Foto: Huey-Helikopter

Die Kontroverse um das Sturmgewehr G36 der deutschen Bundeswehr ist auf ihrem Höhepunkt und lenkt von noch viel wichtigeren Problemen der Luftstreitkräfte ab. Ein neuer Hubschrauber vom Typ NH90 gammelt seit Monaten kaputt im usbekischen Termes vor sich hin und es gelingt nicht, ihn zu reparieren. Wichtige Hubschrauber mit Rissen sind nicht einsetzbar und die neuen Transportflugzeuge können immer noch nicht die steinalten Transalls ersetzen. Werfen wir zu diesem Anlass einen detaillierten Blick auf die alten und neuen Gerätschaften:

Hueys: Der „Stolz“ der Vietnam-Ära

Die Bundeswehr verwendet tatsächlich noch Hueys, die berühmten Helikopter aus der Vietnam-Ära. Die genaue Bezeichnung lautet Bell UH-1 und er war in Vietnam für so gut wie jeden Zweck benutzt worden, inklusive Bodenunterstützung, obwohl er dafür eigentlich nicht konstruiert war. Entsprechend hoch war auch die Verlustquote: Von den über 7.000 in Vietnam eingesetzten Hueys kehrten nach dem Ende des Krieges nur 2.000 Stück zurück – mehrere hundert wurden beim Abzug der US-Truppen aufgegeben, zerstört oder an die südvietnamesische Armee verschenkt. Die meisten der verbliebenen UH-1 der Army wurden bis September 2004 eingemottet, als die technische Unterstützung bei der Army endete.

Vielleicht hat die hohe Abschussquote damit zu tun, dass er einen solchen Lärm macht, dass der Feind genug Zeit hat, Abwehrmaßnahmen einzuleiten. An den Rotorblättern treten an den Blattspitzen Luftwirbel auf, was beim Durchlauf des folgenden Blattes zu Knallgeräuschen führt. Der Hubschrauber ist so schon aus etwa 10 km Entfernung zu hören.

Westland Lynx

Dieser Mehrzweckhubschrauber britischer Herkunft wurde 1977 bei der British Army in Dienst gestellt. Nur 4 von 43 Exemplaren in der deutschen Marine sind im Moment einsatzfähig. Bis zu 20 Zentimeter lange Risse im Heck sollen auf Ermüdungsversagen bzw. auf Konstruktionsschwächen zurückzuführen sein. Der Quick Fix für dieses Problem: Die Risse mit Metallplatten zu überdecken. Mein Vorschlag wäre Kaugummi, weil noch billiger.

McDonnell F-4 Phantom II

Der Stolz der NATO-Luftwaffe aus dem kalten Krieg. Dem frühen kalten Krieg, als Farbfernseher noch etwas Besonderes waren. Die Deutschen sind angeblich sogar schon soweit, ihre verbliebenen Exemplare zu verschenken. Im Frühjahr 2011 gab es Medienberichte, nach denen Deutschland Kroatien angeboten habe, dem Land 20 Maschinen kostenlos zu überlassen. Von Bodenpersonal und Piloten wurden die Dinger immer wieder scherzhaft „Rhino“, „Double Ugly“, „Eisenschwein“, „Ölofen“, „Luftverteidigungsdiesel“ oder „Luftwaffendiesel“ (für die schwarzen, verräterischen Rauchfahnen der beiden Triebwerke) genannt.

In Deutschland wurden zwischen 1973 und 1975 insgesamt 175 F-4F beschafft und seitdem mehrfach modernisiert.

Transall C-160


Entwickelt und gebaut wurde der Großvater der Schulterdecker in den 1960er-Jahren. Zum Glück ist er nicht noch aus Holz. Schon in den 1980er-Jahren wurde in den Betreiberstaaten der C-160 die Suche nach einem neuen Lufttransporter begonnen, der die Transall ablösen sollte, da Transall und Hercules nach damaliger Schätzung etwa im Jahre 2000 ihre maximale Lebensdauer erreicht hätten. Trotz der am Flugzeug in den 1990er-Jahren vorgenommenen Anpassungen, alleine um der Transall noch einmal etwa zehn Einsatzjahre bis zur Einführung der A400M zu geben, wird die Instandhaltung immer aufwendiger. Aufgrund der Verzögerungen bei Airbus wird die Transall nach derzeitigem Stand aber noch bis nach 2020 fliegen. Möglicherweise kämpft Deutschland mit diesem Ding noch bis Mitte des 21. Jahrhunderts.

Einzelne Exemplare wurden und werden allerdings schon verschrottet.

