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Alexander Benesch

Stefan Molyneux ist vor der Kamera meist sehr charismatisch. Er sagt was Leute hören wollen und vor allem auch WIE sie es hören wollen. Mal strahlt er Glückseligkeit aus wenn er spricht, ein andernmal Wut. Das ist, was Leute in den Bann zieht, nicht etwa logische Argumentation. Er selbst meinte:

„Jeder will glücklich sein und wenn sie jemanden sehen der glücklich ist, denken sie: Das will ich auch! Ob sie es wollen oder nicht. Das ist die unwiderstehliche Quelle der Anziehungskraft von FDR [Free Domain Radio]. Ich weiß, dass die Quelle der Anziehungskraft für Menschen Glücklich-Sein ist. Und deshalb bin ich ungebremst scheiß-glücklich gewesen – ehrlich glücklich – von Anfang an. Und ich weiß, dass egal wenn Leute hassen was ich sage, sie trotzdem nicht widerstehen können, zu mir zurückzukommen weil [Glücklich-Sein] das ist was sie wollen.“

Dabei verbirgt sich hinter dem jovialen, immer fröhlichen Mitreißer eine desolate Innenwelt:

„Ich musste viele Dinge hinter mich bringen. Ich meine, sieh her, ich habe 20 beschissene Jahre lang versucht, dass Sachen von mir veröffentlicht werden, niemand interessierte sich für mich in der Hochschule, mein Unternehmen wurde mir entrissen und unter Wert verkauft, ich hatte viel Verbitterung, viele Vertrauensbrüche in der Familie, Gewalt und so weiter. Ich hatte viel Verbitterung.“

Er predigt ein apolitisches Mönchtum und den Rückzug in ein geistiges Bergkloster, während man jene als feindselige Unmenschen porträtiert, die der reinen Lehre von „0% Regierung“ nicht folgen. Wie trickst er seine Zuschauer aus und jubelt ihnen eine unlogische Ideologie unter, die seine Anhänger isoliert und ineffektiv macht? Nehmen wir folgendes Video als Beispiel: „How to deal with a statist“

Sofort zu Beginn wiederholt er seine Anweisung an seine Anhänger, Freundschaften und Bekanntschaften zu kappen mit Leuten, die sich nicht zur Molyneux’schen Lehre bekennen lassen. Diese seelisch grausame Sektiererei sei natürlich keine emotionale Erpressung. Aha. Wer seine Methoden kennt, weiß dass sich diese Anweisung auch auf Geschwister, Eltern und engste Freunde bezieht. Darüberhinaus soll man den Kontakt urplötzlich, ohne Vorwarnung und ohne Rechtfertigungsmöglichkeit abbrechen und seine Telefonnummer wechseln. Sein Trennungsgebot ist von vorneherein Schwachsinn. Jemand Vernünftigen vergraulen, auch noch jemanden der eine familiäre Bindung zu einem selbst hat, jemand der vielleicht konservativer denkt oder sozialistischer, ist ein Rezept für Desaster.


Für Molyneux ist jeder, der nicht zu der winzigen, politisch impotenten Anarchokapitalisten-Sekte zählt, atomatisch ein finsterer Staatsjünger, der

„dein Leben kontrollieren will, dich ins Gefängnis werfen lassen will, nur weil du eine andere Meinung vertrittst als er.“

Sein Beispiel ist der „Krieg gegen die Drogen“ in den USA. Stellen sie sich einen Molyneux-Anhänger vor, der zum Beispiel einen Freund belabert, dass jeder doch das Recht hätte, verantwortungsvoll jede Droge zu konsumieren die er will und man deshalb diesen Krieg gegen die Drogen und überhaupt jede staatliche Einschränkung beenden müsse. Jeder, der nicht von Molyneuxs Lehre überzeugt ist, ist angeblich ein Monster das denkt:

„Ich will dass du ins Gefängnis geworfen wirst, wenn du deinem Gewissen folgst. Wenn du das Richtige tust. Ich will das Männer in blauen Kostümen zu deinem Haus kommen, dir eine Waffe ins Gesicht halten und sagen: Komm mit in unseren fensterlosen Wagen.“

Dabei schreit Molyneux fast, rudert mit den Armen und hat eine dramatische Mimik. Dieses emotionale Theater ist auf dem Niveau eines 16-jährigen Teeanagers der zum ersten Mal die Suchtwirkung einer Ideologie kennengelernt hat und seine Umwelt beklugscheißt.

