Es ist eine beißende Ironie, dass die Ausrüstung der russischen Truppen auf der Krim und der prorussischen Separatisten in der Ostukraine ausgerechnet von der ukrainischen Rüstungsindustrie abhängt. Als die Sowjetunion 1991 endete, befanden sich 30 Prozent der sowjetischen Rüstungsindustrie auf ukrainischem Gebiet, rund 750 Fabriken und 140 weitere Einrichtungen mit einem Personal von insgesamt über einer Million Menschen. Hatte man sich in den Jahrzehnten zuvor konsequent in die Pleite hinein gerüstet, fiel der militärische Etat mit dem eisernen Vorhang schlagartig um 96%.

Die ukrainische Rüstunsgindustrie belieferte in dieser neuen Welt auch andere Länder und beschäftigte weiterhin hunderttausende Arbeiter, nichtsdestotrotz blieben die Bindungen an Russland sehr eng; einige für das russische Militär essentielle Komponenten werden exklusiv in der Ukraine hergestellt und lasssen sich nicht einfach irgendwo anders kaufen. Moskaus Plan war gewesen, umgerechnet 560 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2020 auszugeben, um das eigene Militär samt dem Atomwaffenarsenal zu erneuern. Wegen dem Ukraine-Konflikt ergaben sich aber zwei gewichtige Probleme: Ein Mangel an lebenswichtigen Bauteilen und Ersatzteilen, sowie Finanzierungsprobleme, die durch die westlichen Sanktionen entstanden sind.

Mehr als die Hälfte von Russlands Nuklearwaffenarsenal wurde entweder in der Ukraine gebaut oder verwendet ukrainische Navigationssysteme bzw. Zielsysteme. Das Rückgrat der nuklearen Kapazitäten ist die Interkontinentalrakete RS-20B Voyevoda. Ohne die Ersatzteile und Serviceleistungen aus der Ukraine wird es schwierig sein, die veralteten Raketen intakt zu halten bis die Nachfolger produziert werden können. Es werden außerdem dringend 3000 Motoren benötigt für Helikopter, aber selbst können die Russen kaum eigene Exemplare herstellen.

Die Antonow-Lufttransportmaschinen benötigen ebenfalls neue Motoren, wie auch die Albatros-Ubootjäger. Ballistische Raketen müssten eigentlich in der Ukraine gewartet werden.

Mehr als 50 Fabriken im Osten und Süden der Ukraine, nahe der russischen Grenze, bilden ein Netz auf das der Kreml angewiesen ist. Vergangenen Dezember, als der russlandtreue Präsident Janukowitsch noch ukrainischer Staatschef war, wurden Gasverkäufe und Rüstungsdeals im Umfang von 15 Milliarden $ vereinbart.

Inzwischen hat das Parlament in Kiew eine Kriegssteuer von 1,5% auf alle Einkommen beschlossen und andere Steuern erhöht, um die eigene Rüstung hochzufahren. Eine Steigerung von 60% in einem Jahr war das Ergebnis. Während die ukrainische Rüstungsindustrie bisher praktisch alle Erzeugnisse ins Ausland exportierte, kauft nun der Staat selbst ein. 53% der ukrainischen Ausrüstung sind über 25 Jahre alt und nur 1,2% sind neuer als 10 Jahre.

Durch die Annexion der Krim gewannen die Russen 13 Anlagen, die eigentlich dem ukrainischen staatlichen Rüstungskonzern Ukroboronprom gehörten, es handet sich dabei um Fabriken für Flugzeugteile sowie Werften. Im Donbass verlor Kiew Zugang zu Fabriken für Munition, Sprengstoffe, Motorenteile und Radarsysteme. Berichten zufolge transportierten russische LKWs die Produktionsmaschinen ab.

Den Separatistenführern wurde zwar vom Kreml das Blaue vom Himmel versprochen, wie etwa dauerhafte neue Pufferstaaten und Reichtum, letztendlich sollen sie aber hauptsächlich den Kopf so lange hinhalten, bis die Rüstungsproduktion abgebaut und abtransportiert ist. Laut den Kiewer Behörden kooperieren keine Anlagen, die unter ukrainischer Kontrolle stehen, mehr mit Russland.

Ein weiteres Problem für Putins Regime ist die Möglichkeit, dass Ukraine geheime russische Militärtechnologie an fremde Staaten verkaufen könnte. Russlands Ausßenministerium warnte, dass sich Hersteller der Interkontinentalrakete RS-20B Voyevoda mit Abgesandten von Drittstaaten trafen. Zu den möglichen neuen Kunden gehören China, Nordkorea, Syrien und der Iran. In der Vergangenheit versuchten Spione aus diesen Ländern mehrfach, ukrainische Rüstungsgeheimnisse zu stehlen.

Der Westen hat es Russland ermöglicht, eine größtenteils ungestörte Modernisierung der Sowjetunion durchzuführen. Was geschieht, wenn der Ostblock stark genug ist, um den Westen anzugreifen?

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