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Foto: COMPACT-Interview mit Eurasien-Guru Alexander Dugin

Alexander Benesch

Wie wird einer der ehemals wichtigsten Vertreter der kommunistischen Deutschenhasser-Bewegung zu einem missionierenden Befürworter deutscher Souveränität und der klassischen Familie? Er hätte, den eigenen Worten zufolge, irgendwann in den letzten Jahren „seine Meinung geändert“ und verbreitet nach seiner 180-Grad-Kehrtwende nun seine patriotischen Ansichten als Chefredakteur des COMPACT-Magazins.

Sicherlich ändern manche Linke im Laufe der Zeit ihre politischen und gesellschaftlichen Ansichten und beweisen damit ihre geistige Mobilität, aber die wenigsten von uns sind vor der Meinungsänderung führende intellektuelle kommunistische Deutschenhasser gewesen wie Jürgen Elsässer. Das ist ein Millieu, in dem man nicht einfach aus Protest gegen die Eltern und gegen Vietnam ein Lenin-T-Shirt trägt und mit der RAF sympathisiert, sondern aus tiefster ideologischer Überzeugung dazugehört. In dem Buch “Antifa heißt Gewalt – Feuer und Flamme für jeden Staat” heißt es auf Seite 58.:

Zu den heftigsten Deutschenhassern oder Antinationalen gehört Jürgen Elsässer von der Monatszeitschrift Konkret. Mit Deutschland könne nur Terror und Mord mit einem Wort nur Auschwitz assoziiert werden. Kein Wunder, daß für einen solchen Barbarenstaat das Selbstbestimmungsrecht der Völker nicht gilt. Überhaupt könne lediglich Israel – und auch nur ausnahmsweise – dieses reaktionäre Prinzip vom Recht auf nationale Selbstbestimmung zugestanden werden.

Deutschland, so die Fürsprecher eines militanten Antinationalismus, müsse in einer multikulturellen Gesellschaft aufgelöst werden, da dieses Land alle Übel der Welt in sich vereine. Elsässers abenteuerliche Philosophie findet ihren dramatischen Höhepunkt in der Quintessenz, die Linke könnte nur antideutsch sein, andernfalls existiere sie nicht.

Als Elsässer 1990 die antideutsche Bewegung mitbegründete und die Zersetzung Deutschlands forderte, war er 33 Jahre alt und die DDR samt Sowjetunion waren gerade eben den Bach hinuntergegangen. Was Elsässer forderte, war nichts anderes als eine Fortführung der Moskauer Politik der Schwächung Deutschlands. In der DDR waren nicht weniger als 100 Türken erlaubt gewesen, für die Bundesrepublik wollte Elsässer aber, dass eine multikulturelle Zuwandererschwemme die klassischen Deutschen an den Rand und in die Bedeutungslosigkeit drängt. Der Albtraum der Linken nach 1990 war ein wiedervereinigtes, souveränes, bürgerliches Deutschland, also nach linker Logik die Brutstätte des Faschismus. Deutschland, der ewige Faschist.

Die „West-Imperialisten“ in Washington, London und Bonn/Berlin hatten aber gar nicht vor, Deutschland irgendwie souveräner und bürgerlicher werden zu lassen. Es gab nicht die versprochene Abstimmung über eine neue Verfassung für das wiedervereinigte Deutschland. Stattdessen praktizierten die „West-Imperialisten“ nach 1990 verstärkt ihren eigenen Sozialismus, förderten Multikulti, den Internationalismus, die Sozialapparate und die Umerziehung der Menschen zu treudoofen, gender-neutralisierten Windrad-umarmenden Idioten. Die westlichen Eliten klauten und kopierten einfach dreister denn je die Methoden der Kommunisten.

