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Kommentar

Obwohl bereits seit längerem deutschsprachige Angebote russischer Massenmedien im Netz zu finden sind, gilt der Start von RT DEUTSCH bei neokonservativen Unterstützern des russischen George Bush-Klons Wladimir Putin als etwas ganz Besonderes.

Im Moment handelt es sich nur um eine Webseite mit der Aussicht auf ein News-Videoformat und noch nicht um den herbeigesehnten Fernsehsender, die es in englischer und spanischer Sprache bereits über Satellit in Europa zu empfangen gibt. Eigentlich muss das russische Regime ja sparen wegen den niedrigen Ölpreisen und der kollabierenden Wirtschaft, andererseits zahlt sich jeder Rubel an Proapaganda um ein Vielfaches wieder aus.

Viele „alternative“ Blogs in Deutschland, die bisher sowieso nur unkritisch von russischen Massenmedien abschrieben, sind jetzt in weiteres Stück überflüssig geworden. Allerdings besetzen die Alternativen nach wie vor abstruse Nischenthemen und Meinungen, die RT DEUTSCH tunlichst vermeiden wird, um halbwegs seriös zu wirken. Einige Blogger und Youtuber, die von einem Vertrag und einer eigenen Sendung träumten, werden wohl enttäuscht werden. Es ist vielversprechender, irgendwelche unbelasteten Figuren anzuheuern, die vor kurzem noch ihr Studium irgendwo beendet haben.

Eines der ersten Videos auf RT DEUTSCH ist ein Exklusivinterview mit Udo Ulfkotte über sein neues Buch „Gekaufte Journalisten“ das von den „Massenmedien ignoriert wird“, geführt von einem jungen Mann, der noch nicht sonderlich sicher wirkt. Dies ist typisch für RT, die für die englischsprachigen Sender in der Vergangenheit bereits junge und unerfahrene Leute anheuerten und vor ein größeres Publikum setzten, natürlich unter der Kontrolle von alteingesessenen Profis im Hintergrund.

Das Interview ist symbolisch für das Kernproblem von RT DEUTSCH. Ulfkotte erwähnt mit keinem Wort, dass die unwürdigen Praktiken im westlichen Journalismus noch stärker im östlichen Journalismus betrieben werden. Wäre Ulfkotte ein Russe und würde er auspacken über russische Machthaber, hätte ihn wohl längst die Steuerpolizei unter einem Vorwand verhaftet oder er wäre erschossen irgendwo aufgefunden worden wie Anna Politkowskaja und weitere kritische Autoren.

17 Jahre lang veröffentlichte Ulfkotte nach eigenen Angaben Propaganda der Geheimdienste, Gefälligkeitsartikel über Regime sowie Talking Points der NATO. Er ließ sich in 5-Sterne-Hotels bedienen, schamlos mit manipulativen Journalistenpreisen eindecken, vom BND mit Material versorgen, er rekrutierte neue Leute für die Dienste und verbesserte kontinuierlich seine Beziehungen zu den mächtigsten Männern des Landes. Er hofft nun, dass eine jüngere Generation vielleicht „aus diesen Fehlern lernen“ werde. Aber wo können junge Leute denn bitte heutzutage Geld verdienen, indem sie ethische und zugleich professionelle journalistische Arbeit machen? Auf eigene Faust Im Internet? Bei russischen Sendern?

Immer wieder sind in dem Buch „Gekaufte Journalisten“ Absätze eingebastelt, die das heutige Russland in Schutz nehmen. Egal ob Krim, Ukraine, MH17 oder anderes, Ulfkotte verteidigt das Putin-Regime und erwähnt mit keinem Wort, wie abgedreht dort die Medienwelt ist. Praktisch alle größeren unabhängigen Medien wurden in Russland zum Aufgeben gezwungen, es gibt nur noch die hysterische Berichterstattung von kremltreuen Neokonservativen, die organisiert sind in diversen Netzwerken. Ist es zuviel verlangt, das zu erwähnen? Vor allem da russische Propaganda auch international einen steten Strom aus Lügen verbreitet und die sogenannten „alternativen Medien“ im Westen den Putin-Führerkult übernommen haben und fast nur noch von den Russen abschreiben.

Die alternativen Medien in Europa und Nordamerika sind ein verblüffend ähnlicher Moloch, wie ihn Ulfkotte über die Massenmedien beschreibt. Wer zugunsten von Russlands Machtinteressen schreibt, der bekommt Zugang zu Ministern und anderen hochkarätigen Interviewpartnern, der wird eingeladen zu Konferenzen, Reisen und in Gruppen, der wird interviewt auf englischsprachigen russischen Nachrichtensendern und darf dort seinen Blog erwähnen. 2009 schrieb Ulfkotte noch auf KOPP Online: „Russland: Rassenwahn und Sehnsucht nach dem Massenmörder