Der private Drogenmarkt in den USA für Methamphetamin ist zu einer hochgefährlichen Seuche mutiert, die Millionen Abhängige ins Elend gestürzt hat und die indirekt weiteren Millionen anderen Menschen schadet: Den Familienangehörigen, den Opfern der Beschaffungskriminalität, den Krankenhäusern die ständig die Süchtigen vor dem Schlimmsten retten müssen usw.

Natürlich ist das amerikanische Regierungssystem verkommen, allerdings ist es eine dumme manipulative Lüge, dass ohne irgendein staatliches Eingreifen sich die USA flugs in ein Land des verantwortungsvollen Drogengenusses verwandeln würden. Cops wissen, was bei einem unendlichen legalen Angebot billigen Meths in Superqualität passieren würde.

Abhängige von Methamphetamin sind nicht mehr Herr ihrer Selbst und sie ziehen sich und ihr Umfeld mit in den Abgrund. Viele Polizisten in den ländlichen Gegenden der USA erinnern sich an die vergleichsweise ruhige Zeit vor Meth: Es gab ein paar Heroinabhängige die sich zugrunde richteten, es gab die Kokain-Schickeria, es gab die Weed-Raucher. Jetzt herrscht der totale Verfall. Der private Drogenmarkt richtet Millionen zugrunde. Wo die Kleinstadt-Polizisten registrieren, dass der Abschaum plötzlich auf der Bildfläche erscheint um sein Geld zu machen, sind sie verleitet, ihre eigenen Regeln zu brechen.

Natürlich gibt es sinnvolle Kompromisse, wie etwa die Duldung von kleinen Mengen Marihuana bei Erwachsenen. Natürlich gibt es viele Möglichkeiten der Verbesserung der Gesetzeslage.

Wer aber versucht, kompromissbereit auf einen Molyneux-Sektierer zu reagieren, der wird nichtsdestoweniger als ein Feind betrachtet, der arme Marihuana-Raucher in dunkle Kerker sperren lassen möchte. Gerade in der Marihuana-Szene gibt es die Opportunisten, die am liebsten junge Opfer für ihr Produkt wünschen, weil diese eher abhängig werden und ewig zahlende Kunden bleiben. Gerade die Produzenten und Dealer profitieren von der Illegalität, denn nur so bleibt der Preis hoch.

Wer wünscht sich für sein Kind, dass es sich mit 16 die Lunge kaputtraucht und sich konstant selbst belügt und klugscheißerisch auf die Alkoholiker und Zigarettenraucher deutet? Eine Regierung ist stark beschränkt in dem was sie gegen die Drogenepidemie machen kann und was sie machen soll. Es braucht aber den Dialog zwischen allen Menschen die noch klar denken können. Keine Sektierer die dich für Adolf Hitler halten nur weil du denkst, dass die Cops härtere Bandagen anlegen sollten um die Epidemie aufzuhalten.

Sowohl die Drogenszene als auch der Staat sind von Psychopathen und andere Degenerierten dominiert und keine der beiden Seiten verzichtet auf Gewalt. Man muss alle diejenigen respektieren, die das Problem lösen wollen, seien es nun drogenfreie Bürger, mutige Polizeibeamte oder Drogenkonsumenten die noch ihre Tassen im Schrank haben.

Was Molyneux lehrt, ist sich aufzuführen wie ein selbstgerechter, klugscheißerischer, kompromissunfähiger, weltfremder Teenager, der nach selbstverschuldetem Misserfolg wutschnaubend davonläuft und andere Menschen mit einer Kontaktsperre „bestraft“.

Will man mit einer konservativeren Person über das Thema Drogen sprechen, ist es anzuraten, sich zu Beginn zu einem Teil auf dessen Seite zu stellen und zu demonstrieren, dass man diese Person versteht, dass aber dringend Handlungsbedarf existiert da in der jetzigen Situation die gerade auch die konservativen Politiker das Problem verschlimmern und den konservativen Way of Life gefährden.

Laut Molyneux sollen wir alle lange genug dieses Mönchtum praktizieren, die Regierung „wegerziehen“ und hoffen. Die Freiheit kann sich nicht, wie manche Libertärmönche es phantasieren, hundert oder tausend Jahre Zeit lassen. In 15 bis 20 Jahren kann Freiheit durch den technischen Fortschritt  für immer unmöglich gemacht werden.

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