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FOTO: INSTAGRAM.COM/POLDI_OFFICIAL

Ein Kommentar von Alexander Benesch

Podolski und und Özil posten ein Foto auf Instagram mit Sicherheitskräften – und die deutschen Spießer im Netz nennen dies „unsensibel“, „peinlich“ und „abgestumpft“.

Was gibt es zu Brasilien zu sagen?

Die blonde Freundin einer Freundin meiner Frau war in den 90ern beim Karneval in Rio und wurde von Entführern auf der Straße von ihrem Freund regelrecht weggerissen und sie ward nie mehr gesehen. In anderen südamerikanischen Ländern konnte man in den 70er Jahren sein Auto unabgeschlossen stehenlassen. Jeder wusste: Brasilien ist die Hölle.

Die Kriminalitätsrate liegt über dem weltweiten Durchschnitt. So starben gemäß einer Statistik von 2010 mindestens 35.233 Menschen durch Mord oder Totschlag. Dies entspricht einer Zahl von über 96 Tötungsdelikten pro Tag. Die Polizei hat vor allem in den Städten mit Morden, Entführungen, Raubüberfällen und organisierten Drogen- und Kriminellensyndikaten (wie etwa das Comando Vermelho in Rio de Janeiro und das Primeiro Comando da Capital in São Paulo) zu kämpfen. Das Polizistengehalt ist niedrig, deswegen gilt die Polizei als besonders korruptionsanfällig. Es ereignen sich zudem zahlreiche Fälle, in denen Polizeiangehörigen Machtmissbrauch bis hin zu Erpressung und Mord vorgeworfen wird. Auch innerhalb der Justiz ist Korruption weit verbreitet. Gefängnisaufstände in den überfüllten Haftanstalten sind keine Seltenheit. Das Leben der Kleinbauern und Indios auf dem Land ist durch Konflikte mit Großgrundbesitzern und Unternehmen gefährdet, die nach Rohstoffen suchen.

Um die hohe Zahl an Gewaltopfern zu verringern, wurde im Januar 2004 ein Gesetz vorgeschlagen, das den privaten Waffenbesitz verbieten sollte. Dieser Gesetzesvorschlag ist 2005 per Volksreferendum abgelehnt und deshalb ausgesetzt worden. Als einer der Gründe dafür wurde mangelndes Vertrauen in die Polizei genannt.

Laut einem Bericht der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC, seine Abkürzung auf Englisch) vom 7. Oktober 2011 lag die Mordrate bei 22,7 Delikten pro 100.000 Einwohner. Sao Paulo wird im Bericht als vorbildlich bei der Bekämpfung von Gewalt angeführt. Prävention, Projekte und Maßnahmen der Repression gegen kriminelle Organisationen waren demnach die Hauptursachen. Touristen sollten zudem bestimmte Bezirke in den Großstädten meiden.

In Rio ist es in den letzten Jahren gelungen, einige Favelas im Innenstadtbereich durch zusätzliche Polizeieinheiten deutlich sicherer zu machen. Dennoch kam es in jüngster Zeit wiederholt zu Schießereien. Auch die bei Touristen beliebten Favelas Santa Marta und Vidigal sollten nur in Begleitung Ortskundiger besucht werden.

Was lernen wir daraus?

Sozialismus funktioniert nicht und es nützt nix, über die taktische Community im Netz herzuziehen. Auf dem Land in Brasilien dauert es ewig, bis die Polizei nach einem Notruf auftaucht, wenn sie überhaupt auftaucht. Also kann man sich die gehirnamputierten Vorstellungen deutscher Bildungs- und Kulturopfer getrost schenken, die meinen man müsse doch nur dort alle Waffen „einfach verbieten“ und mehr Sozialismus fördern.

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