Mit dem Abgleiten Russlands in die wirtschaftliche Rezession, der Abwertung des Rubels, den steigenden Arbeitslosenzahlen und dem wachsenden Alkoholkonsum steigt eben auch der Fremdenhass. Ein Ende ist nicht in Sicht – im Gegenteil. Am 28. Dezember 2008 hat der Fernsehsender Rossiya eine Umfrage veröffentlicht. Gesucht wurden die beliebtesten Männer Russlands. Das Ergebnis war peinlich und wurde dann vor der Veröffentlichung mit einigen kosmetischen Tricks manipuliert – denn die Russen wählten den Massenmörder Josef Stalin zu einem der beliebtesten Russen aller Zeiten (Platz drei). Weil Stalin während der Umfrage fast auf den ersten Platz gekommen wäre, hatte man die Stimmfunktion für ihn zum Ende einfach abgeschaltet.

Nicht eine, sondern gleich zwei amerikanische Moderatorinnen bei dem Sender Russia Today kündigten live auf Sendung, um gegen die Ansprüche Russlands auf die Ukraine zu protestieren. Nach den Kündigungen von Liz Wahl und Abby Martin veröffentlichte die leitende Redakteurin von RT, Margarita Simonyan, einen Post auf ihrem Live Journal Blog in dem sie verlautbarte:

„Gestern verbrachte ich so einige Zeit damit, dem Korrespondenten der New York Times zu erklären, warum ich Russlands Position für richtig halte. Ich bin Russin. Ich unterstütze mein Land und ich werde solange wie nötig für die Wahrheit kämpfen.“

Simonyan sagte zur NYT, dass Abby Martins Kommentare „nicht zu unseren redaktionellen Richtlinien passen“ und „Wir haben nie ein Geheimnis aus der Tatsache gemacht, dass wir Russlands Position reflektieren“.

Russland erklärt, dass Amerika nicht fair genug über Russland berichte und reagiert mit einem Sender, der ständig negativ über Amerika berichtet. Nach BBC News ist RT in den Vereinigten Staaten inzwischen der populärste ausländische Nachrichtensender und konnte seine dortige Zuschauerbasis innerhalb eines Jahres verdoppeln. Bereits mehrfach wechselten bekannte Persönlichkeiten des Journalismus zu Russia Today. Zuletzt 2013 kündigte RT an, dass Larry King, eine Ikone des US-Journalismus bald mit einer Show auf RT beginne.

1995 gab es noch mit 150 unabhängigen Radio- und Fernsehunternehmen, über 10.000 Zeitungen sowie ausländischen Sendern eine vergleichsweise bunte Medienlandschaft in Russland. Seit Juni 2003 gibt es kein unabhänges landesweites TV-Netzwerk mehr. Alle Netzwerke werden direkt oder indirekt von der Regierung kontrolliert und Journalisten praktizieren Selbszensur aus Angst vor Repressalien. Manche mutige Stimmen wurden zum Schweigen gebracht, eine lange Liste von Leuten werden überhaupt nicht mehr auf Sendung gelassen.

RT bald unter Sanktionen?

Die steigenden Spannungen zwischen Ost und West können zu Sanktionen gegen RT führen. Das ehemalige DDR-Staatsblatt „junge Welt“ titelte kürzlich „EU bereitet Berufsverbot für Journalisten vor„:

In einer weiteren Strafrunde könnten Journalisten, die quer zum westlichen Mainstream liegen, auf die schwarze Liste genommen werden. Die zuständigen EU-Gremien haben entsprechende Maßnahmen gegen russische Medienschaffende geprüft und für rechtens befunden, wie aus einem jW vorliegenden Geheimprotokoll hervorgeht.

Obwohl quertreibende Journalisten in der DDR prinzipiell Berufsverbot hatten, bejammern die roten Genossen heute, dass missliebige Journalisten zu „Propagandisten“ deklariert werden sollen. Den Chef eines russischen Auslandssenders hätte es bereits getroffen:

„Auch nach den UKR/RUS-Sanktionen sei bereits am 21.3. der Chef von „Russia Today“ (Kiseljow) als zentraler Akteur der RUS Propaganda gelistet worden.“

Es seien auch Ausweitungen von Sanktionen auf die Familienmitglieder von einflussreichen russischen Propagandisten geplant, was die linke und alternative Presse als „Sippenhaft“ bezeichnet. Viel eher wird so verhindert, dass die steinreichen Oligarchen-Zöglinge in London mit ihren Sportwagen herumfahren und als Strohmänner ihrer Eltern fungieren.

Der Linke-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrcke soll das interne EU-Papier über „Berufsverbote“ beschafft haben. Er war Mitglied der vebotenen KPD gewesen, die Westdeutschland unter das russische Joch bringen wollte. Er ist Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages.

Im Ukraine-Konflikt überboten sich östliche neokonservative Massenmedien-Medien mit erfundenen Meldungen und zurechtgebogener Hysterie, während Moskau hemmungslos die Krim und Teile der Ukraine erobern ließ.

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