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Alexander Benesch

Da wir in Teil 1 behandelt haben, welche Faktoren alle in unseren Ernährungsentscheidungen mitmischen und dass niemand von uns gleich ist, betrachten wir als nächstes die gängigsten Ernährungsweisen und versuchen, das Nützliche herauszupicken und das Unnütze oder gar Gefährliche zu streichen. Ich kann an dieser Stelle meiner Frau Sonja für ihren Input und ihre Anekdoten danken. Sie hat die großen Trends hinter sich, ging vom Vegetarismus über zu Veganismus und schließlich sogar zu 100% Rohkost während ihrer Zeit im Bio-Landbau auf mehreren Kontinenten. Sie traf zahllose Leute aus der Öko- und Bio-Szene, konnte diverse Gurus aus der Nähe betrachten und weiß schlicht, wovon sie redet.

Als wir uns zum ersten Mal trafen, bestellte sie im Restaurant einen Salat. Ich fragte sie, ob sie Vegetarierin wäre. Sie antwortete: „Schlimmer.“ In dem Moment war mir klar, dass sie über sich selbst lachen konnte und kein verbissener Ideologe war. Ihre jahrelange Rohkost-Karriere endete zu Beginn der ersten Schwangerschaft. Ihr übliches Essen blieb einfach nicht drin. Der Körper wollte etwas anderes. Und so tastete sie sich an Wurst mit Brot heran. Bio, natürlich. Hier sind die populärsten Ernährungsweisen:

Die „gewöhnliche Ernährung“

Es heißt von staatlicher Seite aus, dass man mit einer „normalen, ausgewogenen Ernährung“ alle nötigen Vitamine und Nährstoffe bekommen würde. Der Spruch hat wohl mehr Leute auf dem Gewissen als die Pest. Gleichzeitig zeigen Wissenschaftler immer wieder, dass fast niemand in der Bevölkerung wirklich die tägliche empfohlene Menge an B-Vitaminen, Spurenelementen und anderen Dingen aufnimmt. Wie soll das zusammenpassen? Sieht man sich die Politiker an, die über unser Leben entscheiden, trifft man immer wieder auf koksende Übergewichtige, grauhäutige Kettenraucher, Mangelernährte und generell Leute in einem mäßigen körperlichen Zustand. Wir orientieren uns meist an dem, was für uns überzeugend aussieht. Wir sehen uns lieber Fitness-Experten, Sport-Stars und Hollywood-Schönheiten an und bohren nach, was deren Geheimnis ist. Die „gewöhnliche“ Ernährung ist die weitverbreiteste. Gleichzeitig sind Herz-Kreislauf-Beschwerden und Krebs die weitverbreitetsten Killer. Natürlich ist Ernährung nur ein Faktor in einem komplexen Netz aus Faktoren. Allerdings ein gewaltiger. Viele Menschen wissen, dass die „normale“ Ernährung nicht gut genug ist, haben aber nicht die nötige Motivation, etwas zu ändern. Gerne finden sich Ausreden, oder man schaut verächtlich herunter auf ideologisch verbrämte Esser und denkt sich: Wenigstens bin ich keiner von „denen“. Man sollte genau aufpassen, was man als „unter seinem Niveau“ definiert und ob man sich ständig nur mit dem vermeintlichen „unten“ vergleicht anstatt sich auch mal nach „oben“ zu orientieren. Es gehört zum typisch männlichen Verhalten, risikohaft und genusshaft zu leben. Allerdings ist man später mit einer Krebsdiagnose nicht mehr unbedingt der große Stier, der sich über andere lustigmacht.

Vegetarismus

Die Motivationen für den Vegetarismus sind einerseits moralische Argumente, der Wunsch nach mehr Gesundheit, ideologische Gründe, Rituale und gesellschaftliche Gepflogenheiten. In Indien ernähren sich schätzungsweise bis zu 40% der Menschen vegetarisch, im Westen ist es eher eine Randerscheinung. Ein Grund dafür ist die Reinkarnationslehre.

Untersuchungen von menschlichen und frühmenschlichen Fossilien ergaben ganz einfach, dass Menschen sich praktisch von allem ernährten, was sie in die Finger bekamen und was genießbar war. Man konnte nicht unbedingt wählerisch sein. Im Laufe von Jahrtausenden und Zehntausenden passte sich unsere Spezies verstärkt darauf an. Es gab in der Frühzeit keine industrielle Massentierhaltung gegen die man protestieren konnte. Die gefangenen Viecher waren auch nicht vollgepumpt mit Antibiotika und Wachstumshormonen und Genfutter. Die Kontrolle über Feuer schuf neue Möglichkeiten der Ernährung: Tierische Nahrung wurde durch das Erhitzen sicherer für den Verzehr, geschmacklich interessanter und bahnte den Weg für Vergnügen am Essen.

