Lesern ständig eine enge Partnerschaft mit Russlands Diktator Wladimir Putin empfiehlt. Interessanterweise ist Putin selbst seit seiner Kindheit ein Deutschenhasser. Die Putin-Fans im Westen wissen erschreckend wenig über ihren Führer; meistens nur das was die russische Propaganda verbreitet. Die wenigsten wissen, dass Putin wegen der deutschen Belagerung von Leningrad in Dreck und Elend aufwachsen musste, mit behinderten und psychisch kaputten Eltern, und dass er seit seiner Kindheit davon träumte, wie die Helden aus den sowjetischen Kindersendungen ein KGB-Agent zu werden, der die Deutschen fertigmacht.

Während heute die österreichische Nationalrätin (FPÖ) Susanne Winter zur “Freiheitskonferenz” geladen wird, fand Elsässer vor Jahren den “rechtsradikalen Chef” der FPÖ zutiefst grässlich. Er schireb in dem linken Blatt konkret:

…im Kursaal von Stuttgart-Bad Cannstatt hatten sich nicht nur tumbe Skinheads und Burschenschaftler in vollem Wichs versammelt, sondern vor allem BOSS-gestylte FDP-Mandatsträger und andere Biedermänner.[…] Die EG – so Haider – wiederhole »die gigantischen Fehler des Ostblocks und der Sowjetunion«. Darunter versteht er vor allem, daß sie »einen europäischen Einheitsmenschen als Pendant zum sowjetischen Einheitsmenschen« kreiere. […] »Jene, die in einem Raum leben, haben das Recht zu entscheiden, wie viele sie bei sich aufnehmen möchten.« Der Mob, der diese Sätze zwei Wochen nach »Rostock« zu schätzen weiß, bedankt sich mit frenetischem Beifall, den Haider mit der Formulierung weiter anheizt, Deutschland dürfe kein Einwanderungsland werden, »in dem beliebig all das abgeladen werden kann…« – der Rest geht im Gejohle unter. Er sagt tatsächlich »abgeladen«, als ob es um Giftmüll gehe und nicht um Menschen, und er wiederholt diese Metapher einige Sätze später noch einmal.

Woher kommt der Sinneswandel? Ganz einfach: Die FPÖ ist inzwischen auf Putin-Kurs. Da ist alles verziehen. FPÖ-Politiker ließen sich sogar bei einer Geheimkonferenz in Wien sehen, zusammen mit dem Eurasien-Fanatiker Alexander Dugin (der bereits in der COMPACT interviewt wurde) und einem Russenoligarchen. Die Zeitung Tagesanzeiger berichtete:

“In einer TV-Ansprache im April schlug Dugin vor, Europa auf friedlichem Weg zu einem russischen Protektorat zu machen und es damit vor Homoehen, Pussy Riot und vor sich selbst zu schützen: «Wir müssen Europa erobern und anschliessen.» Fest stehe, so Dugin weiter, «dass uns eine prorussische fünfte Kolonne in Europa unterstützt. Das sind europäische Intellektuelle, die ihre Identität stärken wollen.»

Der Star-Gast bei der diesjährigen “Freiheits”-Konferenz Elsässers war der ehemalige US-Abgeordnete Ron Paul, der bei den Amerika-Hassern äußerst beliebt ist, obwohl er bei den Präsidentschaftswahlen 2012 dem republikanischen Kandidaten Mitt Romney freies Feld ließ und sich sogar positiv über ihn äußerte.

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Ausgerechnet der libertäre Ron Paul, ist nun einer der ausgesprochensten Verteidiger des komplett unfreien russischen Regimes. Dies bestätigt leider die Vorwürfe, die Paul sich immer von Konservativen und den Medien anhören musste: Er ist komplett unfähig und ideologisch verbrämter Fantast, wenn es um Sicherheitspolitik und die Realität geht.

Ein Libertärer, der diesen Stuss nicht mehr ertragen konnte, ist ein Brite der nach Litauen ausgewandert ist und eine Facebook-Seite über “verwirrte Pro-Putin-Libertäre” startete:

“Ron Paul sagt überall, man ‘soll sich nicht einmischen’, aber er findet die Zeit um Putins Propaganda zu verbreiten. […] Kein Libertärer würde jemals Putin unterstützen. KEINER. […] Ich lebe hier zehn Jahre, schlafe mit einer ethnischen Russin, spreche russisch und litauisch, ich habe Kontakte in der Ukraine die mir die Situation erklären. Und dann kommt irgend so ein Volltrottel aus Arizona und versucht mich zu belehren über die Geschichte meiner Region, die er zehn Minuten lang auf Youtube ‘recherchiert’ hat.”