Panavia Tornado

Am 20. Juli 1970 begann die Entwicklung. Deutschland hatte insgesamt 357 Tornados bestellt und besaß im Oktober 2011 noch über 185 Exemplare.Der Tornado wurde von der deutschen Luftwaffe sowohl im Bosnien-Konflikt als auch im Kosovo-Krieg zu Aufklärungszwecken sowie für die Bekämpfung feindlicher Radarstellungen eingesetzt. Alle Nutzerstaaten des Tornados erlitten im Friedens- und Ausbildungsflugbetrieb zahlreiche Verluste durch Boden- und Flugunfälle, bei denen sich zwar meist die Besatzungen dank des ausgereiften Schleudersitzes retten konnten, zahlreiche Soldaten aber auch ihr Leben ließen. Allein die Anzahl deutscher Tornados verringerte sich seit der Einführung bereits um etwa 45 Maschinen.

Transportflugzeug A 400M

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Wieder einmal sollte EADS neues Gerät entwicken. Was kann da schon schiefgehen? Die Software ist überkompliziert, das Flugzeug ist 12 Tonnen zu schwer und die Laderampe kann noch keine Pamzer aufnehmen. Am 22. April 2008 gab der für die Airbus-Militärsparte zuständige Carlos Suarez in Sevilla bekannt, dass die internen Kosten für das Projekt um 1,4 Milliarden Euro gestiegen seien. Suarez wollte jedoch nicht beziffern, wie hoch die Gesamtkosten des Entwicklungsprogramms seien. Weiterhin bestätigte er, dass Airbus noch immer Probleme mit den Triebwerken der A400M habe.

Am 10. Januar 2009 veröffentlichte die Financial Times Deutschland (FTD) einen Artikel, demzufolge der Airbus-Konzern „vor einer kompletten Überarbeitung des 20-Mrd.-Euro-Festpreisauftrags für 180 Maschinen“ stehe. Als Grund wurde genannt, dass momentan weder das geplante Eigengewicht des Flugzeugs noch die angepeilte Nutzlast erreicht werden könne.

Weiterhin haben laut Branchenkreisen Simulationen von Airbus ergeben, dass Steilanflüge, auch „Sarajevo-Approach“ genannt, bei jetzigem technischen Stand ein Propellerflattern auslösen würden. Im Januar 2010 sind die genauen Mehrkosten unbekannt. Der Spiegel spricht von etwa 11,3 Mrd. Euro.

2014 hofft man, dass es nach vielen Tests und Verteuerungen endlich fliegen kann.

Mehrzweckhubschrauber NH 90

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Entwickelt von….richtig, EADS. Er kann immerhin fliegen, taugt aber nicht unbedingt als Militärhubschrauber. Er kann mangels Bodenfreiheit nur auf fast völlig ebenen Flächen landen, die Soldaten können nur ohne Ausrüstung einsteigen. Soldaten die mit Ausrüstung 110 Kilo wiegen, müssen draußen bleiben. IdZ-Equipment wiegt 23 Kilo. Abseil-Equipment lässt sich nicht anbringen, die Befestigung der Waffe für den Bordschützen ist unzweckmäßig. Ein amerikanischer Chinnook aus den 60er Jahren ist da noch ein tauglicheres Design.

Während der Flugerprobung der Vorserienmaschinen bei der Bundeswehr ermittelte eine Expertengruppe 2010 der „Luftlande- und Lufttransportschule“ eine Mängelliste, aufgrund derer die Empfehlung ausgesprochen wurde:

„Wann immer möglich sind alternative Luftfahrzeuge zur Verbringung von Infanteriekräften zu nutzen.“

Eine Infanteriegruppe mit Gepäck für 24 Stunden passe wegen des geringen Platzangebots nur in den Hubschrauber, wenn Sturmgewehre, Panzerfäuste und Gepäck ohne Sicherung auf den Boden gelegt werden.

Unterstützungshubschrauber Tiger

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Eignet sich mit seinem Triebwerk nur für mitteleuropäische Gefilde. Selbst die älteste Variante des amerikanischen Apache ist besser. Ein Tiger kostet doppelt soviel wie ein Apache.

Der deutsche Kampfhubschrauber Tiger, von dem die Bundeswehr 1999 insgesamt 80 Stück bestellt hat, ist laut einem Antwortschreiben des parlamentarischen Staatssekretärs im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt, an den verteidigungspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, nicht einsatzfähig. Bartels warf zudem der Bundeswehr vor, eine ungeeignete Bewaffnung bestellt zu haben:

„Der Tiger ist für die Panzerabwehr optimiert, am zweitbesten kann er Bunker brechen. Über eine Bordkanone wie die französische Tiger-Version verfügt das deutsche Modell nicht.”

Es ergibt sich ein einsatztaktischer Nachteil des MG-Pods im Vergleich zur Bordkanone dadurch, dass das Maschinengewehr starr nach vorne gerichtet ist, während die Bordkanone schwenkbar ist. Dies wirkt sich in erster Linie negativ auf den Selbstschutz des Hubschraubers aus, da zur Bekämpfung einer Bedrohungsquelle das ganze Fluggerät in deren Richtung gedreht werden muss, während eine schwenkbare Bordkanone sehr zügig auch auf Ziele abseits der Flugrichtung gerichtet werden kann. Planungen für eine Nachrüstung der RMK 30 bestehen von konzeptioneller Seite aus nicht.

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