Heute assoziiert man fettige, billige Fleischberge mit Zivilisationskrankheiten. Das ist keine Raketenwissenschaft, sondern einfach nachvollziehbar. Trotzdem konnte noch niemand schlüssig beweisen, dass hochqualitative tierische Erzeugnisse in Maßen irgendwie sonderlich schlecht für den Menschen sein sollen. Die Argumente, dass vegetatische Ernährung der ideale, natürliche Weg sei, überzeugen nicht wirklich.

Glücklicherweise lassen sich unzählige hervorragende vegetarische Rezepte nutzen um den pflanzlichen Anteil an der eigenen Ernährung zu erhöhen.

Vegetarier, vor allem junge Vegetarier, bauen diese Ernährungsweise in ihr Persönlichkeitsbild ein. Sie definieren sich zum Teil dadurch. Man kann sich so abgrenzen und anbinden. Das Moralargument ist oft sehr attraktiv, immerhin ist die Tierhaltung und Fleischproduktion oft unnötig grausam. Die Grausamkeit ist aber meist psychischen Faktoren der Hersteller sowie der Preisdrückerei von unverantwortlichen Kunden geschuldet, die den allerletzten Cent am Essen sparen wollen. Faktoren wie Narzissmus, also die Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid anderer Kreaturen, finden sich auch bei manchen Öko-Gurus. Die hassen dann Menschen und wollen am Liebsten möglichst viele Menschen loswerden. Die Natur ist, wie in der Einleitung beschrieben, extrem grausam und darf nicht romantisiert und verhätschelt werden. Wir Menschen haben die einzigartige Möglichkeit, Tierhaltung auf eine tragbare Weise zu betreiben. Das kostet halt Aufpreis. Ist aber gesünder.

Oft wird Vegetarismus mit Religion verschränkt und verknüpft, gerade New Age-Gruppen basieren oft auf Elementen, die aus Fernost entliehen wurden, wie etwa Reinkarnation oder diverse Vorstellungen über Erleuchtung durch vegetarische Ernährung. Ich persönlich glaube nicht, wenn ich in den Hamburger beiße, jemandes verstorbene, reinkarnierte Oma zu essen.

Verzichten besonders Männer auf Fleisch und meiden sie darüberhinaus noch normal hohe Kalorienzufuhren, sinkt ihr Testosteronspiegel. Sie werden zu Waschlappen und dadurch noch empfänglicher für Weichei-Propaganda aus dem Esoterik-Sektor. Die Schlange beißt sich also in den eigenen Schwanz.

Sie würden sich vielleicht wundern, was für magische Rituale im Bio-Landbau betrieben werden. Das Vergraben von mit Fäkalien gefüllten Tierhörnern, Zaubersprüche und einiges mehr. Es wird an Feen und Elfen geglaubt. Und vor allem: Deine negativen Gedanken über irgendwas würden wegen kosmischen Gesetzen Unheil anziehen, wie etwa Schimmel bei den Pflanzen, oder Schädlingsbefall. Wilkommen im Mittelalter!

Auch immer bedeutender ist die Propaganda über CO2 und globale Erwärmung. Eigentlich ist die Klimahysterie für sich genommen wie eine eigene Religion, und auf dem Altar soll dann praktisch der Fleischkonsum geopfert werden, damit Gott/die Göttin/Gaia oder wer auch immer uns nicht straft sondern uns ins Paradies führt. Fleischverzicht soll auch den Welthunger bekämpfen. In Wirklichkeit würde eher ein Verzicht auf Sozialismus und auf Irrsinn den Welthunger beenden.

Was sich auch häufig findet, sind Erwartungen, viele Krankheiten nicht mehr bekommen zu können oder alle möglichen Krankheiten mit vegetarischer Ernährung heilen zu können. Man wird aber nicht zum Superman.

Der Diskurs mit überzeugten Vegetariern gestaltet sich manchmal schwierig, denn es gibt sehr viel ideologische Literatur die es mit Fakten nicht so genau nimmt. Angeblich würden zum Beispiel 16 Kilo Getreide für die Produktion eines einzigen Kilos Fleisch benötigt werden. Die Realität liegt eher zwischen viereinhalb und sechs Kilo. Nährstoffe sind wohl das Top-Thema überhaupt. Trotz strohigen, gräulichen Haaren, blasser Haut und ständigen Herpesbläschen wollen manche keinen Zentimeter von ihrer Lehre abrücken. Wer unbedingt auf Fleisch verzichten muss, sollte seine Kalorien rechnen können und genau hinschauen, wie man diverse Nährstoffe ersetzen kann.