Ron Paul erbte seine außenpolitische Unfähigkeit von dem liberalen Säulenheiligen Murray Rothbard. Für Rothbard war Polen selbst schuld gewesen an der Invasion durch die Nazis, Finnland an der Invasion 1939 durch die Sowjets, Südkorea an der Invasion durch Nordkorea, er stellte sich auf die Seite der Vietcong und der Khmer Rouge. Er schrieb sogar einen Artikel der die Invasion Afghanistans durch die Sowjets rechtfertigte.

Mindestens drei Leute mit Verbindungen zu einer Putin-NGO namens “British Helsinki Human Rights Group” (BHHRG) infiltrierten das amerikanische Ron Paul Institute for Peace and Prosperity, bei dem prompt viele irreführende Artikel über den Euromaidan erschienen. Diese Figuren bekommen auch regelmäßig Fernsehauftritte im internationalen, englisch-sprachigen Kreml-Sender RT.

Almond_McAdams-640Ron Paul weigert sich, die Spender seiner Organisation zu enthüllen.

Bei den vergangenen Konferenzen sprach unter anderem die SPD-Ikone Egon Bahr, einer der entscheidenden Architekten von Kanzler Brandts verheerender Ostpolitik. Sein “besonderer” Kanal zu Moskau, über den auch Brandt ohne Kontrollen mit Breschnew sprechen konnte, sorgte im Nachhinein für einige Skandale. Insbesondere seine Rolle bei dem Scheitern des Misstrauensvotums gegen die Regierung Brandts steht hier im Fokus.

Tricky Egons Liebesgrüße nach Moskau reichen offenbar bis in die heutige Zeit, so war er sich nicht zu schade, neben russischen Polit-Schranzen bei der “COMPACT-Konferenz für Souveränität” des Kreml-Propagandisten Jürgen Elsässer aufzutauchen. Was das deutschnationale Publikum interessieren dürfte, ist dass ausgerechnet Bahr sich früher in höchsten Maße dafür eingesetzt hat, Ostdeutschland unter sowjetischer Kontrolle zu belassen. Nach der Konferenz erklärte er gegenüber der Berliner Zeitung, warum er dorthin gegangen war:

Ich wollte Herrn Jakunin kennenlernen. Weil ich weiß, dass der Wladimir Putin sehr nahe steht.

Konnten Sie mit ihm sprechen?

Natürlich.

Haben Sie neue Erkenntnisse gewonnen?

Ich war beeindruckt, dass er sich in seinem Vortrag darauf konzentriert hat, die kulturelle Nähe Russlands und Deutschlands in den letzten 100 Jahren zu betrachten. Wir haben uns dann kurz bei einer Erbsensuppe getroffen. Er hat mir seine Telefonnummer gegeben und mich zu einem Gespräch in Moskau im kommenden Frühjahr eingeladen.

Die kulturelle Nähe Russlands und Deutschlands? Wo ist denn diese kulturelle Nähe? War sie an der Berliner Mauer? Bei dem SED-Besatzerregime in Ostdeutschland? Nun malt er sich Wege aus auf denen Deutschland aus der NATO austreten könnte. Ein solcher Schritt würde freie Bahn für Moskau bedeuten, Europa einzunehmen.

Die ZEIT fragte 1995:

War Egon Bahr ein Mann des sowjetischen Geheimdienstes? Hat Wjatscheslaw “Slawa” Keworkow versucht, ihn zu werben? Der Befragte, ein freundlicher Herr von 71 Jahren, Exgeneral des KGB und heute Itar-Tass-Korrespondent in Bonn, mag darüber nur lachen. […] Wie kommt es aber, daß sie im KGB für Bahr angeblich einen Decknamen (“David”) hatten? Nikolaj Portugalow, in den siebziger Jahren sowjetischer Korrespondent in Westdeutschland, später ZK-Mitarbeiter in Moskau, schreibt davon in einem Buch, von dem bisher nur Zitate kursieren.

Bahr widerspricht natürlich und meint, nur einen besonderen Kanal mit Moskau gehabt zu haben. Der Focus berichtete:

Wegen seiner engen Kontakte zum sowjetischen Unterdrücker-Apparat KGB (FOCUS 6/1995) in den 60er und 70er Jahren geriet Bahr in der vergangenen Woche in Bedrängnis (siehe Seite 31).

Anfangs schimpfte Bahr noch auf „dieses komische Magazin“. Später gestand er kleinlaut ein, daß er, wie in FOCUS dargestellt, bei den Verhandlungen um den Moskauer Vertrag in der Tat sehr vertraut mit KGB-General Keworkow umgegangen sei.

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