Politik

Geht es im AfD-Streit in Wirklichkeit um die Ost- oder Westbindung?

Kommentar

Mortal Kombat bei der AfD: Bernd Lucke macht Ernst mit seinen Säuberungsplänen und wird Medienberichten zufolge prompt gesperrt von dem offiziellen AfD-Email-Verteiler. Geht es bei dem Streit zwischen dem “nationalkonservativen” und dem “wirtschaftsliberalen” Flügel letztendlich doch in Wirklichkeit um die Frage nach einer Ost- oder Westbindung?

Luckes Konkurrentin Frauke Petry schwafelte von einer Freihandelszone von “Lissabon bis Wladiwostok” und einer Annäherung an Russland in Sachen Sicherheit. Beatrix von Storch schwadronierte auch über eine Freihandelszone mit der Pleite-Diktatur Russland. Die “Welt” berichtete:

In einem Interview mit dem Fernsehsender Russia Today (RT) hat der AfD-Politiker Armin-Paul Hampel das Vorgehen des russischen Präsidenten Wladimir Putin gegen Oligarchen wie Michail Chodorkowski verteidigt. Die Deutschen wüssten einfach zu wenig über die tatsächlichen Ereignisse in Russland. Hampel ist Vorsitzender der niedersächsischen Alternative für Deutschland und war früher Korrespondent der ARD. Zuletzt leitete er das ARD-Büro in Asien.

Einige AfD-ler betrachten sich in der Tradition Bismarcks mit ihren Ost-Sympathien, ohne wirklich Bismarcks strategische Entscheidungen zu verstehen. Auch die DDR-Propagandisten bogen sich einst die Geschichte zurecht und versuchten Bismarck herzunehmen, um gegenüber den Ostdeutschen das russische Joch schönzureden.

Die BILD will aus Geheimdienstkreisen erfahren haben, dass geheimdienstnahe russische Banken konservative europäische Parteien kaufen wollen. Ein Strategiepapier des Moskauer Think Tanks „Centre for Strategic Communications“ empfiehlt eindringlich, dass Präsident Putin weiterhin die Rolle des Führers der Konservativen auf der ganzen Welt spielen sollte, um Russlands Macht u.a. nach Europa auszudehnen. Wirklich Interesse an souveränen konservativen Nationalstaaten in Europa hat er natürlich nicht. Sobald Deutschland, Frankeich oder Südeuropa aus den Westbündnissen rausgebrochen sind, sollen sie zu unterwürfigen Vasallen in einer gigantischen eurasischen Union werden.

Mit Goldgeschäften würde der Kreml sich gerne entscheidenden Einfluss AfD sichern. Eine weitere Option ist, geheimdienstnahe Banken günstige Kredite an die AfD zu geben. In Frankreich soll die Front National (FN) beispielsweise 9 Millionen Euro von der First Czech-Russian Bank erhalten haben. Die FN verwandelte sich in den letzten Jahren zu einer kremltreuen Partei der sogenannten Neuen Rechten Europas. Nach einem Verlassen der NATO will Parteichefin LePen eine “privilegierte Partnerschaft” mit Russland wegen “offensichtlichen geostrategischen Faktoren” und Frankreichs “Interessen im Bezug auf Energiesicherheit”. Zu einem bestimmten Grad “bewundert sie Putin”. Man dürfe Russland keine Vorträge halten über Demokratie. Putin hätte die “Vision und den Charakter” um dem russischen Volk den Wohlstand zu ermöglichen den es verdient hätte.

Der russische Stratege Alexander Dugin erklärte vor Jahren in einem Interview, dass russische Staatskreise die “Architekten” dieser Neuen Rechten Europas seien.

Die AfD-Führungsfigur Alexander Gauland war bei einer Propagandaveranstaltung in Berlin, zusammen mit Wladimir Jakunin, Putins Koordinator für den Westen. Falls die AfD irgenwann Brandenburg kontrolliert und die LINKE Thüringen, kann ja um diese Bundesländer eine Mauer errichtet und das Ganze dann “Neurussland” genannt werden, während unmarkierte russische Soldaten ein “Unabhängigkeitsreferendum” überwachen.

In seinem “Thesenpapier Außenpolitik” verstieg sich Gauland gar zu Vergleichen mit Bismarcks Rückversicherungspolitik. Frank Schäffler von der FDP durchschaute Gauland schnell:

Er will also in der Außenpolitik links blinken und heimlich rechts fahren. Bismarcks Politik war es nämlich, eine neutrale Rolle im Falle eines Krieges zwischen Russland und Österreich-Ungarn einzunehmen. Dies wurde in einem Geheimvertrag 1887 vereinbart. Wenn man die AfD ernst nimmt, dann meint dies in bismarckscher Manier nichts anderes als an unseren Bündnispartner vorbei geheime verteidigungspolitische Vereinbarungen mit Russland zu treffen.

 

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3 comments

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infokrieg1 21. Mai 2015 at 17:39

Der komiker zitiert hier die Bild.

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DrSchnackels 21. Mai 2015 at 8:12

Beim Thema Aussenpolitik kann man von der Schweiz oder Lichtenstein lernen, einfach eine neutrale Haltung einnehmen. Deutschland wirkt dann wie eine Brandschutztüre zwischen den Interessen der Sowjets und der US Boys.

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ribi 19. Mai 2015 at 16:31

alexander: wie würde ihre aussenpolitik aussehen? nur and en usa interessiert?

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