Wirtschaft

Tsipras und Varoufakis sind keine Rebellen

Griechenlands Staatschef Alexis Tsipras und sein Finanzminister Yanis Varoufakis beanspruchen die Rollen als Volkshelden, die sich gegen das internationle Bankenkartell stellen. Offiziell hat Griechenland über 300 Milliarden Euro Staatsschulden; zudem hat das Land noch „Neben-Kredite“ in Höhe von etwa 163 Milliarden Euro, darunter Kredite im Rahmen des Zahlungsverkehrssystems TARGET2.

Verstehen sie wie dieses irre Spiel funktioniert? Die griechische Regierung verkauft Staatsanleihen an die griechischen Großbanken, internationale Investoren und an die EZB. Die cleveren Banken machen dabei Profite, immerhin können sie ein Vielfaches an Geld verleihen das sie tatsächlich haben. Wenn der griechische Staat die Tilgunsraten bzw. Zinsen nicht zurückzahlen kann, bekommen die cleveren Banken Bailouts und Garantien vom EU-Steuerzahler. Verluste durch Schuldenschnitte werden soweit wie möglich an den Steuerzahler abgewälzt, denn der Bankensektor ist ja „too big to fail“ und „systemrelevant“. Bevor große Privatbanken abschmieren, springt wieder die EZB ein und erschafft Geld aus dem Nichts und es gibt wieder Bailouts.

Das Ziel war von Anfang an ein EU-Superstaat mit eingebauter Ausbeutungsmaschinerie. Dafür mussten die einzelnen Staaten weichen. Die Einführung des Euro ermöglichte eine Insolvenzverschleppung Griechenlands die heute immer noch weitergeführt wird. Irgendwann gehört alles, aber auch restlos alles den Banken und Hedgefonds.

Deutschland ist mit 2 Billionen Euro bei Banken verschuldet. Diese Banken dürfen ein Vielfaches von dem Geld verleihen das sie besitzen.Geschaffen hat das Geld die EZB. Kann der deutsche Staat die Rückzahlungen nicht mehr ordentlich leisten, müsste er sich an Rettungsschirme wenden für die der deutsche Staat selbst zu einem großen Teil haftet. Die EZB wiederum könnte Staatsanleihen aufkaufen mit dem Geld das sie aus dem nichts erschafft, damit die Privatbanken zufrieden sind die wiederum eigentlich abhängig sind von dem Geld, das sie bei der EZB leihen.

Varoufakis erhielt seine Ausbildung an der University of Essex und der University of Birmingham. Als ökonomischer Dozent lehrte er sogar an Cambridge. Er veröffentlichte auch ein rebellisch klingendes Buch über die Wirtschaftskrise und trat auf in den Sendern BBC, CNN, SkyNews, RT und Bloomberg TV. Er brillierte jederzeit als Schauspieler in der Rolle des Bankenkritikers. Worte wie die folgenden gehen ihm spielend leicht von den Lippen:

„Es wurden hohe Verluste aus den Büchern der Banken auf die schwachen Schultern der griechischen Steuerzahler verschoben in dem vollen Bewusstsein, dass die Kosten, weil die griechischen Schultern zu schwach dafür waren, auf Deutschland, die Slowakei, Finnland, Portugal und anderen überschwappen würden“.

Nicht Griechenland sei gerettet worden, sondern Banken und verschiedene Hedgefonds. Da durch die drastischen Sparauflagen die Einkommen der Menschen um ein Viertel reduziert wurden und gleichzeitig die Lebenshaltungskosten stiegen, sei es sowohl für die öffentliche Hand als auch für den privaten Sektor in Griechenland unmöglich geworden, alte und neue Kredite zurückzuzahlen.

