Politik

Brite Nigel Farage (UKIP) übertrumpft Pro-EU-Sozialdemokraten Nick Clegg in TV-Debatte

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Alexander Benesch

Es ist bereits die zweite Niederlage für den britischen Sozialdemokraten Nick Clegg in einer TV-Debatte und dieses mal ist sie noch deutlicher ausgefallen als die letzte. Etwa zwei Drittel in Umfragen hielten den EU-kritischen Liberalkonservativen Nigel Farage von der Partei UKIP für den Sieger.

Gegen seinen Kontrahenten blieb Clegg erneut farblos, wenngleich auch deutlich aggressiver als beim letzten Mal. Bei dem Thema EU könnten die beiden kaum weiter voneinander entfernt stehen und es entbrannte ein Streit um die Frage, wieviel Kontrolle Großbritannien innerhalb der Union verliert. Farage will die EU so schnell wie möglich verlassen:

“Indem sie behaupten, dass nur 7% unserer Gesetze in Brüssel gemacht werden, belügen sie wissentlich das britische Volk über das Ausmaß, in dem wir die Kontrolle über unser Land und unsere Demokratie weggegeben haben.”

Für Farage bestimme Brüssel bereits 75% der Legislatur in Großbritannien. Die EU-Komission ist eine sehr kleine Gruppe von Bürokraten die enorm umfangreiche Gesetze ausarbeiten lässt, die dann von den nationalen Parlamenten der einzelnen Mitgliedsländer bis zu einem bestimmten Datum umgesetzt werden müssen. Kommt diese Legislatur in einem nationalen Parlament nicht zustande, drohen hohe Geldstrafen und Sanktionen. Solche nationalen Gesetze sind letztendlich doch von Brüssel diktiert. Cleggs Angabe von 7% ist schlicht eine irreführende Schönrechnung.

Farage zeigte einen alten Werbezettel von Clegg, auf dem ein EU-Referendum in Großbritannien gefordert wird. In der ersten Debatte verwies Clegg noch auf “das Kleingedruckte”. Keine der etablierten Parteien außer der UKIP würde es heute inmitten der Eurokrise wagen, ein Referendum zu befürworten. Für Farage ist klar, dass heute bei einem Referendum nur wenige für einen Beitritt stimmen würden.

Ein weiterer großer Streitpunkt in der Debatte war das Thema Zuwanderung. Laut Farage hätten nun wegen der Freizügigkeit theoretisch 485 Millionen Menschen in der EU das Recht, ungehindert nach Großbritannien einzuwandern. MigrationWatch schätzte allein 130.000 Migranten pro Jahr. Solche Befürchtungen sind für Clegg lediglich “Panikmache”. Die britische Presse ist voll von Berichten über akute Wohnungsnot; die Behörden fliegen inzwischen Orte mit Helikoptern und Wärmebildkameras ab. Unzählige Gartenhäuschen werden inzwischen illegal vermietet.

Clegg attackierte Farage auch wegen dessen Kommentaren über den Syrien-Konflikt. Der UKIP-Vositzende hatte seine Haltung zum Ausdruck gebracht, dass nicht überzeugend geklärt worden sei, wer in Syrien Giftgas eingesetzt hatte. Die Verhinderung eines Kriegseintritts westlicher Kräfte durch die Intervenierung Russlands wertete er als positiv. In einem separaten Interview stellte Farage allerdings klar, dass er den russischen Präsidenten Putin generell politisch nicht unterstütze und stellte die rhetorische Frage, wieviele Reporter denn gerade dort im Gefängnis säßen. Weiterhin stellte er klar, dass er Putin nicht als Mensch leiden könne und er nicht in Russland leben würde.

Farage äußerte sich negativ über den Expansionsdrang der EU und die Verwicklung Großbritanniens in weit entfernte militärische Konflikte.

