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Die New York Times und die französische Nachrichtenagentur AFP berichten unter Verweis auf Ermittlerkreise über geisterhafte Szenen im Cockpit des abgestürzten Germanwings-Fluges. Eine erste Auswertung des Cockpit-Stimmenrekorders hätte folgendes Bild ergeben:

  • Die Piloten unterhalten sich “cool” und “entspannt” in deutscher Sprache
  • Geräusche eines Sitzes, der zurückgeschoben wird, dann eine Tür, die sich öffnet und wieder schließt. Einer der Piloten verlässt anscheinend das Cockpit
  • Der Pilot außen klopft leicht an die Tür. Keine Antwort. Er klopft lauter. Keine Antwort. Er versucht, die Tür einzutreten.

Die britische Zeitung mirror liefert ein weiteres Detail, das ebenfalls nicht offiziell bestätigt ist: Die Piloten hätten sich ab einem bestimmen Zeitpunkt gegenseitig auf deutsch angeschrien. Einer habe dann vergeblich versucht, die Tür einzutreten. Vor dem Zerschellen der Maschine an den Berghängen sei ein Alarm auf den Aufnahmen zu hören. Ermittler von Interpol sollen an der Absturzstelle ihre Untersuchungen beginnen.

Der mysteriöse Sinkflug in den letzten Minuten besiegelte das Schicksal aller Menschen an Bord. Es ist ungeklärt, ob es sich bei dem ausgesperrten Besatzungsmitglied um den Piloten oder den Co-Piloten handelte. Es gab nie einen Notruf. Der Pilot hatte über 10 Jahre Erfahrung, der Copilot hatte wenig hundert Stunden Praxis. Keine Angaben bisher von Lufthansa zur Nationalität. Laut Ermittlern sprachen die Piloten aber entspannt deutsch miteinander.

Seltsame Vorgänge

Ein ranghoher französischer Funktionär, der an den Ermittlungen beteiligt ist, erklärte den Reportern anonym, dass das Schweigen der Piloten beunruhigend sei und man Vorsatz nicht ausschließen kann. Falls die von der NY Times berichteten Details zutreffen, müsste es eine seltsame Verkettung von Vorfällen gegeben haben, um die Angelegenheit mit einem Unfall zu erklären:

Da die Piloten sich entspannt unterhielten, scheint kein Problem bestanden zu haben mit giftigen Dämpfen, gesundheitlichen Problemen oder Druckverlust im Cockpit. Es bestand zumindest dem Anschein nach kein Notfall, kein Handlungsdruck. Selbst wenn der im Cockpit verbleibende Pilot aus irgendeinem Grund das Bewusstsein verloren hat oder nicht mehr handlungsfähig war, kann der Rest der Crew mit einem Code die Tür von außen öffnen, es sei denn der Pilot innen betätigt einen speziellen Schalter.

Das Dilemma mit den Sicherheitstüren

Die Sicherheits-Ausstattung der Cockpits wurden nach dem 11. September 2001 dramatisch verbessert, mit kevlar-verstärkten Türen, verstärkten Rahmen, elektronischem Schloss sowie einem Schalter innen im Cockpit, mit dem man selbst diejenigen aussperren kann, die den Zutrittscode kennen. Zuvor waren die Türen nicht als Schutz gedacht, sondern nur um den Piloten eine ruhige Arbeitsumgebung zu ermöglichen. Piloten verlassen das Cockpit lediglich für die Toilette, Überprüfungen oder zum Essen. Am sichersten sind doppelte Sicherheitstüren wie sie etwa die israelische Linie El Al verwendet.

security-cockpit-door

Die Publikation Popular Mechanics äußerte 2014 Bedenken, dass die Türen vielleicht zu sicher geworden sind und dies neue Probleme mit sich bringen kann. Beispielsweise gäbe es so kaum noch eine Verteidigung gegen die Entführung des Flugzeugs durch einen oder beide der Piloten.

Experten sind außerdem der Ansicht, dass Terroristen die Gelegenheit nutzen könnten, wenn die Cockpit-Tür mehrmals während dem Flug geöffnet wird. Sobald der Angreifer im Cockpit ist, könne er die Tür verriegeln. Es ist anzunehmen, dass Ermittler bei dem Germanwings-Flug sowohl bei den Passagieren als auch den Piloten prüfen, ob jemand zuhause einen Flugsimulator verwendet und verdächtige Maneuver geübt hat. Selbst ein Amateur könnte lernen, wie man bei einem Airbus manuell einen Sinkflug einleitet, ohne den Kurs dabei zu verändern.

Bei einem Flugzeugcrash 2013 in Afrika verbarrikadierte sich der Pilot im Cockpit, nachdem der Copilot gerade draußen war, und regulierte die Flughöhe herunter. Im selben Jahr schlief ein Pilot über Kreta anscheinend im Cockpit ein während der Autopilot lief. Der Copilot war kurz zur Toilette gegangen und wurde nicht mehr hineingelassen. Nach ein paar Minuten konnte die Crew die Tür öffnen. Die European Cockpit Association (ECA) enthüllte in einer Studie, dass jeder dritte Pilot in Europa schon einmal während eines Fluges eingeschlafen ist, ohne dass der Co-Pilot davon wusste. Das portugiesische Institut für Zivilluftfahrt befragte 456 Piloten und die Hälfte gab zu, schon einmal während eines Fluges ungewollt eingeschlafen zu sein. 91 Prozent erklärten, sie hätten aufgrund von Übermüdung im Cockpit Fehler gemacht.

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3 comments

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früh am morgen 26. März 2015 at 11:42

Aaah, jetzt haben’s den Fehler entdeckt und schreiben, der Sinkflug fand statt, NACHDEM der Pilot das Cockpit verlassen hatte.

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früh am morgen 26. März 2015 at 11:21

Übrigens: Die Schäubleratte hat genau das gefordert, nämlich Passagiermaschienen ABZUSCHIEßEN bei “Terrorgefahr”.

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früh am morgen 26. März 2015 at 11:09

In der Presse steht, ein Pilot hat das Cockpit verlassen NACHDEM das Flugzeug bereits in den unerlaubten Sinkflug gegangen ist, was die ganze Selbstmordthese wiederlegt, wonach sich ein Pilot nach dem der andere pipimachen ging eingeschlossen hätte und dann den Flieger zum Absturz gebracht hätte, aber noch die Frage offen lässt, warum über dieses Flugmannöver kein Wort zwischen den Piloten gewechselt wurde und ein Pilot danach auch noch (seelenruhig) das Cockpit verlässt, auch ohne ein Wort zu sagen. Oder in anderen Worten, diese Geschichte macht null Sinn, weniger als null. Wahrscheinlich haben’s die Franzocken tatsächlich abgeschossen und vertuschen’s jetzt mehr schlecht als recht.

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