Kommentar

Er schimpfte, ermahnte, gab zu bedenken und pochte auf Moral. Dabei ist er nicht mehr wie früher Vorsitzender eines wichtigen Untersuchungsausschusses, sondern das Ziel von Ermittlungen wegen möglichem Besitzes von kinderpornographischem Material. Sebastian Edathy sprach Donnerstag Vormittag bei einer Pressekonferenz anlässlich des Untersuchungsausschusses und dem anhaltenden Blame Game über angeblichen Geheimnisverrat und Strafvereitelung.

Er hat sich seine Story zurechtgelegt und bleibt dabei: Er habe mit dem Kauf von Azov-Filmen nichts Illegales getan, die Sache gehöre in die Privatsphäre und gehe niemanden etwas an. Über mögliches anderes, potenziell strafbares Material, das in den vergangenen Wochen immer wieder in der Presse im Bezug auf Ermittlungsakten angesprochen wurde, mochte er sich wegen dem laufenden Verfahren nicht äußern. Da sein Laptop “verschwunden” ist und bei den (späten) Durchsuchungen kaum irgendwelche Computer oder Daten gefunden wurden, käme bei einem Prozess und einer Verurteilung möglicherweise nur eine Geldstrafe heraus. Es wird gerade verhandelt, ob das Verfahren gar gegen Geldstrafe eingestellt wird. Dann könnte er für den Rest seines Lebens in die Welt hinausposaunen “Ich bin nicht pädophil, und ein Buch schreiben in dem er sich als Opfer präsentiert.

Er wollte nach dem schlechten Wahlergebnis der SPD nicht als Hinterbänkler enden, sondern ganz groß rauskommen, mit einem Spitzenamt. Oppermann hätte ihm in einem Gespräch noch tolle Karriereperspektiven eröffnet. Dann aber habe sich herumgesprochen, dass sein Name auf der Azov-Kundenliste steht und diese den deutschen Behörden übergeben wurde.

Offiziell wurden die Ermittlungen gegen Azov-Kunden im November 2013 enthüllt, während alternative Nachrichtenquellen bereits Dezember 2012 darüber berichteten und Szene-Foren bereits 2011.

Denn auch in deutschsprachigen Szeneforen setzten schon frühzeitig juristische Diskussionen über den Fall des kanadischen Versandhändlers ein.

Unter Überschriften wie „Haben Azov-Kunden in Deutschland Hausdurchsuchungen zu erwarten?“ oder „Tipps für Azov-Films-Kunden“ tauschten dort User im Juli 2011 beziehungsweise im Oktober 2012 ihre Informationen und Einschätzungen zur deutschen Rechtslage aus.

taz

Es wurde auch in der Szene empfohlen, spezielle Programme zur wirklich gründlichen Löschung von Dateien zu verwenden oder Festplatten verschwinden zu lassen.

Es klang bei der Pressekonferenz so, als hätte Konkurrenzgerangel um Karriere-Ämter eine Rolle gespielt bei den Vorgängen. Es ist sein Spin und er wird dabei nicht wirklich konkret, also kommt nur eine ganz vage Verschwörungstheorie dabei heraus. Dazu wurde durch ihn eingeräumt, dass der Kauf von Nacktvideos dann doch ein gewisses Erpressungspotenzial eröffnete. Dennoch müsse, so der moralisierende Tenor, in einer rechtsstaatlichen Republik doch die Privatsphäre geschützt bleiben.

Was er dabei nicht genug betont ist, dass er ein irrationales Risiko eingegangen ist, von einer ausländischen Firma wie Azov zu kaufen und seine echten Daten zu benutzen. Wer wusste schon, was Azov mit den Daten treiben würde? Was wäre gewesen, wenn Hacker oder irgendwelche anderen Regierungen auf der Welt in den Besitz der Datenbank oder der Kreditkartenbuchungen gelangt wären? Man hätte ihn erpressen können. Und je höher er in der deutschen Politik aufgestiegen wäre, umso verheerender wäre dies gewesen. Seine Urteilsfähigkeit wirkt deswegen schockierend.

