Barroso-640

Ein Kommentar von Alexander Benesch

Barrosos Zeit als EU-Komissionspräsident neigt sich Gott sei Dank dem Ende zu. Seine gesamte Karriere war geprägt von Skandalen:

Er mauserte sich vom studentischen Radikalen und Mao-Anhänger zu einem führenden sozialdemokratischen Politiker in Portugal und es gelang ihm, zu der elitären Bilderberg-Konferenz eingeladen zu werden. Dem Sprung in die Oberliga stand allerdings noch eine Sache im Weg: Seinem Partei-Vize wurde vorgeworfen, in den Casa Pia Kindesmissbrauchsskandal verwickelt zu sein.

Portugal gehörte lange zu den Mekkas für Kinderschänder: Erst in den 1990er Jahren definierten die Gesetze Sex mit Minderjährigen unter 14 Jahren als Verbrechen, das mit Haftstrafen geahndet wird. Pädophile in einflussreichen Positionen konnten in diesem Klima weitestgehend ungestört ihr Netzwerk aufziehen und effektiv gegen Ermittlungen abschirmen. Man hatte sich eine bequeme, menschenverachtende Infrastruktur eingerichtet mitsamt einer kompletten Verwertungskette; ein stetiger Nachschub an Heimkindern und Straßenkindern, Verkehrsrouten zu mehreren noblen Etablissements und selbstverständlich ein System der Anwerbung, Hintergrundprüfung und zweifellos auch Erpressung von neuen Mitgliedern.

Paulo Pedroso, der von mehreren Zeugen beschuldigt, aber letztendlich nicht verurteilt wurde, war Parlamentsabgeordneter und Nummer zwei in der sozialistischen Oppositionspartei Portugals. Er forderte 600.000€ Kompensation vom Staat wegen der Schädigung seiner Karriere. Auch Eduardo Ferro Rodrigues von den Sozialisten wurde laut der Zeitung Expresso von Zeugen belastet. Später wurde er Abgesandter für die OECD.

Dank einer Bombendrohung am 17. Mai 2003 musste der damalige Premierminister José Manuel Barroso bei einer öffentlichen Veranstaltung im Anschluss an den WTTC-Tourismus-Gipfel am Casino Vilamoura nicht erklären, weshalb er die Abschlusszeremonie des Gipfels geschwänzt hatte um einen Abstecher nach Paris zu machen; Ziel war die Konferenz der elitären Bilderberg-Organisation im Pariser Trianon Hotel vom 15. bis 18. Mai. Ein Investigativreporter hatte für The Portugal News eine Liste der Teilnehmer organisiert und es stellte sich heraus, dass Barroso den früheren Premierminister Francisco Balsem sowie Eduardo Ferro Rodrigues im Schlepptau hatte, den Anführer der Sozialistenpartei. Der Pressesprecher von Rodrigues bestätgte die Teilnahme an Bilderberg. Zu dem Zeitpunkt war die Nummer zwei in der Partei, Paulo Pedroso, bereits verhaftet und die Presse mutmaßte davon, wieviel die Nummer eins wann wusste.

Barroso wurde im Folgejahr für den Posten des EU-Komissionspräsidenten nominiert und bestätigt. Weitere Teilnehmer der Konferenz waren Weltbankpräsident James Wolfensohn, David Rockefeller und der ehemalige französische Präsident und Kofürst von Andorra Valery Giscard d Estaing, später beauftragt mit der Erstellung der EU-Verfassung.

Es wurden nach einem beispiellos langwierigen und zähen Prozess sechs Urteile verkündet, alle lauten auf schuldig. Unter den Verurteilten befinden sich eine der erfolgreichsten Fernsehpersönlichkeiten des Landes, ein hoher Politiker und ein ehemaliger Botschafter. Die Haftstrafen reichen von unter sechs Jahren bis hin zu 18 Jahren. Das Zentrum des Netzwerks war Casa Pia, ein schmuckloses Gebäude in Lissabon und Heim für Kinder ohne Eltern und Kinder aus armen Verhältnissen. Bereits vor 20 Jahren erblickte man die Spitze des Eisbergs, nur um kurz darauf auf eine Mauer des Schweigens und der Vertuschung zu stoßen. Ein Heimkind war anscheinend vor einen Zug gelaufen nachdem es vor einem Auto geflohen war. Beamte stellten fest, dass die Türen des Heims nachts offen waren und man fand Heimkinder in einer üblen Gegend, wo männliche Prostituierte ihre Dienste anbeiten. Vier Kinder zwischen acht und zwölf Jahren, die eine Nacht nicht im Heim anzufinden waren, wurden in einer luxuriösen Wohnung in der unmittelbaren Nähe in Cascais angetroffen, die einem Diplomaten gehörte. Die Kinder gaben an, dass der Fahrer von Casa Pia Mr. Carlos Silvino sie dorthin gebracht hatte. Teresa Costa Macedo, die damalige Ministerin für Familienangelegenheiten, ordnete Ermittlungen an, die allerdings verschleppt und irgendwann eingestellt wurden. Mr. Silvino wurde von Casa Pia suspendiert, in den 90er Jahren dann wieder in seinen bezahlten Posten dort zurückgeholt.