Veganismus

Die härtere Variante. Nicht einmal tierische Erzeugnisse, die man lebenden Viechern abgerungen hat wie Eier oder Milch, sind erlaubt. Keine Wollpullis, keine Lederschuhe, nix was selbst unsere Steinzeitvorfahren hatten. Es treffen die Dinge zu, die bereits bein Vegetarismus genannt wurden. Es wird allerdings noch missionarischer. Das Ziel des harten Kerns der Bewegung ist die komplete Veganisierung der Gesellschaft. Bei den ganz Krassen auch durch Sabotage, Besetzungen, Brandanschläge und anderen Terror.

Sogar Honig wäre dann verboten, denn der gilt als die Kotze von Bienen. Das ist kein Scherz, sie dürfen aber trotzdem darüber lachen. Milch ist „Kuhdrüsensekret“ oder „Weißblut“. Halten sie sich fest: Eier sind „Tiermenstruationsprodukte“. Da könnte man auch im Gegenzug Cornflakes bezeichnen als „geschredderte Getreidekornleichen die auch noch verbrannt wurden“. Nein, jetzt kommt kein dummer „Getreide-Holocaust“-Witz. Die unpassenden Holocaust-Vergleiche werden von diversen Veganern gemacht.

Übrigens: Manche essen wirklich nur das, was vom Baum oder der Pflanze fällt. Was die Pflanze also „freiwillig hergibt“. Also Müll.

Manche „Tierrechtler“ würden sogar fleischfressende Tierarten ausrotten. Dieser Ansicht ist z.B. Jeff McMahan, ein am Center for Human Values in Princeton tätigger Spezialist für normative Ethik, der meint, dass Menschen mit genetischen und anderen Mitteln so in die Fauna eingreifen könnten, dass die Fleischfresser langsam aussterben.

Auf dem Anti-Vegan-Forum können sie die oft unterhaltsamen Beiträge lesen, die Skandale aus der Szene und die Schlachten die gefochten wurden.

Meine persönliche Empfehlung: Holen sie sich gute Vegan-Rezepte für die Küche, lassen sie die verbissene Ideologie stehen.

Rohkost

Das folgende Video ist von dem Geburtstagsbuffet, für das meine Frau (damals noch Rohkost-Anhängerin) verantwortlich war:

Man kann im Ernst alle möglichen Dinge wie Wurst oder sogar Torten ohne Kochen und Backen hinbekommen. So kann man den Roh-Anteil an seiner Ernährung erheblich steigern, ohne gleich in die 100% -Rohfutter-Kirche einzutreten.

Die Absolutisten haben unterwegs oder auf Reisen nämlich ein großes Problem: Wo kriegen sie genug Rohfutter her, besonders noch in Bio-Qualität oder besser? Sie müssen Essen mit sich herumtragen oder (teure) Rohkost-Riegel kaufen. Das Folgende ist eine 100% wahre Anekdote: Bei einer Flugreise nach Panama schmuggelte meine Frau Rohmilch-Käse in Plastiktüten am Körper ins Land. Man kann sich vorstellen was das zunächst für Konsequenzen hätte haben können. Ich dachte schon sie wird bei einer genaueren Kontrolle davongeschleift während sie ruft „Es ist Käse! Es ist KÄSE!“ Die Beamten hätten sich wohl gefragt, wieso jemand Drogen von Europa nach Panama bringt anstatt umgekehrt. Ich nenne diese Episode „International Cheese Trafficking“. So in etwa wäre die Schlagzeile in den Boulevard-Blättern gewesen.

Übrigens: Wenn sie Rohköstler und Prepper sind, können sie gewaltige Probleme kriegen, vor allem in anderen Ländern. Wenn sie nicht sehr gut mit den Einheimischen in der jeweiligen Sprache kommunizieren können, kaufen sie vielleicht beim falschen und kriegen eine Mords-Krankheit. Die Einheimischen erzählen ihnen genau das was sie hören wollen. Selbst in Riesenstädten gibt es oft nur kleine Eck-Läden mit Bio-Sachen und vor allem Rohkost die nicht total zweifelhaften Ursprungs ist.

