Foto: World Economic Forum / CC 2.0

Die Konsequenzen von Graf Draghulas Geldpolitik lassen sich nicht mehr länger verstecken: Der Euro könnte bis 2017 auf nur 85 US-Cents sinken, selbst der argentinische peso ist stabiler, massive Kapitalflucht. Das billionenschwere Staatsanleihenkaufprogramm macht aus den EU-Staaten die Gesamtrepublik EU-istan.

Dennoch verheißt er in einer Art Wunderheiler-Manier eine “Stärkung der Wirtschaft”. Der ehemalige US-Zentralbankchef hingegen fürchtet, dass sich bei einer realistischen Kurskorrektur die Lebenskosten vervierfachen werden.

Sogenante “Wirtschaftsweisen” in Deutschland forderten vehement die Geld-Bazooka, vergleichbar mit der Gelddruckerei in den USA: Peter Bofinger lobte explizit die “starke” US-Notenbank Federal Reserve, die notfalls mit ihren riesigen “Interventionsvolumina” quasi unbegrenzt alle amerikanischen Ramschpapiere aufkaufen könnte. Ja warum erfinden die Griechen dann nicht einfach ihren eigenen Goldesel möchte man denken.

Schuld an dem exorbitanten Defizit sei aber laut dem Sachverständigen nicht etwa die Fed und ihre Anhängsel wie Goldman Sachs, sondern die Tatsache dass das amerikanische Volk einfach noch nicht genügend Steuern zahlt. Soll heißen: Die rückständigen Yankees wehren sich noch zu stark gegen den heiligen Sozialismus und den Umverteilungsapparat. Man müsse, so Bofinger, die Steuern massiv anheben um den Haushalt zu konsolidieren, was leider mathematisch auf Grund der Derivatenblasen schon längst gar nicht mehr möglich wäre, selbst wenn Bürger 90% ihrer Habseligkeiten und Einnahmen unter Zwang an den Staat abführen würden.

Normalerweise funktioniert das Spiel so: Regierungen lassen Zentralbanken die Geldmenge erhöhen, damit das Verschuldungsspiel weiterlaufen kann. Bei höherer Geldmenge und gleichbleibender oder sinkender Güterproduktion schwindet die Kaufkraft des Geldes. Wer das von den Zentralbanken neu aus dem Nichts geschaffene Geld zuerst bekommt, kann damit zuerst arbeiten und hat gegenüber dem Normalbürger gewaltige Vorteile. Lange durften sich die Geschäftsbanken bei der EZB für nur 0,25% Zinsen Geld leihen. Dann erwägte die EZB, private Anleihen oder gar Staatsanleihen aufzukaufen um deren Angebot zu verknappen.

Draghi war Vizepräsident von Goldman Sachs International, ist Vorstandmitglied der Bank für internationalen Zahlungsausgleich in Basel und Mitglied in der von der Rockefeller-Stiftung gegründeten privaten Lobbyorganisation der Finanzwirtschaft, der Group of Thirty. Mitglied der exklusiven Gruppe ist neben dem ehemaligen Präsidenten der Deutschen Bundesbank Axel Weber, der aus dem Young Leader-Programm des deutschen Elite-Netzwerkes Atlantik-Brücke stammende Bankmanager Gerd Häusler, derzeit Vorstandsvorsitzender der BayernLB. Häuslers Karriere beinhaltete Stationen bei IWF, der US-amerikanischen Investmentbank Lazard, sowie der Dresdner Bank.

Anfang 2013 geriet Draghi im Zuge der Skandale um die Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS) in die Kritik: Es wurde bekannt, dass noch unter der Führung Draghis als Gouverneur der italienischen Zentralbank die MPS äußerst riskante Geschäfte tätigte und die italienische Zentralbank noch im Oktober 2011, also noch unter der Führung Draghis, der dann strauchelnden MPS einen wertpapierbesicherten Kredit in Höhe von zwei Milliarden Euro verabreichte, aber weder Öffentlichkeit noch das italienische Parlament darüber informierte. Durch diese eine geheime Rettung der MPS landete zweifelhafter Wertpapierschrott bei der nationalen Notenbank und diese erhielten dafür im Gegenzug Staatsanleihen, deren Zins- und Schuldendienst vom Steuerzahler getragen wird.

Draghi legte damit den Grundstein für ein europäisches Schattenbankensystem unter Führung der nationalen Notenbanken. Ein System, das hauptsächlich dafür geschaffen wurde, Geschäftsbanken und ihre Eigentümer auf Kosten der Steuerzahler vor Pleite und Verstaatlichung zu schützen. Für Draghi ist der Zeitpunkt besonders heikel, weil die EZB kurz davor steht, die Bankenaufsicht in der Euro-Zone zu übernehmen – nach italienischem Vorbild. Sollte sich das italienische Modell als fehlerhaft herausstellen, könnte das auch die Verhandlungen um die europäische Bankenaufsicht 2013 beeinflussen.

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1 comment

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vollbremsung 11. März 2015 at 15:42

Die Nummer mit den Wirtschaftsweisen ist echt ein Witz. Dem Überbleibsel kritisch-unabhängiger Forschung und Lehre macht man den Garaus, indem man politisch-konforme Büttel als “Wirtschaftsweise” tituliert und die staatlich-medialen Vertriebswege (GEZ) diese Luftnummer als bedeutungsschwere Letztinstanz überhöhen. Man schafft ein staatlich favorisiertes (angeblich wissenschaftliches) Dogma. Ein narzisstischen Bofinger bemisst seinen Pimmellänge anhand seiner Titel und Weihen, die natürlich exorbitante Ausmaße annimmt sobald er zum Ritter a la “Wirtschaftsweiser” geschlagen wird — der Überprofessor sozusagen (WTF*’#*!). Er erzählt ihnen dafür auch, dass Scheiße eigentlich Gold ist. Er verpackt das ganze auch im wissenschaftlich-akademischen Geschwafel, so dass sie letztlich nicht viel verstehen aber es für möglich halten. Damit hat der Staat, was er will.

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