Rosa Ruela von der Organisation Visao sagte:

“Waisenkinder galten zu der Zeit als wertlos in der portugiesischen Gesellschaft. Kindesmissbrauch war ein geringfügiges Delikt, vergleichbar mit Vergnügungsfahrten. Die Kinder waren verängstigt und alleine, ein leichtes Ziel. Keiner kümmerte sich um das was sie sagten.”

Der Prozess zog sich die letzten sechs Jahre hin und offenbarte das erschütternde Gerichtssystem in Portugal. Die neue Direktorin von Casa Pia namens Catalina Pestana sagte, dass Ärzte bei über 100 der Kindern, die meisten zwischen 10 und 13 Jahre alt, schwere physische Verletzungen auf Grund extremen Missbrauchs gefunden hätten.

 

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9 comments

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M 12. Mai 2014 at 14:22

Sorry, die Frage als solche ist Interessant und eine welche mich auch beschäftigt. Der Fall Casa Pia ist Interessant und Aufschlussreich. Hier wird aber wirklich alles komplett durcheinander gebracht und falsch interpretiert.

1. Der ehemalige Premier heisst nicht Francisco Balsem sondern Francisco Pinto Balsemão und ist Inhaber von SIC des wichtigsten Medien-Imperiums in Portugal und weiter Vorsitzender des European Publishers Council. Pinto Balsemão ist die grosse Nummer in Portugal und eine der grossen Nummern in Europa.

2. Pinto Balsemão ist Mitglied im Steering Committe der Bilderberg-Gruppe. Durao Barroso war im Schlepptau von Balsemão und nicht umgekehrt.

3. Sind Pinto Balsemão Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Portugals und nicht der Sozialisten. Das sind zwei verschiedene Parteien. Die Sozialdemokraten werden in Portugal als konservativ angesehen. Wobei ich dies schon stark relativiert sehen würde.

4. Es gibt neben den Sozialdemokraten, auch die Sozialisten, die Kommunisten und die Grünen. Die Kommunisten und die Grünen sind im Bloco de Esquerda als Parteienbündnis zusammen geschlossen. Daneben noch die Partido Popular, welche mir als solches am ehesten liegen würde.

5. Pinto Balsemão ist deFacto der Chef der Sozialdemokraten. Keiner aus der Partei wird etwas, wenn der Weg nicht über Balsemão führt. Er hat die Kontrolle. Und Barroso verdankt seine Karriere Balsemão. Barroso wurde in Portugal ebenfalls Premier mit der Hilfe von Balsemão.

6. Vor allem Mitglieder der Sozialisten werden mit Casa Pia assoziiert. Dies weil diese nicht so einfach von Balsemão kontrolliert werden können und etwas auf dem Kerbholz haben müssen, wodurch sie erpressbar werden. Dann wird auf SIC gut über sie berichtet.

7. Egal von welcher Partei, die Politiker in Portugal sind mit Vorsicht zu geniessen. Der Staatspräsident Cavaco Silva hat eine faschistische Vergangenheit und der gegenwärtige Premier ist ein Ex-Junkie aus gutem Haus, welcher es in seinem Leben zu nichts gebracht hat.

Mit Paulo Portas liberal-konservativer der Partido Popular muss ich mich noch auseinandersetzen.

Portugal hat das grosse Problem, das man politisch gesehen die Wahl zwischen Cola, Cola Light und Cola Zero hat. Ich will Barroso keineswegs in Schutz nehmen. Aber dieser Artikel ist einfach inhaltlich falsch.

Wie soll man diese Recherche ernst nehmen, wenn nicht einmal der Name der wichtigsten im Artikel erwähnten Person richtig geschrieben ist und seine herausragende Position nicht verstanden wird? Barroso ist nichts weiter als der Darsteller. Balsemão ist der Puppet-Master.

