Kommentar

Jürgen Elsässer, der angeblich “konservative”, zumindest aber durchgehend moskau-treue Chefredakteur des COMPACT-Magazins, nimmt ein heikles Polit-Thema als Aufreißer der neuen Ausgabe: “Grüne Kinderschänder – Partei der Päderasten“. Für eine zugehörige Live-Veranstaltung kann man sich anmelden und auch ein Plakat kann man sich kaufen.

Die unheilige Dreifaltigkeit der westlichen Verkommenheit, so der Tenor von Russlands Propaganda-Maschine und vom Compact-Magazin, bestünde aus dem Verfall der klassischen Familie, der “Verschwulung der Familienpolitik samt Homo-Ehe, sowie der Frühsexualisierung. Mal abgesehen davon, dass die Familie in Russland so gut wie tot ist und der russische Staat bloß konservatives Theater spielt, hat Elsässer eine bizarre 180-Grad-Wendung in seinen öffentlich bekundeten Ansichten vollzogen im Vergleich zu den 1990er Jahren. So wie sich die Windrichtung in Russland gedreht hat, so hat sich Elsässer auch gewandelt. Spielt er auch nur konservatives Theater? Wie steht es mit seinem eigenen Familienleben? Wäre sein Wandel wirklich echt, würde man erwarten, dass er inzwischen geheiratet hätte oder eine langfristige Lebenspartnerschaft samt Kindern vorweisen könnte. Von einem klassischen Familienleben ist bei dem inzwischen fast 60-jährigen aber nichts bekannt.

1996, als er noch auf die Rückkehr des Kommunismus hoffte, nannte er in dem Buch “Vorwärts und Vergessen” die Familie noch die “psychische Agentur des Kapitalismus”:

“In der Hölle der Kleinfamilie können die Heranwachsenden keine Ich-Stärke ausbilden. Deswegen ist Politik zur Bewahrung der patriarchalen Familie immer konterrevolutionär.”

“Aber warum die heterosexuelle Kleinfamilie? Warum keine Kommune? Kein lesbisches oder homosexuelles Paar? Sind Alleinerziehende schlechter? Jedenfalls: Das Dreieck Vater-Mutter-Kind(er) produziert in jeder Gesellschaftsformation Autoritätshörigkeit.”

Als er diese Philosophien posaunte, war er ein 39 Jahre alter führender Antideutscher, beileibe kein junger Linker oder Mitläufer. Für ihn waren die klassische Kleinfamilie und die Unterdrückung junger Sexualität Nährboden für das verhasste Deutschtum und Militarismus. Im Jahr 1998 preiste er dahingehend in seinem “Braunbuch DVU” die Arbeit von Wilhelm Reich. Dieser beklagte die Erziehungsmaßnahmen, die “sich gegen die Sexualität des Kindes richten.” Die Kinder würden sich später Ersatzbefriedigung suchen in Form von Nationalismus und Militanz. So bilde sich der typische “hässliche Deutsche” heraus. Genau diese Gedanken griffen die 68er und die Grünen auf, die heute in Elsässers COMPACT-Magazin attackiert werden. Die Sex-Spielchen mit Kindern und der Sex mit Kindern wurde in den links-grünen “Kinderläden” durchprobiert und die Pädo-Agenda sickerte insgesamt in die Sphäre der Grünen ein.

Auf diesem Fundament entstanden Texte wie jene von Daniel Cohn-Bendit, Volker Beck und Jürgen Trittin. Diese drei grünen Politiker haben in den 70er und 80er Jahren Schriften veröffentlicht oder presserechtlich verantwortet, in denen Sex zwischen Kindern und Erwachsenen verharmlost wird.

Auch Erich Fromm wird von Jürgen Elsässer begeistert zitiert:

Dabei kommt einer “nicht durch einschüchternde Verbote beschränkten Befriedigung der genitalen Sexualität” eine entscheidende Rolle zu. Wenn der genitale Lustgewinn des Kindes unterdrückt wird, beobachtet man später ein Vorherrschen prä-genitaler Triebe, also zum Beispiel der analen Tugenden Sauberkeit, Geiz, Pünktlichkeit, Ordnungswahn etc. – ein untrügliches Zeichen für autoritäre Charaktere.

Ohne Zweifel sind Masturbationsverbote, Strafen und eine Feindseligkeit gegenüber dem Körperlichen problematisch für Jugendliche, allerdings bewarb Elässer frühe Sexualität als Werkzeug gegen das Deutschtum. Selbst die DDR war ihm nicht antideutsch genug. Immerhin herrschte dort, so Elsässer, eine relative Ungehemmtheit des Sexuallebens und eine größere Liberalität, auch im Hinblick auf die Abschaffung der Paragraphen 175 (Homosexualität) und 218 (Abtreibungen).

Die Fetische müssen gebrochen werden (“Vorwärts und vergessen?”), erklärt er. Gemeint sind

die magischen Kultstätten der bürgerlichen Gesellschaft: Geld und Staat, Nation und Familie. Solange dieser Fetischzauber nicht gebrochen ist, ist an Revolution nicht zu denken.