Auch Sätze wie die folgenden finden Begeisterung beim Publikum:

„Der Euro ist nicht zukunftsfähig. Die Art und Weise, wie die EU diese Krise anging, war monumental idiotisch. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Situation nicht unter Kontrolle, Europas Bankensystem bleibt weiterhin fragmentiert, und wir bewegen uns eher in Richtung Nationalisierung der Politik als in Richtung Fiskalunion. Wenn wir Europas Probleme weiterhin so behandeln wie bisher, dann wird es in ein paar Jahren keinen Euro mehr geben.“

Nun, da er mit den Linken an der Macht ist, wendet er sich ausgerechnet an die elitärsten internationalen Banken, wie den US-Investment-Giganten Lazard. Die soll nämlich für Varoufakis die Umschuldung des griechischen Staates managen. Und das wird unangenehm für die EU-Steuerzahler: Die Gläubiger sollen auf 100 Milliarden Euro verzichten, um Griechenland zu retten.

Matthieu Pigasse, Generaldirektor der Lazard France, war von 2010 bis 2012 einer der Berater der damaligen griechischen Regierung und führt das Beratungsteam der jetzigen Regierung an.

Die Großbank UBS meinte schon im Januar, dass das Spiel weitergehen wird wie bisher. Die EZB würde selbstverständlich den Griechen weitere Zeit für den Schuldendienst einräumen. Nach Meinung des Generalanwalts am EU-Gerichtshof darf die EZB unter bestimmten Voraussetzungen massenhaft Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten aufkaufen.

Banken die in Griechenland Geld gesteckt haben, verlassen sich auf die Garantien, dass u.a. deutsche Steuerzahler Zwangsinvestoren, Garanten und Hafter bleiben.

Die Investmentfirma Third Point von Daniel Loeb wollte einen Hedge-Fonds starten, der Vermögenswerte im angeschlagenen Griechenland billig aufkauft. Die Gesellschaft konnte schon 2012 von der Rettung des Landes profitieren. Konkurrenten sind Oaktree Capital und Fortress Investment. Der ehemalige Finanzsprecher der FDP und Gegner der Eurorettung Frank Schäffler schrieb:

Griechenland muss nicht mehr einen Primärüberschuss im Haushalt von 3 Prozent in diesem Jahr und 4,5 Prozent im nächsten Jahr erreichen. Damit kommt Varoufakis seinem dritten Ziel ein gutes Stück näher: Einem Schuldenerlaß. Dadurch, dass er die Höhe der Haushaltsüberschüsse relativiert hat, bekommt er plötzlich für dieses Ziel einen Fuss in die Tür. Denn eine Laufzeitverlängerung und/oder eine weitere Zinsreduktion kommt einem Schuldenschnitt gleich. Es wäre dann der dritte.

Frappierenderweise scheinen Top-Banken mit einem Aufschwung zu rechnen. Laut der Financial Times wetten der Hedgefonds Paulson & Co des Milliardärs John Paulson und andere Firmen auf die rasche Erholung der griechischen Finanzbranche. Sein Fonds halte beträchtliche Anteile an den größten Geldinstituten des Landes, der Piräus Bank und der Alpha Bank.

Wegen des Engagements der Hedgefonds drängen dem Blatt zufolge große Geldhäuser die griechische Regierung, eine Reprivatisierung der Branche zu beschleunigen. Weitere Fonds, die stark in griechische Banken investieren, seien laut Presseberichten Baupost, Eaglevale, Dromeus Capital, Falcon Edge, York Capital und Och-Ziff, Wellington Capital Group und Fidelity.

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1 comment

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Cyberpunk 20. Juni 2015 at 10:14

„Irgendwann gehört alles, aber auch restlos alles den Banken und Hedgefonds.“
Diese Handvoll Geldhäuser und ihre Assets dann zu verweltstaatlichen ist einfacher, als jede einzelne der abertausenden von Firmen in Europa.
Die Banken selbst werden obsolet durch Technologie.
Die Masse wird jubeln: „Endlich sind die gierigen Bankster weg. Danke für Euren Change, liebe Weltregierung.“
^^

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