Vor 1990, während der Bedrohung durch die Sowjets, gab es in Deutschland noch Wehrpflicht und 500.000 Soldaten, da gab es mehr wirtschaftliche Freiheit, weniger Steuern, da war die Europäische Union noch eine  dunkle Wolke am Horizont. Aber nach 1990 kam der völlige Sozialismus. Die West-Eliten taten das, was Moskau und die Antideutschen wie Elsässer immer tun wollten: Sie lösten Deutschland auf. Sie brachten ein Multikulti-Welle. Sie brachten den Sozialismus.

Die Linken und Antideutschen verloren zunehmend an Existenzberechtigung. Sie waren zumindest für die Zerstörung Deutschlands und die Verbreitung des Sozialismus nicht mehr nötig. Was blieb den Pro-Russland-Kommunisten also noch? Die altbekannten Dinge kritisieren, wie etwa die vielen Militärbasen der USA weltweit, die kriminellen Aktivitäten großer westlicher Konzerne, „soziale Kälte“, und der Irakkrieg 1990. Aber reichte das?

Weil das westliche Establishment einen immer stärkeren sozialistischen Kurs fuhr, mussten moskau-treue Gegner des Westens sich irgendwann anpassen und in der Öffentlichkeit zwangsläufig konservative Positionen einnehmen. Die größte Gefahr für die Moskau-Freunde war nämlich nicht mehr ein souveränes konservatives Deutschland, sondern ein Deutschland das in einem westlichen, sozialistischen NATO-Block aufgelöst wurde. Nun war es für die Kommunisten zunehmend die Priorität, Deutschland aus diesem west-sozialistischen Block herauszubrechen und mit Hilfe von konservativen Parolen wieder an Russland hinzuführen.

Von Ehe und Kindern ist bei Elsässer heute mit 57 Jahren immer noch nichts bekannt. Stattdessen immer noch wechselnde junge Freundinnen. Dabei veranstaltet er heute doch „Familienkonferenzen“ mit Polit-Gästen aus der russischen Duma. Lobpreisungen für Mao, Castro und Ho Chi Minh sowie den Kampf gegen „US-Imperialismus“ gibt es bei ihm heute auch nach wie vor.

Elsässer bei der konkret

Das Magazin konkret war 1957 mitgegründet worden von Klaus Hübotter, der wegen seiner Mitgliedschaft in der Deutschen Kommunistischen Partei (KPD) mächtig Ärger in der BRD bekam. Später versuchte er es zeitweise bei der Nachfolgeorganisation Deutsche Kommunistische Partei (DKP). Die KPD wollte Westdeutschland für Moskau erobern und die Deutschen unterjochen. Zu diesem Ziel sollte auch die moskau-ferne Sozialdemokratie in Form der SPD bekämpft werden. Die KPD war auch beteiligt an den „Friedensbewegungen“ der 1950er Jahre, vor allem der Bewegung gegen die Wiederbewaffnung Westdeutschlands gegen die Bedrohung durch die Sowjetunion.

Hermann Gremliza verließ Ende 1971 den Spiegel und ging zur konkret. 1989 trat er aus der SPD aus; ein Anlass dazu war, dass sich die Bundestagsabgeordneten der SPD nach der Maueröffnung am 9. November im Bundestag spontan mit den Abgeordneten der CDU, CSU und FDP erhoben, um die deutsche Nationalhymne zu singen. Die konkret erhielt eine Zeit lang Zuwendungen aus der DDR, bis zu 40.000 Mark pro Ausgabe. Klaus Rainer Röhl, die RAF-Prominente Ulrike Meinhof und andere Redakteure reisten dafür häufig in die DDR. Manchmal empfingen sie ihre Weisungen auch im Westen durch Abgesandte der DDR. Röhl gab später an, die Redakteure seien durch Instrukteure der seit 1956 in der Bundesrepublik illegalen KPD angeleitet worden. Deutlich wurde dies zum Beispiel daran, dass moskaukritische Sozialisten wie Kurt Hiller aus dem Blatt hinausgedrängt wurden.