Für mich ist die Qualität dieses Artikels auf recentr leider die Regel und nicht die Ausnahme.

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Skandal 9. Mai 2014 at 18:47

Hat der Fall Maddie was damit zu tun? Es gehen Gerüchte rum, dass B. und andere damit zu tun haben. Es sollen bereits viele wissen.

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Melanie G. 9. Mai 2014 at 18:19

So pervers sind also unsere sog. Eliten, Politiker und sonstige hochrangige Persönlichkeiten.
Alles triebgesteuerte, skrupelose Typen, die der Genussucht fröhnen und alle hilflosen Jugendlichen für ihre Sexspielchen benützen.
Was für ein Abschaum der Menscheit.
Dass sowas von Behörden auch noch nach Kräften vertuscht wird, das ist unfassbar.
Die gehören alle hinter Gitter, ebenso die Hehler, die das ermöglichen, also Beihilfe leisten.

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Daniel 10. Mai 2014 at 14:54

Deswegen diese Dinge unbedingt verbreiten und aufklären, das keiner mehr den Mist der uns vorgesetzt wird einfach abnickt. Und bloß nicht vor Schreck erstarren.

Wir sind der Souverain.
Dass uns gewisse üble Kreise an der Ausübung unseres Rechtes hindern, darf uns nicht in dem Bewusstsein beirren das es unsere Pflicht ist in unserem Ganzen tun und sein dem entgegenzuwirken.

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CPW 9. Mai 2014 at 17:31

Barossos Zeit ist vorbe, doch es wird nichts besseres nachkommen…

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christ 9. Mai 2014 at 17:13

Ich hab in letzter Zeit immer nen trockenen Hals,weil
ich den Unterkiefer nicht mehr nach oben
bekomme ;bei dem was man so liest.
Sobald man im Internet nur ein klein wenig nachforscht
türmen sich sehr schnell massive Zweifel an den
offiziellen Ermittlungsergebnissen derartiger
Verbrechen auf.
Und zwar bis zum Saturn.
Politik und Jusitz scheinen involviert sowie
prädestiniert diese Schandtaten zu decken und
sind nur der erste Schutzwall für ein riesiges
aus dem dunklen agierendes Netzwerk
von Feiglingen,Mördern und Kinderschändern.

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abgelehnt83 9. Mai 2014 at 14:47

Too big to fail!

http://www.pb.dietmarnaeher.de/wieder-was-geraucht/
(lest euch diesen weltfremden, Tatsachen verdrehenden Müll nur mal durch, das Produkt einer feigen Gesellschaftsordnung)
Aber es sind nicht nur die geisteskranken LiLis, auch die Normalos; Marc Dutroux, Sachsensumpf…?! War da was
Jetzt werden manche sagen: Aber immerhin die eigenen Kinder? Ach, die verkaufen sie doch auch!

Eine gestörte Welt des Selbsthasses und der Narzissten.

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Nudnik 9. Mai 2014 at 12:43

Was mich interessieren würde, ab wann wurde Brüssel zum EU Hauptsitz und wann wurden in Belgien die Kindesmißbrauchsfälle und Kindermorde mit diesem Dutroix ( ich hoffe, ich hab den Namen richtig geschrieben) öffentlich?? In diesem Zusammenhang fällt mir auch das kleine englische Mädchen Madie…? ein, die aus einer Ferienwohnung in Spanien entführt wurde und dann später wohl noch mal in Portugal gesehen wurde Und ich frage mich, was für pervertierte Aliens reGIERen uns eigentlich???

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Manu 9. Mai 2014 at 23:21

Marc Dutroux und die toten Zeugen, ZDF Doku:
http://www.youtube.com/watch?v=sAYOBX7B1Hk

Lief irgendwann gegen Mitternacht im ZDF. 27 wichtige Zeugen innerhalb eines Jahres gestorben. Leider wird hierzulande in den Mainstream-Medien kaum darüber berichtet was in Belgien bis heute diesbezüglich abgeht. Jeder der sich für Aufklärung dort einsetzt wird diffamiert.

Wo sich in solchen Fällen die Täter befinden kann man eigentlich seriös und wissenschaftlich sauber nachvollziehen. So einfach wie malen nach Zahlen. Doch solange das Establishment kein Interesse daran hat sich selbst auszuliefern wird dies nicht geschehen.

Dieses verhurte System ist leider so ausgerichtet, dass man bestimmte Charaktereigenschaften an den Tag legen muß, welche einem geistig gesunden Menschen abgehen um ganz oben mitzuspielen. Das ist unser momentanes Polylemma.

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