Heute trommelt er für Geld, Staat, Nation und Familie. Er lädt russische Polit-Figuren zu seinen “Familienkonferenzen” ein, die verantwortlich sind für die drakonischen Gesetze gegen Homosexuelle. Solche Gesetze werden getarnt als “Schutz der Jugend vor Verrohung”, also exakt die Ausrede, die Elässer den konservativen Deutschen vorgeworfen hatte, die ihre Kinder zu neuen “hässlichen Deutschen” großzogen.

Russland und der Ostblock sind seit 1990 eine Hochburg für die Produktion kinderpornografischen Materials. Unzählige Dateien werden auf russischen Servern gehostet. Homosexuelle russische Jugendliche befinden sich in einem juristischen Minenfeld, genauso wie Erwachsene, die mit den Jugendlichen kommunizieren wollen. Transgender-Menschen sollen eventuell keine Führerscheine mehr bekommen. Russland ist außerdem ein Mekka für den Menschenhandel mit Minderjährigen. Kriminelle Gruppen haben meist Kontakte zum Staat, der sich wiederum als Beschützer der Kinder und Moralhoheit aufspielt.

Mit dem Linksruck in der westlichen Gesellschaft nach dem Fall der Sowjetunion konnte man das “System” nicht mehr von links überholen, sondern nur noch von rechts. Hätte Elsässer nach den 1990er Jahren glückliche Kinder in einer klassischen Kleinfamilie großgezogen, würde ich ihm seinen Wandel vielleicht noch teilweise abkaufen. Stattdessen wirkt das Thema nur wie ein Vehikel, eine Welle auf der geritten wird, um Deutschland näher an Russland heranzuführen. Die russische Führung ist dermaßen unmoralisch, dass eigentlich niemand auf die Vorstellung hereinfallen sollte, sie könnte uns Deutschen dabei helfen, den Verfall zu bremsen.

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17 comments

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Harry 15. Juli 2015 at 22:57

Beim politischen Großreinemachen kommt es nicht nur darauf an dass die “Besen” so gewählt werden dass sie den “Schmutz” optimal packen, sondern darauf dass sie so gewählt werden dass sie den “Schutz” so packen dass sie sich beim Vorgang des “Kehrens” zusammen mit dem “Schutz” “entsorgen”.

Schade dass die Wissenschaft solche Geheimnisse in Büchern versteckt …

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Harry 16. Juli 2015 at 19:43

Ach Benjamin, nimm’ doch einfach Alfred Adlers Arbeiter- und Bauernpsychologie,- das Buch heisst “Menschenkenntnis”-, und gut ist.
Das war auch die Basis des DDR-Menschenbilds,- vergl. auch Hans-Joachim Maaz-, und wenn Du das verstanden hast kannst Du auch besser nachvollziehen was die Elsässers dieser Welt Dir vorwerfen wollen.

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Harry 17. Juli 2015 at 14:55

Benesch hat den Artikel in’s Forum gestellt (http://recentr.ipbhost.com/index.php?/topic/1126-elsässer-und-compact/page-4) – vielleicht zur internen ponerologischen Weiterbildung. Jedenfalls does Frontestikel like it – so get Your kicks there …

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Harry 15. Juli 2015 at 12:07

Freud hat die PA nie als etwas Anderes gedacht denn als Nacherziehung,- genauer: Nachkultivierung-, und natürlich muss man zu deren Gelingen diesen Aspekt vor dem Nachzuerziehenden,- Nachzukultivierenden-, verstecken ähnlich wie die Pädagogik vor den Kindern versteckt dass sie dressiert werden.

Die Kontroverse zwischen Freud und Reich war ja nichts Anderes als dass Freud die Kultur positivistisch-unreflektiert liess und dass Reich nachgeschaut hat ob die Kultur bei vorgeschrittener Zivilisation überhaupt noch nötig ist.

Dass der Kulturfan Benesch Freud mag und Reich nicht liegt auf der Hand.

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Harry 15. Juli 2015 at 12:08

@ Mr Mindcontrol

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Leif 14. Juli 2015 at 12:16

Extrem guter Artikel, danke Alex!

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Karina 14. Juli 2015 at 6:03

Immerhin zweigt er nicht nackte Kinder im Internet, so wie Benesch es macht.

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Poddy 14. Juli 2015 at 1:39

Na, solche Reaktionen finde ich ja immer supi. Welchen Leary meinst du? Hoffentlich nicht den Spinner Timothy. Wenn du schon anfängst, sag doch was ich nicht verstanden hab. Dein Kommentar ist keine Grundlage zur weiteren Diskussion, oder traust du dich nicht? Die Leute , die du als Freiheitskrämer, im Namen Reichs nennst, waren nach seiner Zeit.
Freiheitskrämer bezog sich nicht in erster Linie auf Sexualität (von dem wir reden), sondern dessen möglichen verfehlten Auswirkungen und dem allgemeinem Unvermögen des Menschen. Das was Reich als Freiheitskrämer bezeichnet, treffe ich täglich in meinem Leben. Leute, die zu wenig Geborgenheit und Liebe bekamen, um als Einsiedler leben zu können, weil sie nicht mit sich allein leben können. Leute, die von Freiheit reden, aber ohne Zustimmung anderer, an sich selbst zerbrechen.