Der Herausgeber Klaus-Rainer Gröhl hatte eine Polit-Postille mit Tittenbildern aus der konkret gemacht, Gremliza bürstete das Magazin schließlich wieder auf Richtung und Elsässer stieß dazu, der auch für die Zeitung „Arbeiterkampf“ des Kommunistischen Bundes geschrieben hatte, für die Allgemeine Jüdische Wochenzeitung und die ehemalige DDR-SED-Zeitung Junge Welt. Bei der konkret unter Gremliza fanden sich sogar der spätere SPIEGEL-Chef Stefan Aust und der damalige SPD-Landeschef von Schleswig Holstein ein.

1990/91, als die Sowjetunion offiziell hinüber war, sich inoffiziell aber nur modernisierte und umbaute in eine pseudokapitalistische, pseudokonservative Pseudodemokratie, waren die Topthemen der konkret radikale Deutschlandkritik und Kampf gegen den Antisemitismus. Die Kommunisten behandelten also ihre antideutschen Brot- und Butter-Themen. Dann nach 9/11 plötzlich der Streit: Konkret-Autoren und die Führung waren einer US-Aktion im Irak gegenüber aufgeschlossen.

In zwei Artikeln in der Zeitung junge Welt rechnete Elsässer einen Monat später mit „Kriegslügen von links“, insbesondere in der konkret ab und warf der Zeitschrift u.a. politischen Zynismus sowie eine unseriöse und groteske Aufblähung der „Opferbilanz der Baath-Partei“ vor. Für manche machte die konkret sich verdächtig. Gab es Einfluss durch westliche Kräfte? Konkret kündigte wenig später den Arbeitsvertrag mit Elsässer als Redakteur. Elsässer konnte zumindest beim linken Publikum punkten als strammer Gegner von amerikanischen Militäraktionen. Die Empörungen Elsässers beschränkten sich jedoch auf auf westliche Militäraktionen, wie Irak oder später am Balkan.

Mit dem brutalen Krieg Russlands gegen das nach Unabhängigkeit und Souveränität strebende Tschetschenien hatte Elsässer hingegen keine Probleme. In der Zeitung junge Welt wetterte er 1995 noch „Keine Tränen für Tschetschenien“ als die russischen Truppen einmarschierten und die Panzer rollten. In den Wochen davor und danach hatte Elsässer zwar noch die Iren, Basken, Korsen und Kurden wegen ihres auf nationale Unabhängigkeit zielenden Kampfes scharf kritisiert, aber bei Tschetschenien hieß es:

„Tschetschenien ist Teil des russischen Staates, so wie Kreuzberg Teil des deutschen ist.“

Eigentlich eroberten die Russen die islamisch gepräte Gegend rücksichtslos im Jahr 1864, schlugen einen Aufstand 1877/1878 nieder, erklärten sie 1921 zur „sowjetischen Gebirgsrepublik“, deportierten 1944 zwangsweise insgesamt 400.000 Tschetschenen  in Viehwaggons nach Kasachstan und Mittelasien, und lehnten auch nach 1990 die Soveränität Tschetscheniens ab und schickten Panzer und Truppen dorthin.

Was für ein bizarres Gerechtigkeitsempfinden von Elsässer. Sobald es um die Interessen Russlands geht, sieht er nicht nur über eine Militärinvasion hinweg, sondern auch über „einen Alkoholiker im Kreml“ und seine sonstige streng antinationalistische Haltung. In der jungen Welt erschien 2005 der Beitrag „Jürgen Elsässer: Die Mörder von Beslan und ihre Freunde“. Obwohl die Geiselnahme in einer Schule von Beslan hauptsächlich dem russischen Sicherheitsapparat und Wladimir Putin nützte und viele Spuren auf russische Geheimdienste hindeuten, bog sich Elsässer die Sache zurecht:

Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß überlebende Kinder aus Beslan berichten, die Geiselnehmer hätten »neue NATO-Uniformen in den klassischen Tarnfarben getragen«.