Die Azov-Streifen wurden überwiegend in Osteuropa produziert, am Azov’schen Meer. Die ehemaligen Ostblockstaaten waren nach dem Fall der Mauer das unregulierte Hinterhof-Hollywood der Pädophilen. Früher gab es hauptsächlich alte Nudisten-Filme, schlecht gefilmte Home Movies und Videos von Eskapaden in Sextourismus-Ländern. Nach 1989 ließen sich in den verfallenen ex-kommunistischen Staaten schnell professionellere Studios einrichten oder man konnte gleich in freier Natur filmen.

Die sogenannte “Boylover”-Szene war natürlich in Aufruhr, nachdem Fahnder den Laden dichtmachten. Azov-Besitzer Brian Way soll 4 Millionen Dollar verdient haben. Im Ausland wurden nach Jahren der rechtlichen Grauzone die Azov-Streifen irgendwann für illegal erklärt. In Deutschland gilt das Material zwar nicht als Kinderpornografie, es kann aber nach Ansicht der Justiz eine Durchsuchung rechtfertigen, um nach härteren Bildern und Videos zu fahnden.

Ryan Loskarn, der Stabschef des US-Senators Lamar Alexander, beging Selbstmord, nachdem auf seinen Computern Hardcore-Kinderpornografie gefunden wurde. Die Fahnder kamen ihm auf die Schliche über die Kundendatei von Azov Films. In seinem Abschiedsschreiben gab er an, selbst als Kind missbraucht worden zu sein. Die Behörden hatten seine Tür eingebrochen und seine Behausung in Washington D.C. durchsucht. Ermittler erklärten, Loskarn hätte noch versucht, eine Festplatte über ein Dachfenster auf seinem Dach zu verstecken. Zu seinen Sammlungen gehörten Videos mit Titeln wie “6-jähriges Mädchen entführt und in den Wäldern vergewaltigt”. Was gab es bei Azov so alles im Angebot? Titel wie

  • FKK Holidays Special Edition
  • Skating Boys
  • Boy Fights II: Alex vs Vlaviu
  • Boys in the Mud
  • Boys of Europa

edathy-films

US-Ermittler führten Testkäufe durch und bestellten u.a. den Titel “Cutting Room Floor – Vlaviu.”

In Gerichtsdokumenten ist beschrieben, wie im Film nackte Jungs in einem Wohnzimmer essen. Es gibt Nahaufnahmen von den Genitalien und gegen Ende führen sich die Kinder Essensreste in ihre Pofalte ein. Nach der Razzia gegen Azov Films fand sich in der Kundendatei der Name und die Adresse von Loskarn. Er bestellte u.a. den Titel “Andrey & Sasha 2 for 1? für 24.95$ und “After School Break” für 22.95$.

Die Titel zeigen Jungs in verschiedenen Freizeitaktivitäten, oft beim Spielen mit Wasser, mit Großaufnahmen von Genitalien. Loskarn waren die Azov-Filme aber nicht genug. Er nutze das “Gnutella”- und “edonkey”-Filesharing-Netzwerk um folgende Dateien herunterzuladen (Dateinamen zensiert):

  • 10Yo Boy & Dad F**ting Sucking & Rape New.mpg
  • Babyhee 1.5Y Boy Tied In Bath Tub Gets R**ed Hard Sceaming – Excellent Baby Toddler F***.mp4
  • 13yo BOY F***** by UNCLE and C***ING in HD RESOLUTION NEW
  • 6Yo Girl Kidnaped And R***d In Woods
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2 comments

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ein mensch 18. Dezember 2014 at 17:17

oha, was finde ich da grad im mainstream…

http://top.de/news/0Otd-heidi-klum-verkauft-high-heels-3-jaehrige-maedchen-geht-s-noch#.A1000004

tja, wie war das noch mit der “schleichenden” sexualisierung/zerstörung der kindheit? …zu dem thema gabs vor 3 jahren ein recht bizarres authentisches filmchen…

http://www.trailerseite.de/film/11/im-not-a-fucking-princess-kino-trailer-21116.html

Reply
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Soma 18. Dezember 2014 at 14:39 Reply

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