Es wird erwartet, dass die UKIP das stärkste britische Ergebnis bei den Europawahlen einfahren wird. Bei dem darauffolgenden Wahlkampf um Plätze im britischen Parlament wird es jedoch weitaus schwieriger.

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9 comments

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Info 6. April 2014 at 19:40

Clegg ist KEIn Sozialdemokrat, er ist Vorzitzender der Liberal-Demokraten!

Die Torys und Labour wollten nicht mit Farage vor die Kamera, da sie u.a. genau das befürchteten was eintrat (Umfrage)

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Toxi1965 4. April 2014 at 20:14

Ich glaube das Farage gerne noch andere Sachen vom Stapel lassen würde wenn nicht den durchschnitts-Bürger überfordern würde. Alos beschränkt man sich auf das offensichtliche und den kleinsten Nenner .

Stellt euch nur vor was passieren würde wenn Farage sagen würde das Banken immer beide Seiten finanzieren . Was Geld angeht und ihre Regeln und Gesetze sind sich komischerweise alle Konfliktparteien einig .

Aber ich sehe schon wie so macher Linker jetzt schreibt . Gar nicht wahr , der böse Westen zahlt in Dollar und der gute Putin in Rubel 😀 😀 ….so ein blöder Spruch erwarte ich dann von so ein KenFm ( sorry, den hab ich sowas von gefressen …was für ein verlogenes A…l … )

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Agent Orange 4. April 2014 at 20:24

ja genau, der Farage is der Held. Allllerdings isser auch nur ein verkleideter Sozi … :mrgreen:

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Toxi1965 4. April 2014 at 22:25

@Agent Orange

Der Begriff Sozial ist verbrannt ….grübel
Bei machen hab ich den eindruck wenn ich für eine alten Dame im Bus meinen Platz anbiete das ich dann als ” scheiss Sozialist ” beschimpft werde 😉

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Irmtraud 4. April 2014 at 19:28

Farage wertet die EU/NATO Expansion in Richtung Ukraine aber als einen sehr provokativen Akt für Präsident Putin. Er möchte nicht ein Teil der expansionistischen EU Bestrebungen sein, die eine Gefahr für den Frieden darstellen.

Hat Farage etwa auch Frostschutzmittel gesoffen, oder warum verurteilt er hier nicht einfach den schlimmen Putin? Behauptet doch der gute Nigel auch noch, in der Ukraine sei ein demokratisch gewählter Präsident gestürzt worden. Aber er untersützt ja Putin politsich nicht generell. Das muss dann schon erwähnt sein, auch wenn es mit seinem Auftritt nichts zu tun hat.

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Killuminati 5. April 2014 at 10:18

Was ist denn mit dir los?? Suchst du immer ein Haar in der Suppe oder was?
Warum muss man denn immer Putin oder irgendwen verurteilen, in der sendung ging es doch nicht um Russland sondern um Großbritannien und deren Rolle in der Eu und umgekehrt. Was hat dein vorbild jetzt mit Großbritannien zu tun, dass man ihn da jetzt mit reinziehen muss??

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RegionalPatriot 4. April 2014 at 11:15

das mag sein aber er ist schon ne ganze weile seiner linie treu geblieben ! und ausserdem die hoffnung stirbt zuletzt !
ob er irgendwann mal bei alex in der sendung dabei sein wird ? er hat ja schon einige interviews mit unbekannten leuten gemacht also dürfte es doch nicht so schwierig für alex sein ihn mal mit rein zu packen in die sendung , alex ist schliesslich nicht irgend jemand ´schleim`

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KPAX 4. April 2014 at 11:02

Vorsicht :
Nicht wenige,eigentlich alle,die hier einstmals bejubelt wurden,werden hier nichtmal mehr mit der Kneifzange angepackt. ,-)

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RegionalPatriot 4. April 2014 at 10:08

ich finde farage klasse und ich hoffe das es endlich ein paar deutsche dorthin schaffen um ihn zu unterstüzen !!!

p.s. Martin Schulz R.I.P.

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