Hier erkennt man bereits das Muster, nach dem auch später das Magazin COMPACT gestrickt ist. Jeder Vorfall wird pauschal westlichen Kräften angehängt. Spuren nach Osten werden verwischt. Zweifellos haben manche tschetschenische Gruppen westliche Hilfe angenommen, die CIA hat sich jedoch in ihrer Geschichte jahrzehntelang ausnehmen und betrügen lassen wie eine Weihnachtsgans. Immer wieder zahlte die CIA und lieferte Waffen an Gruppen, die entweder ihre ganz eigene Agenda hatten oder die gleich unter Moskaus Kontrolle standen. Trotzdem gilt für „Enthüller“ á la Elsässer: Moskau hat immer recht. Er schrieb:

Auch die Aussagen des einzigen festgenommenen Geiselnehmers weisen nach Westen: Demnach sei die Aktion vom tschetschenischen Rebellenführer Schamil Bassajew und dem früheren tschetschenischen Präsident Aslan Maschadow angeordnet worden.

Bassajew ist der russische Bin Laden. Putin der russische George Bush. Torsten Mann schreibt in seinem Buch Weltoktober:

„Sowohl über Schamil Bassajew als auch über seinen Bruder Schirwani ist bekannt daß diese in der Vergangenheit bereits für die sowjetische GRU gearbeitet haben. Auch der erste ‚unabhängige‘ Präsident Tschetscheniens, Dschochar Dudajew, hat eine bermerkenswerte Vergangenheit als General der sowjetischen Luftwaffe und Kommandeur einer Division nuklear bewaffneter Langstreckenbomber hinter sich.
Auch soll vor dem Beginn des zweiten Tschetschenienkrieges im Sommer 1999 in Frankreich ein Treffen zwischen Schamil Bassajew einerseits und Boris Beresowski sowie Jelzins Stabschef Alexander Woloschin andererseits stattgefunden haben, bei dem Absprachen für einen neuen Krieg in Tschetschenien getroffen worden sein sollen, für den Bassajew mit russischen Waffen und Finanzmitteln ausgerüstet wurde. Das bedeutet dass der neue Krieg vom Kreml bereits lange Zeit vor den Anschlägen geplant worden war, was Sergei Stepaschin, der damalige Chef des FSB, im Frühjahr 2000 auch tatsächlich zugab.“

Elsässer jammerte:

„Am 28. September 2004 – nicht einmal einen Monat nach dem Massenmord von Beslan – verlangten über 100 US-amerikanische und europäische Politiker in einem offenen Brief an die Staats- und Regierungschefs der EU und der NATO einen stärker antirussischen Kurs in der Außenpolitik, weil Putins Antiterrormaßnahmen die innere Freiheit des Landes bedrohten.“

Der arme, arme Putin. Es handelte sich bei Elsässers Empörung über den Irak-Feldzug der Amerikaner also eher um altbekannte selektive, politisierte Ethik wie bei unzählige Linken zuvor im Bezug auf den Vietnamkrieg. Nur die „westliche“ Aggression wird angegriffen. Interessant in diesem Zusammenhang ist eine Äußerung auf Elsässers Blog von 2012, in der er die Aktivitäten vom nordvietnamesischen Diktator Ho Chi Minh feiert:

„Hoch lebe Ho Chi Minh und das vietnamesische Volk.[…] Hoch lebe Hisbollah […] Mögen Syrien, Iran, Russland, Venezuela, Kuba und China das Pulver trocken halten. No paseran! Pasaremos!“

Woanders heißt es:

„Lang lebe die New Model Army des Genossen Mao tse Tung! Eure weißen Lackstiefel werden den Yankee-Imperialismus in den Staub der Geschichte treten!“

1996 veröffentlichte er bei konkret ein gemeinsames Buch mit Sahra Wagenknecht, die einst einen Aufsatz pro Stalin veröffentlicht hatte. Beide bejammern die deutsche Einheit, den Verlust der Ost-Bundesländer an die BRD, wo vorher noch die eiserne Herrschaft der SED war. Wagensknechts Aufsatz pro Stalin hieß “Marxismus und Opportunismus – Kämpfe in der Sozialistischen Bewegung gestern und heute”.  Darin heißt es:

Nicht zu leugnen ist, daß Stalins Politik – in ihrer Ausrichtung, ihren Zielen und wohl auch in ihrer Herangehensweise – als prinzipientreue Fortführung der Leninschen gelten kann. (Der “stalinistische” Staatsaufbau existierte in seinen Grundzügen ohnehin bereits vor Stalins Machtantritt.) Welche Handlungsspielräume die Situation im damaligen Rußland bot, muß angesichts der konkret historischen Bedingungen untersucht werden. Eine solche Analyse wird vermutlich zu dem Schluß gelangen, daß weder in Bucharins Lösungsansatz noch in dem Trotzkis (um nur zwei prägnante Beispiele zu nennen) eine realisierbare Alternative zur Stalinschen Linie vorlag.

Und was immer man – berechtigt oder unberechtigt – gegen die Stalin-Zeit vorbringen mag, ihre Ergebnisse waren jedenfalls nicht Niedergang und Verwesung, sondern die Entwicklung eines um Jahrhunderte zurückgebliebenen Landes in eine moderne Großmacht währ end eines weltgeschichtlich einzigartigen Zeitraums; damit die Überwindung von Elend, Hunger, Analphabetismus, halbfeudalen Abhängigkeiten und schärfster kapitalistischer Ausbeutung; schließlich der über Hitlers Heere, die Zerschlagung des deutschen und europäischen Faschismus sowie die Ausweitung sozialistischer Gesellschaftsverhältnisse über den halben europäischen Kontinent.

Nach seiner Zeit bei der extrem linken Zeitung Jungle World ging es für Elsässer zur Zeitung „Neues Deutschland“ wo es 2009 wieder vorbei war.

Die COMPACT-Ära und das Eurasiertum

Der Westen ist dermaßen sozialistisch geworden und das Establishment hat Deutschland dermaßen stark aufgelöst, dass Elsässer mit seinen alten Forderungen nach mehr Sozialismus und einer Auflösung Deutschlands heute mittlerweile ins Leere laufen würde. Es ist auch nicht im Interesse Moskaus, dass Deutschland in einem westlichen sozialistischen Block aufgeht. Ergo ist es heute notwendig, konservative, „politisch unkorrekte“ Positionen zu vertreten.

In seiner Publikation „Angriff der Heuschrecken“ plädierte Elsässer dafür, „Modernisierungsverlierer“ für eine Verteidigung des Nationalstaates gegen die „globalistischen Attacken der USA“ zu mobilisieren. Das Buch stieß in einigen Teilen der Linken auf Ablehnung. Den ganzen Unzufriedenen sollten ein Anti-USA und Pro-Russland Kurs schmackhaft gemacht werden. Die Zeitung COMPACT war dann die logische Folge.

Moskaus außenpolitische Ziele sind, wie früher auch, ein Vertreiben amerikanischer Einflüsse aus Europa sowie eine Unterwanderung Europas mit Agenten in Wirtschaft, Medien und Politik. Zu diesem Zweck möchte beispielsweise Wladimir Putin einen Wegfall der Visumspflicht für russische Bürger die in die EU einreisen möchten. Gibt es tatsächlich eine stärkere politisch-wirtschaftliche Annäherung an Russland und einen Wegfall der Visumspflicht, hätte Europa kaum noch eine Verteidigung gegenüber russischen Agenten und gegenüber der organisierten russischen Kriminalität. Mehr und mehr würden europäische Unternehmen und Patente mit krummen Methoden erobert werden. Die Spionageabwehr Europas ist abhängig von den USA und Großbritannien. Zögen sich die Briten und Amerikaner zurück, hätte Moskau leichtes Spiel.