Außerdem nervt irgendwann die eingeschränkte Speisekarte. Es gibt noch Abwandlungen von der traditionellen Rohkost: Die Instinktos, Urköstler und andere. Manche predigen nach einer Russin 800 Kalorien maximum am Tag, was in etwa der Menge in einem besseren Gulag entspricht. Starvation ration. Dann gibt es diejenigen, die so wenig Protein aufnehmen, dass sie gaga werden. Hat man erstmal zu lange zuwenig Aminosäuren aufgenommen, läuft’s im Oberstübchen nicht mehr so richtig. Ein junger deutscher Auswanderer in Costa Rica aß aus Prinzip solange Kokosnüsse und Ananas bis er in einer psychotischen Episode nackt an der Bushaltestelle im Dorf vor allen Einheimischen tagsüber saß und sich mit den eigenen Fäkalien einrieb. Die Feuerwehr hatte ihn erst mit dem Wasserschlauch vorgereinigt und ihn der deutschen Botschaft übergeben. Die Polizei wollte ihn nicht haben. Die Mutter päppelte ihn in Deutschland mit „Schlechtkost“ wieder auf.

Eine Rohköstler-Frau ungefähr mit zwanzig Jahren Alter verhungerte in der gleichen Gegend. Gegen Ende fürchtete sie sogar, eine Banane sei zuviel Kalorien pro Mahlzeit. Anorexia nervosa tropicana? Ein älterer Herr holte sich durch Dauer-Obst einen dauerhaften Muskelschaden und landete im Rollstuhl.

Ein Kind starb mit 16 Monaten an Lungenentzündung, weil man „schulmedizinische Behandlung“ ablehnte und es mit einer Art Urkost-Therapie versuchte. Auch Krebsfälle sind bei Rohköstlern gar nicht so selten, weil u.a. bestimmte Nährstoffe oder Aminosäuren fehlen und viele meinen, sie seien wegen ihrem Essen immun.

Oft versucht man den Anhängern, gleichzeitig eine generelle Zivilisationsfeindlichkeit anzudrehen und die Verwerfungen der Welt dem Essen anzulasten. Hier wird’s dann religiös mit der Erlösungslehre und solche Kult-Anhänger drehen sich schnell nur noch um ihre Gurkenscheiben und Möhren. Die Gurus sind auch richtig krass beinander. Es gibt Rohkostkommunen, die sind voller Dreck und Müll, was als „natürlich“ gilt. Ärzte holen bei einem Ernstfall gilt als tabu, das wundersame Essen muss reichen. Manche hören sogar mit dem Zähneputzen komplett auf, weil sie glauben dass nur zivilisationshörige Schlechtkost-Esser Karies bekommen, oder es wird geglaubt, dass bessere Zähne nachwachsen würden.

Also: Holen sie sich die Rezepte. Lassen sie die Ideologie stehen.

Lichtkost

Hier wird’s richtig schräg. Wir haben einen riesigen Verdauungstrakt und der soll angeblich total überflüssig sein.

Hakt man genauer nach, wird oft zugegeben, dass dann doch Nüsse und Säfte und anderes gefuttert wurden oder jede Woche Binge Eating stattfindet. Stundenlanges Badewannen-Liegen gehört dazu.

Heutige bekennende und praktizierende Breatharianer konnten mehrfach dabei beobachtet werden, wie sie heimlich aßen. Unter anderem passierte dies dem Amerikaner Wiley Brooks, der behauptete seit 30 Jahren nichts mehr gegessen zu haben. 1983 wurde er jedoch dabei beobachtet, wie er heimlich nachts aus einem Fenster stieg, um sich in einem Fastfoodrestaurant seven-eleven unbemerkt Süßigkeiten und Hot-Dogs zu kaufen.

Indische angebliche Nahrungslose ließen sich mehrfach in Indischen Kliniken auf ihre Fähigkeiten testen. Allerdings gestatteten die jeweiligen „Überprüfungen“ entweder unkontrollierten Kontakt zu Besuchern oder die Probanten wurden nur tagsüber überwacht und konnten zu Hause übernachten. Entsprechende Überprüfungsberichte haben daher keinen wissenschaftlichen Wert.

Fazit

Holen sie sich Rezepte und Inspirationen zum besseren Essen. Wenn sie denken, dass jemand den sie kennen in einer Sekte steckt und ernsthaft seine Gesundheit oder die Gesundheit von Kindern gefährdet, holen sie sich professionelle Hilfe und Literatur zum Thema Sekten. Amateurhafte Versuche, die Person umzustimmen, können in ernsten Fällen katastrophale Folgen haben.

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