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Foto: www.kremlin.ru

Kim Zigfeld/Recentr

Nicht eine, sondern gleich zwei amerikanische Moderatorinnen bei dem Sender Russia Today kündigten live auf Sendung, um gegen die Ansprüche Russlands auf die Ukraine zu protestieren. Nach den Kündigungen von Liz Wahl und Abby Martin veröffentlichte die leitende Redakteurin von RT, Margarita Simonyan, einen Post auf ihrem Live Journal blog in dem sie verlautbarte:

„Gestern verbrachte ich so einige Zeit damit, dem Korrespondenten der New York Times zu erklären, warum ich Russlands Position für richtig halte. Ich bin Russin. Ich unterstütze mein Land und ich werde solange wie nötig für die Wahrheit kämpfen.“

Simonyan sagte zur NYT, dass Abby Martins Kommentare „nicht zu unseren redaktionellen Richtlinien passen“ und „Wir haben nie ein Geheimnis aus der Tatsache gemacht, dass wir Russlands Position reflektieren“.

RT machte sich beispielsweise mit einer erfundenen Story lächerlich über eine angebliche Flüchtlingswelle von Ukrainern, die sich nach Russland flüchten würden. Solche Berichte unterscheiden sich nicht mehr von der Rhetorik Putins. Beobachter pochen auf Gesetze laut denen RT im Ausland ständig darauf hinweisen müsse, dass man die Haltung einer ausländischen Regierung vertritt.

Bei RT bekommen auch Deutsche eine Plattform um über die Ukraine zu kommentieren, wie etwa Manuel Ochsenreiter, der auch radikalste Eurasien-Fantasten wie Aleksanr Dugin interviewt. Dugin will Elemente des Stalinismus und des Faschismus verbinden um ein europäisch-russisches Großreich zu schaffen.

Alle russischen Medien mit einer neutraleren Haltung werden schnell belagert. Der Nachrichtenservice RIA Novosti befindet sich nun in den letzten Zügen der Liquidierung, weil dort laut dem Kremlin zuviel ernstzunehmender Journalismus praktiziert wurde.

Russland erklärt, dass Amerika nicht fair genug über Russland berichte und reagiert mit einem Sender der ständig negativ über Amerika berichtet. Nach BBC News ist RT in den Vereinigten Staaten inzwischen der populärste ausländische Nachrichtensender und konnte seine dortige Zuschauerbasis innerhalb eines Jahres verdoppeln. Bereits mehrfach wechselten bekannte Persönlichkeiten des Journalismus zu Russia Today. Zuletzt 2013 kündigte RT an, dass Larry King, eine Ikone des US-Journalismus bald mit einer Show auf RT beginne.

1995 gab es mit 150 unabhängigen Radio- und Fernsehunternehmen, über 10.000 Zeitungen sowie ausländischen Sendern eine vergleichsweise bunte Medienlandschaft in Russland. Seit Juni 2003 gibt es kein unabhänges landesweites TV-Netzwerk mehr. Alle Netzwerke werden direkt oder indirekt von der Regierung kontrolliert und Journalisten praktizieren Selbszensur aus Angst vor Repressalien. Manche mutige Stimmen wurden zum Schweigen gebracht, eine lange Liste von Leuten werden überhaupt nicht mehr auf Sendung gelassen.

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