Elsässers COMPACT funktioniert letztendlich nach einem Strickmuster:

  • Jeder Vorfall wird in das gleiche Muster gepresst: NATO/USA schlecht und schuldig, Russland/China gut bzw. neutral. Bei offenen Fällen werden nur Spuren behandelt die in den Westen führen und vergleichende Beispiele aus dem Westen genannt. Moskaus subversive Aktivitäten werden nicht behandelt. Dies soll den falschen Eindruck erwecken, Russland sei in jeder Hinsicht eine vernünftigere, moralischere Weltmacht, ein Vorbild und ein besserer Partner für Deutschland.
  • Eine historische „Freundschaft“ zwischen Deutschland und Russland wird herbeikonstruiert durch selektive Darstellungen. Es wird ignoriert, dass Deutschland mit kaum einem Land mehr Probleme in den letzten 100 Jahren hatte als mit Russland. Es wird strikt ignoriert, dass Russland sich in der Vorlaufzeit von 1914 mit Frankreich und England gegen Deutschland verschworen hatte. Dies soll die Stimmung erzeugen, politisch und wirtschaftlich näher an Russland heranzurücken.
  • Die Betonung der nationalen deutschen Souveränität soll Stimmung machen gegen die US-amerikanische Besatzung auf deutschem Boden und jeden verbleibenden amerikanischen Einfluss. Die totale Besatzung Ostdeutschlands durch die Russen sowie der dauerhafte Verlust von deutschen Ostgebieten an das sowjetische Polen werden gleichzeitig ausgeblendet. Dies soll Stimmung erzeugen, politisch und wirtschaftlich näher an Russland heranzurücken.
  • Verteidigung russischer Unterdrückungsmethoden, indem man sich auf umstrittene Einzelbeispiele konzentriert wie Chodorchowski oder Pussy Riot. Ignoriert wird der systematische Unterdrückungsapparat, bei dem unzählige Bürger in schockierenden Gefängnissen landen und bei dem selektiv „Staatsfeinde“ ruiniert oder umgebracht werden, während die Oligarchenclique um Putin vor strafrechtlicher Verfolgung geschützt ist. Auch wird nur die westliche Überwachung kritisiert, nicht die Überwachung die Russlands Behörden im In- und Ausland betreiben. Das Ziel ist ein Vertreiben amerikanisch-britischer Spionageabwehr und Militärpräsenz aus Europa.

Immer deutlicher positionierte sich Elsässers COMPACT hinsichtlich der russischen Idee von „Eurasien“. Den Lesern wird vorgegukelt, es gehe um deutsche Souveränität und Frieden. Man interviewte dahingehend den Eurasien-Kultführer Alexander Dugin sowie Leute von dessen eurasischen Gruppierungen. Meist ist die Bewerbung von Eurasien in dem Heft jedoch etwas subtiler, beispielsweise erscheinen regelmäßig historische Artikel in denen Fälle dargelegt werden, in denen Russland den Deutschen militärische Schützenhilfe gegeben hatte oder wo gemeinsame Verteidigungsverträge geschlossen wurden.

Der russische Okkultist und Polit-Professor Alexander Dugin werkelt wie kein zweiter daran, die Rechten Europas zu rekrutieren und ideologisch auf Linie zu bürsten für die große, heilige Mission: Ein faschistisches Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok. Dugins Bedeutung wird von den Eurasien-Verschwörern und Kult-Anhängern in der Öffentlichkeit gerne heruntergespielt, obwohl seine Bücher Pflichtlektüre an allen Militärakademien Russlands sind und er die Spinne im Netz unzähliger eurasischer und neurechter Gruppen ist. Die Absolventen seiner “Sommerlager” haben die Angewohnheit, wenige Jahre später als Kommandanten in bewaffneten Konflikten wie in der Ostukraine aufzutauchen.

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Er netzwerkt außerdem mit bürgerlich-konservativen Parteien in Europa wie der Front National oder der FPÖ. In Wirklichkeit wollen Dugin und seine Eurasier souveräne Staaten in Europa mit aller Gewalt verhindern. Der Tagesanzeiger berichtete:

“In einer TV-Ansprache im April schlug Dugin vor, Europa auf friedlichem Weg zu einem russischen Protektorat zu machen und es damit vor Homoehen, Pussy Riot und vor sich selbst zu schützen: «Wir müssen Europa erobern und anschliessen.» Fest stehe, so Dugin weiter, «dass uns eine prorussische fünfte Kolonne in Europa unterstützt. Das sind europäische Intellektuelle, die ihre Identität stärken wollen.»

