Kommentar

Professor Dr. Rainer Hellweg, Geschäftsführender Oberarzt der Psychiatrie an der Berliner Charite, erklärt: Lubitz war wohl Narzisst, wenn er die Maschine absichtlich abstürzen ließ.

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung und Psychopathie sind DAS Kernthema überhaupt. Diese Störungen stehen im Zentrum unserer gesellschaftlichen Probleme. Der anscheinend absichtlich von Andreas Lubitz herbeigeführte Flugzeugabsturz in den französischen Alpen ist ein Ereignis, bei dem dies besonders deutlich wird. Denn er hatte keine politische Ideologie und er versteckte sich auch nicht hinter einer radikalen religiösen Ideologie. Er wollte einfach die Welt bestrafen weil er sich konstant gekränkt fühlte.

Leute wie Lubitz können auch jetzt in diesem Moment in einem Atomkraftwerk vor sich hin arbeiten, im Management der Investmentbank, im Armeeoffiziersbüro, im Bundestag, in einer Forschungseinrichtung für Krankheitserreger, oder im Gentechnikkonzern. Auch sie wollen gerne ein Mal richtig groß sein, ein Erdbeben verursachen. Sich einbrennen in das Bewusstsein der Menschen. Nie mehr vergessen werden.

Deshalb muss der Germanwings-Fall auch nun nach dieser dramatischen Wendung ausreichend behandelt werden.

Wenn der Absturz stattdessen durch eine Bombe verursacht worden wäre und eine politische oder religiöse Motivation dahinter gesteckt hätte, dann würden die sogenannten alternativen Medien jetzt hyperventilieren und pausenlos Theorien und auch Hirngespinste und Gerüchte posten und die Sache in das übliche CIA/Mossad/Ost-West-Schema drängen. Ein Compact-Sonderheft wäre schon in Planung. Stattdessen war eine menschliche tickende Bombe schuld ohne Ideologie oder Religion und die alternativen Medien erklären, hier gäbe es nichts Interessantes zu sehen. Das spricht Bände.

Im Mainstream ist die Diskussion inzwischen eingegrenzt worden auf Depressionen und Burnout. Die narzisstische Persönlichkeitsstörung wird hier und da kurz angerissen von befragten Psychologen, dann werden diese Stimmen schon wieder überlagert.

Während der ersten beiden Tage versuchten alternative Medien weitestgehend erst gar nicht, Berichterstattung darüber zu leisten. Denn die Massenmedien waren zu schnell, zu dominant, waren gleich vor Ort, hatten Quellen. Hier ist es ganz schwer, dem Publikum etwas zu bieten, das über die Berichterstattung in den Massenmedien hinausgeht. Also erklärten die allermeisten alternativen Blogger, sie seien zu grandios um sich zu einer Berichterstattung herabzulassen. Gerade noch ließ man sich erweichen, über den Preisdruck bei den Airlines und Sicherheitsmängel zu meckern. Aber das war es zunächst. Wohlgemerkt: Wenn etwas über eine Bombe oder einen versehentlichen Abschuss bekannt geworden wäre, hätten exakt dieselben Blogger oder Facebook-Nutzer in die Tasten gehauen bis die Tastatur auseinanderfällt. Stattdessen geht es um Narzissmus und viele machen deshalb einen weiten Bogen um das Thema. Auch gab es bei dem Absturz keine manipulativen russischen Berichte die sich abschreiben ließen. Es gab keine russische Leitmeinung die man kritiklos übernehmen konnte. Eine Sache war da aber noch: Das erste, was man von manchen Bloggern hörte, war ein schräger Vergleich mit Flug MH17. Hauptsache, man kann irgendwie das Putin-Regime damit verteidigen und den westlichen Medien eins reindrücken. Immer schön alles in das gleiche alte Muster drängen.

Falls sich keine weiteren Hinweise erhärten auf andere wichtige Faktoren abseits von Lubitz’  Geisteszustand, irgendetwas das auf eine Verschwörung hindeutet, dann verlieren viele sofort das Interesse und wenden sich anderen Fällen zu, ohne natürlich dabei das Kernproblem anzusprechen, sondern wie immer streng auf der ideologisch-politischen Ebene. Jetzt wird schon gemeckert und gemault, dass zuviel über den Germanwings-Absturz und Lubitz berichtet wird. Dabei gibt es viele wie Lubitz. Sie halten sich für einzigartig aber sie wandeln unter uns. Überall.

 

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