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Poddy 14. Juli 2015 at 1:41

@Harry

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Harry 14. Juli 2015 at 0:31

Elsässer ist Pädagoge, und wenn man engagierten Pädagogen die Beeinflussung anderer Leute verunmöglicht dann ist das genauso als würde man Nichtpädagogen sowohl die Möglichkeit zum Geschlechtsverkehr verunmöglichen als auch die Möglichkeit zur Masturbation – weshalb man Pädagogen auch schon seit längerer Zeit spätestens ab der Oberstufe als “Hirnficker” bezeichnet, es sei denn man merkt gar nichts..

So tut Elsässer einfach nur was er tun muss um der pädagogischen Enthaltsamkeit zu entgehen – einen weiteren Sinn zu suchen für sein Handeln ist müsig.

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Poddy 13. Juli 2015 at 16:15

Hier wird immer wieder Wilhelm Reich in die Päderastengruppe geschoben. Mich würde schon mal interessieren warum? Ich kenne keine einzige Aussage dieses Herrn, wo er Sex mit Kindern verharmlost oder befürwortet hat. Vielleicht kann mich einer aufklären?

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Harry 14. Juli 2015 at 0:15

Die Aufklärung ist dass man hier bei recentr die Aufklärung des 20. Jahrhunderts,- im Wesentlichen Freud, Reich und Leary-, nicht versteht, aber Du scheinst sie ja auch nicht zu verstehen (vergl. http://recentr.ipbhost.com/index.php?/topic/1838-wilhelm-reich/) – wobei Benesch die Herren Elsässer, Cohn-Bendit, Beck und Trittin hier sehr trefflich charakterisiert; Reich nannte solche Vögel Freiheitskrämer.

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Roki 14. Juli 2015 at 5:00

Sehr richtig.
Alex schwafelt nur die kranken Ideen der linken Kaputten nach, hat aber nie auch nur ein Buch von Reich selbst gelesen. Reich war für die Befreiung der kindlichen Sexualität, was nicht bedeutet, der kranken erwachsenen Sexualität, die Kinder missbraucht. Das verstehen leider nun 99% der Reich-Verunglimpfer nicht, weil für sie kindliche=erwachsenen Sexualität ist, ohne die Unterschiede zu begreifen. Konservative behaupten gleich, Kinder hätten überhaupt keine eigene kindliche Sexualität.
Reich war immer für die strenge Bestrafung von Erwachsenen, die Kinder missbrauchen (Die sexuelle Revolution, S. 45/46, FTB). Kann man tausendmal schreiben, interessiert niemanden, Hauptsache man kann gegen Reich lügen und hetzen.

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AlexBenesch 14. Juli 2015 at 7:28

Wenn du meinen ganzen Kommentar gelesen hättest, wäre dir Folgendes aufgefallen:
“Ohne Zweifel sind Masturbationsverbote, Strafen und eine Feindseligkeit gegenüber dem Körperlichen problematisch für Jugendliche, allerdings bewarb Elässer frühe Sexualität als Werkzeug gegen das Deutschtum.”

Er zitierte gerade die Stellen über den “genitalen Lustgewinn” bei Kindern und baute das in seine linke, antideutsche Philosophie mit ein.

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Mr Mindcontrol 15. Juli 2015 at 2:05

Also Freud und die PA im Allgemeinen wurde doch von Benesch meist beworben! Er hatte bisher eben NICHT verstanden, dass die PA eine ganz hohe Schule der rethorischen Manipulation und damit eine verdeckte Herrschaftslehre ist. Es ist Freud der als Statue vor dem Tavistock-Institut steht nicht Skinner. Alex kritisiert die Verhaltenspsychologie als von den Eliten initiiert was zwar stimmen mag, als Therapie ist letztere aber direktiv und damit transparent. Die PA und damit abgekoppelte humanistische Schulen sind aber nicht direkttiv, Sie dürfen Patienten also nicht direkt beraten, nur kann eine Therapie ja nur dann erfolg haben wenn der Thera den Patienten beeinflusst und genau diese subtile Form der Beeinflussung bei gleichzeitiger Leugnung dieser das ist die Kunst und hat ganze Generationen mehr verdreht als Marx. Genauso ist auch Fromm von der CIA als Täter der psycholigischen Kriegsführung gegen D. eingesetzt worden.

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Harry 17. Juli 2015 at 12:45

Zit. Benesch im Forum: “Reich war außerdem ein Kommie.”

Nee – Reich ist aus der KPD ausgeschlossen worden mit der Begründung, er ginge nicht von der Produktion aus sondern von der Konsumtion, und könne entsprechend kein Kommunist sein.

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