Zu der europäischen “neuen Rechten” erklärte Dugin bereits 1998 in einem Interview:

“Sie ist ein Projekt, und wir sind die Architekten. Die Zukunft gehört wahrlich uns.”

Während die gewöhnliche russische Propaganda durch Lügen und Auslassungen den Eindruck zu erwecken sucht, Russland sei eine vernünftige, nach Frieden strebende Großmacht, argumentiert Dugin völlig anders. Er probiert erst gar nicht, Logik und Vernunft vorzutäuschen, sondern er argumentiert quasi-religiös, nach okkulten Maßstäben. Banale Logik, Vernunft oder das Streben nach Frieden, sind für ihn im höchsten Maße verachtenswerte Dinge, die die Menschen in einer starr gewordenen Welt gefangenhalten.

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Foto: Dugin mit dem amerikanischen Rechten und Ex-KKK-Mitglied David Duke

Unumwunden gibt er zu, dass marxistische Heldenfiguren allesamt altes okkultes Wissen besaßen und entsprechend dem Pfad der linken Hand agierten:

“Fäden des alten Wissens ziehen sich zu Marx, zu Necaev, zu Lenin, zu Stalin, zu Mao, zu Che Guevara… Der Wein der sozialistischen Revolution, die Freude des Aufstands gegen die Kräfte des Schicksals, die heilige Berserkerwut für die Zerstörung dessen, was schwarz ist, um ein neues, nicht irdisches Licht zu erwerben […]

Nietzsche, Heidegger, Evola, Hitler, Mussolini hüllten den gnostischen Willen in National- und Rassenlehre ein. Man sagt mit Recht, dass den Kommunisten nicht besonders viel an den Arbeitern lag, und Hitler an den Deutschen. Doch das hat überhaupt nichts mit ihrem Zynismus zu tun. Die einen wie die anderen waren besessen von einem viel tieferen, viel älterem, viel absoluterem Streben – vom gemeinsamen gnostischen Geist, dem geheimen und furchtbaren Licht des ‘Weges der linken Hand’.

Im Klartext bedeutet dies, dass Menschen mit psychopathischen Störungen für Dugin ganz besondere Wesen sein, die nach Erleuchtung streben, während psychisch Normale Menschen für Dugin als wertlose Spießer und Kanonenfutter gelten. Dieser spirituelle Darwinismus spricht Bände über Dugins eigenen Geisteszustand. Über den Stalinismus hat er folgendes zu sagen:

“…die harte, doch äußerst verwandelnde, rettende, ethisch gerechtfertigte Gewalt des Sozialismus, der unökonomische Zwang zur Arbeit. […] Jenseits der verantwortungslosen Humanisten im Lager des Sozialismus mit ihrer Schreibtischintelligenz hatte es Josif Stalin mit der Wirklichkeit zu tun.”

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Foto: Die Nationalbolschewisten in Russland

In einem Interview in Moskau von 1998 äußerte er, dass die europäische neue Rechte sich entweder für die USA oder für Russland entscheiden müsse. Wählen sie Russland, hieße das dass gleichzeitig auch das barbarische Element und brutale Handlungsweisen mitgewählt werden.

“Die Neue Weltordnung wird nicht kommen durch alternde Herren die sich zu Seminaren treffen. […] Man muss ein Messer nehmen, eine Maske anziehen, Abends aus dem haus gehen und mindestens einen Amerikaner töten.”

“Ich weiß nicht ob irgendwer von den Aktivisten der neuen Rechten jemals Artilleriefeuer erlebt hat, aber unsere Leute gehen nicht nur zu Meetings oder kämpfen an den Barrikaden, sondern sie gehen auch in echte Kriege. […] Die neue Rechte ist nur ein Projekt, und wir sind die Architekten. Die Zukunft gehört wahrlich uns.”

