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Mark Karpeles, der Chef der ehemals größten Bitcoin-Börse Mt. Gox, deren Einlagen im damaligen Gegenwert von hunderten Millionen Dollar auf mysteriöse Weise verschwanden, wurde nun in Tokio verhaftet. Die Kunden von Mt. Gox und die ermittelnden Behörden erhoffen sich nun weitere Klärung des aufsehenerregenden Vorfalls.

Der Vorwurf, der zur Verhaftung führte, ist verhältnismäßig gering: Karpeles soll Transaktionsaufzeichnungen über eine Million $ manipuliert haben. Offiziell Anklage erhoben wurde noch nicht, denn dafür haben die japanischen Behörden mehrere Wochen lang Zeit. Die New York Times berichtet über ähnliche Vorwürfe von ehemaligen Mitarbeitern und verweist auf die japanische Presse, die angeblich Quellen bei den ermittelnden Beamten hat.

Laut der japanischen Presse sollen bisherige Ermittlungen der Polizei von Tokio ergeben haben, dass der ehemals größte Handelsplatz für die digitale Währung Bitcoin wahrscheinlich von Insidern leergeräumt worden sei, und nicht von Hackern. Mt. Gox vermittelte noch im August 2013 insgesamt 60 % des weltweiten Bitcoin-Handelsvolumens. Anfang 2014 erklärte der Betreiber Karpeles, das Opfer eines Hacks geworden zu sein und dass die Gelder der Kunden von Unbekannt gestohlen worden wären. Am 28. Februar 2014 meldete das Unternehmen bei einem japanischen Bezirksgericht Insolvenz an. Karpeles schüttelte Wochen später noch überraschend 200.000 Bitcoins aus dem Ärmel, die er angeblich in alten Konten gefunden haben will. Das besänftigt aber nicht die Kunden; vor allem da immer noch hunderttausende Bitcoins fehlen und sich in der Vergangenheit bereits mehrere Betreiber von Bitcoin-Börsen als Betrüger herausgestellt hatten.

Der für den Betrieb von Mt. Gox verantwortliche Karpeles ist ausgerechnet ein Gründungsmitglied der Bitcoin-Stiftung.

Die Sichtung der der Geschäftsaktivitäten durch japanische Ermittler hätte ergeben, dass zwei Konten bei Mt. Gox immer höhere Guthaben anhäuften ohne dass reguläre Transaktionen dahintersteckten. Gelder von Kunden seien so abgeschöpft und die Beute gegen Dollars und andere reguläre Währungen verhökert worden.

Die britische Zeitung Guardian berichtete bereits im Mai 2014, dass Ende 2013 bei Mt. Gox zwei sogenannte “Bots”, also Computerprogramme mit Administratorfähigkeiten, die atemberaubende Zahl von 650.000 Bitcoins gekauft haben sollen, ohne wirklich echtes Geld ausgegeben zu haben. Dies entspräche einem Vermögen von mehreren hundert Millionen Dollars. Ein anonymer Bericht erklärte, dass vieles auf eine Urheberschaft von Insidern bei Mt. Gox hinweise. Auf diese Weise hätten die Bots den Bitcoin-Kurs mit Hilfe von manipulativen Luftbuchungen auf über 1000$ getrieben, was einen Run von Investoren auslöste. Die ständige Propaganda tat ihr Übriges und verkündete ständig, dass der Kurs noch in fünfstellige oder sechsstellige Regionen gehen werde. Nach dem unrühmlichen Ende von Mt. Gox sackte der Kurs weit nach unten.

Der Wissenschaftler Adi Shamir analysierte die Masse an anonymisierten, bisher stattgefundenen Transaktionen und kam zu interessanten Ergebnissen: Alle großen Transaktionen stammen von einer einzigen Mega-Transaktion ab. Durch weitere Zersplitterung und Verschachtelung sollte womöglich verschleiert werden, dass es sich um Fake-Trading einer einzelnen Person oder einer kleinen Gruppe handelte. Nach hunderten Zwischenkonten wurden die Geldströme wieder zu dem Ursprungsbetrag zusammengefügt. Es ergab sich folgende Besitzstruktur:

Eine einzige Person besaß im Jahr 2012 zwischen 200.000 und 400.000 Bitcoin, eine weitere Person besaß zwischen 100.000 und 200.000, fünf Personen besaßen zwischen 50.000 und 100.000.

97% aller Bitcoin-Besitzer hatten weniger als 10 Transaktionen, während gerade einmal 75 Besitzer mit 5000 Transaktionen in Verbindung gebracht werden. Man geht von hunderttausenden Pseudo-Konten aus, die eine Kursmanipulation verschleiern können.

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