Es geht aber noch eine ganze Stufe krasser als die gewalttätige Eroberung Europas. Ein Roman von dem bei Eurasiern populären Autor Parvulesco dreht sich voll und ganz um die Lehre des Nezwerks. Der Verkünder des großen neuen eurasischen Reiches erklärt den Rassenverfall der Menschheit zur Ursache allen Übes. 80% der degenerierten Menschheit müssten durch einen Genozid ausgerottet werden. Das britische Eurasian Movement, das eng mit dugin zusammenarbeitet, träumt auf der eigenen Homepage von einer eurasischen Internatiobnalen der Gewalt:

“Es ist an der Zeit, eine neue Eurasische Armee von Visionären, Kriegern und Revolutionären hochzuziehen: Eine neue Miliz.”

Der Tagesanzeiger berichtete in einem Artikel über das Wiener Geheimtreffen mit Dugin und den Politikern europäischer konservativer Parteien über einen weiteren umstrittenen Gast:

“In einem Porträt der «Financial Times» wird [der Oligarch Malofeew] als «moderner Rasputin» bezeichnet, der über einen befreundeten Mönch direkten Zugang zu Präsident Putin habe. Russische Medien verdächtigen Malofeew, dass er die prorussischen Separatisten in der Ostukraine finanziere. Die Anfrage des TA wurde von seinem Büro nicht beantwortet.”

Teilnehmer von “eurasischen Sommerlagern” im Jahr 2006 tauchten 2014 als Kommendeure in der Ostukraine auf. Andrey Purgin beispielsweise wurde der erste “Premierminister der Volksrepublik Donezk”.

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In den alternativen Medien sind die Eurasier recht breit aufgestellt.

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Das kanadische Centre for Research on Globalization gilt als eine der führenden “alternativen” Medienpublikationen im Westen und wird angeführt von Michel Chossudovsky, Sohn des russischen sozialistischen Karrierediplomaten Evgeny Chossudovsky bei den Vereinten Nationen. Evgeny wurde später Assistent des Nobelpreisträgers Gunnar Myrdal, der zum Direktor der UN-Wirtschaftskomission für Europa wurde. Myrdal war von 1945 bis 1947 Handelsminister der schwedischen Regierung und befürwortete Wirtschaftsbezierhungen mit der Sowjetunion unter Stalin. Man machte ihn außerdem verantwortlich für die Währungskrise 1947. Als der kalte Krieg voranschritt warben er und Chossudovsky dringlichst für Ost-West-Handel.

Der Sohn Michel Chossudovsky veröffentlicht bei seinem Centre for Research on Globalization heute völlig einseitige Russenpropaganda und zu den Gastautoren zählen u.a. Neil Clark, Mahdi D. Nazemroaya und William Engdahl. Chossudovsky, Nazemroaya und Engdahl sind Mitglieder des Wissenschaftsrates des italienischen Journals Geopolitica, wo auch John Laughland und Natalya Narochnitskaya unterwegs sind. Der Editor von Geopolitica ist Tiberio Graziani, ein flammender Befürworter der “eurasischen Kooperation” und Mitglied des “Hohen Rates der Internationalen Eurasischen Bewegung”, die angeführt wird von dem weiter oben beschriebenen Faschisten Aleksandr Dugin mit seiner “vierten politischen Theorie”.

Geopolitica ist zurückzuführen auf die italienische extrem-rechte Publikation “Eurasia, Rivista di Studi Geopolitici”, herausgegeben vom Nationalsozialisten/Maoisten Claudio Mutti. Zu dem wissenschaftlichen Rat der Eurasia gehören Aleksandr Dugin und William Engdahl. Auch Engdahl steht in seinen Büchern und Artikeln ganz klar auf der russischen und chinesischen Seite. Sein neuestes Buch im deutschsprachigen Raum heißt: “China in Gefahr“. Selbstverständlich ist er regelmäßiger Gast beim Kreml-Sender RT:

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